Un Maggio Italiano.
Wahrscheinlich sollte ich die Anzahl der Tage mal zählen, die ich in diesem Jahr in Italien verbracht habe und im besten Fall kommen im Dezember noch ein paar dazu. Nachdem ich aus meiner Italienreise im April, die sehr spontan war und eigentlich Wien und Bratislava hätte sein sollen (in Kombination mit Budapest habe ich das im September nachgeholt), kurz zurück München musste, ging es also nochmal in mein liebstes Reiseland.

Meine Reise hat mich über die Toskana ins Castelli Romani und nach Rom gebracht, weiter via Tivoli und Siena wieder hoch nach Norditalien an den Gardasee, bevor es zurück nach München ging. Verona hatte ich diesmal fast ausgeklammert, aber für den obligatorische Aperol Spritz mit Arena View war schon Zeit.
Wenn ich nur die Strecken zwischen den Unterkünften zusammenrechne und dazu Italien/München hin und zurück, komme ich auf 2068 Kilometer. Hier sind keine Ausflüge und absichtliche oder versehentliche Umwege enthalten, genauso wenig, dass ich mehrfach die Straße auf und ab gefahren bin, bis ich endlich die Abfahrt nach La Cerra gefunden hab und auch nicht der Stopover in Caprarola, um die Villa Farnese zu besichtigen (übrigens die Vorlage des US Pentagon), der dann doch kein Stopover wurde und mangels Internetverbindung und fehlenden Autobahnschildern hatte ich auch kurz die Hoffnung verloren, jemals in Siena anzukommen.

Ich war das erste Mal 2010 in der Toskana und dann erst wieder 2021. Ich konnte mich aus der ersten Reise nur noch sehr wenig an die Orte erinnern, somit war der Plan, auf alle Fälle nach Pisa zu fahren und den Kochkurs in Florenz hatte ich auch schon gebucht. Dass ich am Ende in Ostia Antica auf alten römischen Straßen spazieren würde, das italienische Wort Papavero lerne, in Tivoli in einem Ferienressort übernachte werde, in dem ich mir wie in Dirty Dancing vorgekommen bin, das wusste ich noch nicht, als ich in München losgefahren bin.
Und dann die Römerin, die mich in der Metro völlig entsetzt angesehen und direkt belehrt hat, als ich meine Tasche losgelassen hab, als etwas Luft war. Oder diese riesengroßen Kakteen in Ostia, die man eher bei den Cowboys in den USA suchen würde und nicht in Italien.



Die beiden völlig durchnässten Straßenhunde in Sermoneta, wovon mich einer als Freundin auserkoren und in den Ort begleitet hat und dann noch der verzauberte Nymphengarten, ein verfallenes mittelalterliches Dorf, welches eine reiche Familie vor gut 100 Jahren zum Garten umfunktioniert hat. Einfach das ganze Dorf. Die Reise hat mich mit vielen wunderbaren Menschen zusammengebracht, vor allem mit dieser bezaubernden Kubanerin, Kellnerin im Restaurant von La Cerra, die mich durch das ganze Haus geführt und mir die Geschichte erzählt hat und mit mir so schnell Spanisch gesprochen hat, dass ich gar nichts mehr verstanden habe und wir haben die ganze Zeit gelacht. Solche Erinnerungen verblassen mit der Zeit leider oder man vergisst sie irgendwann ganz. Aber genau diese Erlebnisse machen Reisen eigentlich so schön.



Toskana (Teil 1)
Vor zwei Jahren hatte ich bereits in der wunderschönen Villa di Papiano in San Baronto übernachtet, einer Villa aus dem 16. Jahrhundert mit hauseigenem Glockenturm. Angesiedelt ist sie auf dem Montalbano und man hat einen wunderschönen Blick über das Tal und Lamporecchio. Als ich mich für die Toskana entschieden habe, war auch klar, dass ich wieder bei Patricia zu Gast sein wollte. Ich hab mich sehr gefreut, sie und ihre Familie wieder zu sehen.



Mitte des 19. Jahrhunderts kam die Villa im Besitz einer Lady aus den USA. Sie hatte einen Italiener kennengelernt, der ihr auf einer Reise die wunderschöne Villa gezeigt hatte. Die Lady hatte sich sehr mit der Gegend verbunden gefühlt, sie hat die Leute unterstützt, die Kirche renoviert, eine Schule eröffnet und dadurch Arbeitsplätze geschaffen, weshalb die Villa auch den weiteren Namen Villa dell’Americana trägt. In den 1950er Jahren hat die Familie von Patricias Mann die schöne Villa gekauft und um sie weiter erhalten zu können, wurden ein paar Räumlichkeiten in Ferienwohnungen verwandelt.





Über den Ausflug nach Vinci, der Heimat von Leonardo, hatte ich bereits in einem eigenen Blogbeitrag berichtet. Der Weg nach Pisa hat mich zufällig durch Caprona gebracht, ein kleiner Ort an einem hohen Felsen, auf dem ein mittelalterlicher Turm steht. Ich wollte so gern mehr herausfinden und hab angehalten, aber weiter als bis zum Tor bin ich nicht gekommen.



Pisa war wunderschön und entspannt. Ich hatte mir bei meinem ersten Besuch 2010 nur den schiefen Turm angesehen, aber die Stadt hat soviel mehr zu bieten. Darüber werde ich sicherlich nochmal ausführlicher erzählen.



Auf der Fahrt nach Volterra musste ich immer wieder anhalten und Fotos machen. Ich weiß bis heute nicht, wie die Blume heißt, die die Landschaft überflutet hat, aber es war der Wahnsinn. Volterra habe ich total genossen, dieser alte etruskische Ort ist ein kleines Juwel in der Toskana und ich mag ihn sehr gerne. Es gibt nette kleine Shops, gutes Essen und die Römer haben sogar ein Teatro Romano dort gebaut, als sie Einzug in die Stadt gehalten haben.
Und wer jetzt noch nie in Volterra war aber das Gefühl hat, schon mal was von dem Ort gehört zu haben, der hat wahrscheinlich Twilight im Kino gesehen. In Volterra ist nämlich der große Vampirzirkel der Volturi beheimatet. Ob die Autorin Stephenie Meyer inzwischen in Volterra war, weiß ich nicht. Sie hatte die Voltrui einfach dort angesiedelt, weil der Name der Stadt zufällig ähnlich wie Volturi klang.





Florenz durfte natürlich auch nicht fehlen, hier hatte ich einen Pizza & Gelato Kurs gebucht. Anstatt einen zweiten Tag in Florenz zu verbringen, war ich spontan in der Villa Medicea di Poggio al Caiano. Ich hab schon einige der Medici Villen gesehen, aber die habe ich mich verliebt, dieser wunderschöne Garten. Da möchte ich gerne einziehen.




An meinem vorletzten Tag in San Baronto hatte ich mich dann endlich auch entschieden, wie die Reise weitergehen soll – nach Rom! Ich würde ja sagen, Rom ist immer eine sehr gute Wahl, aber wie sich dann herausgestellt hat, die beste Entscheidung. Auf meiner Fahrt nach Lazio haben diese schweren Regenfälle in Venetien, der Lombardei und in der Emilia Romagna eingesetzt und diese Landesteile teilweise komplett überflutet.
Lazio: Castelli Romani, Tivoli und Roma
Von der Toskana ging es ins Castelli Romani, südlich von Rom gelegen nach Castel Gandolfo und dort in das schönste Hotel der Reise, das La Locanda Del Pontefice. Dem Regen bin ich zwar auch nicht ausgekommen, aber es gab nur die Option das Beste daraus zu machen. So habe ich mir nach dem Einchecken mit dem Auto einen kleinen Überblick über die Umgebung verschafft.



In Frascati hat es mal ein paar Minuten nicht geregnet und ich bin kurz ausgestiegen, denn der Anblick der Villa Aldobrandini war unerwartet und spektakulär. Frascati habe ich mir zwei Tage später genauer angesehen, zuvor habe ich den Papst besucht, bzw. seine Sommerresidenz in Castel Gandolfo und mir den Ort, der auch zu den schönsten Dörfern Italiens zählt, angesehen.




Typisches Essen aus der Gegend ist der Porchetta alla romana, römischer Rollbraten. Ich hätte ihn gerne probiert, aber mangels Touristen war der nur sporadisch verfügbar, somit kam ich nicht in den Genuss. Die Gegend war bereits zu Zeiten der alten Römer beliebt für Sommerfrische, um der Hitze der Stadt zu entkommen, weshalb es dort auch viele tolle Villen gibt.
Am besten haben mir die Orte Aricci und Nemi gefallen. In Aricci hat mich die Lage bezaubert, die Straße um den Parkplatz wieder zu verlassen habe ich dagegen verflucht.


Nemi ist total süß und das in jeglicher Hinsicht, in Nemi ist alles Erdbeere. Das ist quasi der Ort der Erdbeere und es gibt einfach alles mit Erdbeeren, sogar ein Erdbeerfestival. Leider war das nicht im Mai. Ich liebe Erdbeeren.






Von Castel Gandolfo ging es in die Nähe von Lanuvio, immer noch im Castelli Romani. Ich war ein paar Nächte in einer relativ neuen Agriturismo Unterkunft names Il Casale degli Ulivi. Ein wunderschönes Fleckchen Land zwischen Olivenbäumen und Weinreben, was von der lieben Azzura geführt wird. Am Abend gab die Hausherrin ein italienisches Dinner, ich hatte Glück, das gibt es nämlich nur samstags, Weinprobe inklusive.



Vor dem hervorragenden Abendessen habe ich den magischen Giardino di Ninfa bei Cisterna di Latina besucht. Man hat schon das Gefühl, dass sich da ein paar Gartenelfen und Blümchenfeen verstecken könnten, selbst die New York Times hat ihn als schönsten und romantischsten Garten weltweit bezeichnet. Allerdings hat das bei strömenden Regen nur bedingt Spaß gemacht.



In Sermoneta gab es die besten handgemachten italienischen Cookies, die ich jemals gegessen habe, die wurden mir auch von Azzura empfohlen. Sermoneta ist einer der mittelalterlichsten Orte, die ich in Italien je besucht habe. Diese verschlungenen schmalen Gassen, schiefen Steintreppen, eine kleine Burg darf auch nicht fehlen und überall das alte Kopfsteinpflaster. Und ja, diese Aufzählung trifft auf einige Orte in Italien zu, aber neben Canale di Tenno am Gardasee, war das der einzige Ort, in dem ich mir wie in einer vollständigen mittelalterlichen Filmkulisse vorkam. Und wen trifft man in dem kleinen Ort auf dem Berg? Münchner. Selbstverständlich.





Auf den Spuren der alten Römern bin ich in der alten römischen Hafenstadt Ostia Antica gewandert, die im zweiten Jahrhundert nach Christi entstanden ist. Ich liebe ja diese alten römischen Steine und könnte Stunden da sitzen und mir überlegen, wie das damals wohl war. Ostia Antica lässt sich mit Ercolano und Pompeji vergleichen, nur wurde der Ort zum Glück nicht bei einem Vulkanausbruch zerstört. Ostia Antica liegt an der Mündung des Tiber, der ins Meer führt, weshalb das zu römischen Zeiten die perfekte Lage für einen Handelshafen war. Direkt am Meer wurde in den 20er Jahren das neue Ostia gegründet, so hat man dem Ort um die Römischen Ruinen „Antica“ im Namen voran gesetzt hat.






In Tivoli hätte ich sehr gerne mehr Zeit verbracht und vorallem hätte ich mir gerne mehr Zeit für diese beiden schönen Villen genommen, aber bei dem Regen hat das keinen Sinn gemacht. Die Villa Gregoriana und den alten Tempelbezirk habe ich erst gar nicht gesehen, ebenso wenig den berühmten Wasserfall, dh. ich muss zurück nach Tivoli und das im besten Fall bei Sonnenschein.
Tivoli ist in Italien das Synonym für Vergnügungsparks und das geht auf Kaiser Hadrian zurück, der diese pompöse Villa Adriana im 2. Jahrhundert nach Christi vor den Toren der Stadt hat erbauen lassen. Die heutigen Ruinen lassen immer noch erahnen, was Hadrian damals entstehen lies: die große Gartenanlage, römische Bäder, künstliche Seen mit Wasserspielen und allem, was das Kaiserherz so höher schlagen lies. Die Villa Adriana hat meine persönliche Vorstellung einer Villa neu definiert.



Die Villa D’Este ist ein Renaissancepalast mit einem malerischen Garten auf verschiedenen Ebenen, in dem man wahrscheinlich Stunden verbringen kann könnte. Ich habe nach einem Drittel leider aufgegeben. Die Anlage besteht aus großen und kleinen Brunnen, unzähligen Wasserspeiern und ist wunderschön bepflanzt. Die Wasserspiele hat an diesem Tag der Himmel gegeben. Gebaut hat die Villa im 16. Jahrhundert ein Kardinal, seines zeichens Sprößling der Femme fatale der Renaissance: Lucrezia Borgia; ihr werden u.a. Mord und eine päpstliche Affäre nachgesagt.



Meine Unterkunft in Tivoli war wieder ein Agriturismo, das La Cerra, was mich einfach komplett an die Ferienanalage in Dirty Dancing erinnert hat. Erst etwas spooky anmutend mit unzähligen Puppen und Spielzeug ausgestattet, hätte es mich beim Check-In nicht gewundert, wenn Chucky um die Ecke gekommen wäre. Überraschenderweise war es eine der saubersten Unterkünfte, in der ich jemals übernachtet habe, mit einem der besten Restaurants in denen ich in Italien jemals gegessen habe.






Und ich war auch noch zwei Tage in Rom. Irgendwann muss ich mir mal die Zeit nehmen und zwei bis drei Wochen in der Stadt verbringen. Sie ist einfach zu schön und es gibt soviel zu sehen, da sind ein paar Tage einfach nicht ausreichend.

Toskana (Teil 2)
Nach den verregneten Tagen war es auch okay, wieder gen Norden zu fahren (auch wenn ich bei weitem noch keine Lust auf München hatte, aber noch südlicher wäre einfach zu weit gewesen). Da ich schon öfter in der schönen Stadt Siena war, bin ich nur kurz durchspaziert, hab einen Spritz getrunken, bis es, Überraschung, zu Regnen angefangen hat. Siena ist übrigens, wie auch Volterra, ein Drehort von Twilight.
Von Siena aus habe ich dann wieder zwei kleine Orte besucht, in denen ich schon war, San Gimignano und Monteriggioni. San Gimignano ist das mittelalterliche Manhattan, von den ehemals 72 Türmchen sind aber leider nur noch 13 erhalten.

Zu Monteriggioni gehören viele kleine Örtchen, einer davon hat sogar nur 15 Einwohner. Der Ort selbst liegt auf dem Monte Ala und wird von der sehr gut erhaltenen Stadtmauer aus dem Mittelalter eingeschlossen; entsprechend mittelalterlich sieht es auch noch innerhalb der Stadtmauern aus: alte niedrige Häuschen, kleine Gassen und ein großer Marktplatz. Monteriggioni liegt an der Via Francigena, einem mittelalterlichen Pilgerweg, der von Canterbury in England nach Rom führt.



Ein Weintasting hatte ich bei Poggio al Sole in Badia a Passignano gebucht, fast kamen mal wieder Zweifel am Navi auf, es war eine kleine querfeldein Abenteueranreise, aber in der Tat der richtige Weg. Überraschenderweise wurde das Weingut von einem jungen Pärchen aus der Schweiz geführt.



Und dann hatte ich erstmal keine Lust mehr und wollte heim, der Regen war ab einem gewissen Punkt nur noch nervig und anstrengend.
Gardasee
Da ich nicht die ganze Strecke von Siena nach München durchfahren wollte, hab ich mir drei Nächte in Bardolino gebucht. Ich hatte sowieso noch vor, den zweiten Pastakurs in der Cusina by Fracca zu machen, also hat das gut gepasst. Aus den drei Nächsten ist dann doch eine ganze sonnige Woche mit 27/28 Grad geworden, die Unterkunft war so schön, wenig Touristen und endlich Sonne.



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Zum Nachlesen
Vinci – Heimat eines Genies Vinci, ITA
Firenze: Towns of Italy – Cooking Schools Florenz, ITA
Im Namen des Papstes Castel Gandolfo, ITA
Cusina by Fracca – Cucinare in Italiana Lazise, ITA (mit den beiden Kursen im April & Mai)
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Der Schöpfer hat Italien nach Entwürfen von Michelangelo gemacht.
Mark Twain (1835 – 1910)