Weihnachtliches Südböhmen.
Böhmen. Irgendwie klingt das für mich immer wie aus einer anderen Zeit und ist es irgendwie auch. Die Münchner Prinzessin Sophie Euphemia von Bayern aus dem Hause Wittelsbach wurde nach ihrer Heirat im Jahre 1400 zur böhmischen Königin gekrönt. Im Laufe der Jahrhunderte und diverse Herrschaften später gehörte Böhmen dem Kaiserreich Österreich-Ungarn an; Kaiser Franz Josef I war bis zu seinem Tod 1916 der vorletzte König von Böhmen.
Drei Länder aus eben dieser anderen Zeit sind heute Gebiete in Tschechien: Böhmen, Mähren und Schlesien. Böhmen gliedert sich in Nord-, Mittel- und Südböhmen. Die Hauptstadt Prag liegt ziemlich genau im Herzen von Mittelböhmen, gilt aber als eigenständige Region. Prag ist laut einer Freundin immer eine Reise Wert (mein Spruch über Wien) – dieses Mal hat es mich aber spontan für einige Tage ins weihnachtliche Südböhmen verschlagen und zwar nach Budweis, Tabor und Krumlov.



Die Region Südböhmen ist hauptsächlich Urlaubsregion für Einheimische – mit der Ausnahme von Český Krumlov, der „Perle des Böhmerwalds“ – die Altstadt ist UNESCO-Welterbe als Kulturdenkmal. Und wenn man mal dort war, weiß man auch warum. Man kommt sich wie in einer mittelalterlichen Parallelwelt vor. Insbesondere dann auch um diese Jahreszeit, in der wenig Tourismus in der Stadt ist und die Einheimischen bei der Kälte lieber zuhause bleiben.

Aber auch in den Städten Budweis und Tabor war nicht viel los, oft war ich allein auf den Straßen dort unterwegs – was etwas spooky anmutet, wenn man in Münchnen wohnt. In unserer Fußgängerzone ist um Mitternacht noch mehr los, als in manch anderen Städten tagsüber, wenn die Geschäfte geöffnet haben.
Ich hab das total genossen, dass es so ruhig und entschleunigt war in den Städten. Dazu war ja alles ganz weihnachtlich dekoriert und beleuchtet, die Christkindlmärkte , der erste Schnee des diesjährigen Winters und die Heimfahrt durch den Böhmerwald (die Hinfahrt lassen wir jetzt mal aus … Erwähnung findet hier nur die komplett in rot markierte Straße die auf eine entsprechende Kurve zuging … kurz gesagt: abenteuerlich). Dieser leicht verschneite so naturbelassene Böhmerwald, manchmal war ich froh, dass ich nur 20 km/h heimwärts fahren konnte, weil alles so gepuderzuckert schön aussah.






České Budějovice
Jetzt fangen mir mal bei Budweis an, der größten südböhmischen Stadt. Bekanntheit hat die Stadt natürlich vor allem auf Grund seines Bieres erreicht – bitte nicht verwechseln mit dem „Budweiser“ aus den USA. Mir wurde von einer Einheimischen erzählt, dass sie den Touristen immer erklären muss, dass das einheimische Bier nichts mit dem US-Budweiser zu tun hat und zwar absolut nicht. Aber wie ihr wisst, hab ich es ja eher mit dem Wein und da ist Tschechien raus. Von daher war es das auch zum Thema Bier.



Im Herzen der mittelalterlichen Altstadt befindet sich der genau ein Hektar große Marktplatz Přemysl Otakar II., einer der größten Marktplätze in ganz Europa und sicherlich auch einer der Schönsten. Das Rathaus der Stadt zählt zu den schönsten Gebäuden im ganzen Land. Ich durfte den Platz als Glitzer-Weihnachts-Wunderland erleben und es war so schön und so weihnachtlich. Um den berühmten Samsonová kašna (Samson-Brunnen) wurde eine Schlittschuhbahn gebaut und drumherum befinden sich dann allerlei Stände mit leckerem Essen und Svařák, Glühwein.





Sehr schön war der Spaziergang zwischen der Moldau und Maltsch, in diesem Dreieck verbringen die Einwohner gerne ihre Zeit bei Sonnenschein. An dem Tag gab es faszinierende Spiegelungen der Gebäude im Wasser, selten dass ich das so klar gesehen habe.



Tábor
In Tábor hab ich ein neues Lieblingscafè, das MOCCACAFÉ, was ich nur jedem empfehlen kann, der mal dort vorbei kommt. Mit der beste Kaffee den ich je getrunken habe. Und der Kuchen war auch sehr lecker. Das hausgemachte Eis hat wohl auch schon diverse Auszeichnungen erhalten, aber dafür war es eindeutig zu kalt an dem Tag.



Ich kam mir allerdings etwas alleine vor. Da war quasi niemand anzutreffen.



Einen Christkindlmarkt gab es hier leider nicht, nur am Wochenende. Dafür gab es schöne Eingänge 🙂



Český Krumlov – Die Perle des Böhmerwalds
Zu deutsch: Krummau. Was für ein bezaubernd-schönes Städtchen. Und hey – da waren Menschen auf den Straßen, sogar Touristen – hauptsächlich wohl Rentner aus Oberösterreich, Linz liegt nur knapp 75 km entfernt und asiatische Touristengruppen. Ich war mutterseelenalleine abends im dunklen oben auf der Burg, um diesen schönen Ausblick zu genießen. Zwischen den alten Gemäuern kommt man sich allein wirklich wie ein Burgfräulein im Mittelalter vor – bis einem dann da oben die ca. 25köpfige fotografierende asiatische Touristengruppen entgegen kommt.




Eben diese Burg mit Schloss darf man wahrscheinlich auch als das Wahrzeichen der Stadt bezeichnen. Es ist eines der bedeutendsten Baudenkmäler in Mitteleuropa. Gebaut wurde die Anlage über Jahrhunderte hinweg – vom 13. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert. Die Burg thront auf einem Felsvorsprung über der Moldau, die durch die Stadt fließt. Zum ersten Mal Erwähnung fand die Burg um 1240 in einem Gedicht eines österreichischen Ritters und Minnesängers. Der lateinische Name castrum Crumnau steht für die Charakteristik des Ortes selbst – „Stelle auf einer krummen Wiese oder Flur“ – daher entstammt auch der Name des Ortes.
Der Marktplatz Náměstí Svornosti- der Platz der Einheit – bildet auch hier den mittelalterlichen historischen Ortskern und ist umrahmt von wunderschönen alten Häusern. Und hier war auch wieder ein kleiner bunter Christkindlmarkt zu finden, auf dem es die beste Bratwurst getoppt mit frisch geschmolzenem Käse gab.

Nachmittags saß ich dort dann völlig entspannt im Authentic Cafe am Marktplatz, da liefen so die ersten Weihnachtslieder der Saison, mit Blick auf den Christkindlmarkt. Nach einer Weile hat sich ein Pärchen aus Österreich an den Nachbartisch gesetzt, sie meinte dann zu ihm, jetzt wo sie so hier sitzt, nach draußen schaut und die Weihnachtslieder hört, kommt das erste Mal so ein richtiges Weihnachtsgefühl bei ihr auf. Das konnte ich ihr dann nur bestätigen.









Eine kleine Erwähnung am Ende muss auch noch die allein dem Namen nach schon bezaubernde Pension Merlin finden. Ein uraltes Gebäude mit schweren Holztor. Man kam sich direkt vor wie im Märchen bei Schneewittchen und den sieben Zwergen bei dem niedrigen Gebäudekomplex mit den kleinen Türen.



Wenn du Essen auf dem Tisch und Liebe im Herzen hast, kannst du nie lange unglücklich sein.
Aus Böhmen.