Zu Besuch bei zwei Karlsbader Originalen.
Man kann wohl die Annahme hegen, dass der ein oder andere Becherovka schon aus einem Gläschen der Moser Glasmanufaktur getrunken wurde. Becherovka ist der tschechische Kräuterlikör, bestehend aus 20 geheimnisvollen und sagenumwobenen Kräutern, Moser ist das Glas aus dem schon Päpste, als auch amtierende und künftige Könige getrunken haben und welches seit 170 Jahren ausschließlich in Handarbeit am exakt dem gleichen Ort hergestellt wird. Beide Unternehmen sind neben den berühmten Oblaten Karlsbader „Originale“ und seit jeher dort ansässig.


Becherovka – Die 13. Heilquelle von Karlsbad
Bereits 1794 hat der Gründer von Becherovka, Jan Josef Becher, sich in Experimenten mit Kräuterlikör versucht, bis er 1805 von einem englischen Arzt ein Rezept für English Bitter bekam und es in den folgenden zwei Jahren verfeinerte und eben als English Bitter zur Behandlung von Magenbeschwerden verkaufte. Was im Volksmund auch zu der Bezeichnung „Die 13. Heilquelle von Karlsbad“ geführt hat (in Karlsbad gibt es 12 erschlossene Heilquellen für Kuraufenthalte). Schon in den 1830er Jahren war der Verkauf so erfolgreich, dass man nach Paris, Wien und München exportierte.

Vor ein paar Jahren hat Becherovka das Besucherzentrum am Becherplatz komplett renoviert, im Innenbreich hat man eine kleine Ladenstrasse mit Cafè im Stil des anfänglichen 19. Jahrhunderts erbaut, dazu kann man eine Ausstellung mit Tasting besuchen. Die eigentliche Fabrik liegt 5 km entfernt vom Besucherzentrum.


Im Tasting inklusive waren der Becherovka Original, KV14, Cordial, und Lemon. Übersetzt in Italienisch-Münchnerisch: Ramazotti, Aperol, bäh und Limoncello. Zusätzlich konnte man für 1€ noch den Becherovka Unfiltered probieren (ins Verhältnis gesetzt: 1€ für ein halbes Stamperl im Verhältnis zu 0,5l für umgerechnet knapp 7,33€). Der Geschmack des KV14 ist nicht vergleichbar mit Aperol – und mit Aperol kenne ich mich aus möchte ich sagen. Den Lemon fand ich sehr gut, der wird sich auch sicherlich gut in alkoholisiertem Blubberwasser machen im Frühling.



Das Geheimnis von Becherovka. Die Rezeptur ist nur zwei Menschen bekannt – dem Produktionsleiter und einem Kollegen. Den beiden Personen ist verboten, gemeinsam zu Reisen oder in einem Auto zu fahren. Zusätzlich liegt die Rezeptur noch verschlossen in einem Tresor in Paris. Das Original enthält 20 Kräuter – 70% davon aus Tschechien und Mitteleuropa, der Rest wird aus exotischen Ländern importiert. Man bestellt immer unterschiedliche Mengen und auch diverse Kräuter und Gewürze, die man nicht verwendet, um das Geheimnis der Rezeptur zu bewahren. So können aus der Bestellung keine Rückschlüsse gezogen werden.






Der Guide meinte, man trinkt am Tag zwei Gläschen Becherovka für die Gesundheit, drei für den Spaß und vier auf eigenes Risiko. Becherovka gehört seit 1997 übrigens zur Pernod Ricard Gruppe – zu dem französischen Konzern gehört auch der italienische Ramazotti 🙂
Glasmanufaktur Moser
Ich meine, dass ich als Kind mal in einer Glashütte in Niederbayern war, aber wirkliche Erinnerungen daran hab ich keine. Dieses heutige bayrisch-tschechische Grenzgebiet wurde im Lauf der Zeit aus diversen Gründen umstrukturiert, ist aber seit jeher für seine Glaskunst bekannt. Im 18. Jahrhundert gab es sehr viele „Glashütten“, in diesen arbeiteten hauptsächlich weniger gebildete Menschen, die kein hohes Ansehen hatten. Es war mehr oder weniger ein Wandervolk, die komplette Glashütte zog einfach weiter, wenn die Rohstoffe, die man für die Glasherstellung benötigte, aufgebraucht waren, nur den Namen der jeweiligen Hütte behielt man bei. Wenn man sich also auf die Suche nach ehemaligen Glashütten macht, wird das evtl. sehr schwierig werden, diese zu lokalisieren.



Heutzutage ist die Herstellung von Glasware, insbesondere bei der Manufaktur Moser, eine hochangesehene Handwerkskunst, die wirklich Geschick, Ausdauer und Kraft benötigt, dazu muss man gerne in der Wärme stehen, da es im Glasofen selbst zu Temperaturen bis zu 1600 Grad kommt. Und der Glasofen bildet die Mitte dieser Inseln auf denen in der Glashütte gearbeitet wird.






Die jeweiligen Teams bestehen aus einem Meister und zwei Zuarbeiter und jeder ist für seine bestimmte Aufgabe verantwortlich. Die flüssige Glasmasse wird mit einem Glasstab entnommen und dann von dem Arbeiter in Form geblasen, dies geschieht in mehrmaliger Wiederholung, bis die gewünschte Form hergestellt wurde. Das Stück wird dann an die Kollegen übergeben, welche dies weiter zurecht schneiden – und z.B. einen Griff für einen Krug ergänzen.



Es ist wirklich faszinierend, diese heiße flüssige rote Masse zu beobachten, wie es seine Form bekommt und auf einmal zu durchsichtigem weißen Glas wird. Nachgefragt hat mir der Tourguide gesagt, dass sich in der Herstellung zu vor 200 Jahren eigentlich nur geändert hat, dass zum Erhitzen der Glasmasse nun Gas genommen wird und nicht mehr Kohle. Wenn man in dieser heißen Glashütte steht und sich vorstellt, dass die ganze Hitze durch verbrannte Kohle entsteht, ist das wahrscheinlich ähnlich wie das Fegefeuer.





Das fertige Kunstwerk kommt dann jedenfalls erstmal in die Kühlung, bevor es dem Graveurmeister übergeben wird. Da ich nicht die VIP-Tour gebucht hatte, bekam ich in diesen Schritt leider keinen Einblick mehr, dafür konnte man im Shop und im Museum noch fertige Kunstwerke bewundern.



Einen kleinen Reisebericht zu den Tagen um den Besuch bei Becherovka und der Moser Glashütte findet Ihr hier: Bohemian Rhapsody: RELOADED.