The Panoramic – Einmal alles, bitte!
CANOSO ist im Soave Gebiet, genauer gesagt im Örtchen Monteforte d’Alpone, angesiedelt, einem der ältesten Weinanbau-Gebiete in ganz Italien. Die Erde im Soave Gebiet ist größtenteils vulkanisch geprägt, dies verleiht dem Wein eine herrliche mineralische Note, gibt ihm Frische und macht ihn zudem säurearm, was ich tatsächlich sehr angenehm zu trinken finde.

Bei CANOSO wurde ich sehr herzlich von Andrea empfangen, der mir erstmal eine Führung über den Weinberg gegeben hat, den Giuseppe Meneghello Canoso Anfang der 1970er Jahre gekauft und die Kellerei dort aufgebaut hat. CANOSO legt bei der Produktion der Weine sehr großen Wert auf die Qualität und stellt im Jahr nur ca. 70.000 Flaschen Wein her. Um dem Ganzen eine Größenordnung zu geben, Sartori hatte bei meinem Besuch zur Mittagszeit im letzten Jahr an diesem einen Tag bereits ca. 230.000 Flaschen produziert. Bei CANOSO reden wir also von ganz anderem Herzblut, was dort in die Weinproduktion gesteckt wird.

Was ist ein guter, was ist ein schlechter Wein? Kann man sagen, dass eine kleinere Kellerei besseren Wein herstellt, als eine Große? Das kann man nicht. Wie heißt es so schön – es liegt im Auge des Betrachters – in dem Fall, an der Person, die den Wein trinkt. Was ich aber nach den Winetastings, die ich bisher so gemacht habe, für mich sagen kann, ich bevorzuge den Wein von kleineren Winerys. Ich habe das Gefühl, es steckt mehr Leidenschaft drin.
CANOSO hat sich 2016 quasi neu erfunden. Die Familie hat sich mit zwei Unternehmern zusammengetan, die eben genau diese hohe Leidenschaft und das Herzblut für Wein mitgebracht haben. Auf der Homepage von CANOSO steht so schön, sie hätten den Wein in ihrer DNA. Giovanni, der CEO, war an dem Tag meines Besuchs auch da und es war sehr nett, ihn kennenzulernen.
Das Rebranding, was in 2016 stattgefunden hat, finde ich persönlich wirklich sehr gelungen und schön (keine Ahnung, wie es davor ausgesehen hat). Man hat den Weinen alle einen kurzen und prägnanten Namen gegeben und sich dabei auch wirklich was überlegt. Der Anfangsbuchstabe der jeweiligen Bezeichnung ist immer groß auf dem sonst eher schlichten Etikett der Flasche zu sehen, was dem Wein absoluten Wiedererkennungswert verleiht. So steht z.B. das F für Fonte (Quelle) oder das T für Terra (Erde). Als Fonte wird der Soave Classico bezeichnet, was ganz passend ist, wie ich finde. Es ist eben der klassische Wein, auf dem die anderen aufbauen. Terra ist der Valpolicella Superiore und somit aus dem Valpolicella Gebiet und nicht dem Soave. Hier unterscheidet sich das Etikett dann auch farblich, während der Soave Wein Schwarz auf Weiß gedruckt ist, ist es bei dem aus dem Valpolicella Gebiet umgekehrt. (Ja, ich habe mal im Marketing gearbeitet, ja, ich finde sowas interessant :-))
Ich glaube, jetzt bin ich gerade etwas abgeschweift von Tour & Tasting.
Über den Weinberg sind wir dann in den Weinkeller gegangen, ich konnte kurz einen Blick über Stahltanks, Holzfässer und Weinkisten werfen, sprich die Produktionsstätte der Weine, bevor wir dann in den schönen Wine Shop gegangen sind, in dem das Tasting stattgefunden hat.

Ich hatte mich für das Panoramic Tasting entschieden, neben italienischen Leckereien inkl. Käse aus der nahegelegenen Käserei, habe ich mich damit einmal quer durch die Weine dort probieren können, sechs Stück an der Zahl plus den Sparkling Wine, den Mossa. Das war auch der Erste, den ich zurück in München aufgemacht habe, der ist wirklich großartig. Wahrscheinlich muss ich mir früher oder später von Andrea einen Kiste nach München schicken lassen. Als meine beiden Favoriten bei den Weinen haben sich Fonte, also der Soave Classico und Segno, der Rosso Veronese, herauskristallisiert.
Es war ein sehr netter Nachmittag mit Andrea. Als ich mich verabschiedet habe, habe ich vier Flaschen Wein gekauft und meinte, ich komme am Ende vom Urlaub wieder, wenn ich zurück in Verona bin, und nehme mir dann Wein für zu Hause mit. So überrascht, wie Andrea dann war, als ich tatsächlich nach zwei Wochen wieder dort aufgekreuzt bin, hatte er mir das wohl nicht ganz geglaubt. Dafür gabs dann einen Espresso. Cappuccino trinkt man nachmittags in Italien auch nicht.










