Von den Münchnern meist Gärtnerplatztheater genannt, heißt es doch richtigerweise Staatstheater am Gärtnerplatz und ist die zweite große Bühne der Stadt. Der Platz ist benannt nach Friedrich von Gärtner, neben Leo von Klenze der bedeutendste Architekt seiner Zeit in München. Erbaut wurde das Theater allerdings nach den Plänen des Architekten Franz Michael Reiffenstuel.
Seit 1899 wird das Haus offiziell als Operettentheater geführt, während im Nationaltheater am Max-Joseph-Platz überwiegend Opern gespielt werden. Ein Haus der leichten Muse sollte es von Anfang an sein. „Dem Volk zur Lust und zum Gedeihen“ war schon der Zimmermannsspruch zum Richtfest 1865.
Am 4. November 1865 wurde das Actien-Volkstheater eröffnet. Zum damaligen Programm gehörte auch ein Teil von Jacques Offenbachs Salon Pitzelberger – Namensgeber der heutigen Pianobar im Kellergewölbe des Theaters links vom Eingang.
Nach der Eröffnung fiel das Theater immer wieder in finanzielle Krisen und musste zeitweise mehrmals schließen – bis es am Ende über die Hintertür dem Hause Wittelsbach zufiel und sich durch königlich bayerisches Zutun von der Krise erholte. Es war immerhin auch König Ludwig II, der die Erlaubnis zum Bau des Theaters erteilte, als eine seiner ersten Amtshandlungen … was wäre Bayern wohl ohne die Hinterlassenschaften von unserem Kini? Um einige Schätze und Touristenattraktionen ärmer… aber das ist ein anderes Thema.
Über die Jahrzehnte standen und stehen bis heute große Namen auf dieser Bühne. Jonas Kaufmann sammelte hier seine ersten Bühnenerfahrungen im Extrachor des Theaters und war während seines Studiums zum Opern- und Konzertsänger in kleineren Rollen zu sehen, lange bevor er zu einem der wohl erfolgreichsten Tenöre unserer Zeit wurde. Daniel Prohaska und Jutta Speidel gehören heute zu den bekannten Gesichtern des Hauses und sind dort immer wieder zu Gast.
Auf der Bühne stand in den 1930er Jahren u.a. auch Magda Schneider, ihrer Meinung nach etwas unterbezahlt, für ihre fast 50 Auftritte pro Monat. Immerhin war sie die Mutter von Romy Schneider – und um hier den Kreis zu den Wittelsbachern wieder zu schließen: Romy wurde als Kaiserin Sissi zur wohl berühmtesten Wittelsbacherin, die eigentlich nie eine war.
Zum Team gehören ca. 600 festangestellte Mitarbeiter, etwa 50 Ensemblemitglieder, plus alle anderen vor und hinter der Bühne, die dazu beitragen, dass man einen schönen Abend im Theater verbringen darf. Dazu gehören neben den Bühnenbildnern genauso eine Schusterei und eine Näherei, wie auch die Verwaltung – es muss ja auch jemand Marketing machen und sich um Personalangelegenheiten kümmern. Letztendlich wie beim Film. Nur wechselt dieser täglich.
Das Gärtnerplatztheater ist ein Repertoiretheater, was heißt, dass über mehrere Jahre (oder sogar Jahrzehnte) die gleichen Stücke immer wieder zurück auf die Bühne kehren. Bühnenbilder werden über mehrere Jahrzehnte genutzt und Kostüme angepasst. In Europa vergleichbar mit der Wiener Volksoper, der Komischen Oper Berlin und der Dresdner Staatsoperette. Mit den Tickets muss man auch schnell sein, die Vorstellungen sind meistens komplett ausverkauft.
Ob nun das Ballett, das Orchester oder der Chor – alle haben ihren eigenen Proberaum. Nur die Darsteller sind von Anfang an auf der Bühne. Die Probezeit für ein Stück beträgt in etwa zwei Wochen und muss mit dem täglichen Live-Programm gut abgestimmt werden. Eine perfekte Logistik steckt hinter dem Ganzen.
Die rein physische Größe des Theaters wird einem auch erst wirklich bewusst, wenn man dort durch die Gänge geführt wird. Man nimmt von vorne immer nur den schönen und imposanten Eingang wahr, der den Gärtnerplatz prägt, aber das Theater zieht sich in Wirklichkeit physisch sehr in die Länge, entlang eines großen Teils der Klenze- und Reichenbachstraße.
Auf dem Giebel des Theaters findet man eine Figur der griechischen Muse Thalia, die als Beschützerin der Theaterkünste gilt. Man weiß über Thalia nur, dass sie vor 1869 dort angebracht wurde. Sie wacht also seit mehr als 150 Jahren über das Theater und hat dort schon viele Zuschauer ein- und ausgehen sehen.
Und hinter der schönen Fassade sind hunderte Menschen damit beschäftigt, unzählige Handgriffe zu erledigen, alte Bühnenbilder zu restaurieren, wunderbare Kostüme anzupassen und eine außergewöhnliche Inszenierung vorzubereiten – und davon sieht der Zuschauer nichts. Man sieht nur den Vorhang aufgehen und einen schönen Abend beginnen.
Blick auf den Gärtnerplatz vom Foyer des Theaters im 1. Stock
Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist. Johann Strauss II., Die Fledermaus
Unser Münchner Nationaltheater ist geprägt von Feuer und Wiederaufbau, von königlichen Visionen, gesellschaftlichem Zusammenhalt und Wandel. Die Vision von König Max I. Joseph, eine Begegnungsstätte für alle zu schaffen, ist bis heute spürbar und erlebbar. Es ist ein lebendiger Ort, an dem man sich an lauen Sommerabenden auf der Stufenbar trifft – auf den Treppen des Theaters, bei guten Drinks, netten Gesprächen und Musik.
Im Juli wird der Max-Joseph-Platz von Opernfans aus München und aller Welt bevölkert, die an der kostenlosen Live-Übertragung 🔗Oper für Alle teilnehmen. Bunte Picknickdecken und gutgelaunte Menschen füllen den Platz. Während der IAA Mobility 2025 diente das Nationaltheater zudem als Kulisse für die Präsentation von BMW auf der Messe – prestigeträchtiger geht es kaum. Und nach wie vor stehen große Namen wie Jonas Kaufmann, Ludovic Tézier, Michael Volle, Okka von der Damerau und Ekaterina Gubanova auf der Bühne des Hauses.
Das Dach des Nationaltheaters zur Munich Pride 2025 – „Dreams and Dramas“
„Mein schönes Theater, mein schönes Theater, das überlebe ich nicht!“sollen die Worte von König Max I. Joseph gewesen sein, als er am 14. Januar 1823 sein erst knapp fünf Jahre zuvor eröffnetes Königliches Hof- und Nationaltheater in Flammen stehen sah.
Das Haus zählte damals zu den modernsten in ganz Europa, mit Platz für bis zu 2500 Gästen. Technisch war es mit einer Warmluftheizung sowie einer Sprinkleranlage für seine Zeit hochmodern ausgestattet. Leider wurde nach einer Kontrolle der Anlage vergessen, diese wieder mit Wasser zu befüllen – ein Fehler mit fatalen Folgen an diesem kalten Januarabend. Feuerwehren aus dem ganzen Umland eilten in die Stadt, Kirchenglocken und Trompeter gaben in der ganzen Stadt Alarm, doch alles half nichts.
Die Kälte ließ sogar das Wasser in den Schläuchen gefrieren. Aus Verzweiflung versuchte man noch, mit Brauereiwasser der umliegenden Brauereien den Brand zu löschen, doch es war nichts mehr zu machen. Münchens prachtvolles Theater lag in Schutt und Asche.
So sehr das Volk dem Bau anfangs kritisch gegenüberstand – und dies unter dem Motto „Brot oder Brand!“ auch kundtat, indem der Dachstuhl als leidtragender Teil angezündet wurde, weil es lieber Essen gehabt hätte – so sehr weinte es nun an der Seite des Königs um sein schönes Theater. Das Haus war den Münchnern ans Herz gewachsen und es war bereit, für den Wideraufbau in Form des dafür eigens eingeführten „Bierpfennigs“ zu zahlen. Der Bierpreis wurde um einen Pfennig angehoben, um damit ein Drittel der Kosten zu finanzieren. Kaum zwei Jahre später, am 2. Januar 1825, öffnete das Theater wieder seine Pforten.
König Max I. Joseph wollte mit dem Bau des Theaters eine Begegnungsstätte für alle schaffen. Das Theater sollte ein Ort „für das Volk der bayerischen Nation“ sein, für Bildung und Kultur.
Ein Theaterbesuch zur damaligen Zeit gestaltete sich allerdings etwas anders als heute. Man mietete dauerhaft eine ganze Loge, über mehrere Jahre, nicht nur eine Saison und schon gar nicht für nur einen Abend. Die Loge diente als zweites Wohnzimmer: man empfing Gäste, plauderte, sah sich gut um und ließ sich vor allem sehen. Operngläser waren Pflicht, man musste andere Gäste ausspähen, um auf dem neuesten Klatsch und Tratsch zu sein. Dazu war der Opernsaal beleuchtet – um alles gut im Blick zu haben. Man saß also nicht wie heute still im Dunklen, es war ein fröhliches gesellschaftliches Zusammenkommen, bei dem die Musik auf der Bühne bisweilen beinahe zur Nebensache geriet.
Der große Brand 1823 war leider nicht der letzte, den das schöne Haus gesehen hat. Bei Bombenangriffen der Royal Air Force Anfang Oktober 1943 auf München wurde das Haus erneut komplett zerstört. München wäre allerdings nicht München, hätte es das Theater nicht erneut aufgebaut. Die feierliche Wiedereröffnung fand am 21. November 1963 mit der Oper Die Frau ohne Schatten von Richard Strauss statt. Dies erfolgte mit besonderer Unterstützung des neu gegründeten und bis heute bestehenden Vereins der Freunde des Nationaltheaters.
Über den Seiteneingang in der Alfons-Goppel-Straße (dem Treffpunkt für die Führung) betritt man das Nationaltheater über das 2018 eröffnete Freunde-Foyer, das diesem Verein gewidmet ist. Es zeigt eine Ausstellung über die Geschichte des Theaters und eine aktuelle Fotoausstellung, derzeit Fotos der Asientournee des Ensembles im Herbst 2025.
Im ersten Stock findet man sich im prachtvollen Foyer wieder, ganz in Blau und Gold gehalten, das von glitzernden Kronleuchtern erhellt wird. Für einen kurzen Moment fühlt man sich in die Vergangenheit versetzt. Durch die Fenster richtet sich der Blick auf den neu gestalteten Max-Joseph-Platz. In Anlehnung an historische Entwürfe von Leo von Klenze wurde dieser von August 2024 bis Dezember 2025 renoviert.
Blick aus dem Nationaltheater über den Max-Joseph-Platz
Das Nationaltheater ist die Heimat der Bayerischen Staatsoper, des Bayerischen Staatsorchesters und des Bayerischen Staatsballetts – und zählt nach wie vor zu den größten Häusern seiner Art in ganz Europa mit Platz für knapp 2000 Gäste. Das Repertoire umfasst etwa 80 Stücke und wird durch die Ballettwochen sowie regelmäßige Neuinszenierungen ergänzt. Das Ensemble besteht aus rund 60 Sängerinnen und Sängern, das Orchester zählt etwa 140 Musiker. Ergänzt werden die Aufführungen durch hochkarätige Gäste aus aller Welt.
Die Fläche der Bühne beträgt insgesamt ca. 2.400 m², davon rund 750 m² Hauptbühne – und gehört damit – neben der Opéra Bastille in Paris und dem Teatr Wielki in Warschau – zu den größten Opernbühnen Europas. Viel Platz also für die großen Opern dieser Welt.
Nimmt man an einer Führung teil, darf man auch einen Blick hinter und unter die Bühne werfen – und sogar die Bühne betreten. Erst dort wird die Dimension des Ganzen wirklich greifbar: die großen Bühnenbilder, die links und rechts bereitstehen und auf ihren Einsatz an einem der kommenden Abende warten, der Bühnenaufzug, der sich auf verschiedene Ebenen bewegen lässt, sowie die versteckten Bereiche, die über schmale Gänge verbunden sind und an einem Aufführungsabend sicher lebhaft genutzt werden – all das bleibt dem Besucher normalerweise verborgen.
Unser Kini, König Ludwig II., war ein großer Verehrer Richard Wagners. So fanden in München die Uraufführungen von Tristan und Isolde (1865) sowie Die Meistersinger von Nürnberg (1868) statt. Ludwig II. holte den damals mittellosen Richard Wagner nach München und unterstützte ihn maßgeblich, vor allem finanziell, bei der Fertigstellung des Zyklus Der Ring des Nibelungen. Die Uraufführungen der ersten beiden Teile, Das Rheingold (1869) und Die Walküre (1870), fanden auch in München statt.
Mit der Abschaffung der Monarchie 1918 verschwanden die Zusätze Hof und königlich aus den offiziellen Bezeichnungen. Aus dem Königlichen Hof- und Nationaltheater wurde schlicht das Nationaltheater – im Sprachgebrauch jedoch oft Staatsoper genannt.
Ab und an wird es aber doch wieder königlich. So hat im November 2025 unser Ministerpräsident Markus Söder Königin Silvia von Schweden zum Staatsbesuch empfangen.
Die Kunst ist lang, und kurz ist unser Leben. — Johann Wolfgang von Goethe
Eigentlich sagt man ja über München, sie sei die nördlichste Stadt Italiens. Im Nymphenburger Kanal haben wir Gondoliere, wir lieben La Dolce Vita, Cappuccino bei +2 Grad in der Wintersonne (Hauptsache draußen sitzen) und sind in vier Stunden mit dem Auto am Gardasee oder in sechs Stunden an der Adria, wenn uns die Sehnsucht nach Italien packt. Gut, dass man dort natürlich halb München und ein paar Österreicher antrifft, und eher Deutsch als Italienisch gesprochen wird, das ist ein anderes Thema.
Blick von der Veste Oberhaus
Passau wird das bayerische Venedig genannt. Und das aus guten Gründen. Passau ist zum einen natürlich die berühmte Drei-Flüsse-Stadt mit Donau, Inn und Ilz, weshalb man da ziemlich viel Wasser findet. Wie in Venedig. Ich schreibe explizit viel Wasser, da man Augsburg an dieser Stelle erwähnen muss. Augsburg hat mehr Brücken und Kanäle, als Venedig.
Als die Hochfürstliche Haupt- und Residenzstadt 1662 in voller Blüte stand, Heimat des Bischofs und florierender Handelshotspot für allerlei Güter (insbesondere für den Salzhandel) war, wurde Passau bei einem verheerenden Großbrand im April 1662 fast komplett zerstört. Hier halfen auch die Wassermengen der drei Flüsse nichts, um dies zu verhindern. Offensichtlich gab es bei den Oberen von Stadt und Kirche Liebhaber italienischer Kunst, man beauftrage nämlich zwei italienische Architekten mit der Neugestaltung der Gebäude. Bereits vor dem großen Brand konnte man italienische Einflüsse finden, so hat man z.B. den großen Saal im Rathaus nach venezianischem Vorbild gestaltet. Am besten sieht man das sicherlich auch heute noch am Rathaus, welches direkt am Donauufer liegt.
Ein wichtiges Ereignis fand am 21. April 1854 statt. Um 14 Uhr an eben diesem Tag bestieg unsere bayrische Prinzessin Elisabeth in Passau ein Dampfschiff der Königlich Bayerischen Donaudampfschifffahrtsgesellschaft und begann ihre Brautfahrt über die Donau. Das Schiff brachte die angehende Kaiserin nach Wien und der Rest ist Geschichte. Im Film gaben sich Romy Schneider und Karl-Heinz Böhm im Wiener Stephansdom das Ja-Wort (tatsächlich fand die Hochzeit am 24. April 1854 in der Augustinerkirche der Hofburg statt) und eben dieser Dom ist die Mutterkirche des gleichnamigen Doms von Passau. An dessen Wiederaufbau nach dem großen Brand 1662 selbstverständlich auch die Italiener beteiligt waren.
Die Tourismus-Seite der heute knapp 52.000 Eimwohner zählenden Stadt schreibt, dass die Orgel des Doms die größte katholische Kirchenorgel der Welt und zugleich die größte Orgel in Europa sei. Sie hat 17.974 Pfeifen und 233 Register. Was die Anzahl der Pfeifen angeht, schafft sie es weltweit allerdings nur auf Platz fünf bei den Orgeln mit den meisten Pfeifen. Ich hab mir die Kirche weder von innen angesehen, noch einem Orgelkonzert gelauscht, aber lasst euch bitte nicht davon abhalten.
An der Stelle des Doms war zu römischen Zeiten das Kastell Batavis zu finden, der Donaulimes, Grenze des römischen Reichs, verlief hier entlang. Die dort angesiedelten Söldner gehörten zum Stamm der Bataver und über die Jahrhunderte kam es dann irgendwie zum Namen Passau. Somit kommt also, grob gesehen, selbst der Stadtname aus Italien.
Um die Ecke vom Dom findet man den Passauer Tölpel; bereits im 17. Jahrhundert ein kleines Wahrzeichen der Stadt. Vermutlich ist der Steinkopf ein Überbleibsel einer Domfigur des großen Brandes von 1662. Nach einigen Umzügen war der Kopf fast 120 Jahre auf der Veste Oberhaus zuhause, bevor ihn eine Passauer Initiative 2003 mit der Tölpel Rückholaktion wieder ins Zentrum versetzen hat lassen.
König Maximilian Joseph vor dem DomDer Passauer TölpelInnenhof des Doms
Die Veste Oberhaus ist linksseitig der Donau auf dem Georgsberg zu finden und kaum zu übersehen. Mit dem Bau der Burganlage hat man bereits 1219 begonnen, über die Jahrhunderte wurde sie immer wieder erweitert, so dass sie zu einer der größten Burganlagen Europas wurde. So stattlich residiert haben dort natürlich die fürstlichen Bischöfe. Sie haben nicht nur die Diözese geführt, sondern waren zugleich auch Herren des weltlichen Fürstentums Hochstift Passau. Dies hat sich zeitweise über 42.000 m² bis Ungarn ausgedehnt. Als das kleine aber feine Fürstentum 1803 verstaatlicht wurde, konnte es noch eine Fläche von gerade mal 991m² aufweisen und zog sich von Passau aus nur noch in den bayerischen Wald.
Heute sind dort u.a. eine Jugendherberge und ein nettes Restaurant mit Biergarten (ich rate allerdings vom Kaiserschmarrn ab) und tollen Blick über die Altstadt zu finden. Vom Aussichtsturm, in dem eine multimediale Ausstellung untergebracht ist, hat man einen 360 Grad Blick über Passau und das Umland. Um zum Aussichtspunkt Batterie Linde zu gehen, war es an dem Tag leider zu heiß, von dort hätte man den besten Blick auf das Drei-Flüsse-Eck.
Zu Füßen der Veste Oberhaus, direkt an der Ilz, liegt die Veste Niederhaus, mit bewegter Geschichte. Nachdem das Niederhaus Zuhause von Herzog, Bischöfen und Klosterschwestern war, wurde es im 17. Jahrhundert ein Gefängnis für widerspenstige Geistige, etwa 100 Jahre später war es ein Arbeits- und Zuchthaus. Um 1800 wurde es dann militärisch, es diente als Lagerort von Waffen für das bayerische Militär. Seit 1890 ist das Niederhaus ausschließlich in Privatbesitz, weshalb man es auch nicht besichtigen kann.
Blick auf Veste Oberhaus und Niederhaus
Wie zu Anfangs schon erwähnt, fließen hier der Inn und die Ilz in die Donau. Die Ilz kommt aus dem Bayerischen Wald und bringt dunkles Moorwasser mit sich, der Inn dagegen bringt grünliches Gletscherwasser vom Süden aus den Alpen mit und die Donau ist spätestens mit der Komposition des Donauwalzers von Johann Strauss als so schön und blau bekannt.
Wenn man nun von oben auf die Stadt blickt oder auch auf einem der Boote eine kleine Tour macht, kann man das Zusammenfließen dieser drei Flüsse sehen, die dann als Donau weiter fließen bis hinein ins schwarze Meer.
Warum aber als Donau und nicht Ilz oder insbesondere nicht Inn? In Passau werden die beiden großen Flüsse gerne mal verwechselt, so ist der Inn in Passau nämlich der breitere Fluß. Die Donau ist aber vom Ausgangspunkt am längsten, d.h. die Donau weist bis Passau bereits mehr Kilometer auf, als der Inn und hat auch an ca. sieben Monaten im Jahr mehr Wasser, als der Inn.
Passau hat auch eine kleine Künstlerszene. In der Höllgasse, sowie in ein paar kleinen Seitengassen, kann man in Ateliers blicken und Malern beim Erschaffen Ihres neuen Kunstwerks beobachten. Man muss einfach den bunt bemalten Pflastersteinen folgen, die um die Ecke vom alten Rathaus zu den Ateliers führen.
Ich könnte euch jetzt noch mehr von der römischen Geschichte der Stadt erzählen, von der Wallfahrtskirche Mariahilf (hätte ich sie denn besucht – von dort ist es übrigens nur noch ein Kilometer bis Österreich) und einiges mehr. Da Passau nicht fern vom Böhmer Wald und dem Bayerischen Wald liegt, gibt es dort natürlich auch ein Glasmuseum und Glasbläsereien. Aber das wäre zuviel an der Stelle.
Eine kleine Begebenheit möchte ich euch aber doch noch berichten: die vom Scharfrichter Kaspar Neidhart. Heute ist das Scharfrichterhaus eine bekannte Kleinkunstbühne, ehemals ein gefürchtetes Gefängnis und im Jahre 1611 war es das Zuhause von Kaspar, seines Zeichens der Scharfrichter der Stadt. Der geschäftstüchtige Kaspar hat Zauberzettel mit Schutzzeichen an Söldner verkauft, die sie angeblich unverwundbar machten. Wie man sich vorstellen kann, ein beliebter Glücksbringer bei den Söldnern. Mehr geholfen, als den Söldnern auf dem Feld, haben die Zettelchen wohl dem Geldbeutel von Kaspar. Das Scharfrichterhaus selbst fiel 1662 dem Großbrand zum Opfer und trägt heute nur symbolisch diesen Namen.
Macht euch bei Gelegenheit einfach einen netten Tag in der schönen Donaustadt. Flaniert durch die kleinen Gassen in der Altstadt, schaut den Künstlern zu, genießt ein Tässchen Kaffee in einem der kleinen Cafés oder, wer es italienischer möchte, einen Cappuccino oder Aperol Spritz in der Bar Centrale am Rindermarkt. Ich habe gelesen, es gäbe dort eine güldene Toilette. 2019 wurde im Blenheim Palace, dem Geburtsort von Winston Churchill in den englischen Cotswolds, ein ebensolches fünf Millionen Euro teures Stück gestohlen. Eine Verbindung zwischen den beiden güldenen WCs gibt es angeblich keine.
Die Bar Centrale liegt am Rindermarkt und ist kaum zu übersehen. Die kleine Bar ist innen ein buntes Sammelsurium an allem und draußen sitzen gutgelaunte Gäste, von denen der Chef Sello mindestens die Hälfte persönlich kennt und begrüßt und schon weiß, was sie trinken wollen. Der Cappuccino war mit Liebe gemacht und ist sehr zu empfehlen.
Am besten bei schönem Wetter ein Plätzchen auf der Sonnenterasse suchen, von dort hat man einen netten Blick Richtung Österreich. Ich hatte nur einen Cappuccino, der war jetzt okay, die Kuchen sahen lecker aus. Das Café gehört zur Genusswelt von Greindl, es gibt mehrere Shops und Cafés in der Stadt. Ihr könnt dort neben Kuchen auch Pralinen, Cookies, hübsche Cupcakes und andere leckere Sachen kaufen.
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Isar, Iller, Lech und Inn fließen rechts zur Donau hin. Altmühl, Naab und Regen kommen ihr von Links entgegen. Brigach und Breg bringen die Donau zu Weg.
Der Rheinfall ist eine der größten, wenn nicht sogar die größte Touristenattraktion der Schweiz. Gelegen ist der Wasserfall in Neuhausen, wird aber meistens dem direkt danebenliegenden Schaffhausen zugeordnet. Zusammen mit dem Sarpsfossen in Norwegen und dem Dettifoss in Islandgehört der Rheinfall zu den drei größten Wasserfällen in Europa. Vor ungefähr 15.000 Jahren hat sich das Wasser dort seinen Weg durch die Steine gebahnt, wie es auch heute noch fließt. Ein kleines Überbleibsel aus der alten Kalksteinflanke ist der Rheinfallfelsen, der sich in der Mitte des Wasserfalls erhebt.
Dieser Felsen hat den Beinamen Seelentanzstein. Der Legende nach hatte ein englischer Lord die Fähigkeit, Geist und Körper zu trennen und schwebte gerne über Europa. So hat er wohl auch seine russische Prinzessin kennengelernt, die die gleiche Fähigkeit besaß. In Vollmondnächten schwebten sie für eine romantische Datenight gerne gemeinsam zum Rheinfallfelsen, um dort miteinander zu tanzen. Angeblich kann man Sie dabei auch heute mit Glück noch beobachten.
Es sieht in der Tat schon etwas erstaunlich und gleichzeitig unerwartet aus, wenn man die Treppen vom Parkplatz am Nordufer beim Schlössli Wörth hinuntergeht und sich das kleine „Tal“ mit dem großen Ausblick auftut. Das Schlössli auf dem Wasser wurde im 12. Jahrhundert errichtet, da auf dem Rhein bis hin zum Bodensee allerlei Waren transportiert und verkauft wurden, für die man Zoll verlangen konnte. Diese wurden dann erstmal in die Stadt Schaffhausen auf den Fronwagplatz gebracht, dort überprüft und ggf. abgewogen, bevor sie wieder unterhalb des Rheinfalls auf Schiffe zum Weitertransport verladen wurden.
Gern gesehener Gast im Schlössli war unser vielgereister Johann Wolfgang von Goethe, der sich hier sogar so inspiriert von dem tosendem Wasser fühlte, dass er dem Rheinfall in Faust ein paar Zeilen widmete.
Rheinfall mit Schlössli Wörth und Schloß Laufen
Das Schloß Laufen liegt auf einer Anhöhe am Südufer des Rheins und wurde um 850 n. Chr. von den Freiherrn von Laufen erbaut. Von dort führt ein schöner Weg hinab zum Wasserfall mit immer wieder tollen Ausblicken. Die man sich leider mit vielen Menschen teilen muss. Man kommt auch am Känzeli vorbei, welches via eines kurzen Felsdurchgangs erreichbar ist. Hier steht man direkt neben dem Wasserfall und das Wasser rauscht mit voller Kraft und ziemlich hoher Geschwindigkeit an einem vorbei.
Schloß LaufenAm Känzeli
Die Quelle des Rheins, der Tomasee, liegt im Kanton Graubünden. Der Rhein zieht sich von dort mit einer Länge von 1232 km weiter durch die Schweiz, Lichtenstein, Österreich, Deutschland, Frankreich und mündet in Rotterdam in den Niederlanden in die Nordsee (genau in der Reihenfolge). Der Rhein liegt im europäischen Vergleich nur auf Platz 8 der längsten Flüsse; die russische Wolga erreicht als längster Fluss Europas die dreifache Kilometerzahl. Die Donau als zweitlängster Fluß in Europa kommt auf 2857 km und etwas abgeschlagen auf den hinteren Plätzen liegt unsere schöne Münchner Isar mit nur 292 km.
Schaffhausen
Blick auf den Munot
Wie eingangs schon erwähnt, liegt der Rheinfall in der Nähe des beschaulichen Städtchens Schaffhausen, der nördlichsten Stadt der Schweiz. Das Wahrzeichen der Stadt ist der Munot, eine Festung gebaut im 16. Jahrhundert auf dem Emmersberg.
Heute ist der kleine Berg das hauseigene Weinanbaugebiet der Stadt Schaffhausen, die dort die Weintrauben für den Munötler, einen Blauburgunder, wachsen und gedeihen lassen. Der Munot selbst wird für allerlei kulturelle Veranstaltungen, wie z.B. Konzerte, Tanz und Partys genutzt. In der Festung wohnt auch heute noch der Munotwächter, der jeden Abend um 21 Uhr fünf Minuten das Munotglöggli läutet. Man kann behaupten, es ist die einzige noch von Hand geläutete (Alarm)Glocke in ganz Europa.
Blick auf den Römerturm & den Rhein
Die hübsche Stadt hat ca. 38.000 Einwohner und lädt zu einem entspannten Nachmittag ein, um durch die Gässchen und über die Plätze zu flanieren. Es gibt schöne alte Häuser, teils aus der Renaissance Zeit, individuelle kleine Shops und das ein oder andere nette Café.
HerrenackerHaus zum RitterKirche St. JohannVordergasseFreier Platz und Güterhof
Der Herrenacker ist der größte Platz der Stadt und war jahrhundertelang Heimt des Wochenmarktes, bis aus ihm ein Parkplatz wurde. Heute ist das Parkhaus unterirdisch angesiedelt und der Platz wird für Konzerte genutzt.
Der historisch wichtigste Platz ist der oben bereits erwähnte Fronwagplatz. Auf dem Platz befinden sich zwei alte Brunnen. Der Mohrenbrunnen mit dem Mohrejoggeli wurde 1535 erbaut. Die Figur steht als Symbol für wohlhabende Bürger der Stadt und ist einem Mitglied der Heiligen Drei Könige gewidmet, Caspar. Hier muss man wissen, dass das Wort Caspar aus dem persischen stammt und für Hüter des Schatzes steht. Der zweite Brunnen ist der Landsknechtbrunnen vor dem Fronwagturm mit der astronomischen Uhr, die neben der Uhrzeit z. B auch den Mondknoten oder die Jahreszeit anzeigt.
In der Schaffhauser Altstadt sollte man auch immer wieder nach oben blicken, die Stadt trägt aus gutem Grund den Beinamen Erkerstadt: an den alten Häusern befinden sich 171 Erker mit historischen Hausnamen.
Aus der mittelalterlichen Stadtbefestigung sind immer noch drei Türme erhalten: das Schwabentor, der Obertorturm und der Diebsturm. Das Schwabentor gibt es seit mindestens 1361, vormals als Neuturm bekannt.
Eine Anekdote sei hier erwähnt: 1935 hat man am Schlußstein des Schwabentors den Spruch „Lappi tue d’Auge uf“ angebracht – allerdings ohne jeglichen Zusammenhang mit der Geschichte des Turms. Die Stadt wollte vielmehr den Bauerntölpeln mitteilen, dass sie die Augen offenhalten sollten, wegen dem Automobilverkehr, der damals Einzug in die Stadt gehalten hat.
SchwabentorObertorturm
Und natürlich sollte man auch einen kleinen Spaziergang an der Lindli, der schönen Promenade am Rhein, machen oder einfach die Sonne dort genießen. Und bitte keine Angst vor Haien, die gibt es dort zum Glück nicht.
Stein am Rhein
In Stein am Rhein war ich ja auch noch! Hier wird der Bodensee zum Rhein. Das malerische Örtchen sieht wie aus einem Märchenbuch entsprungen aus.
Im Gegensatz zu Schaffhausen hat man auf dem Gebiet von Stein am Rhein übrigens Überreste eines römisches Grenzkastell und eines römischen Friedhofs gefunden. Wie wir alle wissen, verlief der nördliche Teil des Limes entlang des Rheins.
Angesiedelt an der Schiffsländi, der Promenade am Fluss, findet man noch den Hexenturm. Errichtet im 14. Jahrhundert, wurde der ersten Hexe 1512 der Prozess gemacht, der letzten dann 1667. Man könnte an dem Punkt unterstellen, dass die Leute des Ortes etwas gegen eine bestimmte Familie hatten, die meisten verurteilten teilten den gleichen Stammbaum.
So bleibe denn die Sonne mir im Rücken! Der Wassersturz, das Felsenriff durchbrausend, Ihn schau’ ich an mit wachsendem Entzücken. Von Sturz zu Sturzen wälzt er jetzt in tausend Dann aber tausend Strömen sich ergießend, Hoch in die Lüfte Schaum an Schäume sausend. Allein wie herrlich diesem Sturm ersprießend, Wölbt sich des bunten Bogens Wechsel-Dauer, Bald rein gezeichnet, bald in Luft zerfließend, Umher verbreitend duftig kühle Schauer. Aus Goethes „Faust“
Der Viktualienmarkt – Wo das Herz Münchens am stärksten schlägt.
Klären wir doch erst einmal, wie der Markt zu seinem Namen kam. Eigentlich ganz einfach. Das Wort Viktualien entstammt dem lateinischen Wort victualia, was übersetzt Lebensmittel bzw. Nahrungsmittel bedeutet. Das Adjektiv victualis steht für zum Leben gehörig. Der Markt hieß in Anfangszeiten, als er noch auf dem Marienplatz zu finden war, schlicht Grüner Markt. Trends gab es aber schon im 19. Jahrhundert und so vergab man damals gerne lateinische Namen, weshalb der Grüne Markt in Viktualienmarkt (korrekterweise wird das V übrigens wie ein F gesprochen, nicht als W) umbenannt wurde.
Exakt am 02. Mai 1807 kam das aus für den Markt auf dem Marienplatz, aber nur für die Örtlichkeit, nicht den Markt selbst. König Max I. wurde es schlichtweg zu voll und auf sein Geheiß wurde der Markt auf das Areal zwischen Heilig-Geist-Kirche und Fraunhoferstraße umgesiedelt. Und dort hat er sich über die Jahre ausgebreitet, so wurde auch das alte Heilig-Geist-Spital abgerissen, wo u.a. ein paar Eigenbrötler gelebt haben. Geldige Menschen, deren Heimat aus gesundheitlichen oder altersbedingten Gründen das Hospital war, das Essen im Hospital aber nicht mochten, haben sich vom Markt ihr „eigenes Brot“ (und anderes Essen) geholt. Somit hätten wir den Begriff auch direkt geklärt.
Nach dem zweiten Weltkrieg war der Viktualienmarkt, wie auch der Rest von München, schwer beschädigt; München lag zu 80% in Trümmern. Es wurde überlegt, die Fläche zu verkaufen und Wohn- / Geschäftshäuser zu errichten. Die Stadtverwaltung entschied sich aber glücklicherweise dagegen und ließ den Markt wieder aufbauen. Er wurde vor den Olympischen Spielen komplett renoviert und avancierte zum Feinschmeckermarkt der Münchner, im Volksmund auch „die Gute Stube“ genannt.
Gustl Feldmeier, ehemaliger Vorsitzender des Freundeskreises Münchner Volkssänger und Volksschauspieler ließ zwischen 1953 und 1961 die ersten Gedenkbrunnen (und zugleich Trinkwasserbrunnen) auf dem Markt errichten. Der erste Brunnen wurde Karl Valentin gewidmet, seit 1961 gibt es auch ein Brunnen für Liesl Karlstadt (wer mehr über die beiden wissen möchte, kann im Isartor das Museum besuchen). Die weiteren vier Brunnen sind Elise Aulinger, Ida Schumacher, Roider Jackl und Weiß Ferdl gewidmet; allesamt große Namen der damaligen bayrischen Schauspieler- und Sängerszene.
Ida SchumacherKarl Valentin
Und zum Glück wurden auch Ende der 1960er Jahre die Pläne, aus der Fraunhofer Straße eine Stadtautobahn zu machen, verworfen. Wir wollen gar nicht wissen, wie München heute ohne Viktualienmarkt, dafür aber mit einer Stadtautobahn und Häusern aus den 60er Jahren aussehen würde. Die Stadt hat sich nach Kriegsende explizit dafür entschieden, die Häuser und Gebäude nach den alten Plänen neu zu errichten, weshalb München seine Schönheit beibehalten bzw. dadurch wieder erlangt hat.
Nach fast 14 Jahren in München wohnend und fünf Jahren gemeinsamer Planungsphase (Dinge brauchen eben ihre Zeit) haben eine Freundin und ich es endlich zur Schmankerl Tour auf den Viktualienmarkt geschafft. Tatsächlich gehe ich nicht oft auf den Viktualienmarkt, wir haben hier die kleine Version in Schwabing, den Elisabethmarkt, aber vielleicht sollte ich das mal ändern.
Treffpunkt für die Tour war am Isartor, ein bisschen Münchner Geschichte aufwärmen auf dem Weg zum Markt. Ich wusste z.B. nicht, dass in der Westenriederstraße, die von dort zum Viktualienmarkt führt, noch Überreste der alten Stadtmauer zu sehen sind.
Gestartet sind wir mit einem ungewöhnlichen Früchtegetränk vom Exoten Müller, serviert wurde uns frischer Saft aus Zuckerrohr, verfeinert mit Minze und Limone – sehr süß, sehr lecker. Möchte man den Saft kaufen, so wird er immer frisch hergestellt und abgefüllt. Der Stand hat allerlei exotische Früchte im Angebot und auch hier spürt man bei den Verkäufen die Tik-Tok Trends. Aktuelle Top Vier der Tik-Tok-Früchte sind: Mangostane, gelbe Drachenfrucht, Cherimoya und gelbe Passionsfrucht.
Der Viktualienmarkt besteht aus sieben Abteilungen, so gehört Exoten Müller zusammen mit der Bäckerliesl, zu der wir im Anschluss gegangen sind, in die Abteilung III; ebenso findet man dort die Münchner Suppenküche und Kartoffelhändler. Die Bäckerliesl, Elisabeth Forstner, war ein Original des Marktes und die älteste Händlerin; den Stand hat sie von 1950 bis zu ihrem Tod 2020 geführt.
Es gibt seitens der Stadt hohe Auflagen, wie Stände weitergegeben werden dürfen. Es ist verboten, sie einfach zu verkaufen. Wenn nahe Familienangehörige übernehmen, so ist dies unproblematisch, wenn allerdings Fremde den Stand übernehmen sollen/wollen, so müssen sie fünf Jahre im Stand gearbeitet haben und trotzdem ist noch die Zustimmung der Stadt erforderlich. Dies wird durch die Lebensmittelmarktsatzung geregelt. Den Händlern auf dem Markt ist ein Stand auch „nur“ zugewiesen, es gibt keinen Mietvertrag. Bezahlt wird an die Stadt eine Umsatzpacht, welche z.B. Obstständen bei 2% liegt, beim Biergarten bei 12%. Der Biergarten setzt natürlich viel mehr um, als ein Obststand und belegt eine viel größere Fläche. Verwaltet wird das ganze durch die Markthallen München, denen auch die Großmarkthalle angehört. Man will gewährleisten, dass er Viktualienmarkt lokal und bayrisch bleibt.
Von der Bäckerliesl hatten wir dann erstmal Brezn und dazu wurden von der Sauren Ecke noch bayerische Tapas serviert. Die Saure Ecke gibt es bereits seit 1903 auf dem Markt und neben den angeblich TV-bekannten Sauren Gurken gibt es inzwischen auch u.a. südländische Spezialitäten und mediterrane Aufstriche.
Weiter ging es direkt mit einer Brotzeitplatte aus hervorragenden Schinkensorten, Salami und Wurst. Dazu gab es dann noch Brot von der Bäckerliesl. Leider haben wir verpasst, woher die Platte mit dem Schinken kam.
In der Abteilung V sind die Metzger angesiedelt und das besondere an dieser Abteilung ist, dass dieser Bereich in den 1960er Jahren unterkellert wurde und dort die Ware gekühlt gelagert werden kann (und nein, es sind keine Katakomben o.ä., die Keller wurden damals neu gebaut).
Der Biergarten, der sich neben dem Maibaum in Abteilung IV mitten auf dem Markt befindet, wird übrigens von unterschiedlichen Münchner Brauereien geführt. So kann z.B. heute Paulaner und morgen dann Augustiner übernehmen, das regeln die Brauereien unter sich. Meistens wechselt man sich wöchentlich ab, frühestens jedenfalls, wenn der Tank mit dem jeweiligen Bier leer ist.
Der Maibaum steht seit 1962 auf dem Markt und wurde von den sechs größten Brauereien der Stadt gestiftet, nachdem der damalige Münchner Bürgermeister Albert Bayerle befand, München brauche einen Maibaum. Betrachtet man den Maibaum genauer, erkannt man die Schäfflertänzer, St. Bonifaz und St. Florian, die beiden Schutzheiligen der Brauer, als auch Bilder vom Oktoberfest.
Die Obststände befinden sich in Abteilung I und hier gibt es ebenfalls eine kleine Besonderheit. Während in den anderen Abteilungen die Stände fest zugewiesen sind, wechseln die vier Obststände (erkennbar an den roten Schirmchen) wöchentlich durch. So werden Diskussionen vermieden, welcher Stand wohl der Beste ist, um das Obst an die Kunden zu bringen.
Auch das Petersbergl mit der Kirche Sankt Peter (berühmt für den schönsten Ausblick über München) und dem Café Kaiserschmarrn gehört mit den dort untergebrachten Geschäften noch zum Viktualienmarkt. Dort haben wir die Tour mit Käse von Thoma Fromages et Vins abgeschlossen. Wie der Name ja schon vermuten lässt, hat sich Thoma Fromages et Vins hauptsächlich auf Käse und Wein aus Frankreich spezialisiert. Dazu hätten wir gut das restliche Brot der Bäckerliesl brauchen können, welches leider mit den Resten der Schinkenplatte zurückging.
Berühmt ist Thoma Fromages et Vins allerdings für seinen bayrischen Obatzdn, seinen OhBazda, nach traditionellem Geheimrezept. Von dem hätte ich gern mehr gehabt, kann man durchaus essen.
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… hier schlägt das Herz Münchens am stärksten! Gustl Feldmeier (warum er die Brunnen auf dem Viktualienmarkt errichten lies)
Unweit vom berühmten Circus Krone, versteckt hinter Bäumen, liegt das Herz der kriminalistischen Arbeit Bayerns, das Bayerische Landeskriminalamt. Wenn man nicht so genau hinsieht, erkennt man in der Maillingerstraße nur einen sehr verstaubt anmutenden Bürokomplex, wie er typisch für die 60er Jahre ist; auf einer der Seiten eine kleine Grünfläche mit Spielplatz, gegenüber der Kreisjugendring Oberbayern, verschiedene Schulen um die Ecke. Im Mai 1972 gab es in der Marsstraße noch eine öffentliche Zufahrt zum Gelände, damals kam es zu einem 🔗Bombenanschlag seitens der RAF auf das Landeskriminalamt.
Die Gegend trug einmal den Namen Marsfeld, lag vor der Toren der Stadt und war Schauplatz militärischer Übungen der kurfürstlichen Armee des Königreichs Bayern. Als Vorbild diente der römische Campus Martius, welcher im alten Rom ebenfalls für militärische Übungen und Volksversammlungen genutzt wurde; alles zu Ehren des Kriegsgottes Mars. Das damalige Dorf Neuhausen fand diese Übungen weniger gut und so gibt es Aufzeichnungen aus dem 17. Jahrhundert, die Beschwerden der Anwohner dokumentieren. Bereits vor über 200 Jahren wurde die Marsstraße nach eben diesem Areal benannt; heute führt sie direkt am LKA vorbei.
Im Jahre 1821 wurde die Münchner Hinrichtungsstätte auf das Marsfeld umgesiedelt und befand sich in etwa gegenüber dem heutigen Augustiner Keller. Es waren organisatorische Gründe, so konnten mehr Schaulustige dem Geschehen beiwohnen. Mitte des 19. Jahrhunderts ging das komplette Gelände unter Protesten der ansässigen Bauern ans Militär und es wurden Kasernen errichtet. Militärische Übungen verlegte man bald ins Oberwiesenfeld, weil das Marsfeld auf Grund seiner Beschaffenheit nicht gut geeignet war. Die meisten Kasernen wurden in den Bombenangriffen von 1945 zerstört.
Ausschnitt aus einer Ansichtskarte aus dem Verlag Ottmar Zieher
Gegründet wurde das heutige Landeskriminalamt 1946 als Landeserkennungsamt. Bis 1952 war man unterstützend für die verschiedenen Polizeidienststellen tätig, so wurden in der Zeit u.a. ein Nachrichtendienst, ein kriminaltechnisches Labor, als auch ein kriminalwissenschaftliches Institut eingerichtet. Mit der Umbenennung in Bayerisches Landeskriminalamt 1952 kamen neue Aufgaben hinzu, man war nun u.a. für die Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität zuständig und es wurde eine Ermittlungsbehörde eingerichtet, die in überregionalen Straftaten die Leitung übernahm. Der Sitz in dieser Zeit war das Palais Dürckheim in der Türkenstraße.
In den 60er Jahren ließ die Stadt die Überreste der alten Kasernen abreißen und neue Gebäude für verschiedene Behörden errichten. So zog auch 1968 das LKA mit seinen damals 468 Mitarbeitern in die neuen Räumlichkeiten ein. Heute belegt das LKA sechs Häuser, die von oben betrachtet in der Form eines Dreiecks angeordnet sind.
Inzwischen arbeiten für das Bayerische LKA über 2000 Mitarbeiter, für die der Platz in der Maillingerstraße nicht mehr ausreicht. In München gibt es über die Stadt verteilt noch fünf Dienstgebäude, ein weiteres in Königsbrunn bei Augsburg. Zudem hat das LKA Außenstellen in Nürnberg und Wegscheid. Unterstellt ist das Landeskriminalamt dem Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration.
Der ein oder andere aus meiner verehrten Leserschaft frägt sich inzwischen sicherlich schon, warum ich das eigentlich erzähle. Nachdem ich leidenschaftlich gern Krimis lese, sämtliche Folgen von CSI, Bones und Criminal Minds und was es sonst noch alles gibt, gesehen habe, war es Zeit für einen Besuch beim LKA. Diese Möglichkeit bietet die Münchner Volkshochschule in unregelmäßigen Abständen an. Also einfach ab und an mal einen Blick ins Programm dort werfen, solltet ihr Interesse haben.
Während des zweistündigen Besuchs hat uns einer der Pressesprecher einen Überblick über den Aufbau und die Arbeit des LKAs gegeben, von interessanten Fällen erzählt und unsere Fragen beantwortet.
So konnte man nach einem beachtlichen Kokainfund in Bananenkisten diverser Supermärkte im Herbst 2017 nachvollziehen, wie Drogenkartelle arbeiten und die Drogen nach Deutschland kommen. In München kostet Kokain übrigens um die 90€ pro Gramm, während es in Berlin um die 20€ zu haben ist. Die Dealer machen einen Bogen um Bayern, die Richter bei uns schicken sie ins Gefängnis, in Berlin kommen sie mit einer Verwarnung davon. Der Fund in den Kisten waren insgesamt 200kg.
Ein Profikiller der italienischen Mafia wurde Ende der 90er Jahre in Kempten verhaftet. Er hatte zwar über 30 Morde gestanden, wurde aber nach einem halben Jahr in einem Hochsicherheitsgefängnis ins italienische Kronzeugenschutzprogramm „entlassen“. Mit seinem Wissen, konnten die italienischen Behörden die damalige Struktur der ‘Ndrangheta Mafia offenlegen und wichtige Verhaftungen vornehmen.
Auf der Homepage des LKA finden sich 🔗weitere aufsehenerregende Fälle, u. a. die Oetker-Entführung, der Fall Ursula Herrmann (für alle mit Netflix, schaut euch die Doku an) oder auch die Vermisstensuche nach dem Tsunami in Thailand 2004.
Beim Besuch des kleinen Waffenmuseums gab es die ein oder andere Geschichte, die mich den Nachmittag über noch beschäftigt hat. Ich hatte ja durchaus ein leicht beklemmendes Gefühl zwischen den ganzen Waffen. Einige der Fälle kennt man leider und wenn man die Waffen liegen sieht, durch die soviel Leid verursacht wurde, ist das auf eine weniger positive Art nachhaltig beeindruckend.
Anfang November 2015 war ein Herr aus Montenegro in einem VW Golf auf dem Weg nach Paris, um, nach eigenen Angaben, den Eiffelturm zu besichtigen. Aufgehalten wurde er auf der A8 Höhe Rosenheim, die Polizei sah sich das Auto etwas genauer an. Die Pistole im Motorraum erschien dann doch etwas verdächtig, am Ende fanden die Polizisten neben weiteren Pistolen, Handgranaten und TNT noch einen ganzen Haufen AK-47. Acht Tage später, am Abend des 13. November 2015 war ich bei Freundinnen in Hessen und wir hatten einen lustigen, weinhaltigen Abend, bis die ganzen News über den Anschlag im Bataclan kamen.
Bei einem tragischen Unfall im Einsatz mit einem Hubschrauber starben vier Polizisten, die Hitze verschmolz alles und man konnte sie nur noch durch die jeweilige Dienstwaffe identifizieren. Und dann die Holzpistole, die jemand gebaut hat, nur um sich das Leben zu nehmen.
Und auch München am 22. Juli 2016, die Pistole in einem Glaskasten – neun Tote und fünf Verletzte in und um das Olympia Einkaufszentrum. Auch hier vergisst man nicht, wo man an dem Abend war. Ich war damals im Park Café mit einer Schulfreundin verabredet. Als ich ankam war sie schon da und meinte, es gehen die ganze Zeit Sirenen. Da bei mir in Schwabing die Feuerwache 4 in der Heßstraße um die Ecke ist, gehören Sirenen fast täglich dazu und ich hab darüber gar nicht viel nachgedacht. Nur haben die Sirenen nicht mehr aufgehört, Social Media Posts kamen schneller als die ersten Nachrichten, das Park Café holte alle Gäste ins Haus und stellte den Betrieb ein. Nach einiger Zeit des Wartens sind wir sind zu Fuß zu mir gegangen.
Als sehr kreativ hat sich ein Rocker entpuppt. Bei der Beschlagnahmung wusste die Polizei nicht so recht, wie sie das Fundstück einordnen sollte und bat um Erklärung. Der Hobbybastler meinte, damit kann er den Anwesenden zeigen, wer das Sagen hat und niemand würde ihm so zu Nahe kommen, wenn er damit einmal ausholt.
Im Schaukasten für verbotene Waffen befinden sich zwei Clutches, deren Wert bei ca. 20.000€ liegt. Sicherheitskräfte am Flughafen haben die beiden Schmuckstücke von einer Dame aus den USA beschlagnahmt und dem LKA übergeben. Der Griff der Handtaschen erinnerte an einen Schlagring. Das LKA kam aber nach eingehender Prüfung zu dem Schluss, dass es sich einfach nur um Handtaschen handelt, wenn auch mit ungewöhnlicher Optik. Die darüber in Kenntnis gesetzte Besitzerin hat die beiden Taschen bis heute nicht abgeholt. Somit gehören sie nun zu den Ausstellungsstücken im kleinen Museum.
Puccini hatte sicherlich nicht gedacht, dass seine Arie Nessun Dorma, die Prinz Kalaf für die männerköpfende Prinzessin Turandot singt, einmal der Name eines Restaurants sein wird. Nessun Dorma – „Niemand schlafe“ – ist nicht nur der Name des Restaurants, sondern auch definitiv das inoffizielle Motto beim Pesto Experience, dass Simone dort anbietet. Ein Pesto nach traditioneller Art per Hand herzustellen erfordert Einsatz und entsprechend wird man von Simone und seinem Team hier angefeuert. Dai! Dai! Dai! Komm schon! wurde allen Kursteilnehmern an dem sonnigen Vormittag in Manarola ständig zugerufen und es hat richtig Spaß gemacht und für viel Lachen gesorgt.
Manarola ist eines der fünf malerischen Küstendörfchen von Cinque Terre, die sich entlang der felsigen, italienischen Riviera erstrecken. Es liegt in etwa mittig zwischen der ligurischen Hauptstadt Genua und der Grenze zur Toskana. Hier reihen sich die bunten Häuschen dichtgedrängt an die Felsen, so wie es auch ganz typisch für die viel weiter südlich gelegene Amalfi Küste ist. So wie sich die Häuschen dort an die Felsen drängen, so drängen sich allerdings auch Massen von Touristen zwischen April und September durch die kleinen Straßen und Gassen. Zum Glück war es erst Mitte März, als die ligurische Frühlingssonne bei 20 Grad vom Himmel gestrahlt und gute Laune verbreitet hat.
Manarola
Das älteste bekannte Pesto Rezept wurde im Jahre 1863 von Giovanni Battista Ratto in seinem Buch über die ligurische Küche niedergeschrieben. Wo sollte man also sonst einen Pesto Kurs machen, wenn nicht dort, wo es beheimatet ist? Die müssten ja auch am besten wissen, wie man es herstellt.
Die Ursprünge des Rezepts gehen, wie soll es auch anders sein, auf die alten Römer zurück. Moretum, eine Art Paste aus Schafskäse und Kräutern, aßen die römischen Bauern gern zu frisch gebackenem Brot.
Pesto kann man in verschiedenen Varianten herstellen. Um einmal bei den grünen Versionen zu bleiben, da hätten wir z.B. Pesto aus Ruccola, Bärlauch und Basilikum. Das beste Basilikum kommt selbstverständlich aus der Region um Genua und Cinque Terre. Es zeichnet sich durch seine kleinen und dadurch viel intensiver schmeckenden Blätter aus. Pesto per Hand zuzubereiten ist von Beginn an Geduldsarbeit, es dauert schon allein eine ganze Weile bis man diese kleinen Basilikumblättchen vorsichtig von den Stilen gepflückt hat. Die Blätter werden anschließend eine Weile in eiskaltes Wasser unter der Zugabe von Eiswürfeln eingelegt, was die Blätter säubern soll.
Nachdem die Lokalität von Nessun Dorma jahrelang leer stand, hat Simone mit seinem Konzept 2014 überzeugt und durfte im August des gleichen Jahres eröffnen. Dafür hat er sein Jurastudium in Florenz geschmissen. Inzwischen wurde sogar ein kleiner Shop im Dorf eröffnet, wo man u.a. neben dem hauseigenen Wein auch italienisches Streetfood kaufen kann. Das Restaurant selbst hat sich in den letzten Jahren zu dem Social Media Hotspot der fünf Dörfer entwickelt. Der Ausblick über das Dorf und den kleinen Küstenabschnitt ist aber auch traumhaft.
Blick auf ManarolaDer Weg zu Nessun Dorma
Aber wir müssen das Pesto noch fertig machen. Jetzt musste der Mörser erstmal vorbereitet werden, her mit dem Knoblauch. Für mich hätte es ja mehr sein können, aber der wurde nur limitiert ausgegeben. Und dann ging schon die erste Runde Dai! Dai! Dai! los, auf die noch ein paar weitere Runden folgen sollten. Der Knoblauch musste bis über den Rand verteilt werden, so dass die Blätter später auch alle mit dem Knoblauch in Berührung kommen können und sich der Geschmack verbinden kann.
Nun bitte die Blätter ganz sanft aus dem Wasser nehmen und in der hohlen Hand einfach nur ausschütteln und in den Mörser legen. Zerdrücken absolut verboten, das darf nur der hölzerne Stößel. Sobald man mit dem Stößel beginnt, die Blätter zu zerstampfen, muss wirklich schnell gearbeitet werden. Tut man das nicht, kann sich das auf den Geschmack auswirken. Und das wollen wir definitiv vermeiden. Nach ein paar (sehr schnellen) Runden Dai! Dai! Dai! und der Zugabe von Olivenöl, Pinienkernen, Meersalz , sowie Pecorino und Parmigiano stand ein vollendetes, cremiges Pesto vor uns. Endlich war es Zeit für ein Glas Weißwein.
Verwendet haben wir für das originale Pesto Genovese nur die besten und dort beheimateten Zutaten. Neben dem Genoveser Basilikum waren es Pinienkerne aus der Gegend um Pisa und Käse aus dem nahegelegenen Parma. Das Pesto darf auch nur Pesto Genovese genannt werden, wenn Käse und Basilikum mit dem DOP Qualitätssiegel versehen wurden, welches die Herkunft bestätigt (ähnlich wie DOC oder DOCG bei italienischem Wein). Dies wurde vom hochoffiziellen Konsortium Pesto Genovese festgelegt. Lest ihr auf einem Glas oder einer Karte „Pesto alla Genovese“, so sind es zwar die gleichen Zutaten, kommen aber aus einer anderen Region.
Das anschließende Mittagessen war mehr als verdient. Das selbstgemachte Pesto hat die Tagliere, die typisch italienische kalte Platte, perfekt ergänzt. Prinzipiell hätten ja schon der gute Weißwein und das frische Brot zum Pesto ausgereicht.
Simone ist es wichtig, in Nessun Dorma seinen Gästen frisches Essen aus regionale Zutaten anzubieten. Man wird auf seiner Karte weder Pizza noch Pasta finden, da die Küche tatsächlich nur 9m² groß ist. Dadurch ist man mit den Gerichten zwar etwas eingeschränkt, aber zum Glück hat die italienische Küche weit mehr zu bieten und somit gibt es auch keinerlei Einschränkungen in der geschmacklichen Vielfalt.
Wenn ihre ein Foto aus Cinque Terre seht, in dem eine Tagliere über das Meer gehalten wird und im Hintergrund bunte Häuschen zu sehen sind, dann wurde es höchstwahrscheinlich von Nessun Dorma aus aufgenommen. Und höchstwahrscheinlich wurde auch die Farbtiefe des Fotos sehr intensiviert und ein paar Glanzlichter gesetzt. Derweil sehen diese Dörfer an der schroffen Felsküste, an denen die kleinen Fischerbote im Hafen treiben und die Sonne so traumhaft im Meer versinkt, mehr als bezaubernd aus, und zwar genau so, wie sie sind.
Kochen ist eine Kunst – und keineswegs die unbedeutendste. Luciano Pavarotti
Drei Haselnüsse und einen Espresso für den Pharao.
Wenn man nach Infos zu Turin sucht, wird man so gut wie in jedem Artikel lesen, dass die Hauptstadt der italienischen Region Piemont die meist unterschätzteste Stadt des ganzen Landes ist. Ich habe in Turin eine Woche verbracht und mir war keinen Tag langweilig, ganz im Gegenteil.
Warum wird die Stadt so gern übersehen bzw. so sehr unterschätzt?Zum einen denke ich, dass viele Turin als eine Industriestadt sehen, die mit Juventus Turin zufällig einen sehr erfolgreichen Fußballverein hat. Zum anderen, von München aus würde ich fast behaupten, es ist die Lage. Wir lassen die Stadt schlichtweg „links liegen“ (bzw. in dem Fall eher rechts). Wer von uns aus mit dem Auto nach Italien fährt, nimmt entweder den Brenner oder die Tauernautobahn, bis nach Mailand schaffen wir es dann ggf. noch abzubiegen, aber darüber hinaus eher nicht. Von Mailand nach Turin sind es immerhin noch zwei Stunden zu fahren. Der direkte Weg in die Stadt führt durch die Schweiz.
Piazza SavoiaPalazzo Madama RückseiteDavid auf dem Kopf
Und dann ist Turin auch irgendwie schon fast in Frankreich; zur Staatsgrenze sind es ca. 70 Kilometer. Wenn die Einheimischen hier in ihrem Dialekt sprechen klingt das Italienisch fast Französisch. Die Grenze Italien/Frankreich hat sich über die Jahrhunderte auch immer mal gerne verschoben. Napoleon hatte in seiner Sturm und Drang Zeit die Region Piemont besetzt und die bis dato regierenden Savoyer zurück nach Sardinien geschickt. 1815 war das große Comeback des Königreichs Sardinien-Piemont und Turin wieder die Stadt der Savoyen. Nur 46 Jahre später wurde Italien vereinigtes Königreich und die erste Hauptstadt des Landes war: Turin! Rom wurde erst 1871 zur Hauptstadt ernannt, dazwischen saß die Regierung sogar noch kurzfristig in Florenz.
Mir wurde gesagt, die beste Zeit um in Turin zu leben, war zwischen 1850 und 1900. Das kann man sich wirklich gut vorstellen. Der wirtschaftliche Aufschwung damals war fulminant und so wurde Turin zu einer Millionenstadt. Es war die Gründerzeit für heute weltweit bekannte Firmen, wie z.B. Lavazza, Martini und Fiat. Und die wunderschönen Kaffeehäuser aus dieser Zeit, die es bis heute noch gibt! 1861 wurde mit dem Bau des Bahnhofs Porta Nuova begonnen, dem bis heute Drittgrößten des ganzen Landes neben Mailand und Rom.
An der Porta Nuova wurde der Legende nach der Espresso erfunden. Es sollte einen Kaffee geben, der schneller zubereitet wird, als der Express in die Stadt einfährt. Das erste Patent auf eine Espressomaschine hat sich der Turiner Angelo Moriondo eintragen lassen.
Als dann allerdings Fiat und andere Firmen ihre Produktionen ins günstigere Ausland verlagerten, ist die Einwohnerzahl geschrumpft. Heute hat die Stadt ca. 850.000 Einwohner. Mit diesem Rückgang haben die Turiner bis heute zu kämpfen, da sie damit aus ihrer Sicht an Wichtigkeit für Italien verloren haben.
Und wenn wir schon bei Fiat sind, der Fabbrica Italiana Automobili Torino: Der italienische Autohersteller, der Mitte der 1960er Jahre Marktführer in Europa war, wurde hier 1899 gegründet. Wie es sich für eine Autostadt so gehört, gibt es auch ein ziemlich großes Automuseum, das Museo Nazionale dell’Automobile. Über mehrere Stockwerke findet sich dort alles – von Pferdekutsche bis hin zum Elektromobil. Ausgestellt ist auch ein Lancia, in welchem Queen Elizabeth durch Rom zum Palazzo del Quirinale chauffiert wurde und ebenso der kleine Fiat 500 D, mit dem der ehemalige italienische Präsident Sandro Pertini durch die Straßen Roms gefahren ist.
Lavazza! 1895 wurde die Firma in Turin von Luigi Lavazza gegründet und hat sich seitdem zum größten Kaffeeproduzenten Italiens entwickelt. Seit 2018 kann man ein Museum neben dem Firmensitz besuchen.
Das wirklich sehr toll interaktiv gestaltete Museum erzählt die Geschichte von Lavazza selbst, lehrt aber auch z.B. einiges über den Anbau von Kaffeebohnen und welche Arten von Bohnen es überhaupt gibt. Zu Beginn des Besuchs bekommt man eine Espressotasse, mit der kann man ausgewählte Stationen aktivieren, Spiele spielen oder sich z.B. über die Stufen der Kaffeeröstungen informieren. Ich mochte das Museum wirklich sehr.
An einheimischen Getränken mangelt es der Stadt aber allgemein nicht. Da hätten wir den Wermut von Antonio Benedetto Carpano. 1786 hatte der gelernte Kräuterkundige sein Getränk endlich soweit verfeinert, dass er es voller Überzeugung dem König kredenzte und damit direkt zum Haus- und Hoflieferanten wurde. Deshalb ist in Turin der traditionelle Aperitif auch mit Wermut, gern von Martini, gemixt und nicht mit dem in der Region Venezien beheimateten Aperol (den es dort zu meinem Glück aber natürlich auch gibt). Die Firma Martini wurde übrigens 1863 in Turin gegründet.
Ehem. Firmensitz von Carpano
Und dann kommen u.a. noch zwei der besten und teuersten Weine aus dem Piemont: Barolo und Barbera. Zwei von vier Weinen, die ich bei einer wirklich interessanten Weinverkostung bei Cultura Liquida testen durfte.
Eine eigene berühmte Kaffeekreation hat die Stadt auch, den Bicerin. Ursprüngliche erfunden im Caffè Al Bicerin, gibt es ihn heute in allen Kaffeehäusern. Bicerin besteht aus Espresso, Kakao und Milchschaum und man darf ihn nicht umrühren! Ganz wichtig.
Im wunderschönen Kaffeehaus Baratti & Milano von 1875 gibt es den hauseigenen Caffé Bratti & Milano. Ich glaube, man versteht die Zutaten auch auf italienisch: Caffé con Crema di Nocciole, Panna, Granella di Nocciole e Gocce di Cioccolato.
Die süßen Thema sind hier einfach: Haselnüsseund Schokolade. Aus der Region Piemont kommen die weltbesten Haselnüsse. Die Firma Ferrero wurde 1946 in Alba, ca. 50 km entfernt von Turin, gegründet. Das Herz der Turiner schlägt allerdings weniger für Nutella, dafür um so mehr für Gianduiotto, eine Nougatpraline, die wirklich im Mund zergeht. Ein Gianduiotto mindestens zu probieren, wenn nicht sogar mehrere davon zu kaufen, ist ein Muss und die besten davon gibt es (angeblich) bei Guido Gobino.
In der Woche meines Aufenthalts war dann auch noch die Dolci Portici mit der Expo Arigiani und da sah die Via Roma in Turin so aus:
Die Via Roma mit dem Schokofest führt auch direkt zum zentralen Platz der Stadt, die bis heute unfertige Piazza San Carlo, von den Einheimischen sehr gern das Wohnzimmer genannt, einfach weil sich dort das Leben abspielt, seinen es nun z.B. Konzerte oder Kundgebungen. Und unfertig deswegen, weil der Platz symmetrisch sein sollte, nur ging dann am Ende das Geld aus, um die Kirchen in der gewollten Symmetrie zu erbauen. Und besonders an dem Platz werden die französischen Einflüsse sichtbar. Diese Symmetrie in repräsentativen Bauten und Plätzen ist besonders typisch für Frankreich.
Blick Richtung Via RomaCarlo Alberto Herzog von Piemont
Unter den Arkaden am Platz sind neben teuren Geschäften das Café Turinund das Feinkostgeschäft Biraghi zu finden. Bei letzterem stehen die Leute besonders gern vor einem kleinen Fenster die Schlange. Man kann dort Milchspeiseeis kaufen, welches stündlich ganz frisch zubereitet wird.
Blick ins Café TurinTorino
Zu Boden des Cafe Turin sei noch der Torino erwähnt, der kleine Stier, der dort eingelassen wurde. Der Torino ist, wie z.B. die Julia in Verona oder die Löwen in München, ein Glücksbringer. Während man Julia begrabscht und den Löwen die Pfoten tätschelt, steigt man dem Stier auf seine Testikel und zwar ganz fest. Manche hüpfen auch drauf, bekräftigt das Glück.
Zufällig entdeckt unter den Arkaden an der Piazza San Carlo habe ich einen Ableger derGallerie d’Italia. Hier hatte in den Tagen eine Fotoausstellung der mexikanischen Fotografin Cristina Mittermeier in Zusammenarbeit mit National Geographic eröffnet.
Es werden sehr beeindruckende Aufnahmen von Mensch und Natur gezeigt. Wer also in den kommenden sechs Monaten (bis 01. September 2024) die Stadt besucht, der sollte dort unbedingt reingehen. Besonders schön fand ich, dass die Bilder oft wie in 3D wirken und man sie wirklich von allen Seiten und Ecken so wunderbar betrachten kann. Es gibt auch einen, wie es neuerdings immer so schön heißt, immersiven Raum mit Videoaufnahmen.
Apropos Arkaden, man kann sich durch 18 Kilometer Arkaden bewegen, ohne nass zu werden, sollte es einmal Regnen. An heißen Sommertagen bieten diese teils wunderschönen Arkaden ausreichend Schatten und man kann von Cafè zu Cafè schlendern, shoppen und die Zeit genießen. Turin bietet bei Sonnenschein aber auch ausreichend Grünflächen zum Verweilen, sie ist nämlich diegrünste Stadt Italiens.
Wie ihr euch jetzt sicherlich nach dem ganzen Essen und Trinken denken könnt: Turin wurde bereits im 19. Jahrhundert als Hauptstadt des Genusses bezeichnet und gilt bis heute als die Genusshauptstadt Europas.
Die auch bei uns sehr beliebten Grissini sind übrigens ebenfalls in der Stadt beheimatet. Mitte des 17. Jahrhunderts war ein Prinz der Savoyer von Magen/Darmproblemen geplagt. Da ihm Brot nicht bekömmlich war, hat ein findiger Hofbäcker die trockenen Grissini gebacken, die man bis heute hier überall in den Bäckereien frisch kaufen kann.
Turin ist wortwörtlich auf den Ruinen der antiken Römerstadt Augusta Taurinorum gebaut. Ein Teil der Ruinen sind in der ehemaligen Stadtresidenz der Könige und Herzöge von Savoyen, dem Palazzo Madama, zu sehen. So geht man im ersten Raum z.B. über einen verglasten Boden, durch den man die Überreste sehen kann.
Palazzo Madama
Der Palazzo beherbergt ganz viele alte Dinge, ich bin ja nicht so Fan, am interessantesten fand ich das Untergeschoss und das oberste Stockwerk. Ganz unten gelangt man in einen Garten, der dort seit über 600 Jahren existiert. Im März kam der Garten leider erst aus seinem Winterschlaf und fleißige ältere Damen haben dort umgegraben; wenn der Frühling kommt, wird es dort sicherlich sehr schön blühen.
Das Beste am Palazzo ist allerdings diese Aussicht vom obersten Stockwerk:
Blick auf den Palazzo RealeDie Dächer der Stadt
Beim Blick vom Palazzo Madama sieht man auch direkt den Palazzo Reale di Torino,den Königspalast. Erbauen ließ den Königspalast Christina von Frankreich Mitte des 17. Jahrhunderts und er ist sicherlich einer der beeindruckendsten Stadtpaläste die es gibt. Seit 1997 ist der Palazzo zudem UNESCO Weltkulturerbe. Am Zaun des Palastes findet man in regelmäßigen Abständen das Konterfei von Medusa, die den Palast vor allem Bösen schützen soll.
Eine der wichtigsten, wenn nicht sogar die wichtigste Reliquie der katholischen Kirche wird in der barocken Kapelle des Turiner Doms aufbewahrt. Das Turiner Grabtuch kam durch die Savoyer 1578 in die Stadt. Das originale Grabtuch wird heutzutage nach Belieben alle paar Jahre der gemeinen Bevölkerung gezeigt; eine ganze Weile gab es nur alle 20 Jahre einen Blick auf das Tuch. Nachgefragt gibt es keinen wirklichen Grund, warum es nicht dauerhaft ausgestellt wird. In einem kleinen und sehr spartanischen Seitenraum der Kapelle kann man ein Replikat des Tuches besichtigen.
Die Kapelle des Doms
Wenn man über den Platz vom königlichen Palast durch das Tor auf der linken Seite geht, so kommt man an der Piazza San Giovanni heraus, hier blickt man auf den Dom Cattedrale di San Giovanni Battista und seinen Glockenturm Torre Campanaria. Zudem finden sich neben dem Königspalast weitere römische Überreste.
Cattedrale di San Giovanni BattistaBlick über die Ruinen auf die Porta Palatina
Unweit entfernt sieht man schon das antike römische Stadttor Porta Palantia und Teile einer römischen Straße. Betrachtet man einen unspektakulären Haufen Steine vor dem Tor genauer, so sieht man Fingerabdrücke in den Steinen. Und das sind die Fingerabdrücke von Römern bzw. wahrscheinlich eher deren Sklaven, die das Stadttor damals errichtet haben. Um die Steine besser greifen zu können, hat man, bevor der Stein gehärtet war, Finger in den Stein gedrückt.
Nun spielen aber nicht nur die alten Römer eine wichtige Rolle in der Stadt, sondern auch die alten Ägypter. Unerwarteterweise beherbergt Turin das weltweit wichtigste und älteste ägyptische Museum außerhalb von Kairo. Das Museo Egizio ist wirklich groß. Es wurde 1824 eröffnet und feiert in diesem Jahr sein 200jähriges bestehen. Das Museum im Kairo dagegen wurde erst 1902 eröffnet!
Museo Egizeo
Neben einem ganzen Tempel, Il tempio di Ellesia, gibt unzählige kleine Artefakte aus Gräbern, eine Vielzahl an unfassbar eindrucksvollen Sarkophagen, Statuen, Mumien, alten Stoffen und dazu sagt eine Randnotiz an einem ägyptischen Kleidungsstück, dass es hier weltweit nur eine kleine Sammlung davon gibt – hey, wir aber haben etwa ein ganzes Dutzend davon.
Wenn man im Zwischenstockwerk zum interaktiven Teil des Museums (hier kann man seinen Namen als Hieroglyphen generieren lassen und via QR Code aufs Handy schicken lassen) aus dem Fenster blickt, so sieht man die Piazza Carignano mit dem gleichnamigen Palazzo, der rechterhand liegt. Links erblickt man die Stühle, die zur Gelateria Pepino gehören – den Erfindern von Eis am Stiel.
Palazzo CarignanoRistorante del CambioGelateria Pepino
Meine Leidenschaft für Film stillt diese wunderbar überraschende Stadt auch noch. Dieerste Kinoaufführung in Italien fand, wie kann es anders sein, in Turin statt, hier ist auch die Heimat der ersten Filmproduktionsfirmen Italiens. Das Wahrzeichen der Stadt, die Mole Antonelliana, beherbergt sicherlich auch wegen dieser Tatsache das wirklich sehr toll gestaltete Museo Nazionale del Cinema; das Museum zählt zu den wichtigsten seiner Art weltweit. Ich hatte das Glück, dort die Sonderausstellung Il Mondo die Tim Burton besuchen zu können.
DieMole Antonelliana ist das prägnante Bauwerk in der Skyline von Turin. Das Gebäude wurde 1889 fertiggestellt und war damals das zweithöchste begehbare Gebäude weltweit mit 167,5 Metern. Achtet mal demnächst genauer auf 2 Cent Münzen in eurem Geldbeutel, auf den Italienischen ist die Mole Antonelliana geprägt. Mit einem für mich sehr außergewöhnlichen freischwebenden Aufzug geht es auf 80 Metern nach oben auf die Panoramaterrasse.
Von dort kann man den Blick über die Stadt bis hin zu den Bergen des Piemont genießen (wäre der Himmel klar gewesen). Da ich im März in der Stadt war, sieht alles noch etwas trist aus.
Über ein kleines Mysterium von Turin bin ich zufällig auf Google Maps gestolpert: The Devils Eyes – Gli occhi del Diavolo. In einer Seitenstraße etwa mittig zum Piazza Solferino findet man auf dem Boden vor einem Fenster seltsam anmutende Schlitze, die auf Grund seiner Form dem Teufel zugeschrieben werden. Es ist nicht so ganz klar, was dahinter steckt, vermutlich waren es aber einmal Belüftungsschlitze für Kellerräume. Aber die Erklärung klingt viel zu langweilig.
Gli occhi del Diavolo
Geht man weiter entlang der Piazza Solferino so kommt linker Hand das 1870 eröffnete Cafe Platti. Eine weitere Perle der Turiner Kaffeehäuser.
Und jetzt machen wir noch einen kleinen Ausflug in die Hügel von Turin auf den Monte dei Cappuccini. Von dort hat man nun den wohl besten Blick über die Hauptstadt des Piemont. Und dort befindet sich offensichtlich auch der richtige Platz, um jemanden Te amo zu sagen.
In der Nähe ist die Villa della Regina, die Villa der Königin, UNESCO Weltkulturerbe. In etwa 1635 wurde die Villa Eigentum der Regentin Christine Marie von Frankreich und war von da an eigentlich immer in den Händen der Frauen der Savoyen. Somit hatten die Königinnen dort immer ihren eigenen Palast.
Villa della ReginaBlick über die Stadt
Wie der Cappuccino zu seinem Namen kam. Jetzt schweife ich am Ende einmal komplett vom Thema ab, aber der Monte dei Cappuccini gibt hier eine gute Vorlage. Cappuccini. Cappuccino. Das beliebte (mein liebstes) kaffeehaltiges Getränk in Italien, welches kein Italiener je nach 12 Uhr trinken würde. Die Kapuziner Mönche mit ihrer Cappuccio, also ihrer Kapuze, sind die Namensgeber des heißen Getränks. Genaugenommen ist es die Farbe des Umhangs, wenn sich der Milchschaum mit dem Espresso vermischt, kommt die Farbe der Cappuccio heraus. Und der Espresso wurde, wie ihr euch sicherlich gemerkt habt, in Turin erfunden.
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Turin is a beautiful city. Its space goes beyond anything that has ever been imagined before. Mark Twain
Anstatt sich den Sehenswürdigkeiten der slowakischen Hauptstadt zu widmen, kann man auch einfach Café oder Bar Hopping machen. Es gibt wirklich ausreichend schöne und leckere Möglichkeiten. Hier wollte ich euch von den Lokalitäten erzählen, die ich dort besucht habe.
Talks
Das Talks ist ein blumiges Café ein paar hundert Meter außerhalb der Altstadt, in der Nähe des slowakischen Nationaltheaters. Ich bin zufällig vorbei auf dem Weg zur Blue Church und hätten sie nicht so gemütliche und etwas ungewöhnliche Sitzplätze im Außenbereich, hätte ich es sicherlich übersehen.
In dem Café war ich tatsächlich öfter, da es auch direkt um die Ecke vom Hotel liegt und der Kaffee schmeckt hervorragend. Hier habe ich mir sogar Kaffeebohnen mit nach Hause genommen. Überhaupt hat der Kava eigentlich egal wo immer sehr gut geschmeckt.
Der Name sagt es ja schon, ein bisschen urban, erinnert an eine niedrige alte Fabrikhalle, eine Wand gefliest, die andere nicht verputzt, ein kleines Loch, in das Kabel in der Decke verschwinden und große silberne Rohre an der Betondecke. Für mein Empfinden war etwas hochpreisig, die Qualität eher naja, aber trotzdem sehr nett.
Syriniki
Ich hatte übrigens Strawberry Syrniki und dazu einen Iced Vanilla Latte. Die Kombination ist aus irgendwie nicht zu empfehlen, Zuckerschock. Syriniki sind russische Quarkpfannkuchen, die kannte ich nicht, darum wollte ich sie testen. Ich muss mir mal ein Rezept raussuchen und die daheim machen. Aber ohne künstlich-süße Erdbeersauce und nicht auf Vanillequark serviert. An sich würden die glaub ich gut schmecken.
Das Café / Bistro liegt direkt neben dem urban bistro. Aber ein ganz anderer Style, alles weiß gehalten mit vielen Sprüchen an der Wand und im hinteren Bereich Platz für Kids. Also im Zweifelsfall eher vorne oder im Sommer am besten draußen einen Platz suchen.
Das Mondieu ist eine slowakische Kette, die es aber bereits bis nach UK und Dubai geschafft hat. Leckere Burger, guter Kuchen und nettes Ambiente. Vergleichen würde ich es in München in etwa mit dem Cotidiano.
Eine sehr goldene Eisdiele, in der ich das Sorbet-Eis absolut empfehlen kann. Das Milcheis fand ich nicht gut. Der Besitzer hat mir erzählt, sie überlegen, nach München zu kommen. Liegt maximal zwei Gehminuten vom Nationaltheater entfernt am Rand der Altstadt.
Einheimisches Essen testen ist schon ein Muss, wenn man in einem anderen Land ist. Und da eines der Nationalgerichte an Käsespätzle erinnert, war das auch direkt der erste Versuch. Strapačky sind einfach traditionelle slowakische Nocken mit saurer Sahne und Speck. Es steht außer Konkurrenz, da ich keine Vergleiche habe, in jedem Fall hat es mir sehr gut geschmeckt.
Direkt bei der Burg von Bratislava und vor dem Slowakischen Parlament liegt das Parlamentscafé mit sehr schönem Blick über die Donau und zum UFO. Wer dort einen Drink mit View in der Stadt haben möchte, sollte dort auf alle Fälle hoch.
Das Verne kam mir wie ein Place2Be in der Stadt vor, abends immer voll. In der Nähe vom Hotel unter schattigen Bäumen findet man das Cafe und hier hatte ich auch ein traditionelles Gericht, was es aber durchaus auch mal bei uns auf einer Speisekarten zu finden gibt, ein Szegediner Gulasch. Dazu typisch böhmische Knödel, die geschmacksfrei waren. Ja, es ist kein Brot auf dem Bild, sondern es sind böhmische Knödel. Die Knödel werden in eine längliche Form gebracht und nach dem Garen einfach in Scheiben geschnitten.
Im letzten September hab ich meinen Koffer gepackt für drei europäische Hauptstädte: Budapest, Bratislava und Wien. Budapest wird die Königin der Donau bezeichnet und Bratislava ist die Schönheit (kommt nicht von mir), also müsste Wien demzufolge die Kaiserin sein. Googelt man aber Beinamen von Wien kommt sowas wie „Goldener Apfel der Deutschen“ heraus. Bratislava ist wohl die vermeintlich uninteressanteste dieser drei Städte, aber wirklich zu schön um sie zu übersehen.
Allee zum NationaltheaterGarten der BurgSunset
Bratislava liegt an der Einwohnerzahl von knapp 450.000 gemessen im unteren Mittelfeld der europäischen Hauptstädte, ist aber laut Wikipedia auf Platz sechs der Städte mit der geringsten Einwohnerdichte in Europa; solche Vergleiche finde ich ja immer interessant. Die Stadtrechte erhielt sie 1291 und war somit offiziell eine königliche Freistadt. Bis Bratislava so wurde, wie wir es heute kennen, hat es von den Kelten über die Römer und Germanen, dazu Österreich-Ungern mit allen Kaisern, Königen und Herrschern quasi alles gesehen. Auf der Anhöhe der Burg gibt es sogar Funde aus der Altsteinzeit.
Die Burg von Bratislava, die Pressburg, wurde das erste Mal um 805 erwähnt und war zusammen mit der nahegelegenen Burg Devin, der Burg Theben, das Zentrum des Fürstentums Nitra, zugehörig zum Großmährischen Reich und ich habe bis zur Recherche für den Artikel auch noch nie davon gehört, darum vertiefe ich das jetzt besser auch nicht.
Burg BratislavaBurg Devin
In jedem Fall hat dieses Gebiet durch die Lage an der Donau und auf den Ausläufern der Karpaten wohl immer eine strategisch wichtige Rolle gespielt. In etwa durch die heutige Mitte der Stadt, an der Donau entlang, verlief sogar der Römische Limes. Erst mit Königin Maria Theresia von Ungarn und Böhmen kehrte ab 1740 Frieden ein und sie lies die Pressburg umfangreich zur Wohnresidenz umbauen.
Barockgarten der Burg Blick über die Altstadt
Nun fließt die Donau zwar durch die Mitte der Stadt, aber nicht durch die Altstadt. Von Ungarn aus in die Stadt kommend zeigt sich diese erstmal mit voller Breitseite in ihrem Ostblockcharme, überquert man dann die Donau über die Brücke des Slowakischen Nationalaufstands sieht man auch schon die Burg und ist fast im Zentrum angelangt. Von der Burg aus hat man einen tollen Blick auf besagte Brücke.
Brücke des Slowakischen Nationalaufstands mit dem UFO
Die Altstadt ist unaufgeregt charmant mit vielen schönen Ecken und Gassen, einladenden Cafès und Restaurants. Ich mochte die Stadt auf anhieb und hab mich wohl und sehr sicher gefühlt. Was aber auch an meiner zentralen Unterkunft im Radisson Blu Carlton Hotel lag, was ich jedem empfehlen kann. In Bratislava kann man sich das Hotel im Gegensatz zu Wien auch für zwei oder drei Nächte leisten. Und man ist in guter Gesellschaft: in dem historischen Gebäude residierten u.a. schon Persönlichkeiten wie Thomas Edison, Alfred Nobel und Theodore Roosevelt.
Radisson Blu CarltonBlick auf das Nationaltheater
Eine kleine Allee vor dem Hotel endet direkt beim slowakischen Nationaltheater. Die Allee bietet im Sommer für Einheimische und Touristen zum Glück viel Schatten und es gibt eine Reihe netter Cafes und Restaurants in denen man seine Zeit verbringen kann. Hier beginnt auch direkt die schöne Altstadt. Am ersten Abend hab ich mir dort erstmal ein einheimisches Restaurant gesucht, ich wollte unbedingt Strapačky essen, so etwas ähnliches wie Spätzle, also traditionelle slowakische Nocken mit saurer Sahne und Speck. Dazu gab den knoblauchhaltigsten Gurkensalat meines Lebens … gut, an den Ausläufern der Karpaten evtl.. auch nicht das verkehrteste, sind die rumänischen Karpaten die Heimat von niemand geringerem als Dracula.
Blick auf das Michalská bránaLustige MusikantenStrapačky
Das Restaurant liegt nur ein paar Meter vom einzigen erhaltenen mittelalterlichen Stadttor entfernt, dem Michalská brána, eines der ältesten Gebäude der Stadt. Die namensgebende Michaelskirche ist leider nicht mehr existent. Durch das Stadttor bin ich erst am nächsten Tag gegangen, als ich mir auch die Burg angesehen habe. Auf dem Weg zur Burg kann man einen kurzen Abstecher zum Palais Grassalkovich, dem Präsidentenpalast, machen. Von dort geht dann auch direkt der Bus hoch zur Burg.
Wenn man durch die Altstadt mit den verwinkelten Gässchen schlendert, findet man immer wieder eine Skulptur, mit der sich Touristen gerne ablichten. Diese lustigen Figürchen sollen die Gassen lebendiger gestalten. Da gibt es z.B. Cumil, den Gaffer, der aus der aus einem Kanaldeckel lugt. Hubert, den napoleonischen Soldaten, der sich in ein einheimisches Mädchen verliebt hat, als die Stadt vom großen französischen Kaiser besetzt wurde, findet man auf dem schönen Hlavné námestie, dem Hauptplatz, der auch zum verweilen einlädt. Und weil der Märchenerzähler Hans Christian Andersen 1841 Bratislava besucht hat, hat man ihm zu Ehren auch eine Statue errichtet.
CumilHubertHans Christian Andersen
Erinnerung an ein Stadttor
In der Bezručova ulica, ein paar Gehminuten entfernt von der Altstadt, erhebt sich in einem Wohngebiet eine der ungewöhnlichsten Kirchen, die ich je gesehen hab. Die Sankt Elisabeth Kirche wurde im typischen ungarischen Jugenstil mit orientalischen Elementen erbaut und 1913 fertiggestellt. Besser bekannt ist die Kirche heute unter dem Namen Blue Church, der Name ist hoffentlich selbsterklärend. Geweiht ist die Kirche der Heiligen Elisabeth von Ungarn, errichten ließ Sie Kaiser Franz Joseph I. Die Legende besagt, er habe sie zum Andenken an Kaiserin Elisabeth erbauen lassen.
Ein weiteres außergewöhnliches Bauwerk ist die Brücke des Slowakischen Nationalaufstands mit der UFO Aussichtsplattform. Die Brücke ist eine der längsten Schrägseilbrücken der Welt und das UFO gehört zur World Federation of Great Towers und wurde 2001 zum slowakischen Jahrhundertbauerwerk gewählt. Selbst die Toilette hat dort einen eigenen Hashtag: #thebestbathroomview.
Etwas durcheinander gebracht hat mich tatsächlich die Schräge. Man sieht ja die schräge Stahlkonstruktion, dh. der Aufzug fährt auch nicht gerade nach oben und dann die Treppen zur oberen Aussichtsplattform waren ja auch in der Schräge und sind ja an sich schon eher schräg und genauso hat sich mein Kopf dann angefühlt.
Eingang zum UFO
Von der obersten Plattform hat man einen schönen Blick über die Altstadt. Auf der gegenüberliegenden Seite gibt es Plattenbauten und Windkrafträder soweit das Auge reicht. Die Windkrafträder befinden sich im Niemandsland nach Wien zur slowakischen und ungarischen Grenze. Dort bin ich auch durchgefahren. Don Quijote und Sancho Panza hätten ihre größte Freude.
Die slowakische Hauptstadt ist wirklich einen Besuch wert, egal, ob für ein Wochenende oder für einen Abstecher aus Wien. Ich kanns euch nur ans Herz legen, ein bisschen Zeit dort zu verbringen.
Hlavné námestie
Hrad Devín – die Burg Theben
Auf dem Weg nach Wien habe ich noch einen Stopp bei der zu anfangs schon erwähnten Hrad Devín, der Burg Theben, gemacht. Die Geschichte der Burg bzw. des hohen Felsens auf dem die Burg erbaut wurde, geht bis vor Christus zurück und war die Grenzstation der nahegelegenen Römischen Stadt Carnutum. Carnutum existiert heute noch, allerdings als Nachbau und ist eine große Touristenattraktion bei Wien, leider war ich bisher noch nicht dort.
Wenn man den Fußmarsch vom Parkplatz bis ganz nach oben geschafft hat, dann hat man diesen wunderschönen Ausblick über die Landschaft um die Thebener Pforte, Devínska brána, durch die die 358km lange March genau zu Fuße des hohen Felsens, in die große Donau fließt.
Die March fließt in die DonauThebener Pforte und das March Gebiet
Die bewegte, jahrtausendalte Geschichte der Burg fand 1809 erstmal ein jähes Ende als Napoleon einmarschierte und die Burg von seinen Soldaten ohne Grund gesprengt wurde. Man hat sie nie wieder aufgebaut und so kann man heute fast nur noch Ruinen besichtigen. Nach einer Weile in Privatbesitz wurde die Burg 1932 an die Tschechoslowakei verkauft; ab 1938 gehörte sie zum Deutschen Reich und wurde für Aufmärsche und Kundgebungen genutzt. Zur Zeit des kalten Krieges hat man Wachtürme und Stacheldrahtzäune um die Burg und die Gegend errichtet, Grenzsoldaten sollten verhindern, dass Tschechoslowaken in den Westen flüchten konnten. 1989 hat das glücklicherweise alles sein Ende gefunden.
Die Burg und das zugehörige Land wurden 1961 zum nationalen Kulturdenkmal erklärt, da es viele botanische, geologische und zoologische Besonderheiten aufweist. Um diese auch weiterhin zu erhalten, tragen z. B. Schafe bei, die man dort schon seit Jahrhunderte grasen lässt. Auch auf dem Felsen der Burg selbst wachsen besondere Kräuter, Gräser und Sträucher, die es zu erhalten gilt.