Wie zwei Taschen ihren Weg ins LKA fanden

Und ein geschichtlicher Exkurs ins Marsfeld.

Unweit vom berühmten Circus Krone, versteckt hinter Bäumen, liegt das Herz der kriminalistischen Arbeit Bayerns, das Bayerische Landeskriminalamt. Wenn man nicht so genau hinsieht, erkennt man in der Maillingerstraße nur einen sehr verstaubt anmutenden Bürokomplex, wie er typisch für die 60er Jahre ist; auf einer der Seiten eine kleine Grünfläche mit Spielplatz, gegenüber der Kreisjugendring Oberbayern, verschiedene Schulen um die Ecke. Im Mai 1972 gab es in der Marsstraße noch eine öffentliche Zufahrt zum Gelände, damals kam es zu einem 🔗Bombenanschlag seitens der RAF auf das Landeskriminalamt.

Die Gegend trug einmal den Namen Marsfeld, lag vor der Toren der Stadt und war Schauplatz militärischer Übungen der kurfürstlichen Armee des Königreichs Bayern. Als Vorbild diente der römische Campus Martius, welcher im alten Rom ebenfalls für militärische Übungen und Volksversammlungen genutzt wurde; alles zu Ehren des Kriegsgottes Mars. Das damalige Dorf Neuhausen fand diese Übungen weniger gut und so gibt es Aufzeichnungen aus dem 17. Jahrhundert, die Beschwerden der Anwohner dokumentieren. Bereits vor über 200 Jahren wurde die Marsstraße nach eben diesem Areal benannt; heute führt sie direkt am LKA vorbei.

Im Jahre 1821 wurde die Münchner Hinrichtungsstätte auf das Marsfeld umgesiedelt und befand sich in etwa gegenüber dem heutigen Augustiner Keller. Es waren organisatorische Gründe, so konnten mehr Schaulustige dem Geschehen beiwohnen. Mitte des 19. Jahrhunderts ging das komplette Gelände unter Protesten der ansässigen Bauern ans Militär und es wurden Kasernen errichtet. Militärische Übungen verlegte man bald ins Oberwiesenfeld, weil das Marsfeld auf Grund seiner Beschaffenheit nicht gut geeignet war. Die meisten Kasernen wurden in den Bombenangriffen von 1945 zerstört.

Ausschnitt aus einer Ansichtskarte aus dem Verlag Ottmar Zieher

Gegründet wurde das heutige Landeskriminalamt 1946 als Landeserkennungsamt. Bis 1952 war man unterstützend für die verschiedenen Polizeidienststellen tätig, so wurden in der Zeit u.a. ein Nachrichtendienst, ein kriminaltechnisches Labor, als auch ein kriminalwissenschaftliches Institut eingerichtet. Mit der Umbenennung in Bayerisches Landeskriminalamt 1952 kamen neue Aufgaben hinzu, man war nun u.a. für die Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität zuständig und es wurde eine Ermittlungsbehörde eingerichtet, die in überregionalen Straftaten die Leitung übernahm. Der Sitz in dieser Zeit war das Palais Dürckheim in der Türkenstraße.

In den 60er Jahren ließ die Stadt die Überreste der alten Kasernen abreißen und neue Gebäude für verschiedene Behörden errichten. So zog auch 1968 das LKA mit seinen damals 468 Mitarbeitern in die neuen Räumlichkeiten ein. Heute belegt das LKA sechs Häuser, die von oben betrachtet in der Form eines Dreiecks angeordnet sind.

Inzwischen arbeiten für das Bayerische LKA über 2000 Mitarbeiter, für die der Platz in der Maillingerstraße nicht mehr ausreicht. In München gibt es über die Stadt verteilt noch fünf Dienstgebäude, ein weiteres in Königsbrunn bei Augsburg. Zudem hat das LKA Außenstellen in Nürnberg und Wegscheid. Unterstellt ist das Landeskriminalamt dem Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration.

Der ein oder andere aus meiner verehrten Leserschaft frägt sich inzwischen sicherlich schon, warum ich das eigentlich erzähle. Nachdem ich leidenschaftlich gern Krimis lese, sämtliche Folgen von CSI, Bones und Criminal Minds und was es sonst noch alles gibt, gesehen habe, war es Zeit für einen Besuch beim LKA. Diese Möglichkeit bietet die Münchner Volkshochschule in unregelmäßigen Abständen an. Also einfach ab und an mal einen Blick ins Programm dort werfen, solltet ihr Interesse haben.

Während des zweistündigen Besuchs hat uns einer der Pressesprecher einen Überblick über den Aufbau und die Arbeit des LKAs gegeben, von interessanten Fällen erzählt und unsere Fragen beantwortet.

So konnte man nach einem beachtlichen Kokainfund in Bananenkisten diverser Supermärkte im Herbst 2017 nachvollziehen, wie Drogenkartelle arbeiten und die Drogen nach Deutschland kommen. In München kostet Kokain übrigens um die 90€ pro Gramm, während es in Berlin um die 20€ zu haben ist. Die Dealer machen einen Bogen um Bayern, die Richter bei uns schicken sie ins Gefängnis, in Berlin kommen sie mit einer Verwarnung davon. Der Fund in den Kisten waren insgesamt 200kg.

🔗22. September 2017 – EV Paraguay

Ein Profikiller der italienischen Mafia wurde Ende der 90er Jahre in Kempten verhaftet. Er hatte zwar über 30 Morde gestanden, wurde aber nach einem halben Jahr in einem Hochsicherheitsgefängnis ins italienische Kronzeugenschutzprogramm „entlassen“. Mit seinem Wissen, konnten die italienischen Behörden die damalige Struktur der ‘Ndrangheta Mafia offenlegen und wichtige Verhaftungen vornehmen.

🔗3. Mai 1998 – Kronzeuge gegen die italienische Mafia

Auf der Homepage des LKA finden sich 🔗weitere aufsehenerregende Fälle, u. a. die Oetker-Entführung, der Fall Ursula Herrmann (für alle mit Netflix, schaut euch die Doku an) oder auch die Vermisstensuche nach dem Tsunami in Thailand 2004.

Beim Besuch des kleinen Waffenmuseums gab es die ein oder andere Geschichte, die mich den Nachmittag über noch beschäftigt hat. Ich hatte ja durchaus ein leicht beklemmendes Gefühl zwischen den ganzen Waffen. Einige der Fälle kennt man leider und wenn man die Waffen liegen sieht, durch die soviel Leid verursacht wurde, ist das auf eine weniger positive Art nachhaltig beeindruckend.

Anfang November 2015 war ein Herr aus Montenegro in einem VW Golf auf dem Weg nach Paris, um, nach eigenen Angaben, den Eiffelturm zu besichtigen. Aufgehalten wurde er auf der A8 Höhe Rosenheim, die Polizei sah sich das Auto etwas genauer an. Die Pistole im Motorraum erschien dann doch etwas verdächtig, am Ende fanden die Polizisten neben weiteren Pistolen, Handgranaten und TNT noch einen ganzen Haufen AK-47. Acht Tage später, am Abend des 13. November 2015 war ich bei Freundinnen in Hessen und wir hatten einen lustigen, weinhaltigen Abend, bis die ganzen News über den Anschlag im Bataclan kamen.

Bei einem tragischen Unfall im Einsatz mit einem Hubschrauber starben vier Polizisten, die Hitze verschmolz alles und man konnte sie nur noch durch die jeweilige Dienstwaffe identifizieren. Und dann die Holzpistole, die jemand gebaut hat, nur um sich das Leben zu nehmen.

Und auch München am 22. Juli 2016, die Pistole in einem Glaskasten – neun Tote und fünf Verletzte in und um das Olympia Einkaufszentrum. Auch hier vergisst man nicht, wo man an dem Abend war. Ich war damals im Park Café mit einer Schulfreundin verabredet. Als ich ankam war sie schon da und meinte, es gehen die ganze Zeit Sirenen. Da bei mir in Schwabing die Feuerwache 4 in der Heßstraße um die Ecke ist, gehören Sirenen fast täglich dazu und ich hab darüber gar nicht viel nachgedacht. Nur haben die Sirenen nicht mehr aufgehört, Social Media Posts kamen schneller als die ersten Nachrichten, das Park Café holte alle Gäste ins Haus und stellte den Betrieb ein. Nach einiger Zeit des Wartens sind wir sind zu Fuß zu mir gegangen.

Als sehr kreativ hat sich ein Rocker entpuppt. Bei der Beschlagnahmung wusste die Polizei nicht so recht, wie sie das Fundstück einordnen sollte und bat um Erklärung. Der Hobbybastler meinte, damit kann er den Anwesenden zeigen, wer das Sagen hat und niemand würde ihm so zu Nahe kommen, wenn er damit einmal ausholt.

Im Schaukasten für verbotene Waffen befinden sich zwei Clutches, deren Wert bei ca. 20.000€ liegt. Sicherheitskräfte am Flughafen haben die beiden Schmuckstücke von einer Dame aus den USA beschlagnahmt und dem LKA übergeben. Der Griff der Handtaschen erinnerte an einen Schlagring. Das LKA kam aber nach eingehender Prüfung zu dem Schluss, dass es sich einfach nur um Handtaschen handelt, wenn auch mit ungewöhnlicher Optik. Die darüber in Kenntnis gesetzte Besitzerin hat die beiden Taschen bis heute nicht abgeholt. Somit gehören sie nun zu den Ausstellungsstücken im kleinen Museum.

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