Vinci – Heimat eines Genies

Lionardo di ser Piero da Vinci.

Vinci ist ein kleines süßes Städtchen auf den südlichen Hängen des Montalbano und auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man in diesem Teil der Toskana auf Reisen ist. Es ist ein sehr geschichtsträchtiges Örtchen, in dem man sich für ein paar Stunden wirklich gut aufhalten kann.

Als ich vor 15 Jahren zum ersten Mal in der Toskana war, bin ich eher zufällig über Vinci gestolpert. Ohne Plan hatte ich damals ein Hotel gesucht, was so grob mittig zwischen Pisa und Florenz lag; das Hotel gibt es heute noch und ich bin inzwischen zum dritten Mal in San Baronto, nur habe ich das Hotel mit einer bezaubernden alten Villa getauscht und von hier aus ist Vinci nur ein paar Kilometer entfernt.

Casa natale di Leonardo da Vinci

Damals ist mir erst bewusst geworden, dass „da Vinci“ kein Nachname ist, sondern einfach der Zusatz, woher Lionardo di ser Piero stammt, nämlich da Vinci – aus Vinci. Am 15. April 1452 wurde Leonardo da Vinci in Anchiano geboren, einem ca. drei Kilometer entfernten Ortsteil von Vinci, der eigentlich nur aus ein paar wenigen Häusern besteht. Ob es nun wirklich eben dieses eine Haus war, das beruht auf Vermutungen, in jedem Fall stammt es in etwa aus dieser Zeit.

Das Casa natale di Leonardo da Vinci ist nicht sonderlich beeindruckend, wert ist es die Fahrt (oder der Spaziergang vom Ort aus) nach oben aber allemal. Der Ausblick rundherum ist schlichtweg fantastisch und man kann sich schon vorstellen, woher Leonardo bereits in jungen Jahren diese Kreativität geschöpft hat. Es heißt, dass die Landschaft seit der Renaissance so gut wie unverändert geblieben ist.

Das Haus selbst, bestehend aus drei Zimmern, wurde 1952 zum 500. Geburtstag von Leonardo renoviert und in ein Museum umgebaut. Das Nebengebäude ist ein altes Bauernhaus. Heute ist eine Filminstallation zu sehen, ein Raum mit Tisch und Kamin, sowie ein weiterer Raum mit Infotafeln.

Vinci

Die Burg von Vinci fand bereits im 11. Jahrhundert Erwähnung und war heiß umkämpft. Das Adelsgeschlecht der Guidi lieferte sich über ein paar Jahrhunderte einen Schlagabtausch mit Florenz – so gehörte Vinci mal den Guidi und mal zu Florenz. Mal erobert, dann zurückerobert, verkauft und wieder zurückgeholt. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Ort auch noch von den Franzosen besetzt.

Der alte Ortskern von Vinci widmet sich hauptsächlich seinem berühmtesten Kind; so befinden sich im Castello dei Conti Guidi gleich zwei Museum zu seinen Ehren, eine große Holzskulptur des Vitruvianischen Menschen „L’Uomo di Vinci“ steht auf einem Vorplatz des Castello und ist über die Weite hinweg sichtbar.

Bilder von da Vinci selbst und seiner Mona Lisa wurden von den Einheimischen in kreativer Freiheit an Garagentore oder Wände gemalt; dazu tragen Cafes und Restaurants entsprechende Namen.

Eine Biblioteca Leonardiana gibt es neben den vielen alten Kirchen zu besichtigen und dazu zählt natürlich auch die Chiesa die Santa Croce, hier wurde Leonardo getauft.

Die Piazza dei Guidi, über die man zum Eingang des Museums gelangt, wurde vom zeitgenössischen Künstler Mimmo Paladino nach einem Wettbewerb im Jahr 2006 neu gestaltet. So zieren den Boden nun verschiedene Symbole – geometrisch und abstrakt – und glitzern vor allem schön, wenn die Sonne drauf scheint. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich diese Neugestaltung gut finde (wobei ich es davor nie gesehen habe), weil das so völlig überhaupt nicht auf diesen alten Platz passt; aber prinzipiell mag ich glitzernde Dinge.

Abgesehen von Leonardo gibt es in Vinci hauptsächlich, wie oben schon erwähnt, sehr alte Kirchen zu sehen und der Turm des Castellos bietet einen Blick über die wunderschöne Umgebung – ich war nicht oben, weil der Ausblick so schon schön genug ist. Aber es ist zu vernehmen, dass es ein Muss wäre, wenn man in Vinci ist, den Turm zu erklimmen.

Wieviel Schönheit empfängt das Herz durch die Augen!
Leonardo da Vinci

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