Kaiserliche Sommerfrische in Bad Ischl

Wie der Kaiserschmarrn zu seinem Namen kam.

An Weihnachten 1955 wurde österreichische Filmgeschichte geschrieben; Romy Schneider und Karl-Heinz Böhm waren erstmals als kaiserliches Traumpaar in Sissi im Kino zu bewundern. Und eigentlich müsste jedem, der die Filme gesehen hat, Ischl ein Begriff sein. Unsere bayrische Prinzessin Sissi aus Possenhofen, gebürtige Münchnerin, reist als 15jährige mit ihrer Mutter, Erzherzogin Ludovika, und Schwester Nené nach Ischl. Prinzessin Helene, Nené, soll sich mit dem jungen, schneidigen österreichischen Kaiser Franz Joseph in der kaiserlichen Residenz zu den Feierlichkeiten seines 23. Geburtstages verloben. So der Wille der Eltern des potentiellen Kaiserpaares. Wie wir wissen, kommt alles ganz anders, als der Franzl die Lisl aus Possenhofen kennenlernt.

Realität und Film entsprechen sich nicht in Gänze. Allerdings ist es Tatsache, dass sich die beiden wirklich Hals über Kopf in Ischl verliebt und verlobt haben. Die Verlobung fand wie geplant am Geburtstag von Franz Joseph statt, der im Seeauer Haus, der elterlichen Sommerresidenz, gefeiert wurde. Gelegen ist das Haus, welches das heutige Stadtmuseum beherbergt und zwischenzeitlich das Hotel Austria war, an der 1830 zu Ehren Erzherzogin Sophies gestalteten Sophiens Esplanade direkt an der Traun.

Die Kaiservilla am Rande von Bad Ischl kam zur Hochzeit in Besitz des Paares; diese war ein Geschenk von Erzherzogin Sophie, der Mutter des Kaisers. Die Villa wurde nach kaiserlichen Wünschen und als Hommage an die Kaiserin Elisabeth umgebaut. Aus der Vogelperspektive betrachtet erkennt man die Form der Villa, ein E.

Franz Joseph soll Ischl als „den Himmel auf Erden“ bezeichnet haben und er liebte es dort die Sommermonate zu verbringen. Auch Kaiserin Elisabeth fühlte sich dort sehr wohl, da es sie an ihre unbeschwerte Jungend in Possenhofen am Starnberger See erinnerte. Das Schloß Possenhofen und den Starnberger See befand der Regisseur Ernst Marischka übrigens zu unspektakulär für die Sissi-Trilogie und so dienten das Schloss Fuschl am Fuschlsee, etwa eine gute Stunde Autofahrt von Ischl entfernt, als Kulisse für die bayrische Heimat der Kaiserin.

Die Kaiservilla war privater Rückzugsort vom Hofe in Wien und dessen Verpflichtungen. Es gab dort keine Gästezimmer, Staatsbesucher kamen in Ischl unter und selbst die Bediensteten waren in Nebenzimmern untergebracht oder über Gebäude auf dem weitläufigen Gelände verteilt. In der Villa ging alles sehr bodenständig zu, sofern man das für ein Kaiserpaar sagen kann.

Heute kann man den Flügel von Kaiser Franz Joseph besichtigen; die Möbel aus der Kaiserzeit sind noch erhalten und befinden sich mehr oder weniger an ihren ursprünglichen Plätzen. Der Kaiser war ein passionierter Jäger, weshalb in den Gängen hunderte von Geweihen und ausgestopften Tieren hängen oder in Glasschränken ausgestellt sind.

Der privaten Räume der Kaiserin Elisabeth sind bis heute bewohnt von den Nachkommen der jüngsten Tochter, Erzherzogin Marie Valerie, die 1890 in Ischl Franz Salvator von Österreich-Toskana heiratete. Die Liebe zu Ischl hatte sie von ihren Eltern geerbt und so hat Kaiserin Elisabeth veranlasst, dass Marie Valerie Erbin der Kaiservilla sein wird. Die Villa befand sich immer im Privatbesitz der kaiserlichen Familie, so fiel diese auch nicht an den Staat zurück, als die Monarchie in Österreich ihr Ende fand. Das Ende des Kaiserreichs hat Kaiser Franz Joseph selbst in Ischl eingeleitet, auch wenn er sicherlich anderes im Sinn hatte, als er die Kriegserklärung An meine Völker! an seinem Schreibtisch im Arbeitszimmer verfasste und unterschrieb.

Der Villa angeschlossen ist ein großer Garten mit Jagdgebiet und hauseigenem Berg. Eigens für die Kaiserin wurde im Park das Marmorschlössl errichtet. Ein im Tudorstil erbautes Cottage, in dem die Kaiserin immer ihr Frühstück zu sich nahm und das zu ihrem privaten Zufluchtsort in den heißen Sommermonaten wurde.

Heute beherbergt es wechselnde Ausstellungen. Aktuell sind um das schöne Cottage bunte Bänke aufgestellt zum Thema Jagend und Tracht. Die derzeitige Ausstellung dort lautet „Wir jagen .. im Salzkammergut“.

Im Jahr 2016 wurde der wunderschöne Kurort Bad Ischl mit der Entente Florale in Gold ausgezeichnet; kein anderer Ort in Europa wurde jemals höher bewertet als Bad Ischl. Die Auszeichnung besagt, dass man in Ischl die höchste Wohn- und Lebensqualität in ganz Europa hat.

Nachdem die Eltern von Franz Joseph Ischl als Urlaubsort für sich entdeckt haben, angetan von der guten Luft und der schönen Lage, sprach sich das natürlich herum und so urlaubte dort bereits Mitte des 19. Jahrhunderts alles mit Rang und Namen, von Johann Strauss über Mark Twain zu Franz Lehàr. Für die hohen und reichen Gäste entstanden viele prunkvolle Hotels, wenn sie sich nicht direkt eine eigene Villa dort erbauen ließen. Bad Ischl ist nach wie vor der liebste Ort zur Sommerfrische für die Österreicher. Vornehmlich kam es mir persönlich so vor, als wäre es der beliebteste Ort für die Rentner des Landes.

Bad Ischl sollte man sich aber nicht fürs Rentenalter aufsparen. Das wäre viel zu schade. Der Ort ist wirklich sehr schön und eignet sich hervorragend für einen Tagesausflug bzw. lädt auch ein, ein paar Tage zu verweilen. Mindestens um den besten Kaiserschmarrn der Stadt in der ehemaligen K. u. K. Hof–Zuckerbäckerei, der Konditorei Zauner, am Ufer der Traun zu genießen.

Und apropos, wie kam nun der Kaiserschmarrn zu seinem Namen? Die Mehlspeise gibt es schon ein paar hundert Jahre, allerdings besagt die Legende, dass diese 1854 Einzug in den Wiener Hof fand. Der etwas zur Magersucht tendierende Kaiserin Elisabeth wurde in dem Jahr das Gericht erstmals zubereitet, um ihr zu ein paar Pfunden mehr zu verhelfen. Zugelegt hat dann wohl eher der Kaiser Franz Joseph, der das Gericht mit Genuss verspeiste, während seine Gattin es verschmähte. Fortan trug die süße Mehlspeise den Namen Kaiserschmarrn und wurde über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt und zählt auch bei uns in Bayern zu einer der beliebtesten Süssspeisen.

Und jetzt noch zum Sissikuss und der Glücksgasse.

Ein kleiner Souvenir Shop, der sich etwas abhebt von dem durchschnittlichen touristischen Geschäften ist das süße Sissikuss. Wer Zeit hat, kann hier auch auf einen Kaffee oder ein Küchlein verweilen und mit der netten Besitzerin . Ich hatte an dem Tag leider schon ausreichend Kaffee, weshalb ich mir die kaiserlichen Kaffeebohnen einfach mit nach Hause genommen habe.

Die Glücksgasse! Schon allein des Namens wegens muss man der kleinen Gasse einen Besuch abstatten. Und neben Glück bringt es auch gute Laune, wenn man die Kugeln in der Luft funkeln und glitzern sieht und wie sie sich im Wind drehen.

Es sei noch erwähnt, dass in der Ischler Gegend seit etwas Mitte des 16. Jahrhundert Salz gewonnen wird und dies dadurch natürlich ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist. Im Salzkammergut kann man drei Salzwelten besuchen, aber die habe ich ausgelassen.

Oh, wie sehne ich mich nach dem lieben, lieben Ischl.
Kaiser Franz Joseph I. (ca. 1845)

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