Mein schönes Theater – Brot oder Brand!

Zu Besuch im Nationaltheater am Max-Joseph-Platz

Unser Münchner Nationaltheater ist geprägt von Feuer und Wiederaufbau, von königlichen Visionen, gesellschaftlichem Zusammenhalt und Wandel. Die Vision von König Max I. Joseph, eine Begegnungsstätte für alle zu schaffen, ist bis heute spürbar und erlebbar. Es ist ein lebendiger Ort, an dem man sich an lauen Sommerabenden auf der Stufenbar trifft – auf den Treppen des Theaters, bei guten Drinks, netten Gesprächen und Musik.

Im Juli wird der Max-Joseph-Platz von Opernfans aus München und aller Welt bevölkert, die an der kostenlosen Live-Übertragung 🔗Oper für Alle teilnehmen. Bunte Picknickdecken und gutgelaunte Menschen füllen den Platz. Während der IAA Mobility 2025 diente das Nationaltheater zudem als Kulisse für die Präsentation von BMW auf der Messe – prestigeträchtiger geht es kaum. Und nach wie vor stehen große Namen wie Jonas Kaufmann, Ludovic Tézier, Michael Volle, Okka von der Damerau und Ekaterina Gubanova auf der Bühne des Hauses.

„Mein schönes Theater, mein schönes Theater, das überlebe ich nicht!“ sollen die Worte von König Max I. Joseph gewesen sein, als er am 14. Januar 1823 sein erst knapp fünf Jahre zuvor eröffnetes Königliches Hof- und Nationaltheater in Flammen stehen sah.

Das Haus zählte damals zu den modernsten in ganz Europa, mit Platz für bis zu 2500 Gästen. Technisch war es mit einer Warmluftheizung sowie einer Sprinkleranlage für seine Zeit hochmodern ausgestattet. Leider wurde nach einer Kontrolle der Anlage vergessen, diese wieder mit Wasser zu befüllen – ein Fehler mit fatalen Folgen an diesem kalten Januarabend. Feuerwehren aus dem ganzen Umland eilten in die Stadt, Kirchenglocken und Trompeter gaben in der ganzen Stadt Alarm, doch alles half nichts.

Die Kälte ließ sogar das Wasser in den Schläuchen gefrieren. Aus Verzweiflung versuchte man noch, mit Brauereiwasser der umliegenden Brauereien den Brand zu löschen, doch es war nichts mehr zu machen. Münchens prachtvolles Theater lag in Schutt und Asche.

So sehr das Volk dem Bau anfangs kritisch gegenüberstand – und dies unter dem Motto „Brot oder Brand!“ auch kundtat, indem der Dachstuhl als leidtragender Teil angezündet wurde, weil es lieber Essen gehabt hätte – so sehr weinte es nun an der Seite des Königs um sein schönes Theater. Das Haus war den Münchnern ans Herz gewachsen und es war bereit, für den Wideraufbau in Form des dafür eigens eingeführten „Bierpfennigs“ zu zahlen. Der Bierpreis wurde um einen Pfennig angehoben, um damit ein Drittel der Kosten zu finanzieren. Kaum zwei Jahre später, am 2. Januar 1825, öffnete das Theater wieder seine Pforten.

König Max I. Joseph wollte mit dem Bau des Theaters eine Begegnungsstätte für alle schaffen. Das Theater sollte ein Ort „für das Volk der bayerischen Nation“ sein, für Bildung und Kultur.

Ein Theaterbesuch zur damaligen Zeit gestaltete sich allerdings etwas anders als heute. Man mietete dauerhaft eine ganze Loge, über mehrere Jahre, nicht nur eine Saison und schon gar nicht für nur einen Abend. Die Loge diente als zweites Wohnzimmer: man empfing Gäste, plauderte, sah sich gut um und ließ sich vor allem sehen. Operngläser waren Pflicht, man musste andere Gäste ausspähen, um auf dem neuesten Klatsch und Tratsch zu sein. Dazu war der Opernsaal beleuchtet – um alles gut im Blick zu haben. Man saß also nicht wie heute still im Dunklen, es war ein fröhliches gesellschaftliches Zusammenkommen, bei dem die Musik auf der Bühne bisweilen beinahe zur Nebensache geriet.

Der große Brand 1823 war leider nicht der letzte, den das schöne Haus gesehen hat. Bei Bombenangriffen der Royal Air Force Anfang Oktober 1943 auf München wurde das Haus erneut komplett zerstört. München wäre allerdings nicht München, hätte es das Theater nicht erneut aufgebaut. Die feierliche Wiedereröffnung fand am 21. November 1963 mit der Oper Die Frau ohne Schatten von Richard Strauss statt. Dies erfolgte mit besonderer Unterstützung des neu gegründeten und bis heute bestehenden Vereins der Freunde des Nationaltheaters.

Über den Seiteneingang in der Alfons-Goppel-Straße (dem Treffpunkt für die Führung) betritt man das Nationaltheater über das 2018 eröffnete Freunde-Foyer, das diesem Verein gewidmet ist. Es zeigt eine Ausstellung über die Geschichte des Theaters und eine aktuelle Fotoausstellung, derzeit Fotos der Asientournee des Ensembles im Herbst 2025.

Im ersten Stock findet man sich im prachtvollen Foyer wieder, ganz in Blau und Gold gehalten, das von glitzernden Kronleuchtern erhellt wird. Für einen kurzen Moment fühlt man sich in die Vergangenheit versetzt. Durch die Fenster richtet sich der Blick auf den neu gestalteten Max-Joseph-Platz. In Anlehnung an historische Entwürfe von Leo von Klenze wurde dieser von August 2024 bis Dezember 2025 renoviert.

Das Nationaltheater ist die Heimat der Bayerischen Staatsoper, des Bayerischen Staatsorchesters und des Bayerischen Staatsballetts – und zählt nach wie vor zu den größten Häusern seiner Art in ganz Europa mit Platz für knapp 2000 Gäste. Das Repertoire umfasst etwa 80 Stücke und wird durch die Ballettwochen sowie regelmäßige Neuinszenierungen ergänzt. Das Ensemble besteht aus rund 60 Sängerinnen und Sängern, das Orchester zählt etwa 140 Musiker. Ergänzt werden die Aufführungen durch hochkarätige Gäste aus aller Welt.

Die Fläche der Bühne beträgt insgesamt ca. 2.400 m², davon rund 750 m² Hauptbühne – und gehört damit – neben der Opéra Bastille in Paris und dem Teatr Wielki in Warschau – zu den größten Opernbühnen Europas. Viel Platz also für die großen Opern dieser Welt.

Nimmt man an einer Führung teil, darf man auch einen Blick hinter und unter die Bühne werfen – und sogar die Bühne betreten. Erst dort wird die Dimension des Ganzen wirklich greifbar: die großen Bühnenbilder, die links und rechts bereitstehen und auf ihren Einsatz an einem der kommenden Abende warten, der Bühnenaufzug, der sich auf verschiedene Ebenen bewegen lässt, sowie die versteckten Bereiche, die über schmale Gänge verbunden sind und an einem Aufführungsabend sicher lebhaft genutzt werden – all das bleibt dem Besucher normalerweise verborgen.

Unser Kini, König Ludwig II., war ein großer Verehrer Richard Wagners. So fanden in München die Uraufführungen von Tristan und Isolde (1865) sowie Die Meistersinger von Nürnberg (1868) statt. Ludwig II. holte den damals mittellosen Richard Wagner nach München und unterstützte ihn maßgeblich, vor allem finanziell, bei der Fertigstellung des Zyklus Der Ring des Nibelungen. Die Uraufführungen der ersten beiden Teile, Das Rheingold (1869) und Die Walküre (1870), fanden auch in München statt.

Mit der Abschaffung der Monarchie 1918 verschwanden die Zusätze Hof und königlich aus den offiziellen Bezeichnungen. Aus dem Königlichen Hof- und Nationaltheater wurde schlicht das Nationaltheater – im Sprachgebrauch jedoch oft Staatsoper genannt.

Ab und an wird es aber doch wieder königlich. So hat im November 2025 unser Ministerpräsident Markus Söder Königin Silvia von Schweden zum Staatsbesuch empfangen.

Die Kunst ist lang, und kurz ist unser Leben.
— Johann Wolfgang von Goethe

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