Im Namen des Papstes

Warum die bayrische Flagge in Italien blieb.

Ganz in der Nähe von Rom befinden sich die Albaner Berge mit dem Lago Albano und dem Lago di Nemi. Das Gebiet der Albaner Berge und den direkt angrenzenden Orten wird als Castelli Romani bezeichnet.

Ein bezauberndes kleines Schmuckstück im Castelli Romani ist Castel Gandolfo, angesiedelt oberhalb des Lago Albano am Rande eines erloschenen Vulkans. Castel Gandolfo findet man auch auf der Liste der I borghi più belli d’Italia wieder, d.h. es ist wirklich einer der schönsten Orte Italiens. Und dieses kleine Örtchen mit seinen knapp 9000 Einwohnern ist in der Tat eine kleine Berühmtheit.

Die Schönheit und den Erholungsfaktor der Gegend hatte bereits der römische Kaiser Domitian in der Mitte des ersten Jahrhunderts nach Christi entdeckt und lies dort die erste Burg errichten. Überreste dieser alten Burg findet man heute noch unter den jetzigen Gebäuden. Papst Urban VII lies im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts das durch Beschlagnahmung im katholischen Besitz befindliche Castello zur Sommerresidenz umbauen und alle folgenden Päpste der römisch–katholischen Kirche taten es ihm bis 2013 gleich und verbrachten dort die Sommermonate. Mit Ausnahme der Jahre 1870 bis 1929; nach einer Volksabstimmung war das Ende des Kirchenstaates besiegelt und er ging ins Königreich Italien über. Die Päpste dieser Zeit begaben sich ins Exil in den Vatikan. Als dem Vatikanstaat 1929 seine Souveränität zugestanden wurde, durfte der Papst auch wieder nach Castel Gandolfo reisen.

Auf der Piazza della Libertà, dem Herzen von Castel Gandolfo, ist der Apostolische Palast zu finden und von der Piazza aus kann man die bezaubernde Via Roma mit allerlei Restaurants, Cafes und Shops entlang gehen. Seitengassen führen einen immer wieder in Richtung See, von wo aus man einen wunderbaren Blick hat.

Blick über den Albaner See von Castel Gandolfo

Und um noch ein Stück weiter in der Zeit und Geschichte zurück zu gehen, an der Stelle des heutigen Castel Gandolfo soll sich im Rom der Antike der Ort Alba Longa befunden haben. Um 1150 v. Chr. wurden nach der römische Mythologie Romolus und Remus dort geboren, die Kinder einer römischen Priesterin und keinem geringeren als dem Kriegsgott Mars. Und wie wir ja alles wissen, gründete eben dieses Geschwisterpaar Rom. Alba Longa gilt also als die Mutterstadt der ewigen Stadt Rom und macht Castel Gandolfo deshalb noch etwas außergewöhnlicher.

Papst Franziskus befand nach seiner Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche, dass dieses Ausmaß an Gärten und Palast zuviel für ihn alleine wären und so wurde dieser geschichtsträchtige Ort erstmals im Oktober 2016 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es fühlt sich in der Tat etwas besonders an, den apostolischen Palast zu besuchen und durch die ehemals privaten Gemächer der Päpste geführt zu werden.

Insbesondere unser bayrische Papst Benedikt XVI hat sehr gerne Zeit in Castel Gandolfo und den schönen Gärten verbracht. Nach seiner Abdankung und letzten Generalaudienz im Vatikan verließ Benedikt Rom gen Castel Gandolfo, wo er sich am 28. Februar 2013 das letzte Mal als Oberhaupt der katholischen Kirche auf dem Balkon im Apostolischen Palastes den Gläubigen gezeigt hat. Am 23. Mai 2013 trafen im Papstpalast der emeritierte Papst Benedikt XVI und sein Nachfolger Papst Franziskus aufeinander, so ein Ereignis gab es zuletzt vor knapp 700 Jahren.

Ein bisschen amüsiert war ich dann, als ich eine kleine bayrische Flagge auf einem Schreibtisch stehen hab sehen. Beim Tourguide nachgefragt – der dann ganz erfreut war, dass ich aus Bayern kam – wurde mir gesagt, dass das tatsächlich die Fahne von Papst Benedikt war und weil er Castel Gandolfo so gerne besucht hat, hat man diese ihm zum Gedenken dort stehen lassen.

Direkt auf dem Gelände des apostolischen Palastes befindet sich der geheime Garten, den man nicht besichtigen darf. Einmal über die Straße gegangen, durch das Tor, welches auch die Päpste nutzten, kommt man in den Giardini di Villa Barberini. Die Führung dort kann zu Fuß oder mit einem kleinen Bus gemacht werden, die Streckenlänge ist ca. vier Kilometer. Da man im Schnellschritt durch den Garten geführt wird und dadurch kaum Zeit hat, sich diesen anzusehen, wäre der Bus wahrscheinlich genau so gut gewesen.

Ein Großteil des ca. 55 Hektar großen Geländes wird für Landwirtschaft genutzt, also Anbau von Obst und Gemüse, was in den Vatikan gebracht und dort verarbeitet wird. Für die Kinder der mehreren hundert Mitarbeiter der Gärten gibt es sogar eine hauseigene Schule auf dem Gelände.

Und um am Schluss noch einmal kurz auf den Ort selbst zurückzukommen, irgendwie ist es so ein Ding in Castel Gandolfo, dass die Geschäfte und Cafes Fahrräder vor ihren Läden bunt dekoriert und angemalt haben. Wenn mir jemand erklären kann, woher das kommt, ergänze ich das gerne noch. In jedem Fall sieht es sehr nett aus.

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Das Leben ist wie Fahrrad fahren. Um die Balance zu halten, muss man in Bewegung bleiben.
Albert Einstein

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