Triest – La citta del caffè

Triest. Wien. Venedig. Wer weiß das schon.

Aus Richtung Istrien passiert man erst ein Industriegebiet, dann den riesigen Handelshafen, bevor man in die Stadt einfährt; dazu die Häuser dicht an dicht am Hang gedrängt und ich war wirklich überrascht, als ich gelesen habe, dass Triest nur knapp über 200.000 Einwohner hat.

Die ersten Stunden in Triest wusste ich nicht, wo ich zuerst hinschauen und somit auch hingehen sollte. Ich habe selten eine Stadt gesehen, die so viele unfassbar schöne und gut erhaltene alte Gebäude hat, wie diese Stadt. Die Architektur ist ein Mix aus wienerisch und venezianisch und das vom Feinsten; Triest ist wirklich ein Augenschmaus. Bei strahlend blauem Himmel sollte man unbedingt hoch auf das Castello di San Giusto und den Blick über das Meer, die Stadt und das Karst-Gebiet genießen.

Und wenn man abends am Hafen steht, den Sonnenuntergang über dem Meer ansieht und sich dann umdreht und auf die Piazza Unità d’Italia blickt, fehlen einem so kurzfristig die Worte von dieser Schönheit.

Venezianisch angehaucht sind nicht nur viele Gebäude in der Stadt, Triest hat auch seinen hauseigenen Canal Grande; spätestens da kann man fast behaupten, man hat einen Kurztrip nach Venedig gemacht (geht übrigens mit der Fähre vom Hafen aus).

Was macht die Stadt nun so besonders? 500 Jahre unter der Herrschaft der österreichisch-ungarischen Monarchie machte Triest zum Dreh- und Angelpunkt als Handelshafen, insbesondere nach Fernost und Afrika – und vorallem zum größten Umschlagplatz für Kaffeebohnen in ganz Europa. Irgendwoher mussten und müssen die Wiener Kaffeehäuser ja beliefert werden. Der Hafen von Triest ist ein Freihafen, also zollfrei, der einzige seiner Art in Europa. Dies wurde 1947 im Friedensvertrag festgelegt.

Triest wird nachgesagt, ein frühes New York gewesen zu sein; der Mix aus vielen Kulturen – was eine Hafenstadt aber wohl immer mit sich bringt. Dann das viele geschichtliche hin und her zu welchem Land Triest und seine Umgebung nun gehört – Italien, Slowenien, Österreich, ehemaliges Jugoslawien – „gewonnen“ hat am Ende Italien, als 1954 nach dem zweiten Weltkrieg das Karst-Gebiet neu aufgeteilt wurde. Viele der Menschen wachsen hier mindestens zweisprachig auf, mit Italienisch und Slowenisch, dazu können einige natürlich auch Deutsch. Wobei die italienische Sprache mehr in Triestino gesprochen wird, dem Dialekt der Stadt.

Und trotz alldem hat mich Triest am Ende nicht gecatcht. Der Triestino Dialekt klingt für mich etwas härter als das normale Ciao Bella Italienisch, welchen meine Ohren so gewohnt sind. Zudem kam nicht das Italien-Feeling auf, was ich irgendwie von der Stadt erwartet hatte. Die Stadt ist so an den Berg gequetscht und oft ist es so eng und so viele Einbahnstraßen und ständig Berg hoch … jetzt bin ich wirklich eine erprobte Autofahrerin in Italien, aber die Stadt hat mich ein paar Nerven gekostet. Und an Tag Eins hab ich auch schon gelernt, egal, was das Navi sagt, runter zum Hafen und Richtung Autobahn, wenn man aus der Stadt raus will. Sonst muss man über das Karstgebiet fahren und das heißt einfach Kilometer steil bergauf. Schön ist die Stadt trotzdem.

Piazza dell’Unità d’Italia

Den Namen trägt der Platz erst seit 1955, zuvor hatte er drei weitere Namen – davon hängen geblieben ist Piazza Grande, so wird er nach wie vor von den Einheimischen gerne genannt. Ab ca. 1750 lies Fürstin Maria Theresia von Österreich den Platz neu gestalten; Ende des 19. Jahrhunderts nahm er dann seine heutige Form an.

Im Palazzo del Lloyd Triestino ist heute die regionale Regierung zu Hause, der Palazzo del Municipio beheimatet den Bürgermeister. Schauplatz eines Verbrechens war das Grand Hotel Duchi d’Aosta im Jahre 1768, Johann Joachim Winkelmann, Begründer der wissenschaftlichen Archäologie und Kunstgeschichte, wurde dort ermordet. Das Gebäude beherbergt bis heute prominente Gesichter, so zählten schon Königin Nūr von Jordanien, Bryan Adams und der berühmte berüchtigte Casanova zu den Gästen. In den weiteren Gebäuden befinden sich heute u.a. Restaurants, Cafes und ein Supermarkt.

Der Platz bildet das Herz der Stadt, in der U-Form öffnet er sich zum Hafen und man hat in beide Richtungen einen herrlichen Blick.

Canal Grande

Wer venezianischen Flair schnuppern möchte, ist hier mehr als richtig. Der Kanal wurde ursprünglich angelegt, um die Schiffe für besseres be- und entladen in die Stadt zu lassen. Inzwischen wurde der Kanal neu angelegt, mit Brücken versehen und ist gesäumt von Cafés und Restaurants, die alle zum Verweilen einladen. Aber so richtig venezianisch ums Herz wird es einem erst mit den Täubchen und den Möwen, die einige Damen zum Kreischen bringen, wenn sie die zum Aperol Spritz gereichten Chips entwenden möchten.

Der Hügel San Giusto

Auf dem Hügel San Giusto befindet sich das gleichnamige Castello, die gleichnamige Kathedrale und Überreste einer römischen Stadt aus dem ersten Jahrhundert.

Mit dem Bau des Castellos wurde bereits um 1471 begonnen, die Bauzeit betrug aber tatsächlich über 200 Jahre. Es wurde nie wirklich für militärische Zwecke verwendet, so entkam es auch jeglicher Beschädigung und wird heutzutage für Konzerte und kulturelle Veranstaltungen genutzt. Das interessanteste Gebäude seiner Art ist es sicherlich nicht, aber solche Bauwerke auf Hügeln und Bergen bringen ja immer Ausblick mit sich und schon allein deshalb ist es den Aufstieg wert. Wahlweise empfehle ich aber den Aufzug, der im gleichnamigen Parkhaus direkt auf den Berg fährt.

Hier sieht man auch nochmal die dichte Bebauung der Stadt.

Teatro Romano

Neben dem eben genannten Parkhaus liegt direkt das Teatro Romano. Es wurde vermutlich Ende des ersten Jahrhunderts n. Chr. erbaut, um 600 zerstört und es geriet unter der mittelalterlichen Stadtmauer und den Häusern, die im folgenden erbaut wurden, in Vergessenheit – und zwar über Jahrhunderte. Als man 1938 die Stadt an der Stelle umbauen wollte, kam dann das Teatro wieder zum Vorschein. Mussolini selbst gab den Befehl, dass Häuser abgerissen werden müssen, um das Teatro vollständig freizulegen. Im Juli findet hier jährlich das Teatro Romano Festival statt.

Castello di Miramare

Das an der Felsklippe gelegene Schloß Miramare hat seinen Namen wohl eindeutig von der Lage; Blick auf’s Meer. Fertiggestellt wurde es 1860 für Sisi’s Schwager, den Erzherzog Ferdinand Maximilian von Österreich und seiner belgischen Gattin, dem späteren Kaiserpaar von Mexiko. Die Krone von Mexiko hat er in eben diesem Schloß 1864 erhalten und wurde dafür nach mexikanischem Aufstand und Kriegsgericht 1867 in Mexiko hingerichtet. Das Castello wurde nach seinem Tod die Sommerresidenz für die Habsburger, so genoss dort auch Sisi mit ihrem Kaiser Franz Josef die italienische Sonne.

Zum Schloß gehört ein großer Park, hier legte Erzherzog Ferdinand großen Wert auf eine Vielzahl an Pflanzen und Bäumen aus aller Welt. Dafür ließ er sogar Erde aus seiner österreichischen Heimat anliefern. Vor dem Kaffeehaus im Park ist ein klassischer Garten im italienischen Stil angelegt, der sich über zwei ebenen erstreckt.

Villa Bottacin

Und an der Stelle findet nun auch meine Unterkunft eine kurze Erwähnung, die Villa Bottacin. Ich hatte nach der Geschichte der Villa gefragt, es wurde mir erzählt, dass Nicola Bottacin ein guter Freund von Erzherzog Ferdinand Maximilian war und in der Villa ca. 25 Jahre gelebt hat; das Grundstück um die Villa wurde mit der Zeit verkleinert, um Platz für Wohnhäuser zu schaffen. Die Villa war bis 2005 immer Wohnhaus von Privatpersonen; die heutige Besitzerin hat es dann zu einem Hotel umgestalten lassen. Nicola Bottacin ist später nach Padua umgezogen, dort kann man seine Kunstsammlung heute in einer Ausstellung besuchen.

Torrefazione La Triestina

In der Stadt des Kaffees muss man natürlich auch eine Kaffeerösterei besuchen. Große Kaffee-Namen der Stadt sind Illy und Hausbrandt. Es gibt kaum noch kleine Röstereien im Zentrum, da die Kaffeebohnen nicht mehr in der Zona Una, also dem Stadtzentrum, geröstet werden dürfen. Für Kaffeeröster unverständlich hab ich mir sagen lassen, wenn man da doch auch Pizza und Brot backen darf. Aber ich habe noch eine kleine Rösterei gefunden und zwar die Torrefazione La Triestina.

Matteo hat mich sehr nett empfangen und viel über die Geschichte des Hauses und Kaffee an sich erzählt. Die Rösterei wurde vor ca. zwölf Jahren von den heutigen Besitzern aufkauft, es war bis dato ein Familienunternehmen und wie es in Italien so ist, es ist auch ein Familienunternehmen geblieben. Nachdem die Stadt vor fünf Jahren beschlossen hat, dass man im Zentrum nicht mehr rösten darf, hat das viele der kleinen Röstereien vor ein großes Problem gestellt. Torrefazione La Triestina hat sich mit Hausbrandt zusammengetan. Die Bohnen werden am Montag morgen am Hafen frisch vom Schiff abgeholt und direkt geröstet. In der Hauptsaison röstet man zweimal die Woche. Matteo legt großen Wert darauf, dass die Kunden wissen, dass die Bohnen wirklich frisch geröstet sind.

Der Laden selbst ist ein charmanter bunter Mix aus allem, wie man es eigentlich kaum noch findet. Neben den ausgezeichneten Kaffeebohnen gibt sehr viele verschiedene Teesorten, die Leidenschaft von Matteos Mama, wie er mir erzählt hat. Dazu allerlei Süßes zum Verschenken oder selbst Essen und natürlich eine große Bar, um einen schnellen Espresso zu trinken. Und wenn der beste Freund vom feinsten Restaurant an der Piazza dell’Unità d’Italia einen Notfall hat, weil die Küche für ein Gericht dringend den besten Tee braucht, wird natürlich sofort ausgeholfen und man freut sich, wenn man sich kurz sieht. Sicherheitshalber wird aber bei der Mama nachgefragt, ob sie auch denkt, dass es der passende Tee für das Gericht ist. Familienbusiness eben.

Endlich hat uns der Trank von den Ufern des Orients erreicht. Kostet dieses Getränk mit großem Genuss, und euer Mahl wird eine wahre Freude sein bis zum Schluss.
 Papst Leo XIII

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