Fangen wir mal mit Wein an. Dem Soave. Letztes Jahr hatte ich den Soave bei einem Winetasting von Mosconi Bertani zum ersten Mal probiert und mochte ihn nicht besonders. Da ich dieses Jahr aber auch andere Weine, als nur die aus dem Valpolicella Gebiet testen wollte, habe ich zwei Weinkellereien im Weinanbaugebiet Soave besucht. Auch um diesem Weißwein eine zweite Chance zu geben. Es hat sich gelohnt.

Soave ist aber eben mehr als nur der Wein. Der Wein ist nach dem Weinanbaugebiet benannt, welches wiederum seinen Namen von dem Örtchen Soave erhalten hat. Und dieses Örtchen hat in der Tat eine sehr schöne mittelalterliche Altstadt und ein Castello mit wunderbarem Ausblick. Zugegebenermaßen ein Ausblick, wie ihn natürlich eigentlich alle Burgen haben – war ja notwendig zu der Zeit in der sie gebaut wurden und es war wohl deswegen auch zweckdienlich sie auf Anhöhen zu errichten.
Wie sehr viele bzw. wahrscheinlich sogar die meisten Befestigungsanlagen und Burgen in Oberitalien ist auch das Castello di Soave von der Scaliger-Familie erbaut worden, das war ca. 1370. Die Stadtbefestigung ist noch komplett erhalten mit ihren 24 Türmen und den beiden großen Stadttoren. Die Scaliger waren zwischen 1262 und 1387 die sogenannten Herren von Verona. Eines der beiden Stadttore trägt auch den Namen Porta Verona. Das berühmte Castelvecchio in Verona ist der Scaliger-Familie übrigens ebenso zu verdanken, wie das Castello in Malcesine am Gardasee.

Der Ort Soave befindet sich an den Ausläufern der Lessinischen Berge, weshalb die Region allgemein etwas flacher ist, als das Valpolicella Gebiet, welches ja direkt in den Lessinischen Hügeln angesiedelt ist. Man munkelt übrigens, dass die Bezeichnung „Soave“ deutschen Ursprungs ist. Die Schwaben sind Mitte des 5. Jahrhunderts dort zur Gründung des Langobardenreichs eingefallen und von der alten Bezeichnung für die Schwaben – Sueben – leitet sich dann irgendwie Soave ab. Wohl mit etwas Fantasie.

Castello di Soave 


Enoteca il Drago 
Fenster des Palazzo Cavalli von 1411 
Blick über die Stadtmauern auf das Castello
Die beiden Winerys, die ich dort besucht habe, waren CANOSO und Cantina del Castello. CANOSO ist in Monteforte d’Alpone angesiedelt, Cantina del Castello direkt in Soave:
>> Tasting bei CANOSO
>> Tasting in der Cantina del Castello
Prinzipiell müsst ihr wissen, dass die italienischen Weine nie nach der Traube benannt sind, aus der sie hergestellt werden – sondern nach dem Weinanbaugebiet. Das Gebiet selbst wird dann wiederum unterteilt in z.B. Classico, Superiore Classico usw. und nur Weine, deren Trauben dort gewachsen sind, dürfen auch danach benannt werden bzw. so beschriftet. So gibt es einen Soave Classico oder einen Soave Superiore Classico.

Wenn man sich beim Weinkauf nicht sicher ist, kann man in Italien immer auf das D.O.C. oder D.O.C.G. Siegel achten. Die Weine mit diesem Siegel unterliegen bestimmten Herstellungskriterien, die auch durch die Anforderungen einem bestimmten Qualitätsstandard unterliegen. Während D.O.C. Rahmenbedingungen für die Weine vorgibt, sind die Vorgaben für D.O.C.G. nochmal etwas konkreter und strenger.
Grundlage ist schon mal, ein Soave oder Valpolicella darf sich nur so nennen, wenn alle Trauben aus dem namensgebenden Gebiet kommen. Ein Soave muss nun zu mindestens 70% aus Garganega Trauben bestehen, 100% gehen natürlich auch, bei 69% ist der Wein dagegen kein Soave mehr. Chardonnay oder auch Trebbiano de Soave Trauben dürfen bis maximal 30% enthalten sein, weitere Trauben können bis zu 5% nach eigenem Gusto untergemischt werden.
Jeder Weinhersteller möchte dem Wein natürlich seine eigene Note geben, diese ergibt sich aus der Zusammensetzung der Trauben, als auch die Art, wie man den Wein reifen lässt, z.B. in einem Holzfass (und dann natürlich wieder, aus welchem Holz das Fass besteht) oder auch ein Stahltank. Das sind auch die Gründe, warum Weine einer Kellerei aus unterschiedlichen Jahrgängen auch unterschiedlich schmecken können.
