Zagreb – Dobre Dan!

Im Orient-Express mit dem Ziel Bosnien.

Jetzt am letzten spätnachmittag in Zagreb kann ich endlich sagen, ich mag die Stadt und es gefällt mir hier. Als ich am Sonntag Nachmittag ankam, hab ich mich so über mein schönes Apartment gefreut, dass ich erstmal etwas entspannt habe. Später bin ich noch in die Stadt, um mir einen ersten Eindruck zu verschaffen, und der erste Eindruck hat mich etwas überrascht. Die Stadt ist gefühlt im Müll versunken und es sind ein paar äußerst windschiefe Gestalten umhergewandert.

Am kommenden Tag haben sich ein paar Sachen mit dem Stadtrundgang aufgeklärt. Es war in der letzten Woche ein Lichterfest, weshalb sich an allen Ecken und Plätzen der Müll gestapelt hat und sämtliche Mülltonnen übergelaufen sind. Dann bin ich unwissend über den Marktplatz Tržnica Dolac (dem täglich stattfindenden Markt), der mit Überresten des Sonntagsmarktes noch übersät war, gegangen. Beruhigt hat mich dann zumindest, dass Zagreb eine sehr sichere Stadt ist, deren größten Probleme Korruption und Bestechung darstellen.

Erdbeben im März 2020

Ein weiterer Grund, weshalb die Stadt aktuell nicht so ordentlich aussieht: Zagreb wurde 2020 und 2021 von einem Erdbeben hart getroffen. Da damals das Covid-Thema die Medien beherrscht hat, ist das Erdbeben in der Berichterstattung untergegangen. Das erste Erdbeben war am 22. März 2020 und hat Zagreb wirklich stark mitgenommen, das Zweite im Folgejahr war etwas schwächer. Seitdem sind viele Kirchen und Museen geschlossen und in Gerüste gehüllt, da diese renoviert werden müssen und die Kosten für das kleine Land sehr hoch sind. Es ist sogar eine der Domspitzen heruntergefallen, die jetzt neben dem Dom steht und durch eine weniger schöne Spitze erstmal ersetzt wurde. Somit liegt auch der Staub der Bauarbeiten über der kroatischen Hauptstadt.

Die Stadt der zwei Hügel

Kroatien hat ca. 3,9 Millionen Einwohner, davon leben ca. 770.000 in Zagreb. Ursprünglich waren auf den zwei Hügeln von Zagreb zwei Siedlungen – Gardec und Kaptol – die eine weltlich, die andere kirchlich und beiden bilden zusammen die heutige Oberstadt Gornji Grad von Zagreb. Auf dem Kaptol befindet sich auch die wunderschöne Kathedrale von Zagreb, die das Erdbeben leider schwer erwischt hat.

Die Unterstadt Donji Grad liegt zu Füßen der beiden Hügel und von dieser hinweg hat sich die Stadt immer weiter ausgedehnt. Das Neubaugebiet (so neu ist es nun auch nicht mehr) wurde schlicht New Zagreb genannt und erstreckt sich am Horizont in Form von wirklich vielen Hochhäusern.

Little Vienna

Durch die Jahrhundertelange Besetzung durch das Kaiserreich Österreich-Ungarn findet man in Zagrebs Altstadt viele wunderschöne, nur leider renovierungsbedürftige Gebäude, die der Wiener Bauweise sehr gleichen. Es gab auch kroatische Architekten, die in Wien gearbeitet oder studiert haben. Man hat in der Stadt ganz bewusst, die Wiener Bauweise kopiert. Und ich liebe ja Wien, eben genau wegen diesen tollen Bauten.

Der Hauptplatz: Trg bana Josipa Jelačića

Das Herz der Stadt ist der Hauptplatz Trg bana Josipa Jelačića mit dem man dem Ban Josipa Jelačića die Ehre erweist. Er war der für Zagreb wichtigste Feldherr und Ban (für Kroatien soviel wie Vizekönig – Kroatien gehörte ja, wie oben erwähnt, dem Kaiserreich Österreich-Ungarn an) und er war somit der Herrscher über sein Banat Kroatien. Die Statue blickte auf die Ober-/Unterstadt, als sie errichtet wurde.

Mit dem zweiten Weltkrieg hatte man sie abgebaut und den Platz umbenannt, Jahrzehnte später wurde die Statue wieder aus einem Keller geholt, der Platz bekam seinen alten Namen zurück und Josipa stellte man mit umgekehrter Blickrichtung wieder auf, da die Stadt sich nun über einen viel größere Fläche erstreckt, als zu Zeiten des Ban. Damit er weiter über seine Stadt wachen kann, gab man ihm die neue Blickrichtung. Offensichtlich brauchen auch Statuen manchmal neue Blickwinkel.

Wie Zagreb zu seinem Namen kam

Auf dem Hauptplatz gibt es einen Brunnen, Manduševac, der bei Tauben sehr beliebt ist. Eben diesen Brunnen bzw. genau diese Quelle umringt eine Legende. Ein Tapferer Kämpfer kehrte ausgedurstet aus dem Kampf zurück. Da sah er das Mädchen Manda an der Quelle sitzen und rief diesem zu: „Manduša, zagrabi!“ Und Manda schöpfte und gab dem Helden Trinkwasser.

Mit der Uspinjača in die Gornji Grad

In Zagreb fährt die weltkürzeste Standseilbahn. In 64 Sekunden verbindet sie Oberstadt und Unterstadt. Der Erbauer der Standseilbahn (ich habe mit den Namen bei der Tour nicht gemerkt und Google gibt ihn leider nicht aus) wurde seitens der Stadt belächelt und diese meinte, die Einwohner könnten weiterhin die Treppe nehmen. Allerdings war dieser Herr unnachgiebig und hat sich an das Ende der Treppe gesetzt und Menschen gezählt, die den ganzen Tag da hoch und runter gehen. Die Stadt hat dem Bau 1891 zugestimmt.

Die Standseilbahn hält direkt direkt beim Lotrščak-Turm. Eine Hauptattraktion um 12 Uhr mittags – hier wird täglich um diese Uhrzeit die Kanone abgefeuert. Dies ist in Gedenken an König Gradec, der Zagreb im Jahre 1242 zu einer freien königlichen Stadt machte. Wer auf dem Foto genau hinsieht, sieht den Rauch. Das knallt ganz schön, wenn man daneben steht.

Von dort passiert man dann das Museum der Gescheiterten Beziehungen (später mehr dazu), eine Nikola Tesla Gedenktafel am Kroatisches Museum für Naive Kunst, die wunderschöne St.-Markus-Kirche zwischen Regierungsgebäude und Parlament.

Die Straße führt dann an der ältesten Apotheke Zagrebs vorbei durch das Stein-Tor, dem einzig erhaltenen Stadttor, dort geht es am 80er Jahre Museum vorbei in die Unterstadt zurück, über den Tržnica Dolac kommt man dann wieder beim Trg bana Josipa Jelačić heraus, dem Hauptplatz.

Die Statue an der Treppe zum Markt ist der Barica gewidmet. Sie steht als Sinnbild für die vielen Marktfrauen, die traditionell jeden Tag mit frischem Obst und Gemüse in die Stadt auf den Dolac gefahren sind und dort ihre Ware feil geboten haben. Leider sterben die Baricas nach und nach aus und selbst der Begriff für die Marktfrauen gerät langsam in Vergessenheit.

Die Parks von Zagreb

Zagreb hat 33 Parks, weshalb die Stadt auch gern als Grüne Stadt bezeichnet wird. Die schönsten davon erstrecken sich zu Fuße der Ober- und Unterstadt und bilden fast eine U-Form, wenn man alle abgehen möchte. Ich hatte mich auf die Parks zwischen Bahnhof und dem Hauptplatz beschränkt.

Der Tomislav Trg wurde dem ersten kroatischen König Tomislav gewidmet, flankiert von in voller Pracht blühenden Magnolienbäumen blickt dieser mit vollem Stolz zum Hauptbahnhof Glavni kolodvor und begrüßte 1925 schon die Gäste des Orient-Express und bis heute die höchsten Staatsmänner aus aller Herrenländer.

Zu seiner Rechten steht das wunderschöne Hotel Esplanade Zagreb aus der Belle Époque Ära. Das Hotel war die Party-Location der 1920er Jahre in Zagreb und Erzählungen besagen, dass für einen italienischen Grafen dort die erste Striptease Party des Landes stattfand. Hier reist auch Emmanuel Macron an, um wichtige Dokumente zu unterzeichnen; das letzte Mal im November 2021. Und vielleicht kommt er auch, um an einer der legendären Partys teilzunehmen, wer weiß das schon.

Über den Park Josipa Jurja Strossmayera, einem einflussreichen Politiker gewidmet, geht es weiter zum Park Zrinjevac. Zu jedem Park gehört meistens auch immer ein wunderschönes Gebäude, welches heutzutage gern ein Museum ist. Die Mitte des Park Zrinjevac ziert allerdings ein wunderschöner Pavillon aus dem 19. Jahrhundert, welcher bereits zu dieser Zeit als Musikbühne gedient hat.

In den Frühlings- und Sommermonaten finden hier immer wieder Konzerte und Kulturveranstaltungen statt, bei denen die Menschen zusammenkommen. Am Ende des Parks steht eine Wetterstation von 1884 mit Uhr, welche bis heute exakt das Wetter voraussagt und von der man einige andere interessante Dinge ablesen kann, was viele Zagreber gerne und manche täglich machen. Dass die Uhr immer richtig geht, dafür sorgt einer der bekanntesten und ältesten Uhrmacher der Stadt, er kommt jeden morgen und zieht die Uhr nach. Der Ort ist deshalb auch ein beliebter Sendeplatz für die Wetteransage im kroatischen Fernsehen.

Das Museum der zerbrochenen Beziehungen

Wer es liebt in Museen zu gehen, dem wird in Zagreb sein Herz aufgehen. Es gibt für so gut wie alles ein Museum. Von Schwammerln über Zerbrochene Beziehungen zu Cannabis, den 80er Jahren und Kroatischer Geschichte. Ich hatte ja schon bei meinem Blog über Ljubljana geendet mit Erich Kästner und halte es auch weiterhin mit den Tavernen und nicht den Museen. Aber trotzdem ist es eine Erwähnung wert.

Die Ausstellung im Museum der zerbrochenen Beziehungen ändert sich immer wieder. Jeder, der hier gerne ein Teil davon werden möchte (Zusendungen aus aller Welt sind willkommen), kann aus einer gescheiterten Beziehung ein Erinnerungsstück dorthin senden mit seiner Geschichte und weshalb genau das Erinnerungsstück ein Sinnbild dieser Trennung ist. Wenn die Geschichte interessant genug ist, kommt das Stück als Exponat mit einem Ausschnitt aus dem Brief ins Museum.

Die Sonne und die Suche nach den anderen Planeten

Ziemlich zentral findet sich auf der Bogovićeva Ulica eine Bronzekugel genannt „Grounded Sun“ – die Sonne. Ein Werk des Bildhauers Ivan Kožarić, der Zagreb die Sonne vom Himmel geholt hat, um die Stadt in noch schönerem goldenen Licht glänzen zu lassen. Von 1971 bis 1994 stand die Sonne vor dem Nationaltheater, bevor sie an ihren jetzigen Standort kam.

Der Künstler Davor Preis hat das Werk im Jahr 2004, er hat im ganzen Stadtbezirk neun weitere Planeten angebracht – maßstabsgerecht. Entdeckt wurde der erste Planet in der Stadt dann erst 2006! Touristen, die seitdem von dieser Kunstinstallation wissen, laufen sich die Füße platt, weil sie die Größe der Planeten überschätzen.

Bei der Sightseeing Tour wurde uns die Venus am Trg bana Josipa Jelačića 3 gezeigt. Selbst davorstehend hat man kurz gebraucht, den Planeten auszumachen.

Von einer Weinprobe und wie man nach Bosnien kommt

Für ein Winetasting hatte ich mir die Vinoteka Bornstein empfehlen lassen. Ich bin am Spätnachmittag vorbeigegangen und wollte nachfragen, wann ein Tasting möglich ist. Und schneller als ich ja sagen konnte, saß ich mit Katie und Kelsey am Tisch. Beides zwei nette und reisefreudige Girls aus den USA, Kelsey mit kroatisch-bosnischen Wurzeln und auf Grund der Grenzöffnungen in Zagreb gelandet. Wir hatten ziemlich viel Spaß und es gab nach der normalen Verkostung noch zwei weitere Rotweine, dazu ausreichend Brot, Oliven, Olivenöl und Käse.

Es gab fünf Weine aus allen Regionen des Landes und ich empfinde die kroatischen Weine als zu säuerlich, egal, ob Rot oder Weiß. Nur der letzte Rotwein aus Istrien traf dann meinen Geschmack. Der war sehr vollmundig und erdig. Was wohl meine Vorliebe für mediterrane Weine bestätigt.

Und weil wir offensichtlich noch nicht genug gegessen und ausreichend betrunken waren, hat Kelsey vorgeschlagen, ins ca. 3km entfernte Bosnien mit der Tram zu reisen, damit wir auch einmal in diesem Land gewesen sind; in Form des Restaurants Sofra. Das Restaurant entsprach optisch und vom Service absolut meinen Vorstellungen von einem solchen landestypischen Restaurant. Ich mochte es trotzdem, es hatte seinen Charme. An dem Abend habe ich gelernt, dass man sich in Bosnien nicht gerne die Zunge verbrennt, weshalb das Essen sehr lau serviert wird. Ich bin dann doch eher für warmes Essen.

Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen.
Johann Wolfang von Goethe

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