Schaffhausen und der Rheinfall

Ein Ausflug in die Schweiz.

Rheinfall

Der Rheinfall ist eine der größten, wenn nicht sogar die größte Touristenattraktion der Schweiz. Gelegen ist der Wasserfall in Neuhausen, wird aber meistens dem direkt danebenliegenden Schaffhausen zugeordnet. Zusammen mit dem Sarpsfossen in Norwegen und dem Dettifoss in Island gehört der Rheinfall zu den drei größten Wasserfällen in Europa. Vor ungefähr 15.000 Jahren hat sich das Wasser dort seinen Weg durch die Steine gebahnt, wie es auch heute noch fließt. Ein kleines Überbleibsel aus der alten Kalksteinflanke ist der Rheinfallfelsen, der sich in der Mitte des Wasserfalls erhebt.

Dieser Felsen hat den Beinamen Seelentanzstein. Der Legende nach hatte ein englischer Lord die Fähigkeit, Geist und Körper zu trennen und schwebte gerne über Europa. So hat er wohl auch seine russische Prinzessin kennengelernt, die die gleiche Fähigkeit besaß. In Vollmondnächten schwebten sie für eine romantische Datenight gerne gemeinsam zum Rheinfallfelsen, um dort miteinander zu tanzen. Angeblich kann man Sie dabei auch heute mit Glück noch beobachten.

Es sieht in der Tat schon etwas erstaunlich und gleichzeitig unerwartet aus, wenn man die Treppen vom Parkplatz am Nordufer beim Schlössli Wörth hinuntergeht und sich das kleine „Tal“ mit dem großen Ausblick auftut. Das Schlössli auf dem Wasser wurde im 12. Jahrhundert errichtet, da auf dem Rhein bis hin zum Bodensee allerlei Waren transportiert und verkauft wurden, für die man Zoll verlangen konnte. Diese wurden dann erstmal in die Stadt Schaffhausen auf den Fronwagplatz gebracht, dort überprüft und ggf. abgewogen, bevor sie wieder unterhalb des Rheinfalls auf Schiffe zum Weitertransport verladen wurden.

Gern gesehener Gast im Schlössli war unser vielgereister Johann Wolfgang von Goethe, der sich hier sogar so inspiriert von dem tosendem Wasser fühlte, dass er dem Rheinfall in Faust ein paar Zeilen widmete.

Rheinfall mit Schlössli Wörth und Schloß Laufen

Das Schloß Laufen liegt auf einer Anhöhe am Südufer des Rheins und wurde um 850 n. Chr. von den Freiherrn von Laufen erbaut. Von dort führt ein schöner Weg hinab zum Wasserfall mit immer wieder tollen Ausblicken. Die man sich leider mit vielen Menschen teilen muss. Man kommt auch am Känzeli vorbei, welches via eines kurzen Felsdurchgangs erreichbar ist. Hier steht man direkt neben dem Wasserfall und das Wasser rauscht mit voller Kraft und ziemlich hoher Geschwindigkeit an einem vorbei.

Die Quelle des Rheins, der Tomasee, liegt im Kanton Graubünden. Der Rhein zieht sich von dort mit einer Länge von 1232 km weiter durch die Schweiz, Lichtenstein, Österreich, Deutschland, Frankreich und mündet in Rotterdam in den Niederlanden in die Nordsee (genau in der Reihenfolge). Der Rhein liegt im europäischen Vergleich nur auf Platz 8 der längsten Flüsse; die russische Wolga erreicht als längster Fluss Europas die dreifache Kilometerzahl. Die Donau als zweitlängster Fluß in Europa kommt auf 2857 km und etwas abgeschlagen auf den hinteren Plätzen liegt unsere schöne Münchner Isar mit nur 292 km.

Schaffhausen

Blick auf den Munot

Wie eingangs schon erwähnt, liegt der Rheinfall in der Nähe des beschaulichen Städtchens Schaffhausen, der nördlichsten Stadt der Schweiz. Das Wahrzeichen der Stadt ist der Munot, eine Festung gebaut im 16. Jahrhundert auf dem Emmersberg.

Heute ist der kleine Berg das hauseigene Weinanbaugebiet der Stadt Schaffhausen, die dort die Weintrauben für den Munötler, einen Blauburgunder, wachsen und gedeihen lassen. Der Munot selbst wird für allerlei kulturelle Veranstaltungen, wie z.B. Konzerte, Tanz und Partys genutzt. In der Festung wohnt auch heute noch der Munotwächter, der jeden Abend um 21 Uhr fünf Minuten das Munotglöggli läutet. Man kann behaupten, es ist die einzige noch von Hand geläutete (Alarm)Glocke in ganz Europa.

Die hübsche Stadt hat ca. 38.000 Einwohner und lädt zu einem entspannten Nachmittag ein, um durch die Gässchen und über die Plätze zu flanieren. Es gibt schöne alte Häuser, teils aus der Renaissance Zeit, individuelle kleine Shops und das ein oder andere nette Café.

Der Herrenacker ist der größte Platz der Stadt und war jahrhundertelang Heimt des Wochenmarktes, bis aus ihm ein Parkplatz wurde. Heute ist das Parkhaus unterirdisch angesiedelt und der Platz wird für Konzerte genutzt.

Der historisch wichtigste Platz ist der oben bereits erwähnte Fronwagplatz. Auf dem Platz befinden sich zwei alte Brunnen. Der Mohrenbrunnen mit dem Mohrejoggeli wurde 1535 erbaut. Die Figur steht als Symbol für wohlhabende Bürger der Stadt und ist einem Mitglied der Heiligen Drei Könige gewidmet, Caspar. Hier muss man wissen, dass das Wort Caspar aus dem persischen stammt und für Hüter des Schatzes steht. Der zweite Brunnen ist der Landsknechtbrunnen vor dem Fronwagturm mit der astronomischen Uhr, die neben der Uhrzeit z. B auch den Mondknoten oder die Jahreszeit anzeigt.

In der Schaffhauser Altstadt sollte man auch immer wieder nach oben blicken, die Stadt trägt aus gutem Grund den Beinamen Erkerstadt: an den alten Häusern befinden sich 171 Erker mit historischen Hausnamen.

Aus der mittelalterlichen Stadtbefestigung sind immer noch drei Türme erhalten: das Schwabentor, der Obertorturm und der Diebsturm. Das Schwabentor gibt es seit mindestens 1361, vormals als Neuturm bekannt.

Eine Anekdote sei hier erwähnt: 1935 hat man am Schlußstein des Schwabentors den Spruch „Lappi tue d’Auge uf“ angebracht – allerdings ohne jeglichen Zusammenhang mit der Geschichte des Turms. Die Stadt wollte vielmehr den Bauerntölpeln mitteilen, dass sie die Augen offenhalten sollten, wegen dem Automobilverkehr, der damals Einzug in die Stadt gehalten hat.

Und natürlich sollte man auch einen kleinen Spaziergang an der Lindli, der schönen Promenade am Rhein, machen oder einfach die Sonne dort genießen. Und bitte keine Angst vor Haien, die gibt es dort zum Glück nicht.

Stein am Rhein

In Stein am Rhein war ich ja auch noch! Hier wird der Bodensee zum Rhein. Das malerische Örtchen sieht wie aus einem Märchenbuch entsprungen aus.

Im Gegensatz zu Schaffhausen hat man auf dem Gebiet von Stein am Rhein übrigens Überreste eines römisches Grenzkastell und eines römischen Friedhofs gefunden. Wie wir alle wissen, verlief der nördliche Teil des Limes entlang des Rheins.

Angesiedelt an der Schiffsländi, der Promenade am Fluss, findet man noch den Hexenturm. Errichtet im 14. Jahrhundert, wurde der ersten Hexe 1512 der Prozess gemacht, der letzten dann 1667. Man könnte an dem Punkt unterstellen, dass die Leute des Ortes etwas gegen eine bestimmte Familie hatten, die meisten verurteilten teilten den gleichen Stammbaum.

Café Tipps

Café Noordlicht.
Fronwangplatz 28, Schaffhausen
🔗https://www.noordlicht.com/

Uferlos – An der Schifflände
Metzggass 10, Stein am Rhein
🔗https://www.instagram.com/strandbar_uferlos/

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So bleibe denn die Sonne mir im Rücken!
Der Wassersturz, das Felsenriff durchbrausend,
Ihn schau’ ich an mit wachsendem Entzücken.
Von Sturz zu Sturzen wälzt er jetzt in tausend
Dann aber tausend Strömen sich ergießend,
Hoch in die Lüfte Schaum an Schäume sausend.
Allein wie herrlich diesem Sturm ersprießend,
Wölbt sich des bunten Bogens Wechsel-Dauer,
Bald rein gezeichnet, bald in Luft zerfließend,
Umher verbreitend duftig kühle Schauer.

Aus Goethes „Faust“

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