Bohemian Rhapsody: RELOADED.

Mariánské Lázně. Františkovy Lázně. Karlovy Vary.

Wer einen Zeitsprung in eine Parallelwelt um die Jahrhundertwende machen möchte, sollte unbedingt das böhmische Bäderdreieck besuchen, also Marienbad, Franzensbad und Karlsbad. In Marienbad haben um die Jahrhundertwende Könige und Kaiser Ihre Spa-Tage verbracht und diese auch zu politischen Gipfeltreffen genutzt: so der österreichische Kaiser Franz Josef I. von Österreich, zugleich König von Böhmen, als auch König Edward der VII. von England. Ebenso Ihre Zeit dort verbrachten bekannte Dichter und Künstler, wie z.B. Goethe.

Marienbad

Bereits im 14. Jahrhundert wusste man um die Heilquellen in der Gegend, zuerst wurde das Wasser auf Märkten verkauft, später auch exportiert und man fing an, dort Kurmöglichkeiten zu schaffen. Es wurde von Anfang an Wert drauf gelegt, dass die Heilquellen und Kurorte allen Bevölkerungsschichten zugänglich waren, nicht nur der Obrigkeit. So durfte man von Anfang an bis heute auch das Königs- und Kaiserbad im Kurhotel Nové Lázně in Marienbad nutzen.

Mariánské Lázně
Marienbad

Das besondere an Marienbad ist die weitläufige Parkanlage in der Ortsmitte, in der man während seines Kur-Aufenthalts flanieren und die berühmten Oblaten to-go essen kann, die es dort an jeder Ecke zu kaufen gibt. Marienbad ist definitiv der Schönste der drei Bäderorte, im Winter gleicht er einem verschlafenem Schneewittchen-Dorf.

Das Symbol von Marienbad, die wunderschöne Maxim Gorki Kolonnade (Hauptkolonade), wurde 1888 erbaut und 1889 fertiggestellt. Viele ähnliche Bauten in anderen Kurorten, auch außerhalb Tschechiens, wurden leider abgerissen, diese hat glücklicherweise „überlebt“ und wurde in den 1970er Jahren komplett renoviert. Sie beinhaltet Shops und ein schönes Café – zudem hat man natürlich Zugang zu einer der heilenden Quellen von Marienbad.

Auf einer Anhöhe in Marienbad thront das 1821 errichtete Hotel Weimar (später Hotel Kavkaz), welches eben diese herausragenden Persönlichkeiten der Geschichte zu ihrer Zeit beherbergte. Das Hotel ist seit Jahren geschlossen, die ehemalige Schönheit lässt sich aber immer noch erahnen und es kommt eine Gewisse Tristesse auf, wenn man diesen Verfall sieht und bedenkt, wer dort einmal seine Zeit verbracht hat.

Františkovy Lázně
Franzensbad

Namensgeber und Gründer des beschaulichen kleinen Örtchens mit dem ursprünglichen Namen Kaiser Franzensdorf war kein geringerer, als Kaiser Franz I. – der letzte Kaiser des Römischen Reichs und Gründer des österreichischen Kaisertums.

Franzensbad ist der kleinste der drei Kurorte – und der hat mich so an meinen Trip an die US-Ostküste mit Martha’s Vineyard erinnert (lest hier: Stars and Stripes an der Ostküste – Roadtrip 2013 ), die breite, schnurgerade Národní třída (Nationalallee) mit all den Shops und Fähnchen und Bäumchen.

Karlovy Vary
Karlsbad

Die Stadt ist mit seinen knapp 48.500 Einwohnern der größte der drei Kurorte und sicherlich auch der, der am meisten Unterhaltung zu bieten hat. 2021 wurde er in die UNESCO Liste der Great Spas of Europe aufgenommen (selbstverständlich zusammen mit Marienbad und Franzensbad, die man ebeso auf dieser Liste findet).

Im Europäischen Zentrum für natürliche Bierbäder kann man sogar einen Bier-Spa-Tag machen. Kein Witz. Und neben diesen vielfältigen Spa-Angeboten erlangte Karlsbad wohl auch internationalen Ruhm mit seinen berühmten Karlsbader Oblaten 🙂

In Karlsbad habe ich dann auch Becherovka und die Glashütte Moser besucht. Becherovka ist quasi der tschechische Ramazotti, der bei uns wohl bekannter ist. Der klassische Becherovka hat mit seinen 38% einen um 8% höheren Alkoholgehalt, als der italienische Kräuterlikör – Ramazotti hat „nur“ 30%.

Die Glashütte Moser wurde 1857 gegründet und ist nach wie vor am gleichen Ort angesiedelt – was einen großen Unterschied zu vielen anderen Glashütten macht, diese gingen auf Wanderschaft, wenn Rohstoffe zur Glasproduktion aufgebraucht wurden. Moser ist hat bereits königliche Hochzeiten ausgestattet und Papst Johannes Paul II. war dort auf Besuch.

Nun würde es aber den Blog-Beitrag sprengen, wenn ich die beiden Besuche hier auch noch aufnehmen würde. Das könnt ihr Blogbeitrag „Das Geheimnis der 20 Kräuter im Glas“ nachlesen.

Für heute möchte ich euch einfach noch die böhmische Backkunst mit auf den Weg geben … daran kann man leider nicht vorbei 🙂

„Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut.“

Franz Josef I.

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