Ljubljana – Die Stadt des Drachen

Slowenien – Land of the Chicken.

Die Sage des Drachen

Es war einmal ein Drache in alter Zeit, der lebte auf dem Berg hoch über einer Stadt und erfreute sich von Zeit zu Zeit am Genuss einer Jungfrau. Dem mutigen Georg wurde eine dieser jungen Frauen angeboten, sollte er den Drachen besiegen und die Stadt befreien. Georg, mehr an Heldentum als an Frauen interessiert, stellte sich dem Drachen. Aber der Drache war selbst nach dem dritten Stich mit dem Schwert nicht zu besiegen. Als Georg ihn aber dann zum vierten Mal traf, öffnete sich durch Zauberhand der Boden des Berges, der Drache fiel hinein und sogleich schloss sich der Boden auch wieder. Der Drache, aka Franz der Erste, ward nie mehr gesehen. Der Legende nach lebt er aber immer noch im Inneren des Berges, als Beschützer der Stadt; inzwischen auch alt und nicht mehr des Feuerspuckens mächtig. Um der Stadt von Zeit zu Zeit zu zeigen, dass er da ist und über seine Stadt wacht, hüllt er diese durch seinen Atem in Nebel. Als Dank für seinen Schutz bauten ihm zu Ehren die Einwohner die Drachenbrücke, die zum Wahrzeichen der Stadt wurde.

(Landes)Geschichtliche Exkursion

Die berühmte Drachenbrücke Zmajski most wurde zum 40. jährigen Thronjubiläum von Kaiser Franz Josef I errichtet, als Slowenien noch zum Kaiserreich Österreich gehörte. Napoleon hatte zu seiner Zeit versucht zu intervenieren, da ihm die Größe des österreichischen Kaiserreichs ein Dorn im Auge war. Er besetzte das Land, machte Ljubljana zur Hauptstadt, gab dem Land seine Identität und Sprache wieder, verlor aber am Ende gegen Österreich und zog von dannen. Da Napoleon in gewisser Weise dem Land seine Identität zurück gab, gibt es sogar ein Denkmal für ihn. Durch die lange Herrschaft des Habsburger Hauses beinhaltet die slowenische Sprache bis heute viele Wörter deutschen Ursprungs, so z.B. mit gleicher Bedeutung das bayrische Wort Lump.

Slowenien selbst ist sehr jung, wenn auch reich an Geschichte. Das heutige Territorium wurde erst mit dem zweiten Weltkrieg festgelegt. Das Land stand lange unter diversen Herrschaften anderer Nationen und war nach dem Tode Titos das erste Land, welches sich aus dem ehemaligem Jugoslawien nach einem Volksentscheid löste und eigenständig wurde. Ljubljana ist die kleinste Hauptstadt in Europa mit ca 280.000 Einwohnern, insgesamt hat Slowenien nur knapp über zwei Millionen Einwohner. Und eben dieses Territorium hat die Form eines Hühnchens und darauf komm ich später im Text nochmal zurück.

Die bezaubernde bunte Stadt

Nun bin ich nach ein paar Tagen in Ljubljana wirklich verliebt in diese Stadt und ihre Lebendigkeit. Ljubljana ist sehr jung, modern, bunt, lebhaft und übrigens auch sehr sauber. Die Stadt achtet sehr auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Ljubljana schafft es in meinen Augen mit Leichtigkeit, Historisches und die Moderne zu verbinden. Die 2010 erbaute Fleischerbrücke Mesarski most, die eigentlich schon vor 100 Jahren beim Bau der Markthalle geplant war, fügt sich wie selbstverständlich in das Stadtbild ein. Sie ist zum Symbol der Liebe in der Stadt geworden und es zieren sie inzwischen unzählige Vorhängeschlösser, deren Schlüssel auf dem Grund des Ljubljanica zu finden sind.

Die Stadt hat sich ihren eigenen Charme in den Gässchen der Fußgängerzone bewahrt – kleine individuelle Shops, Cafes und Restaurants, die sich in den alten Gassen und am Ljubljanica aneinander Reihen.

Die Burg, welche im 12. Jahrhundert auf dem Berg des Drachen errichtet wurde, dient heutzutage als Ort für kulturelle Veranstaltungen aller Art und man kann dort sogar Escape Room (bzw. in dem Fall Escape Castle) spielen. Das Sehenswerteste auf der Burg als Tourist ist definitiv der Ausblick vom Turm über die Stadt.

Der Fluss Ljubljanica, an dem sich soviel Leben abspielt, war zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg 30 Jahre lang trocken gelegt. Unvorstellbar, wenn man all das bunte Treiben im Herzen der Stadt gesehen hat. Um Hochwasser zu vermeiden, hatte man den Fluss bereits geteilt. Da dies aber nicht ausreichend war, hat man den Flussarm, der durchs Zentrum führt, trocken gelegt und angefangen, das Flussbett tiefer zu graben. Und dann kam der Krieg und die Arbeiten ruhten 30 Jahre lang.

Ljubljana rühmt sich nicht mit einem großen Kämpfer oder herausragenden Politiker, die bedeutenden Persönlichkeiten sind ein Poet und ein Architekt. Dem Poeten France Prešeren wurde auf dem Hauptplatz Prešernov trg ein Denkmal geschaffen, gegenüber der Kirche mit angeschlossenem Kloster. Da der gute Poet den Ladies nicht abgeneigt war, hat man ihm als Muse auch eine barbusige Frau hinzugefügt. Kirche und Stadt waren dann geteilter Meinung über die nackte Dame und da sich der Bürgermeister geweigert hat, die Statue umzubauen wurden für die keuschen Klosterbrüder Bäume als Sichtschutz gepflanzt.

Von diesem Platz aus geht auch die Dreifachbrücke Tromostovje  über den Fluss. Da das Verkehrsaufkommen schon 1932 immer höher wurde hat man der breiten Hauptbrücke einfach links und rechts zwei Fußgängerbrücken hinzugefügt. Diese Brücke gehört heute zum UNESCO-Welterbe und ist inzwischen, wie die ganze Innenstadt, für den motorisierten Verkehr gesperrt.

Und eben diese Brücke führt uns auch zum berühmten Architekten Jože Plečnik, welcher für diese Brücke und weitere Bauwerke in der Stadt, im Land, als auch in Wien und sogar für den Umbau der Prager Burg und Garten um 1925 verantwortlich ist. Plečniks Erkennungszeichen sind vorallem Säulen und Pyramiden. In Ljubljana hat er die Šuštarski most erschaffen und zum Erhalt des Eingangs der Jahrtausende alten römische Mauer eine Pyramide über den Durchgang gebaut. Der von ihm geschaffene zentrale Marktplatz Osrednja ljubljanska tržnica wurde ebenfalls in das UNESCO Welterbe aufgenommen.

Ljubljana by Night ❤

Einfach die Bilder anklicken, die muss man im Großformat gesehen haben.

Odprta Kuhna (Open Kitchen)

Zufälligerweise war an dem Freitag, als ich in der Stadt war, die Eröffnung des Open Kitchen Marktes in diesem Jahr. Eröffnung ist traditionell spätestens Ende März bzw. am ersten schönen Freitag des Jahres im März. Dieser Markt findet wöchentlich jeden Freitag bei schönem Wetter bis Ende Oktober statt. Restaurants und Bars aus Ljubljana und ganz Slowenien kommen hier zusammen, kochen „offen“ und jung und alt gehen dorthin. Ich hatte genau an dem Tag die Food & Wine Tour gebucht, weshalb ich mich auf dem Markt dann nur mit Wein und Prosecco vergnügt habe.

Pogačarjev trg

Der tägliche Markt auf dem Marktplatz Pogačarjev trg ist eine bunte Farbenpracht aus frischem Obst, Gemüse und Blumen. Schon allein deshalb ist er einen Besuch wert. Zudem bieten zumeist ältere Damen handgemachte Gestecke und Basteleien an.

Food & Wine Tour

Die Food & Wine Tour war zugleich eine Stadtführung mit der wunderbaren Jasmina. Vieles was ich oben schon berichtet habe, inklusive der Legende von Franz dem Ersten, stammt aus ihren Erzählungen.

Gestartet sind wir nach den ersten Geschichten zur Stadt in der Vinoteka Barigla, diese befindet sich in der Trubarjeva cesta. Der Strasse mit den wohl meisten Graffiti der Stadt, weshalb sie Touristen manchmal abschreckt. Untypischer Weise haben wir mit Rotwein gestartet, zu dem italienischer Rohschinken mit italienischem Käse gereicht wurde. Soviel zu landestypischem Essen. Aber ich mag ja italienischen Käse und Schinken.

Und hier kommen wir auch zum oben erwähnten Hühnchen zurück. In der Vioteka hat uns Jasmina die Form des Landes erklärt und ab dem Zeitpunkt alle Regionen in Chicken-Teilchen benannt. Der Rotwein kam aus dem Weinanbaugebiet Primorska an der adriatischen Küsten, also dem Chicken Butt, wie die beiden folgenden Weißweine auch, während der vierte Weißwein aus dem Chicken Head (Podravje) und der Rose aus dem Chicken Leg (Posavje) kam. Ohne die Chicken-Zuordnung hätte ich hier auch nichts mehr zuordnen können.

Im Hiša Pod Gradom gab es landestypische Knödel, Štruklji, die gern mit Ricotta gefüllt und süß, als auch herzhaft gegessen werden. Ich fand sie einfach nur salzig. Im Fischrestaurant gab es für mich Kartoffelsalat, meine Leidenschaft für Essbares aus dem Wasser hält sich sehr in Grenzen. Das vierte Restaurant Gujžina hat vor drei Jahren die Strategie geändert, da der Besitzer Vegetarier ist. Hier gibt es slowenische Küche in vegetarischer Form und für uns war das Jota eine Suppe mit Rüben und Zwiebeln und anstatt Schweinefleisch war Seitan enthalten, darüber kippt man dann Kürbiskernöl. Ja, kann man, muss man nicht essen, war jetzt eher wieder salzig bis geschmacksneutral.

Das Beste war die preisgekrönte Wurst in dem kleinen Lädchen Klobasarna; uns wurde die „Mädchenversion“ kredenzt, also ohne Stückchen. Mein Glück. Der gereichte Rose aus dem Chicken Leg Weinanbaugebiet war im ersten Moment sauer, aber der Geschmack hat sich mit dem Genuss der Wurst komplett gedreht. Den kleinen Imbissladen Klobasarna kann ich wirklich vorbehaltlos empfehlen. Als Abschluss des Abends gab es dann noch einen leckeren Mohn-Nuss-Kuchen hoch über den Dächern der Stadt im Cafe Nebotičnik, welches im ältesten Skyscraper (ein New Yorker würde darüber wohl lachen) von Ljubljana angesiedelt ist.

Toren bereisen in fremden Ländern die Museen, Weise gehen in die Tavernen. 
Erich Kästner

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