Und wie war das mit dem güldenen Örtchen?
Eigentlich sagt man ja über München, sie sei die nördlichste Stadt Italiens. Im Nymphenburger Kanal haben wir Gondoliere, wir lieben La Dolce Vita, Cappuccino bei +2 Grad in der Wintersonne (Hauptsache draußen sitzen) und sind in vier Stunden mit dem Auto am Gardasee oder in sechs Stunden an der Adria, wenn uns die Sehnsucht nach Italien packt. Gut, dass man dort natürlich halb München und ein paar Österreicher antrifft, und eher Deutsch als Italienisch gesprochen wird, das ist ein anderes Thema.

Passau wird das bayerische Venedig genannt. Und das aus guten Gründen. Passau ist zum einen natürlich die berühmte Drei-Flüsse-Stadt mit Donau, Inn und Ilz, weshalb man da ziemlich viel Wasser findet. Wie in Venedig. Ich schreibe explizit viel Wasser, da man Augsburg an dieser Stelle erwähnen muss. Augsburg hat mehr Brücken und Kanäle, als Venedig.
Als die Hochfürstliche Haupt- und Residenzstadt 1662 in voller Blüte stand, Heimat des Bischofs und florierender Handelshotspot für allerlei Güter (insbesondere für den Salzhandel) war, wurde Passau bei einem verheerenden Großbrand im April 1662 fast komplett zerstört. Hier halfen auch die Wassermengen der drei Flüsse nichts, um dies zu verhindern. Offensichtlich gab es bei den Oberen von Stadt und Kirche Liebhaber italienischer Kunst, man beauftrage nämlich zwei italienische Architekten mit der Neugestaltung der Gebäude. Bereits vor dem großen Brand konnte man italienische Einflüsse finden, so hat man z.B. den großen Saal im Rathaus nach venezianischem Vorbild gestaltet. Am besten sieht man das sicherlich auch heute noch am Rathaus, welches direkt am Donauufer liegt.

Ein wichtiges Ereignis fand am 21. April 1854 statt. Um 14 Uhr an eben diesem Tag bestieg unsere bayrische Prinzessin Elisabeth in Passau ein Dampfschiff der Königlich Bayerischen Donaudampfschifffahrtsgesellschaft und begann ihre Brautfahrt über die Donau. Das Schiff brachte die angehende Kaiserin nach Wien und der Rest ist Geschichte. Im Film gaben sich Romy Schneider und Karl-Heinz Böhm im Wiener Stephansdom das Ja-Wort (tatsächlich fand die Hochzeit am 24. April 1854 in der Augustinerkirche der Hofburg statt) und eben dieser Dom ist die Mutterkirche des gleichnamigen Doms von Passau. An dessen Wiederaufbau nach dem großen Brand 1662 selbstverständlich auch die Italiener beteiligt waren.

Die Tourismus-Seite der heute knapp 52.000 Eimwohner zählenden Stadt schreibt, dass die Orgel des Doms die größte katholische Kirchenorgel der Welt und zugleich die größte Orgel in Europa sei. Sie hat 17.974 Pfeifen und 233 Register. Was die Anzahl der Pfeifen angeht, schafft sie es weltweit allerdings nur auf Platz fünf bei den Orgeln mit den meisten Pfeifen. Ich hab mir die Kirche weder von innen angesehen, noch einem Orgelkonzert gelauscht, aber lasst euch bitte nicht davon abhalten.



An der Stelle des Doms war zu römischen Zeiten das Kastell Batavis zu finden, der Donaulimes, Grenze des römischen Reichs, verlief hier entlang. Die dort angesiedelten Söldner gehörten zum Stamm der Bataver und über die Jahrhunderte kam es dann irgendwie zum Namen Passau. Somit kommt also, grob gesehen, selbst der Stadtname aus Italien.
Um die Ecke vom Dom findet man den Passauer Tölpel; bereits im 17. Jahrhundert ein kleines Wahrzeichen der Stadt. Vermutlich ist der Steinkopf ein Überbleibsel einer Domfigur des großen Brandes von 1662. Nach einigen Umzügen war der Kopf fast 120 Jahre auf der Veste Oberhaus zuhause, bevor ihn eine Passauer Initiative 2003 mit der Tölpel Rückholaktion wieder ins Zentrum versetzen hat lassen.



Die Veste Oberhaus ist linksseitig der Donau auf dem Georgsberg zu finden und kaum zu übersehen. Mit dem Bau der Burganlage hat man bereits 1219 begonnen, über die Jahrhunderte wurde sie immer wieder erweitert, so dass sie zu einer der größten Burganlagen Europas wurde. So stattlich residiert haben dort natürlich die fürstlichen Bischöfe. Sie haben nicht nur die Diözese geführt, sondern waren zugleich auch Herren des weltlichen Fürstentums Hochstift Passau. Dies hat sich zeitweise über 42.000 m² bis Ungarn ausgedehnt. Als das kleine aber feine Fürstentum 1803 verstaatlicht wurde, konnte es noch eine Fläche von gerade mal 991m² aufweisen und zog sich von Passau aus nur noch in den bayerischen Wald.

Heute sind dort u.a. eine Jugendherberge und ein nettes Restaurant mit Biergarten (ich rate allerdings vom Kaiserschmarrn ab) und tollen Blick über die Altstadt zu finden. Vom Aussichtsturm, in dem eine multimediale Ausstellung untergebracht ist, hat man einen 360 Grad Blick über Passau und das Umland. Um zum Aussichtspunkt Batterie Linde zu gehen, war es an dem Tag leider zu heiß, von dort hätte man den besten Blick auf das Drei-Flüsse-Eck.
Zu Füßen der Veste Oberhaus, direkt an der Ilz, liegt die Veste Niederhaus, mit bewegter Geschichte. Nachdem das Niederhaus Zuhause von Herzog, Bischöfen und Klosterschwestern war, wurde es im 17. Jahrhundert ein Gefängnis für widerspenstige Geistige, etwa 100 Jahre später war es ein Arbeits- und Zuchthaus. Um 1800 wurde es dann militärisch, es diente als Lagerort von Waffen für das bayerische Militär. Seit 1890 ist das Niederhaus ausschließlich in Privatbesitz, weshalb man es auch nicht besichtigen kann.

Wie zu Anfangs schon erwähnt, fließen hier der Inn und die Ilz in die Donau. Die Ilz kommt aus dem Bayerischen Wald und bringt dunkles Moorwasser mit sich, der Inn dagegen bringt grünliches Gletscherwasser vom Süden aus den Alpen mit und die Donau ist spätestens mit der Komposition des Donauwalzers von Johann Strauss als so schön und blau bekannt.
Wenn man nun von oben auf die Stadt blickt oder auch auf einem der Boote eine kleine Tour macht, kann man das Zusammenfließen dieser drei Flüsse sehen, die dann als Donau weiter fließen bis hinein ins schwarze Meer.

Warum aber als Donau und nicht Ilz oder insbesondere nicht Inn? In Passau werden die beiden großen Flüsse gerne mal verwechselt, so ist der Inn in Passau nämlich der breitere Fluß. Die Donau ist aber vom Ausgangspunkt am längsten, d.h. die Donau weist bis Passau bereits mehr Kilometer auf, als der Inn und hat auch an ca. sieben Monaten im Jahr mehr Wasser, als der Inn.



Passau hat auch eine kleine Künstlerszene. In der Höllgasse, sowie in ein paar kleinen Seitengassen, kann man in Ateliers blicken und Malern beim Erschaffen Ihres neuen Kunstwerks beobachten. Man muss einfach den bunt bemalten Pflastersteinen folgen, die um die Ecke vom alten Rathaus zu den Ateliers führen.



Ich könnte euch jetzt noch mehr von der römischen Geschichte der Stadt erzählen, von der Wallfahrtskirche Mariahilf (hätte ich sie denn besucht – von dort ist es übrigens nur noch ein Kilometer bis Österreich) und einiges mehr. Da Passau nicht fern vom Böhmer Wald und dem Bayerischen Wald liegt, gibt es dort natürlich auch ein Glasmuseum und Glasbläsereien. Aber das wäre zuviel an der Stelle.
Eine kleine Begebenheit möchte ich euch aber doch noch berichten: die vom Scharfrichter Kaspar Neidhart. Heute ist das Scharfrichterhaus eine bekannte Kleinkunstbühne, ehemals ein gefürchtetes Gefängnis und im Jahre 1611 war es das Zuhause von Kaspar, seines Zeichens der Scharfrichter der Stadt. Der geschäftstüchtige Kaspar hat Zauberzettel mit Schutzzeichen an Söldner verkauft, die sie angeblich unverwundbar machten. Wie man sich vorstellen kann, ein beliebter Glücksbringer bei den Söldnern. Mehr geholfen, als den Söldnern auf dem Feld, haben die Zettelchen wohl dem Geldbeutel von Kaspar. Das Scharfrichterhaus selbst fiel 1662 dem Großbrand zum Opfer und trägt heute nur symbolisch diesen Namen.



Macht euch bei Gelegenheit einfach einen netten Tag in der schönen Donaustadt. Flaniert durch die kleinen Gassen in der Altstadt, schaut den Künstlern zu, genießt ein Tässchen Kaffee in einem der kleinen Cafés oder, wer es italienischer möchte, einen Cappuccino oder Aperol Spritz in der Bar Centrale am Rindermarkt. Ich habe gelesen, es gäbe dort eine güldene Toilette. 2019 wurde im Blenheim Palace, dem Geburtsort von Winston Churchill in den englischen Cotswolds, ein ebensolches fünf Millionen Euro teures Stück gestohlen. Eine Verbindung zwischen den beiden güldenen WCs gibt es angeblich keine.



Café Tipps
Sello’s Bar Caffè Centrale
Rindermarkt 7
🔗https://www.instagram.com/explore/locations/459425458/sellos-caffe-bar-centrale/



Die Bar Centrale liegt am Rindermarkt und ist kaum zu übersehen. Die kleine Bar ist innen ein buntes Sammelsurium an allem und draußen sitzen gutgelaunte Gäste, von denen der Chef Sello mindestens die Hälfte persönlich kennt und begrüßt und schon weiß, was sie trinken wollen. Der Cappuccino war mit Liebe gemacht und ist sehr zu empfehlen.
Café Stephansdom
Domplatz 2
🔗https://greindl-passau.de/pages/cafe-stephans-dom



Am besten bei schönem Wetter ein Plätzchen auf der Sonnenterasse suchen, von dort hat man einen netten Blick Richtung Österreich. Ich hatte nur einen Cappuccino, der war jetzt okay, die Kuchen sahen lecker aus. Das Café gehört zur Genusswelt von Greindl, es gibt mehrere Shops und Cafés in der Stadt. Ihr könnt dort neben Kuchen auch Pralinen, Cookies, hübsche Cupcakes und andere leckere Sachen kaufen.
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Isar, Iller, Lech und Inn fließen rechts zur Donau hin.
Altmühl, Naab und Regen kommen ihr von Links entgegen.
Brigach und Breg bringen die Donau zu Weg.
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