La vita è bella

Italien überrascht mich immer wieder auf’s Neue. Nun war ich schon so oft hier und hab einige Regionen gesehen – aber selbst in Regionen, in denen ich schon war, gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Eigentlich wollte ich alle paar Tage einen Blog-Eintrag schreiben, erzählen von den Erlebnissen, aber ich war zu sehr damit beschäftigt, die Eindrücke einzuordnen und zu verarbeiten, als dass ich Schreiben hätte können. Nun geht es auf das Urlaubsende zu, Samstag geht es heim nach München. Ich bin in Verona, sitze an meinem „Magical Place“ Corte San Mattia, wie ihn Greena aus Milano, die ich hier letztes Jahr kennengelernt habe, bezeichnet hat, und komme langsam runter von den letzten 10 Tagen.

What a View

Die Reise geht jetzt letztendlich in etwa da zu Ende, wo sie begonnen hat, nur eine andere Unterkunft. Marcellise bei Verona war der Ausgangspunkt der Reise, es ging weiter über die nördliche Toskana in San Baronto (grob zwischen Florenz und Lukka), dann runter in die Maremma, weiter ins Landesinnere nach San Feliciano an den Lago Trasimeno und nun wieder Verona. Wieviele Kilomenter das waren … ich weiß es nicht … aber jeder davon war es Wert. Pitigliano, Fiesole, die kleinen Örtchen am Lago Trasimeno, die Wildschweinchen … es gibt wirklich einiges zu berichten.

Die Hitzewelle im August hat sich in der Toskana durchaus bemerkbar gemacht

Nachhaltig beeindruckt hat mich Assisi. Die Stadt hat mich wirklich sehr unerwartet gepackt und in den Bann gezogen. Ein so geschichtsträchtiger Ort und ich hatte das Gefühl, dass die Menschen dort das auch alle respektiert und geachtet haben … wenn man so da sitzt, vor der Tomba di San Francesco, die Leute beobachtet und sich etwas Zeit nimmt, merkt man, wie besonders der Ort wirklich ist. Das hat auch gar nichts damit zu tun, wie religiös man ist, es ist einfach besonders.

Assisi im Rückspiegel

Wunderschön war der Ausblick vom Monte Argentario über das Tyrrhenische Meer, hier gibt es einen Panoramaweg, der um die ganze Insel führt. Ich empfehle aber nun aus eigener Erfahrung, ab dem Schotterweg dringend wieder umzukehren oder die Tour mit einem E-Bike zu machen 😉

Blick vom Monte Argentario

Neben Assisi, was wie eine Filmkulisse wirkt, sind übrigens tatsächliche Filmkulissen z.B. Talamone, Arezzo und Siena. In Another Way to die – der James Bond Film von 2008 – spielte eine kurze Eröffnungssequenz in Talamone. Arezzo war der Drehort für La vita è bella, das Oscar-prämierte Meisterwerk von Roberto Benigni (was ich übrigens bis heute nie gesehen habe). Siena kommt in Twighlight – New Moon vor. Ja, mein Cineasten-Dasein kommt hier etwas durch. Mit Sicherheit wurde auch schon irgendwas in Assisi gedreht. Das werde ich noch herausfinden 🙂

Talamone

Aber nun zu meiner – inzwischen – Lieblingsbeschäftigung in Italien – dem Wine Tasting. Das hab ich nun nicht nur im Valpolicella-Gebiet gemacht, sondern auch noch die Gebiete des Chianti und Soave mitgenommen. Und sogar erweitert: diesmal habe ich auch ein Balsamico Tasting gemacht, selbstverständlich bei Modena. Das war so interessant, weil es so anders war, als beim Wein. Aber davon erzähle ich noch mehr. Und ich muss heute noch dringend das Olivenöl Tasting für Freitag buchen.

Gestern hatte ich ein Wine Tasting hier in San Mattia. Da ein Pärchen aus den USA mit dabei war hat es sich ergeben, dass wir neben dem Wein viel über Reisen gesprochen haben und Andrea meinte, er wäre auch schon viel unterwegs gewesen, hat dann teilweise ein halbes Jahr in Mexiko und ein halbes Jahr in Italien gelebt (was auf Dauer dann etwas anstrengend war, sich alle halbe Jahre eine neue Wohnung zu suchen) und am Ende ist er doch zurück in seine Heimat gegangen. Eben weil Italien soviel zu bieten hat, du fährst 20 km oder 50 km weiter und es ist ganz anders.

Bei den Wein Tastings ist mir aufgefallen, dass hier im Norden zu den Weingütern oft alte Villen gehören, in der Toskana dagegen z.B. sind es eher die Burgen. Andrea meinte, ja, das stimmt – während Frankreich und Deutschland dabei waren, die Industrialisierung voranzutreiben, waren sie hier im Norden von Italien damit beschäftigt, sich gegenseitig mit den schönsten Gebäuden und Zeichnungen, sprich, der Kunst zu übertrumpfen – und weiter unten hat Siena gegen Florenz Krieg geführt und dazu haben sie die Burgen gebraucht.

Es ist mit ein Grund, warum ich so gern die Tastings mache – man lernt Geschichte und kann dazu Wein trinken, optimaler könnte es quasi gar nicht sein.

Und gestern nach dem Tasting, was gegen 17 Uhr zu Ende war, hatte ich mit Jack & Ally noch einen so netten Abend. Wir saßen noch Stunden hier in San Mattia zusammen, mit Blick über die Stadt und wie sie langsam in die Nacht übergeht und die Lichter sie erleuchtet. Mit einem Gläschen Wein in der Hand. Manchmal auch Zwei. La vita è bella.

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