Der Viktualienmarkt – Wo das Herz Münchens am stärksten schlägt.
Klären wir doch erst einmal, wie der Markt zu seinem Namen kam. Eigentlich ganz einfach. Das Wort Viktualien entstammt dem lateinischen Wort victualia, was übersetzt Lebensmittel bzw. Nahrungsmittel bedeutet. Das Adjektiv victualis steht für zum Leben gehörig. Der Markt hieß in Anfangszeiten, als er noch auf dem Marienplatz zu finden war, schlicht Grüner Markt. Trends gab es aber schon im 19. Jahrhundert und so vergab man damals gerne lateinische Namen, weshalb der Grüne Markt in Viktualienmarkt (korrekterweise wird das V übrigens wie ein F gesprochen, nicht als W) umbenannt wurde.


Exakt am 02. Mai 1807 kam das aus für den Markt auf dem Marienplatz, aber nur für die Örtlichkeit, nicht den Markt selbst. König Max I. wurde es schlichtweg zu voll und auf sein Geheiß wurde der Markt auf das Areal zwischen Heilig-Geist-Kirche und Fraunhoferstraße umgesiedelt. Und dort hat er sich über die Jahre ausgebreitet, so wurde auch das alte Heilig-Geist-Spital abgerissen, wo u.a. ein paar Eigenbrötler gelebt haben. Geldige Menschen, deren Heimat aus gesundheitlichen oder altersbedingten Gründen das Hospital war, das Essen im Hospital aber nicht mochten, haben sich vom Markt ihr „eigenes Brot“ (und anderes Essen) geholt. Somit hätten wir den Begriff auch direkt geklärt.



Nach dem zweiten Weltkrieg war der Viktualienmarkt, wie auch der Rest von München, schwer beschädigt; München lag zu 80% in Trümmern. Es wurde überlegt, die Fläche zu verkaufen und Wohn- / Geschäftshäuser zu errichten. Die Stadtverwaltung entschied sich aber glücklicherweise dagegen und ließ den Markt wieder aufbauen. Er wurde vor den Olympischen Spielen komplett renoviert und avancierte zum Feinschmeckermarkt der Münchner, im Volksmund auch „die Gute Stube“ genannt.



Gustl Feldmeier, ehemaliger Vorsitzender des Freundeskreises Münchner Volkssänger und Volksschauspieler ließ zwischen 1953 und 1961 die ersten Gedenkbrunnen (und zugleich Trinkwasserbrunnen) auf dem Markt errichten. Der erste Brunnen wurde Karl Valentin gewidmet, seit 1961 gibt es auch ein Brunnen für Liesl Karlstadt (wer mehr über die beiden wissen möchte, kann im Isartor das Museum besuchen). Die weiteren vier Brunnen sind Elise Aulinger, Ida Schumacher, Roider Jackl und Weiß Ferdl gewidmet; allesamt große Namen der damaligen bayrischen Schauspieler- und Sängerszene.


Und zum Glück wurden auch Ende der 1960er Jahre die Pläne, aus der Fraunhofer Straße eine Stadtautobahn zu machen, verworfen. Wir wollen gar nicht wissen, wie München heute ohne Viktualienmarkt, dafür aber mit einer Stadtautobahn und Häusern aus den 60er Jahren aussehen würde. Die Stadt hat sich nach Kriegsende explizit dafür entschieden, die Häuser und Gebäude nach den alten Plänen neu zu errichten, weshalb München seine Schönheit beibehalten bzw. dadurch wieder erlangt hat.



Nach fast 14 Jahren in München wohnend und fünf Jahren gemeinsamer Planungsphase (Dinge brauchen eben ihre Zeit) haben eine Freundin und ich es endlich zur Schmankerl Tour auf den Viktualienmarkt geschafft. Tatsächlich gehe ich nicht oft auf den Viktualienmarkt, wir haben hier die kleine Version in Schwabing, den Elisabethmarkt, aber vielleicht sollte ich das mal ändern.
Treffpunkt für die Tour war am Isartor, ein bisschen Münchner Geschichte aufwärmen auf dem Weg zum Markt. Ich wusste z.B. nicht, dass in der Westenriederstraße, die von dort zum Viktualienmarkt führt, noch Überreste der alten Stadtmauer zu sehen sind.
Gestartet sind wir mit einem ungewöhnlichen Früchtegetränk vom Exoten Müller, serviert wurde uns frischer Saft aus Zuckerrohr, verfeinert mit Minze und Limone – sehr süß, sehr lecker. Möchte man den Saft kaufen, so wird er immer frisch hergestellt und abgefüllt. Der Stand hat allerlei exotische Früchte im Angebot und auch hier spürt man bei den Verkäufen die Tik-Tok Trends. Aktuelle Top Vier der Tik-Tok-Früchte sind: Mangostane, gelbe Drachenfrucht, Cherimoya und gelbe Passionsfrucht.





Der Viktualienmarkt besteht aus sieben Abteilungen, so gehört Exoten Müller zusammen mit der Bäckerliesl, zu der wir im Anschluss gegangen sind, in die Abteilung III; ebenso findet man dort die Münchner Suppenküche und Kartoffelhändler. Die Bäckerliesl, Elisabeth Forstner, war ein Original des Marktes und die älteste Händlerin; den Stand hat sie von 1950 bis zu ihrem Tod 2020 geführt.





Es gibt seitens der Stadt hohe Auflagen, wie Stände weitergegeben werden dürfen. Es ist verboten, sie einfach zu verkaufen. Wenn nahe Familienangehörige übernehmen, so ist dies unproblematisch, wenn allerdings Fremde den Stand übernehmen sollen/wollen, so müssen sie fünf Jahre im Stand gearbeitet haben und trotzdem ist noch die Zustimmung der Stadt erforderlich. Dies wird durch die Lebensmittelmarktsatzung geregelt. Den Händlern auf dem Markt ist ein Stand auch „nur“ zugewiesen, es gibt keinen Mietvertrag. Bezahlt wird an die Stadt eine Umsatzpacht, welche z.B. Obstständen bei 2% liegt, beim Biergarten bei 12%. Der Biergarten setzt natürlich viel mehr um, als ein Obststand und belegt eine viel größere Fläche. Verwaltet wird das ganze durch die Markthallen München, denen auch die Großmarkthalle angehört. Man will gewährleisten, dass er Viktualienmarkt lokal und bayrisch bleibt.
Von der Bäckerliesl hatten wir dann erstmal Brezn und dazu wurden von der Sauren Ecke noch bayerische Tapas serviert. Die Saure Ecke gibt es bereits seit 1903 auf dem Markt und neben den angeblich TV-bekannten Sauren Gurken gibt es inzwischen auch u.a. südländische Spezialitäten und mediterrane Aufstriche.






Weiter ging es direkt mit einer Brotzeitplatte aus hervorragenden Schinkensorten, Salami und Wurst. Dazu gab es dann noch Brot von der Bäckerliesl. Leider haben wir verpasst, woher die Platte mit dem Schinken kam.


In der Abteilung V sind die Metzger angesiedelt und das besondere an dieser Abteilung ist, dass dieser Bereich in den 1960er Jahren unterkellert wurde und dort die Ware gekühlt gelagert werden kann (und nein, es sind keine Katakomben o.ä., die Keller wurden damals neu gebaut).
Der Biergarten, der sich neben dem Maibaum in Abteilung IV mitten auf dem Markt befindet, wird übrigens von unterschiedlichen Münchner Brauereien geführt. So kann z.B. heute Paulaner und morgen dann Augustiner übernehmen, das regeln die Brauereien unter sich. Meistens wechselt man sich wöchentlich ab, frühestens jedenfalls, wenn der Tank mit dem jeweiligen Bier leer ist.


Der Maibaum steht seit 1962 auf dem Markt und wurde von den sechs größten Brauereien der Stadt gestiftet, nachdem der damalige Münchner Bürgermeister Albert Bayerle befand, München brauche einen Maibaum. Betrachtet man den Maibaum genauer, erkannt man die Schäfflertänzer, St. Bonifaz und St. Florian, die beiden Schutzheiligen der Brauer, als auch Bilder vom Oktoberfest.
Die Obststände befinden sich in Abteilung I und hier gibt es ebenfalls eine kleine Besonderheit. Während in den anderen Abteilungen die Stände fest zugewiesen sind, wechseln die vier Obststände (erkennbar an den roten Schirmchen) wöchentlich durch. So werden Diskussionen vermieden, welcher Stand wohl der Beste ist, um das Obst an die Kunden zu bringen.


Auch das Petersbergl mit der Kirche Sankt Peter (berühmt für den schönsten Ausblick über München) und dem Café Kaiserschmarrn gehört mit den dort untergebrachten Geschäften noch zum Viktualienmarkt. Dort haben wir die Tour mit Käse von Thoma Fromages et Vins abgeschlossen. Wie der Name ja schon vermuten lässt, hat sich Thoma Fromages et Vins hauptsächlich auf Käse und Wein aus Frankreich spezialisiert. Dazu hätten wir gut das restliche Brot der Bäckerliesl brauchen können, welches leider mit den Resten der Schinkenplatte zurückging.





Berühmt ist Thoma Fromages et Vins allerdings für seinen bayrischen Obatzdn, seinen OhBazda, nach traditionellem Geheimrezept. Von dem hätte ich gern mehr gehabt, kann man durchaus essen.
❤
… hier schlägt das Herz Münchens am stärksten!
Gustl Feldmeier
(warum er die Brunnen auf dem Viktualienmarkt errichten lies)
❤