Ahoj kráska!

Bratislava – Die Schönheit an der Donau.

Im letzten September hab ich meinen Koffer gepackt für drei europäische Hauptstädte: Budapest, Bratislava und Wien. Budapest wird die Königin der Donau bezeichnet und Bratislava ist die Schönheit (kommt nicht von mir), also müsste Wien demzufolge die Kaiserin sein. Googelt man aber Beinamen von Wien kommt sowas wie „Goldener Apfel der Deutschen“ heraus. Bratislava ist wohl die vermeintlich uninteressanteste dieser drei Städte, aber wirklich zu schön um sie zu übersehen.

Bratislava liegt an der Einwohnerzahl von knapp 450.000 gemessen im unteren Mittelfeld der europäischen Hauptstädte, ist aber laut Wikipedia auf Platz sechs der Städte mit der geringsten Einwohnerdichte in Europa; solche Vergleiche finde ich ja immer interessant. Die Stadtrechte erhielt sie 1291 und war somit offiziell eine königliche Freistadt. Bis Bratislava so wurde, wie wir es heute kennen, hat es von den Kelten über die Römer und Germanen, dazu Österreich-Ungern mit allen Kaisern, Königen und Herrschern quasi alles gesehen. Auf der Anhöhe der Burg gibt es sogar Funde aus der Altsteinzeit.

Die Burg von Bratislava, die Pressburg, wurde das erste Mal um 805 erwähnt und war zusammen mit der nahegelegenen Burg Devin, der Burg Theben, das Zentrum des Fürstentums Nitra, zugehörig zum Großmährischen Reich und ich habe bis zur Recherche für den Artikel auch noch nie davon gehört, darum vertiefe ich das jetzt besser auch nicht.

In jedem Fall hat dieses Gebiet durch die Lage an der Donau und auf den Ausläufern der Karpaten wohl immer eine strategisch wichtige Rolle gespielt. In etwa durch die heutige Mitte der Stadt, an der Donau entlang, verlief sogar der Römische Limes. Erst mit Königin Maria Theresia von Ungarn und Böhmen kehrte ab 1740 Frieden ein und sie lies die Pressburg umfangreich zur Wohnresidenz umbauen.

Nun fließt die Donau zwar durch die Mitte der Stadt, aber nicht durch die Altstadt. Von Ungarn aus in die Stadt kommend zeigt sich diese erstmal mit voller Breitseite in ihrem Ostblockcharme, überquert man dann die Donau über die Brücke des Slowakischen Nationalaufstands sieht man auch schon die Burg und ist fast im Zentrum angelangt. Von der Burg aus hat man einen tollen Blick auf besagte Brücke.

Brücke des Slowakischen Nationalaufstands mit dem UFO

Die Altstadt ist unaufgeregt charmant mit vielen schönen Ecken und Gassen, einladenden Cafès und Restaurants. Ich mochte die Stadt auf anhieb und hab mich wohl und sehr sicher gefühlt. Was aber auch an meiner zentralen Unterkunft im Radisson Blu Carlton Hotel lag, was ich jedem empfehlen kann. In Bratislava kann man sich das Hotel im Gegensatz zu Wien auch für zwei oder drei Nächte leisten. Und man ist in guter Gesellschaft: in dem historischen Gebäude residierten u.a. schon Persönlichkeiten wie Thomas Edison, Alfred Nobel und Theodore Roosevelt.

Eine kleine Allee vor dem Hotel endet direkt beim slowakischen Nationaltheater. Die Allee bietet im Sommer für Einheimische und Touristen zum Glück viel Schatten und es gibt eine Reihe netter Cafes und Restaurants in denen man seine Zeit verbringen kann. Hier beginnt auch direkt die schöne Altstadt. Am ersten Abend hab ich mir dort erstmal ein einheimisches Restaurant gesucht, ich wollte unbedingt Strapačky essen, so etwas ähnliches wie Spätzle, also traditionelle slowakische Nocken mit saurer Sahne und Speck. Dazu gab den knoblauchhaltigsten Gurkensalat meines Lebens … gut, an den Ausläufern der Karpaten evtl.. auch nicht das verkehrteste, sind die rumänischen Karpaten die Heimat von niemand geringerem als Dracula.

Das Restaurant liegt nur ein paar Meter vom einzigen erhaltenen mittelalterlichen Stadttor entfernt, dem Michalská brána, eines der ältesten Gebäude der Stadt. Die namensgebende Michaelskirche ist leider nicht mehr existent. Durch das Stadttor bin ich erst am nächsten Tag gegangen, als ich mir auch die Burg angesehen habe. Auf dem Weg zur Burg kann man einen kurzen Abstecher zum Palais Grassalkovich, dem Präsidentenpalast, machen. Von dort geht dann auch direkt der Bus hoch zur Burg.

Wenn man durch die Altstadt mit den verwinkelten Gässchen schlendert, findet man immer wieder eine Skulptur, mit der sich Touristen gerne ablichten. Diese lustigen Figürchen sollen die Gassen lebendiger gestalten. Da gibt es z.B. Cumil, den Gaffer, der aus der aus einem Kanaldeckel lugt. Hubert, den napoleonischen Soldaten, der sich in ein einheimisches Mädchen verliebt hat, als die Stadt vom großen französischen Kaiser besetzt wurde, findet man auf dem schönen Hlavné námestie, dem Hauptplatz, der auch zum verweilen einlädt. Und weil der Märchenerzähler Hans Christian Andersen 1841 Bratislava besucht hat, hat man ihm zu Ehren auch eine Statue errichtet.

In der Bezručova ulica, ein paar Gehminuten entfernt von der Altstadt, erhebt sich in einem Wohngebiet eine der ungewöhnlichsten Kirchen, die ich je gesehen hab. Die Sankt Elisabeth Kirche wurde im typischen ungarischen Jugenstil mit orientalischen Elementen erbaut und 1913 fertiggestellt. Besser bekannt ist die Kirche heute unter dem Namen Blue Church, der Name ist hoffentlich selbsterklärend. Geweiht ist die Kirche der Heiligen Elisabeth von Ungarn, errichten ließ Sie Kaiser Franz Joseph I. Die Legende besagt, er habe sie zum Andenken an Kaiserin Elisabeth erbauen lassen.

Ein weiteres außergewöhnliches Bauwerk ist die Brücke des Slowakischen Nationalaufstands mit der UFO Aussichtsplattform. Die Brücke ist eine der längsten Schrägseilbrücken der Welt und das UFO gehört zur World Federation of Great Towers und wurde 2001 zum slowakischen Jahrhundertbauerwerk gewählt. Selbst die Toilette hat dort einen eigenen Hashtag: #thebestbathroomview.

Etwas durcheinander gebracht hat mich tatsächlich die Schräge. Man sieht ja die schräge Stahlkonstruktion, dh. der Aufzug fährt auch nicht gerade nach oben und dann die Treppen zur oberen Aussichtsplattform waren ja auch in der Schräge und sind ja an sich schon eher schräg und genauso hat sich mein Kopf dann angefühlt.

Von der obersten Plattform hat man einen schönen Blick über die Altstadt. Auf der gegenüberliegenden Seite gibt es Plattenbauten und Windkrafträder soweit das Auge reicht. Die Windkrafträder befinden sich im Niemandsland nach Wien zur slowakischen und ungarischen Grenze. Dort bin ich auch durchgefahren. Don Quijote und Sancho Panza hätten ihre größte Freude.

Die slowakische Hauptstadt ist wirklich einen Besuch wert, egal, ob für ein Wochenende oder für einen Abstecher aus Wien. Ich kanns euch nur ans Herz legen, ein bisschen Zeit dort zu verbringen.


Hrad Devín – die Burg Theben

Auf dem Weg nach Wien habe ich noch einen Stopp bei der zu anfangs schon erwähnten Hrad Devín, der Burg Theben, gemacht. Die Geschichte der Burg bzw. des hohen Felsens auf dem die Burg erbaut wurde, geht bis vor Christus zurück und war die Grenzstation der nahegelegenen Römischen Stadt Carnutum. Carnutum existiert heute noch, allerdings als Nachbau und ist eine große Touristenattraktion bei Wien, leider war ich bisher noch nicht dort.

Wenn man den Fußmarsch vom Parkplatz bis ganz nach oben geschafft hat, dann hat man diesen wunderschönen Ausblick über die Landschaft um die Thebener Pforte, Devínska brána, durch die die 358km lange March genau zu Fuße des hohen Felsens, in die große Donau fließt.

Die bewegte, jahrtausendalte Geschichte der Burg fand 1809 erstmal ein jähes Ende als Napoleon einmarschierte und die Burg von seinen Soldaten ohne Grund gesprengt wurde. Man hat sie nie wieder aufgebaut und so kann man heute fast nur noch Ruinen besichtigen. Nach einer Weile in Privatbesitz wurde die Burg 1932 an die Tschechoslowakei verkauft; ab 1938 gehörte sie zum Deutschen Reich und wurde für Aufmärsche und Kundgebungen genutzt. Zur Zeit des kalten Krieges hat man Wachtürme und Stacheldrahtzäune um die Burg und die Gegend errichtet, Grenzsoldaten sollten verhindern, dass Tschechoslowaken in den Westen flüchten konnten. 1989 hat das glücklicherweise alles sein Ende gefunden.

Die Burg und das zugehörige Land wurden 1961 zum nationalen Kulturdenkmal erklärt, da es viele botanische, geologische und zoologische Besonderheiten aufweist. Um diese auch weiterhin zu erhalten, tragen z. B. Schafe bei, die man dort schon seit Jahrhunderte grasen lässt. Auch auf dem Felsen der Burg selbst wachsen besondere Kräuter, Gräser und Sträucher, die es zu erhalten gilt.

Essen und Trinken in Bratislva

Da es so schöne Cafés, Bars und Restaurants in der Stadt gibt, hab ich euch die extra zusammengefasst:
https://jasminelovesthings.wordpress.com/2024/01/11/essen-und-trinken-in-bratislava/

“Ich war noch nicht überall, aber es steht auf meiner Liste.”
Susan Sontag

Hinterlasse einen Kommentar