Zagreb – Dobre Dan!

Im Orient-Express mit dem Ziel Bosnien.

Jetzt am letzten spätnachmittag in Zagreb kann ich endlich sagen, ich mag die Stadt und es gefällt mir hier. Als ich am Sonntag Nachmittag ankam, hab ich mich so über mein schönes Apartment gefreut, dass ich erstmal etwas entspannt habe. Später bin ich noch in die Stadt, um mir einen ersten Eindruck zu verschaffen, und der erste Eindruck hat mich etwas überrascht. Die Stadt ist gefühlt im Müll versunken und es sind ein paar äußerst windschiefe Gestalten umhergewandert.

Am kommenden Tag haben sich ein paar Sachen mit dem Stadtrundgang aufgeklärt. Es war in der letzten Woche ein Lichterfest, weshalb sich an allen Ecken und Plätzen der Müll gestapelt hat und sämtliche Mülltonnen übergelaufen sind. Dann bin ich unwissend über den Marktplatz Tržnica Dolac (dem täglich stattfindenden Markt), der mit Überresten des Sonntagsmarktes noch übersät war, gegangen. Beruhigt hat mich dann zumindest, dass Zagreb eine sehr sichere Stadt ist, deren größten Probleme Korruption und Bestechung darstellen.

Erdbeben im März 2020

Ein weiterer Grund, weshalb die Stadt aktuell nicht so ordentlich aussieht: Zagreb wurde 2020 und 2021 von einem Erdbeben hart getroffen. Da damals das Covid-Thema die Medien beherrscht hat, ist das Erdbeben in der Berichterstattung untergegangen. Das erste Erdbeben war am 22. März 2020 und hat Zagreb wirklich stark mitgenommen, das Zweite im Folgejahr war etwas schwächer. Seitdem sind viele Kirchen und Museen geschlossen und in Gerüste gehüllt, da diese renoviert werden müssen und die Kosten für das kleine Land sehr hoch sind. Es ist sogar eine der Domspitzen heruntergefallen, die jetzt neben dem Dom steht und durch eine weniger schöne Spitze erstmal ersetzt wurde. Somit liegt auch der Staub der Bauarbeiten über der kroatischen Hauptstadt.

Die Stadt der zwei Hügel

Kroatien hat ca. 3,9 Millionen Einwohner, davon leben ca. 770.000 in Zagreb. Ursprünglich waren auf den zwei Hügeln von Zagreb zwei Siedlungen – Gardec und Kaptol – die eine weltlich, die andere kirchlich und beiden bilden zusammen die heutige Oberstadt Gornji Grad von Zagreb. Auf dem Kaptol befindet sich auch die wunderschöne Kathedrale von Zagreb, die das Erdbeben leider schwer erwischt hat.

Die Unterstadt Donji Grad liegt zu Füßen der beiden Hügel und von dieser hinweg hat sich die Stadt immer weiter ausgedehnt. Das Neubaugebiet (so neu ist es nun auch nicht mehr) wurde schlicht New Zagreb genannt und erstreckt sich am Horizont in Form von wirklich vielen Hochhäusern.

Little Vienna

Durch die Jahrhundertelange Besetzung durch das Kaiserreich Österreich-Ungarn findet man in Zagrebs Altstadt viele wunderschöne, nur leider renovierungsbedürftige Gebäude, die der Wiener Bauweise sehr gleichen. Es gab auch kroatische Architekten, die in Wien gearbeitet oder studiert haben. Man hat in der Stadt ganz bewusst, die Wiener Bauweise kopiert. Und ich liebe ja Wien, eben genau wegen diesen tollen Bauten.

Der Hauptplatz: Trg bana Josipa Jelačića

Das Herz der Stadt ist der Hauptplatz Trg bana Josipa Jelačića mit dem man dem Ban Josipa Jelačića die Ehre erweist. Er war der für Zagreb wichtigste Feldherr und Ban (für Kroatien soviel wie Vizekönig – Kroatien gehörte ja, wie oben erwähnt, dem Kaiserreich Österreich-Ungarn an) und er war somit der Herrscher über sein Banat Kroatien. Die Statue blickte auf die Ober-/Unterstadt, als sie errichtet wurde.

Mit dem zweiten Weltkrieg hatte man sie abgebaut und den Platz umbenannt, Jahrzehnte später wurde die Statue wieder aus einem Keller geholt, der Platz bekam seinen alten Namen zurück und Josipa stellte man mit umgekehrter Blickrichtung wieder auf, da die Stadt sich nun über einen viel größere Fläche erstreckt, als zu Zeiten des Ban. Damit er weiter über seine Stadt wachen kann, gab man ihm die neue Blickrichtung. Offensichtlich brauchen auch Statuen manchmal neue Blickwinkel.

Wie Zagreb zu seinem Namen kam

Auf dem Hauptplatz gibt es einen Brunnen, Manduševac, der bei Tauben sehr beliebt ist. Eben diesen Brunnen bzw. genau diese Quelle umringt eine Legende. Ein Tapferer Kämpfer kehrte ausgedurstet aus dem Kampf zurück. Da sah er das Mädchen Manda an der Quelle sitzen und rief diesem zu: „Manduša, zagrabi!“ Und Manda schöpfte und gab dem Helden Trinkwasser.

Mit der Uspinjača in die Gornji Grad

In Zagreb fährt die weltkürzeste Standseilbahn. In 64 Sekunden verbindet sie Oberstadt und Unterstadt. Der Erbauer der Standseilbahn (ich habe mit den Namen bei der Tour nicht gemerkt und Google gibt ihn leider nicht aus) wurde seitens der Stadt belächelt und diese meinte, die Einwohner könnten weiterhin die Treppe nehmen. Allerdings war dieser Herr unnachgiebig und hat sich an das Ende der Treppe gesetzt und Menschen gezählt, die den ganzen Tag da hoch und runter gehen. Die Stadt hat dem Bau 1891 zugestimmt.

Die Standseilbahn hält direkt direkt beim Lotrščak-Turm. Eine Hauptattraktion um 12 Uhr mittags – hier wird täglich um diese Uhrzeit die Kanone abgefeuert. Dies ist in Gedenken an König Gradec, der Zagreb im Jahre 1242 zu einer freien königlichen Stadt machte. Wer auf dem Foto genau hinsieht, sieht den Rauch. Das knallt ganz schön, wenn man daneben steht.

Von dort passiert man dann das Museum der Gescheiterten Beziehungen (später mehr dazu), eine Nikola Tesla Gedenktafel am Kroatisches Museum für Naive Kunst, die wunderschöne St.-Markus-Kirche zwischen Regierungsgebäude und Parlament.

Die Straße führt dann an der ältesten Apotheke Zagrebs vorbei durch das Stein-Tor, dem einzig erhaltenen Stadttor, dort geht es am 80er Jahre Museum vorbei in die Unterstadt zurück, über den Tržnica Dolac kommt man dann wieder beim Trg bana Josipa Jelačić heraus, dem Hauptplatz.

Die Statue an der Treppe zum Markt ist der Barica gewidmet. Sie steht als Sinnbild für die vielen Marktfrauen, die traditionell jeden Tag mit frischem Obst und Gemüse in die Stadt auf den Dolac gefahren sind und dort ihre Ware feil geboten haben. Leider sterben die Baricas nach und nach aus und selbst der Begriff für die Marktfrauen gerät langsam in Vergessenheit.

Die Parks von Zagreb

Zagreb hat 33 Parks, weshalb die Stadt auch gern als Grüne Stadt bezeichnet wird. Die schönsten davon erstrecken sich zu Fuße der Ober- und Unterstadt und bilden fast eine U-Form, wenn man alle abgehen möchte. Ich hatte mich auf die Parks zwischen Bahnhof und dem Hauptplatz beschränkt.

Der Tomislav Trg wurde dem ersten kroatischen König Tomislav gewidmet, flankiert von in voller Pracht blühenden Magnolienbäumen blickt dieser mit vollem Stolz zum Hauptbahnhof Glavni kolodvor und begrüßte 1925 schon die Gäste des Orient-Express und bis heute die höchsten Staatsmänner aus aller Herrenländer.

Zu seiner Rechten steht das wunderschöne Hotel Esplanade Zagreb aus der Belle Époque Ära. Das Hotel war die Party-Location der 1920er Jahre in Zagreb und Erzählungen besagen, dass für einen italienischen Grafen dort die erste Striptease Party des Landes stattfand. Hier reist auch Emmanuel Macron an, um wichtige Dokumente zu unterzeichnen; das letzte Mal im November 2021. Und vielleicht kommt er auch, um an einer der legendären Partys teilzunehmen, wer weiß das schon.

Über den Park Josipa Jurja Strossmayera, einem einflussreichen Politiker gewidmet, geht es weiter zum Park Zrinjevac. Zu jedem Park gehört meistens auch immer ein wunderschönes Gebäude, welches heutzutage gern ein Museum ist. Die Mitte des Park Zrinjevac ziert allerdings ein wunderschöner Pavillon aus dem 19. Jahrhundert, welcher bereits zu dieser Zeit als Musikbühne gedient hat.

In den Frühlings- und Sommermonaten finden hier immer wieder Konzerte und Kulturveranstaltungen statt, bei denen die Menschen zusammenkommen. Am Ende des Parks steht eine Wetterstation von 1884 mit Uhr, welche bis heute exakt das Wetter voraussagt und von der man einige andere interessante Dinge ablesen kann, was viele Zagreber gerne und manche täglich machen. Dass die Uhr immer richtig geht, dafür sorgt einer der bekanntesten und ältesten Uhrmacher der Stadt, er kommt jeden morgen und zieht die Uhr nach. Der Ort ist deshalb auch ein beliebter Sendeplatz für die Wetteransage im kroatischen Fernsehen.

Das Museum der zerbrochenen Beziehungen

Wer es liebt in Museen zu gehen, dem wird in Zagreb sein Herz aufgehen. Es gibt für so gut wie alles ein Museum. Von Schwammerln über Zerbrochene Beziehungen zu Cannabis, den 80er Jahren und Kroatischer Geschichte. Ich hatte ja schon bei meinem Blog über Ljubljana geendet mit Erich Kästner und halte es auch weiterhin mit den Tavernen und nicht den Museen. Aber trotzdem ist es eine Erwähnung wert.

Die Ausstellung im Museum der zerbrochenen Beziehungen ändert sich immer wieder. Jeder, der hier gerne ein Teil davon werden möchte (Zusendungen aus aller Welt sind willkommen), kann aus einer gescheiterten Beziehung ein Erinnerungsstück dorthin senden mit seiner Geschichte und weshalb genau das Erinnerungsstück ein Sinnbild dieser Trennung ist. Wenn die Geschichte interessant genug ist, kommt das Stück als Exponat mit einem Ausschnitt aus dem Brief ins Museum.

Die Sonne und die Suche nach den anderen Planeten

Ziemlich zentral findet sich auf der Bogovićeva Ulica eine Bronzekugel genannt „Grounded Sun“ – die Sonne. Ein Werk des Bildhauers Ivan Kožarić, der Zagreb die Sonne vom Himmel geholt hat, um die Stadt in noch schönerem goldenen Licht glänzen zu lassen. Von 1971 bis 1994 stand die Sonne vor dem Nationaltheater, bevor sie an ihren jetzigen Standort kam.

Der Künstler Davor Preis hat das Werk im Jahr 2004, er hat im ganzen Stadtbezirk neun weitere Planeten angebracht – maßstabsgerecht. Entdeckt wurde der erste Planet in der Stadt dann erst 2006! Touristen, die seitdem von dieser Kunstinstallation wissen, laufen sich die Füße platt, weil sie die Größe der Planeten überschätzen.

Bei der Sightseeing Tour wurde uns die Venus am Trg bana Josipa Jelačića 3 gezeigt. Selbst davorstehend hat man kurz gebraucht, den Planeten auszumachen.

Von einer Weinprobe und wie man nach Bosnien kommt

Für ein Winetasting hatte ich mir die Vinoteka Bornstein empfehlen lassen. Ich bin am Spätnachmittag vorbeigegangen und wollte nachfragen, wann ein Tasting möglich ist. Und schneller als ich ja sagen konnte, saß ich mit Katie und Kelsey am Tisch. Beides zwei nette und reisefreudige Girls aus den USA, Kelsey mit kroatisch-bosnischen Wurzeln und auf Grund der Grenzöffnungen in Zagreb gelandet. Wir hatten ziemlich viel Spaß und es gab nach der normalen Verkostung noch zwei weitere Rotweine, dazu ausreichend Brot, Oliven, Olivenöl und Käse.

Es gab fünf Weine aus allen Regionen des Landes und ich empfinde die kroatischen Weine als zu säuerlich, egal, ob Rot oder Weiß. Nur der letzte Rotwein aus Istrien traf dann meinen Geschmack. Der war sehr vollmundig und erdig. Was wohl meine Vorliebe für mediterrane Weine bestätigt.

Und weil wir offensichtlich noch nicht genug gegessen und ausreichend betrunken waren, hat Kelsey vorgeschlagen, ins ca. 3km entfernte Bosnien mit der Tram zu reisen, damit wir auch einmal in diesem Land gewesen sind; in Form des Restaurants Sofra. Das Restaurant entsprach optisch und vom Service absolut meinen Vorstellungen von einem solchen landestypischen Restaurant. Ich mochte es trotzdem, es hatte seinen Charme. An dem Abend habe ich gelernt, dass man sich in Bosnien nicht gerne die Zunge verbrennt, weshalb das Essen sehr lau serviert wird. Ich bin dann doch eher für warmes Essen.

Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen.
Johann Wolfang von Goethe

Ljubljana – Die Stadt des Drachen

Slowenien – Land of the Chicken.

Die Sage des Drachen

Es war einmal ein Drache in alter Zeit, der lebte auf dem Berg hoch über einer Stadt und erfreute sich von Zeit zu Zeit am Genuss einer Jungfrau. Dem mutigen Georg wurde eine dieser jungen Frauen angeboten, sollte er den Drachen besiegen und die Stadt befreien. Georg, mehr an Heldentum als an Frauen interessiert, stellte sich dem Drachen. Aber der Drache war selbst nach dem dritten Stich mit dem Schwert nicht zu besiegen. Als Georg ihn aber dann zum vierten Mal traf, öffnete sich durch Zauberhand der Boden des Berges, der Drache fiel hinein und sogleich schloss sich der Boden auch wieder. Der Drache, aka Franz der Erste, ward nie mehr gesehen. Der Legende nach lebt er aber immer noch im Inneren des Berges, als Beschützer der Stadt; inzwischen auch alt und nicht mehr des Feuerspuckens mächtig. Um der Stadt von Zeit zu Zeit zu zeigen, dass er da ist und über seine Stadt wacht, hüllt er diese durch seinen Atem in Nebel. Als Dank für seinen Schutz bauten ihm zu Ehren die Einwohner die Drachenbrücke, die zum Wahrzeichen der Stadt wurde.

(Landes)Geschichtliche Exkursion

Die berühmte Drachenbrücke Zmajski most wurde zum 40. jährigen Thronjubiläum von Kaiser Franz Josef I errichtet, als Slowenien noch zum Kaiserreich Österreich gehörte. Napoleon hatte zu seiner Zeit versucht zu intervenieren, da ihm die Größe des österreichischen Kaiserreichs ein Dorn im Auge war. Er besetzte das Land, machte Ljubljana zur Hauptstadt, gab dem Land seine Identität und Sprache wieder, verlor aber am Ende gegen Österreich und zog von dannen. Da Napoleon in gewisser Weise dem Land seine Identität zurück gab, gibt es sogar ein Denkmal für ihn. Durch die lange Herrschaft des Habsburger Hauses beinhaltet die slowenische Sprache bis heute viele Wörter deutschen Ursprungs, so z.B. mit gleicher Bedeutung das bayrische Wort Lump.

Slowenien selbst ist sehr jung, wenn auch reich an Geschichte. Das heutige Territorium wurde erst mit dem zweiten Weltkrieg festgelegt. Das Land stand lange unter diversen Herrschaften anderer Nationen und war nach dem Tode Titos das erste Land, welches sich aus dem ehemaligem Jugoslawien nach einem Volksentscheid löste und eigenständig wurde. Ljubljana ist die kleinste Hauptstadt in Europa mit ca 280.000 Einwohnern, insgesamt hat Slowenien nur knapp über zwei Millionen Einwohner. Und eben dieses Territorium hat die Form eines Hühnchens und darauf komm ich später im Text nochmal zurück.

Die bezaubernde bunte Stadt

Nun bin ich nach ein paar Tagen in Ljubljana wirklich verliebt in diese Stadt und ihre Lebendigkeit. Ljubljana ist sehr jung, modern, bunt, lebhaft und übrigens auch sehr sauber. Die Stadt achtet sehr auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Ljubljana schafft es in meinen Augen mit Leichtigkeit, Historisches und die Moderne zu verbinden. Die 2010 erbaute Fleischerbrücke Mesarski most, die eigentlich schon vor 100 Jahren beim Bau der Markthalle geplant war, fügt sich wie selbstverständlich in das Stadtbild ein. Sie ist zum Symbol der Liebe in der Stadt geworden und es zieren sie inzwischen unzählige Vorhängeschlösser, deren Schlüssel auf dem Grund des Ljubljanica zu finden sind.

Die Stadt hat sich ihren eigenen Charme in den Gässchen der Fußgängerzone bewahrt – kleine individuelle Shops, Cafes und Restaurants, die sich in den alten Gassen und am Ljubljanica aneinander Reihen.

Die Burg, welche im 12. Jahrhundert auf dem Berg des Drachen errichtet wurde, dient heutzutage als Ort für kulturelle Veranstaltungen aller Art und man kann dort sogar Escape Room (bzw. in dem Fall Escape Castle) spielen. Das Sehenswerteste auf der Burg als Tourist ist definitiv der Ausblick vom Turm über die Stadt.

Der Fluss Ljubljanica, an dem sich soviel Leben abspielt, war zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg 30 Jahre lang trocken gelegt. Unvorstellbar, wenn man all das bunte Treiben im Herzen der Stadt gesehen hat. Um Hochwasser zu vermeiden, hatte man den Fluss bereits geteilt. Da dies aber nicht ausreichend war, hat man den Flussarm, der durchs Zentrum führt, trocken gelegt und angefangen, das Flussbett tiefer zu graben. Und dann kam der Krieg und die Arbeiten ruhten 30 Jahre lang.

Ljubljana rühmt sich nicht mit einem großen Kämpfer oder herausragenden Politiker, die bedeutenden Persönlichkeiten sind ein Poet und ein Architekt. Dem Poeten France Prešeren wurde auf dem Hauptplatz Prešernov trg ein Denkmal geschaffen, gegenüber der Kirche mit angeschlossenem Kloster. Da der gute Poet den Ladies nicht abgeneigt war, hat man ihm als Muse auch eine barbusige Frau hinzugefügt. Kirche und Stadt waren dann geteilter Meinung über die nackte Dame und da sich der Bürgermeister geweigert hat, die Statue umzubauen wurden für die keuschen Klosterbrüder Bäume als Sichtschutz gepflanzt.

Von diesem Platz aus geht auch die Dreifachbrücke Tromostovje  über den Fluss. Da das Verkehrsaufkommen schon 1932 immer höher wurde hat man der breiten Hauptbrücke einfach links und rechts zwei Fußgängerbrücken hinzugefügt. Diese Brücke gehört heute zum UNESCO-Welterbe und ist inzwischen, wie die ganze Innenstadt, für den motorisierten Verkehr gesperrt.

Und eben diese Brücke führt uns auch zum berühmten Architekten Jože Plečnik, welcher für diese Brücke und weitere Bauwerke in der Stadt, im Land, als auch in Wien und sogar für den Umbau der Prager Burg und Garten um 1925 verantwortlich ist. Plečniks Erkennungszeichen sind vorallem Säulen und Pyramiden. In Ljubljana hat er die Šuštarski most erschaffen und zum Erhalt des Eingangs der Jahrtausende alten römische Mauer eine Pyramide über den Durchgang gebaut. Der von ihm geschaffene zentrale Marktplatz Osrednja ljubljanska tržnica wurde ebenfalls in das UNESCO Welterbe aufgenommen.

Ljubljana by Night ❤

Einfach die Bilder anklicken, die muss man im Großformat gesehen haben.

Odprta Kuhna (Open Kitchen)

Zufälligerweise war an dem Freitag, als ich in der Stadt war, die Eröffnung des Open Kitchen Marktes in diesem Jahr. Eröffnung ist traditionell spätestens Ende März bzw. am ersten schönen Freitag des Jahres im März. Dieser Markt findet wöchentlich jeden Freitag bei schönem Wetter bis Ende Oktober statt. Restaurants und Bars aus Ljubljana und ganz Slowenien kommen hier zusammen, kochen „offen“ und jung und alt gehen dorthin. Ich hatte genau an dem Tag die Food & Wine Tour gebucht, weshalb ich mich auf dem Markt dann nur mit Wein und Prosecco vergnügt habe.

Pogačarjev trg

Der tägliche Markt auf dem Marktplatz Pogačarjev trg ist eine bunte Farbenpracht aus frischem Obst, Gemüse und Blumen. Schon allein deshalb ist er einen Besuch wert. Zudem bieten zumeist ältere Damen handgemachte Gestecke und Basteleien an.

Food & Wine Tour

Die Food & Wine Tour war zugleich eine Stadtführung mit der wunderbaren Jasmina. Vieles was ich oben schon berichtet habe, inklusive der Legende von Franz dem Ersten, stammt aus ihren Erzählungen.

Gestartet sind wir nach den ersten Geschichten zur Stadt in der Vinoteka Barigla, diese befindet sich in der Trubarjeva cesta. Der Strasse mit den wohl meisten Graffiti der Stadt, weshalb sie Touristen manchmal abschreckt. Untypischer Weise haben wir mit Rotwein gestartet, zu dem italienischer Rohschinken mit italienischem Käse gereicht wurde. Soviel zu landestypischem Essen. Aber ich mag ja italienischen Käse und Schinken.

Und hier kommen wir auch zum oben erwähnten Hühnchen zurück. In der Vioteka hat uns Jasmina die Form des Landes erklärt und ab dem Zeitpunkt alle Regionen in Chicken-Teilchen benannt. Der Rotwein kam aus dem Weinanbaugebiet Primorska an der adriatischen Küsten, also dem Chicken Butt, wie die beiden folgenden Weißweine auch, während der vierte Weißwein aus dem Chicken Head (Podravje) und der Rose aus dem Chicken Leg (Posavje) kam. Ohne die Chicken-Zuordnung hätte ich hier auch nichts mehr zuordnen können.

Im Hiša Pod Gradom gab es landestypische Knödel, Štruklji, die gern mit Ricotta gefüllt und süß, als auch herzhaft gegessen werden. Ich fand sie einfach nur salzig. Im Fischrestaurant gab es für mich Kartoffelsalat, meine Leidenschaft für Essbares aus dem Wasser hält sich sehr in Grenzen. Das vierte Restaurant Gujžina hat vor drei Jahren die Strategie geändert, da der Besitzer Vegetarier ist. Hier gibt es slowenische Küche in vegetarischer Form und für uns war das Jota eine Suppe mit Rüben und Zwiebeln und anstatt Schweinefleisch war Seitan enthalten, darüber kippt man dann Kürbiskernöl. Ja, kann man, muss man nicht essen, war jetzt eher wieder salzig bis geschmacksneutral.

Das Beste war die preisgekrönte Wurst in dem kleinen Lädchen Klobasarna; uns wurde die „Mädchenversion“ kredenzt, also ohne Stückchen. Mein Glück. Der gereichte Rose aus dem Chicken Leg Weinanbaugebiet war im ersten Moment sauer, aber der Geschmack hat sich mit dem Genuss der Wurst komplett gedreht. Den kleinen Imbissladen Klobasarna kann ich wirklich vorbehaltlos empfehlen. Als Abschluss des Abends gab es dann noch einen leckeren Mohn-Nuss-Kuchen hoch über den Dächern der Stadt im Cafe Nebotičnik, welches im ältesten Skyscraper (ein New Yorker würde darüber wohl lachen) von Ljubljana angesiedelt ist.

Toren bereisen in fremden Ländern die Museen, Weise gehen in die Tavernen. 
Erich Kästner

Olympisches Fieber

Die European Championships und das Roofs Festival im Olympiapark.

Im letzten Sommer, vom 10. – 21. August, war der Olympiapark eine einzige große Party – sportlich gesehen (die European Championships), als auch musikalisch und künstlerisch (das The Roofs – Festival). Es war für alle etwas dabei. Der Olympiapark wurde nach 50 Jahren endlich wieder Gastgeber eines sportlichen Großereignisses und dazu hat die Stadt ein wirklich großartiges Festival mit täglichen Konzerten, kreativen Workshops, Kunst, Lichtinstallationen und was so dazu gehört einfach für alle veranstaltet. Teilweise waren die Sportevents sogar kostenfrei, so z.B. BMX-Europameisterschaft, Triathlon oder auch Crosscountry Mountainbike. Die Musiker konnten sich sehen lassen: Marteria und die Sportfreunden Stiller haben das Festival eröffnet, an den nächsten Tage folgten Wanda, die Beatsteaks, Elif, Münchner Freiheit und viele mehr.

Im Vorfeld zur Veranstaltung war ich des Öfteren im Olympiapark, konnte die Aufbauarbeiten mitverfolgen, wie sich der Park so langsam zum Gastgeber dieses großen Events verwandelt und raten, was das wohl alles wird. Übrigens gab es nach dem Ende der Veranstaltung den Aufruf, dass man sich das Holz im Park kostenfrei abholen kann, was hier die einzelnen Roofs und Sportevents verarbeitet wurde. Ganz nachhaltig also.

Es war so toll, als man ab dem Zeitpunkt der Eröffnung den Park bei schönstem Sommerwetter zwölf Tage lang so erleben durfte: feiernde, entspannte Besucher und Sportler, denen man bei Interviews absolut angemerkt hat, wieviel Spaß sie hier hatten. Die Zuschauer und Besucher haben alle Nationen gefeiert und angefeuert, ein ganz buntes und farbenfrohes Festival. Es kam so ein Hauch olympisches Fieber auf und man konnte sich in etwa vorstellen, wie die Stadt wohl aussehen würde, wären es nicht nur die European Championships. Ein paar Erinnerungen an unser deutsches Sommermärchen 2006, die Fußball Weltmeisterschaft, wurden auch wieder wach.

Der Park war in verschiedene Bühnen aufgeteilt, die sich bis hin zur BMW Welt gestreckt haben. Central Roof, Heimat Roof, Art Roof, Kids Roof, Capri Roof usw. – überall gab es Dinge zum Erleben, Mitmachen, Entdecken, man konnte entspannten, sich das kleine Museum auf dem See ansehen oder einfach die Sonne genießen bei einem leckeren Cocktail.

Tag 0 – Eröffnung

Wie auch wir, so hatte die Stadt wohl den Zustrom der Menschen völlig unterschätzt. Über die App auf dem Handy kam abends die info, bitte nicht mehr abreisen, der Park ist voll. Ja, das war aber zu spät für uns. Egal. Mit meinen Nachbarn war ich zum Eröffnungskonzert von Marteria und den Sportfreunden Stiller verabredet. Wir sind „getrennt angereist“ und wollten uns dann im Park treffen. Das hat sich erstmal etwas schwierig gestaltet, weil der Park einfach so voll war mit unfassbar vielen Menschen. Gefunden haben wir uns trotzdem und auch wenn wir von der Eröffnung auf dem Central Roof und die Konzerte nicht so wirklich mitbekommen, war es trotzdem ein sehr netter Abend.

Tag 1 – Wie läuft das hier eigentlich?

Ich hatte an der Eröffnung zum Glück nebenbei mitbekommen, dass einige Leute Bändchen für das Konzert hatten. Mein persönliches Ziel für den ersten Tag war es also herauszufinden, wie man an diese Bändchen kam. Ich musste ja dringend zum Konzert von Wanda am Sonntag. So bin ich am ersten Tag der Spiele nachmittags in den Park, um mir alles mal etwas genauer anzusehen. Die Lösung kam dann am Infocounter: man konnte sich am Central Roof eine Stunde vor dem jeweiligen Konzert ein Bändchen holen oder sich wahlweise dort einfach nicht mehr wegbewegen. Sprich: frühzeitig da sein, das war zu schaffen.

Tag 2 – Endlich Musik

Endlich gab es die ersten beiden Konzerte: Luna, eine junge deutsche Nachwuchskünstlerin und Elif als Hauptact. Vor der Musik gab es auch etwas Sport zu sehen, ein paar Marathon-Läufer.

Tag 3 – BMX über den Dächern der Stadt

Eine Weile haben wir der Gymnastik-Gruppe auf dem Central Roof zugesehen und die Red Bull Skydiver sind auch eingeflogen, bevor wir hoch auf den Olympiaberg gegangen sind, um über den Dächern der Stadt (was man mehr im Fernsehen als im Park sah) das Finale der BMX Europameisterschaft der Herren zu bestaunen.

Die BMX Europameisterschaft fand auf dem Heimat Roof statt. Man konnte auch als Laie erkennen, wer die bessere Leistung abgeliefert hat, die Jungs sind ganz schön über das Parkett geflitzt und geflogen mit Ihren Rädern. Gewinner und somit neuer Europameister war verdient der Franzose Anthony Jeanjean.

Der traumhafte Sonnenuntergang hat alles getoppt und Musik von Kitschkrieg gab es auch noch an dem Abend.

Tag 4 – Das Fangirl bei Wanda

Auf das Konzert habe ich mich am meisten gefreut. Wanda hatte ich Anfang März 2020 in der Olympiahalle schon mal gesehen und es hat soviel Spaß gemacht. Die Vorband war auch schon, wie beim ersten Konzert, Das Moped. Drei Jungs mit lustiger Kleidung und lustigen Bärten. Ich habe sicherheitshalber das Central Roof nicht mehr verlassen und bin dann tatsächlich in der zweiten Reihe gestanden, obwohl das gar nicht das Ziel war. Jedenfalls ein sehr cooler Abend.

Tag 5 – Pause für mich

Eigentlich wollte ich einen Vorentscheid der Red Bull Streetdance Gruppe nachmittags ansehen, aber es hatte geregnet und obwohl die Sonne noch aufkam, habe ich mich doch für einen Tag Ruhe entschieden. Nach fünf Tagen Party und Action fand ich das irgendwie legitim.

Tag 6 – Die Punkrocker sind los

Den Nachmittag hab ich in der Wiese vor dem Central Roof verbracht, versucht, etwas Schatten zu finden und habe mir Interviews angehört und mich mit ein paar Leuten nett unterhalten, bis abends dann erstmal eine ganz furchtbare IndieRockBand aus Österreich gespielt hat, der dann die Beatsteaks gefolgt sind. Die haben mich wirklich geflasht, ich wollte nur 2-3 Lieder hören und dann heim – aber bei der großartigen Stimmung war das keine Option.

Tag 7 – Waves of Light

Auf dem Olympiasee gegenüber vom Olympiaturm war jeden Abend eine Lichtinstallation, welche sich aber mit den Konzerten zeitlich nicht vereinbaren lies. An dem Abend hat es dann zum Glück perfekt gepasst. Auf einem halbrunden Wasserstrahl wurde Licht projiziert, welches sich zu passender Musik in einen Regenbogen entfaltet und im See gespiegelt hat. Ich mag sowas.

Mit einem Aperol Spritz haben wir auf dem Capri Roof einfach noch den schönen Sommerabend und die bunten Lichter im Olympiapark genossen.

Und eine Siegerehrung gab es am Ende des Tages auch noch:

Tag 8 – Der Königsplatz

Es gab ja nicht nur im Olympiapark sportliche Events, sondern quer durch die Stadt vom Odeonsplatz über den Königsplatz bis hin nach Oberschleißheim zur Ruderregatta. In meiner immer noch offensichtlichen Naivität, was die Anzahl der Leute, die zu den Veranstaltungen wollen, angeht, dachte ich so, spätvormittags kommst du am Königsplatz sicher ganz einfach in die große Arena zum Beachvolleyball. Ja, die Schlange war da schon sicher über einen halben Kilometer lang und bei ungefähr 28 Grad in praller Sonne, habe ich den kleinen Sidecourt bevorzugt und mir das Spiel der Damen zwischen Österreich und Schweden angesehen.

Gfreidi, das offizielle Maskottchen, hab ich dann auch noch kennen gelernt und mich natürlich gefreut (ja, jetzt muss man halt Bayrisch verstehen ;-)). So Wortwitze sind ja eigentlich irgendwie auch blöd.

Tag 9 – Alles hat ein Ende

Das letzte Event für mich waren die Herren im Crosscountry Mountainbike, was über die Hügel im Olympiapark ging. Die Stimmung war super und es hat tatsächlich voll Spaß gemacht den „Radlern“ zuzusehen.

Tag 10 + Tag 11 Es hat geregnet.

Der Samstag stand eigentlich bei mir noch auf dem Plan mit der Münchner Freiheit und Alphaville. Allerdings hatte ich keine Lust, bei strömenden Regen auf der Wiese im Park rumzurutschen. Abends ging es wettertechnisch dann wohl wieder zum Konzert von Alphaville, es waren Freunde von mir dort und wissen wollten, wo ich bin. Ich war auf der Couch. War auch okay.

Und dann war es vorbei.

Alles in allem muss man wirklich sagen, dass es einfach eine Wahnsinns-Sommerparty war, die absolut würdig war, um die Olympischen Spiele vor 50 Jahren, somit auch das 50. jährige Bestehen des Olympiaparks, die European Championships und einfach Die schönste Stadt der Welt selbst zu feiern. Ich liebe Musik und Konzerte, darum war es auch so toll in dieser Location bei Sommerwetter so tolle Konzerte zu sehen. Für die Besucher, als auch die Musiker wird das sicherlich in Erinnerung bleiben. Der Olympiapark ist doch etwas besonderes.

❤ ❤ ❤

Danke Minga ❤

Das Geheimnis der 20 Kräuter im Glas

Zu Besuch bei zwei Karlsbader Originalen.

Man kann wohl die Annahme hegen, dass der ein oder andere Becherovka schon aus einem Gläschen der Moser Glasmanufaktur getrunken wurde. Becherovka ist der tschechische Kräuterlikör, bestehend aus 20 geheimnisvollen und sagenumwobenen Kräutern, Moser ist das Glas aus dem schon Päpste, als auch amtierende und künftige Könige getrunken haben und welches seit 170 Jahren ausschließlich in Handarbeit am exakt dem gleichen Ort hergestellt wird. Beide Unternehmen sind neben den berühmten Oblaten Karlsbader „Originale“ und seit jeher dort ansässig.

Becherovka – Die 13. Heilquelle von Karlsbad

Bereits 1794 hat der Gründer von Becherovka, Jan Josef Becher, sich in Experimenten mit Kräuterlikör versucht, bis er 1805 von einem englischen Arzt ein Rezept für English Bitter bekam und es in den folgenden zwei Jahren verfeinerte und eben als English Bitter zur Behandlung von Magenbeschwerden verkaufte. Was im Volksmund auch zu der Bezeichnung „Die 13. Heilquelle von Karlsbad“ geführt hat (in Karlsbad gibt es 12 erschlossene Heilquellen für Kuraufenthalte). Schon in den 1830er Jahren war der Verkauf so erfolgreich, dass man nach Paris, Wien und München exportierte.

Vor ein paar Jahren hat Becherovka das Besucherzentrum am Becherplatz komplett renoviert, im Innenbreich hat man eine kleine Ladenstrasse mit Cafè im Stil des anfänglichen 19. Jahrhunderts erbaut, dazu kann man eine Ausstellung mit Tasting besuchen. Die eigentliche Fabrik liegt 5 km entfernt vom Besucherzentrum.

Im Tasting inklusive waren der Becherovka Original, KV14, Cordial, und Lemon. Übersetzt in Italienisch-Münchnerisch: Ramazotti, Aperol, bäh und Limoncello. Zusätzlich konnte man für 1€ noch den Becherovka Unfiltered probieren (ins Verhältnis gesetzt: 1€ für ein halbes Stamperl im Verhältnis zu 0,5l für umgerechnet knapp 7,33€). Der Geschmack des KV14 ist nicht vergleichbar mit Aperol – und mit Aperol kenne ich mich aus möchte ich sagen. Den Lemon fand ich sehr gut, der wird sich auch sicherlich gut in alkoholisiertem Blubberwasser machen im Frühling.

Das Geheimnis von Becherovka. Die Rezeptur ist nur zwei Menschen bekannt – dem Produktionsleiter und einem Kollegen. Den beiden Personen ist verboten, gemeinsam zu Reisen oder in einem Auto zu fahren. Zusätzlich liegt die Rezeptur noch verschlossen in einem Tresor in Paris. Das Original enthält 20 Kräuter – 70% davon aus Tschechien und Mitteleuropa, der Rest wird aus exotischen Ländern importiert. Man bestellt immer unterschiedliche Mengen und auch diverse Kräuter und Gewürze, die man nicht verwendet, um das Geheimnis der Rezeptur zu bewahren. So können aus der Bestellung keine Rückschlüsse gezogen werden.

Der Guide meinte, man trinkt am Tag zwei Gläschen Becherovka für die Gesundheit, drei für den Spaß und vier auf eigenes Risiko. Becherovka gehört seit 1997 übrigens zur Pernod Ricard Gruppe – zu dem französischen Konzern gehört auch der italienische Ramazotti 🙂

Glasmanufaktur Moser

Ich meine, dass ich als Kind mal in einer Glashütte in Niederbayern war, aber wirkliche Erinnerungen daran hab ich keine. Dieses heutige bayrisch-tschechische Grenzgebiet wurde im Lauf der Zeit aus diversen Gründen umstrukturiert, ist aber seit jeher für seine Glaskunst bekannt. Im 18. Jahrhundert gab es sehr viele „Glashütten“, in diesen arbeiteten hauptsächlich weniger gebildete Menschen, die kein hohes Ansehen hatten. Es war mehr oder weniger ein Wandervolk, die komplette Glashütte zog einfach weiter, wenn die Rohstoffe, die man für die Glasherstellung benötigte, aufgebraucht waren, nur den Namen der jeweiligen Hütte behielt man bei. Wenn man sich also auf die Suche nach ehemaligen Glashütten macht, wird das evtl. sehr schwierig werden, diese zu lokalisieren.

Heutzutage ist die Herstellung von Glasware, insbesondere bei der Manufaktur Moser, eine hochangesehene Handwerkskunst, die wirklich Geschick, Ausdauer und Kraft benötigt, dazu muss man gerne in der Wärme stehen, da es im Glasofen selbst zu Temperaturen bis zu 1600 Grad kommt. Und der Glasofen bildet die Mitte dieser Inseln auf denen in der Glashütte gearbeitet wird.

Die jeweiligen Teams bestehen aus einem Meister und zwei Zuarbeiter und jeder ist für seine bestimmte Aufgabe verantwortlich. Die flüssige Glasmasse wird mit einem Glasstab entnommen und dann von dem Arbeiter in Form geblasen, dies geschieht in mehrmaliger Wiederholung, bis die gewünschte Form hergestellt wurde. Das Stück wird dann an die Kollegen übergeben, welche dies weiter zurecht schneiden – und z.B. einen Griff für einen Krug ergänzen.

Es ist wirklich faszinierend, diese heiße flüssige rote Masse zu beobachten, wie es seine Form bekommt und auf einmal zu durchsichtigem weißen Glas wird. Nachgefragt hat mir der Tourguide gesagt, dass sich in der Herstellung zu vor 200 Jahren eigentlich nur geändert hat, dass zum Erhitzen der Glasmasse nun Gas genommen wird und nicht mehr Kohle. Wenn man in dieser heißen Glashütte steht und sich vorstellt, dass die ganze Hitze durch verbrannte Kohle entsteht, ist das wahrscheinlich ähnlich wie das Fegefeuer.

Das fertige Kunstwerk kommt dann jedenfalls erstmal in die Kühlung, bevor es dem Graveurmeister übergeben wird. Da ich nicht die VIP-Tour gebucht hatte, bekam ich in diesen Schritt leider keinen Einblick mehr, dafür konnte man im Shop und im Museum noch fertige Kunstwerke bewundern.


Einen kleinen Reisebericht zu den Tagen um den Besuch bei Becherovka und der Moser Glashütte findet Ihr hier: Bohemian Rhapsody: RELOADED.

Bohemian Rhapsody: RELOADED.

Mariánské Lázně. Františkovy Lázně. Karlovy Vary.

Wer einen Zeitsprung in eine Parallelwelt um die Jahrhundertwende machen möchte, sollte unbedingt das böhmische Bäderdreieck besuchen, also Marienbad, Franzensbad und Karlsbad. In Marienbad haben um die Jahrhundertwende Könige und Kaiser Ihre Spa-Tage verbracht und diese auch zu politischen Gipfeltreffen genutzt: so der österreichische Kaiser Franz Josef I. von Österreich, zugleich König von Böhmen, als auch König Edward der VII. von England. Ebenso Ihre Zeit dort verbrachten bekannte Dichter und Künstler, wie z.B. Goethe.

Marienbad

Bereits im 14. Jahrhundert wusste man um die Heilquellen in der Gegend, zuerst wurde das Wasser auf Märkten verkauft, später auch exportiert und man fing an, dort Kurmöglichkeiten zu schaffen. Es wurde von Anfang an Wert drauf gelegt, dass die Heilquellen und Kurorte allen Bevölkerungsschichten zugänglich waren, nicht nur der Obrigkeit. So durfte man von Anfang an bis heute auch das Königs- und Kaiserbad im Kurhotel Nové Lázně in Marienbad nutzen.

Mariánské Lázně
Marienbad

Das besondere an Marienbad ist die weitläufige Parkanlage in der Ortsmitte, in der man während seines Kur-Aufenthalts flanieren und die berühmten Oblaten to-go essen kann, die es dort an jeder Ecke zu kaufen gibt. Marienbad ist definitiv der Schönste der drei Bäderorte, im Winter gleicht er einem verschlafenem Schneewittchen-Dorf.

Das Symbol von Marienbad, die wunderschöne Maxim Gorki Kolonnade (Hauptkolonade), wurde 1888 erbaut und 1889 fertiggestellt. Viele ähnliche Bauten in anderen Kurorten, auch außerhalb Tschechiens, wurden leider abgerissen, diese hat glücklicherweise „überlebt“ und wurde in den 1970er Jahren komplett renoviert. Sie beinhaltet Shops und ein schönes Café – zudem hat man natürlich Zugang zu einer der heilenden Quellen von Marienbad.

Auf einer Anhöhe in Marienbad thront das 1821 errichtete Hotel Weimar (später Hotel Kavkaz), welches eben diese herausragenden Persönlichkeiten der Geschichte zu ihrer Zeit beherbergte. Das Hotel ist seit Jahren geschlossen, die ehemalige Schönheit lässt sich aber immer noch erahnen und es kommt eine Gewisse Tristesse auf, wenn man diesen Verfall sieht und bedenkt, wer dort einmal seine Zeit verbracht hat.

Františkovy Lázně
Franzensbad

Namensgeber und Gründer des beschaulichen kleinen Örtchens mit dem ursprünglichen Namen Kaiser Franzensdorf war kein geringerer, als Kaiser Franz I. – der letzte Kaiser des Römischen Reichs und Gründer des österreichischen Kaisertums.

Franzensbad ist der kleinste der drei Kurorte – und der hat mich so an meinen Trip an die US-Ostküste mit Martha’s Vineyard erinnert (lest hier: Stars and Stripes an der Ostküste – Roadtrip 2013 ), die breite, schnurgerade Národní třída (Nationalallee) mit all den Shops und Fähnchen und Bäumchen.

Karlovy Vary
Karlsbad

Die Stadt ist mit seinen knapp 48.500 Einwohnern der größte der drei Kurorte und sicherlich auch der, der am meisten Unterhaltung zu bieten hat. 2021 wurde er in die UNESCO Liste der Great Spas of Europe aufgenommen (selbstverständlich zusammen mit Marienbad und Franzensbad, die man ebeso auf dieser Liste findet).

Im Europäischen Zentrum für natürliche Bierbäder kann man sogar einen Bier-Spa-Tag machen. Kein Witz. Und neben diesen vielfältigen Spa-Angeboten erlangte Karlsbad wohl auch internationalen Ruhm mit seinen berühmten Karlsbader Oblaten 🙂

In Karlsbad habe ich dann auch Becherovka und die Glashütte Moser besucht. Becherovka ist quasi der tschechische Ramazotti, der bei uns wohl bekannter ist. Der klassische Becherovka hat mit seinen 38% einen um 8% höheren Alkoholgehalt, als der italienische Kräuterlikör – Ramazotti hat „nur“ 30%.

Die Glashütte Moser wurde 1857 gegründet und ist nach wie vor am gleichen Ort angesiedelt – was einen großen Unterschied zu vielen anderen Glashütten macht, diese gingen auf Wanderschaft, wenn Rohstoffe zur Glasproduktion aufgebraucht wurden. Moser ist hat bereits königliche Hochzeiten ausgestattet und Papst Johannes Paul II. war dort auf Besuch.

Nun würde es aber den Blog-Beitrag sprengen, wenn ich die beiden Besuche hier auch noch aufnehmen würde. Das könnt ihr Blogbeitrag „Das Geheimnis der 20 Kräuter im Glas“ nachlesen.

Für heute möchte ich euch einfach noch die böhmische Backkunst mit auf den Weg geben … daran kann man leider nicht vorbei 🙂

„Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut.“

Franz Josef I.

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Bohemian Rhapsody

Weihnachtliches Südböhmen.

Böhmen. Irgendwie klingt das für mich immer wie aus einer anderen Zeit und ist es irgendwie auch. Die Münchner Prinzessin Sophie Euphemia von Bayern aus dem Hause Wittelsbach wurde nach ihrer Heirat im Jahre 1400 zur böhmischen Königin gekrönt. Im Laufe der Jahrhunderte und diverse Herrschaften später gehörte Böhmen dem Kaiserreich Österreich-Ungarn an; Kaiser Franz Josef I war bis zu seinem Tod 1916 der vorletzte König von Böhmen.

Drei Länder aus eben dieser anderen Zeit sind heute Gebiete in Tschechien: Böhmen, Mähren und Schlesien. Böhmen gliedert sich in Nord-, Mittel- und Südböhmen. Die Hauptstadt Prag liegt ziemlich genau im Herzen von Mittelböhmen, gilt aber als eigenständige Region. Prag ist laut einer Freundin immer eine Reise Wert (mein Spruch über Wien) – dieses Mal hat es mich aber spontan für einige Tage ins weihnachtliche Südböhmen verschlagen und zwar nach Budweis, Tabor und Krumlov.

Die Region Südböhmen ist hauptsächlich Urlaubsregion für Einheimische – mit der Ausnahme von Český Krumlov, der „Perle des Böhmerwalds“ – die Altstadt ist UNESCO-Welterbe als Kulturdenkmal. Und wenn man mal dort war, weiß man auch warum. Man kommt sich wie in einer mittelalterlichen Parallelwelt vor. Insbesondere dann auch um diese Jahreszeit, in der wenig Tourismus in der Stadt ist und die Einheimischen bei der Kälte lieber zuhause bleiben.

Blick auf Burg und Schloß Krumlov

Aber auch in den Städten Budweis und Tabor war nicht viel los, oft war ich allein auf den Straßen dort unterwegs – was etwas spooky anmutet, wenn man in Münchnen wohnt. In unserer Fußgängerzone ist um Mitternacht noch mehr los, als in manch anderen Städten tagsüber, wenn die Geschäfte geöffnet haben.

Ich hab das total genossen, dass es so ruhig und entschleunigt war in den Städten. Dazu war ja alles ganz weihnachtlich dekoriert und beleuchtet, die Christkindlmärkte , der erste Schnee des diesjährigen Winters und die Heimfahrt durch den Böhmerwald (die Hinfahrt lassen wir jetzt mal aus … Erwähnung findet hier nur die komplett in rot markierte Straße die auf eine entsprechende Kurve zuging … kurz gesagt: abenteuerlich). Dieser leicht verschneite so naturbelassene Böhmerwald, manchmal war ich froh, dass ich nur 20 km/h heimwärts fahren konnte, weil alles so gepuderzuckert schön aussah.

České Budějovice

Jetzt fangen mir mal bei Budweis an, der größten südböhmischen Stadt. Bekanntheit hat die Stadt natürlich vor allem auf Grund seines Bieres erreicht – bitte nicht verwechseln mit dem „Budweiser“ aus den USA. Mir wurde von einer Einheimischen erzählt, dass sie den Touristen immer erklären muss, dass das einheimische Bier nichts mit dem US-Budweiser zu tun hat und zwar absolut nicht. Aber wie ihr wisst, hab ich es ja eher mit dem Wein und da ist Tschechien raus. Von daher war es das auch zum Thema Bier.

Im Herzen der mittelalterlichen Altstadt befindet sich der genau ein Hektar große Marktplatz Přemysl Otakar II., einer der größten Marktplätze in ganz Europa und sicherlich auch einer der Schönsten. Das Rathaus der Stadt zählt zu den schönsten Gebäuden im ganzen Land. Ich durfte den Platz als Glitzer-Weihnachts-Wunderland erleben und es war so schön und so weihnachtlich. Um den berühmten Samsonová kašna (Samson-Brunnen) wurde eine Schlittschuhbahn gebaut und drumherum befinden sich dann allerlei Stände mit leckerem Essen und Svařák, Glühwein.

Sehr schön war der Spaziergang zwischen der Moldau und Maltsch, in diesem Dreieck verbringen die Einwohner gerne ihre Zeit bei Sonnenschein. An dem Tag gab es faszinierende Spiegelungen der Gebäude im Wasser, selten dass ich das so klar gesehen habe.

Tábor

In Tábor hab ich ein neues Lieblingscafè, das MOCCACAFÉ, was ich nur jedem empfehlen kann, der mal dort vorbei kommt. Mit der beste Kaffee den ich je getrunken habe. Und der Kuchen war auch sehr lecker. Das hausgemachte Eis hat wohl auch schon diverse Auszeichnungen erhalten, aber dafür war es eindeutig zu kalt an dem Tag.

Ich kam mir allerdings etwas alleine vor. Da war quasi niemand anzutreffen.

Einen Christkindlmarkt gab es hier leider nicht, nur am Wochenende. Dafür gab es schöne Eingänge 🙂

Český Krumlov – Die Perle des Böhmerwalds

Zu deutsch: Krummau. Was für ein bezaubernd-schönes Städtchen. Und hey – da waren Menschen auf den Straßen, sogar Touristen – hauptsächlich wohl Rentner aus Oberösterreich, Linz liegt nur knapp 75 km entfernt und asiatische Touristengruppen. Ich war mutterseelenalleine abends im dunklen oben auf der Burg, um diesen schönen Ausblick zu genießen. Zwischen den alten Gemäuern kommt man sich allein wirklich wie ein Burgfräulein im Mittelalter vor – bis einem dann da oben die ca. 25köpfige fotografierende asiatische Touristengruppen entgegen kommt.

Eben diese Burg mit Schloss darf man wahrscheinlich auch als das Wahrzeichen der Stadt bezeichnen. Es ist eines der bedeutendsten Baudenkmäler in Mitteleuropa. Gebaut wurde die Anlage über Jahrhunderte hinweg – vom 13. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert. Die Burg thront auf einem Felsvorsprung über der Moldau, die durch die Stadt fließt. Zum ersten Mal Erwähnung fand die Burg um 1240 in einem Gedicht eines österreichischen Ritters und Minnesängers. Der lateinische Name castrum Crumnau steht für die Charakteristik des Ortes selbst – „Stelle auf einer krummen Wiese oder Flur“ – daher entstammt auch der Name des Ortes.

Der Marktplatz Náměstí Svornosti- der Platz der Einheit – bildet auch hier den mittelalterlichen historischen Ortskern und ist umrahmt von wunderschönen alten Häusern. Und hier war auch wieder ein kleiner bunter Christkindlmarkt zu finden, auf dem es die beste Bratwurst getoppt mit frisch geschmolzenem Käse gab.

Nachmittags saß ich dort dann völlig entspannt im Authentic Cafe am Marktplatz, da liefen so die ersten Weihnachtslieder der Saison, mit Blick auf den Christkindlmarkt. Nach einer Weile hat sich ein Pärchen aus Österreich an den Nachbartisch gesetzt, sie meinte dann zu ihm, jetzt wo sie so hier sitzt, nach draußen schaut und die Weihnachtslieder hört, kommt das erste Mal so ein richtiges Weihnachtsgefühl bei ihr auf. Das konnte ich ihr dann nur bestätigen.

Eine kleine Erwähnung am Ende muss auch noch die allein dem Namen nach schon bezaubernde Pension Merlin finden. Ein uraltes Gebäude mit schweren Holztor. Man kam sich direkt vor wie im Märchen bei Schneewittchen und den sieben Zwergen bei dem niedrigen Gebäudekomplex mit den kleinen Türen.

Wenn du Essen auf dem Tisch und Liebe im Herzen hast, kannst du nie lange unglücklich sein.
Aus Böhmen.

Das Urviech am Fuße der Zugspitze

Hauspatschen-Zeit.

Als ich auf der Webseite vom Hotel gelesen habe, „wir sind ein Hauspatschen-Hotel“, dachte ich mir so, ja ja. Ich hab keine und kaufe jetzt auch keine für zwei Nächte, der Zutritt wird mir schon nicht verweigert werden. Das natürlich nicht, aber das Hotel Zum Urviech hat damit ernst gemacht und Hausschuhe gestellt. Es gibt einen Hausschuhraum, in dem Schuhwechsel angesagt ist. Straßenschuhe nur im EG erlaubt. Ich dachte mir zuerst, die Österreicher wieder … dann war der Hotelbesitzer aber ein Münchner … allerdings kam im Laufe des Aufenthalts auf, dass es doch die Österreicher in Form des Vorbesitzers waren, die ihre Liebe zu Hausschuhen hier eingebracht haben. Alles in allem aber eine ganz angenehme Sache.

Verortet ist das Hotel in Ehrwald, 8 km über der Grenze in Österreich, gelegen in der Tiroler Zugspitzarena. Da bestes Cabrio-Sonnenschein-Wetter war, hab ich mir die Gegend etwas angesehen und hatte das Gefühl, man kann da eigentlich nur im Kreis zwischen den fünf Orten der Zugspitzarena – Ehrwald, Lermoos, Biberwier, Bichlbach und Berwang – fahren. Da braucht es auch kein Navi, wenn man ortsfremd ist, so lang man die Autobahn meidet, kommt man immer wieder beim Hotel raus.

Die Orte sind alle sehr übersichtlich und hübsch und es gibt einen schönen Weg zwischen Ehrwald und Lermoos, den ich ein Stück gegangen bin, nachdem ich mir den Ort selbst angesehen habe. Ich hatte so ein bisschen Indian Summer – Gefühl, weil überall so tolle Herbstfarben bei strahlendem Sonnenschein geleuchtet haben.

Blindsee

Einen kleinen Ausflug habe ich an den zu Biberwier gehörigen, aber in Privatbesitz befindlichen Blindsee gemacht. Der Blindsee liegt auf knapp 1000m am Fuße vom Fernpass und ist mit dem Auto über eine kleine Straße erreichbar, Parkplatz inklusive kostet die Zufahrt stolze 15€. Wer dort mehr als schwimmen oder wandern machen will, muss sich übrigens eine Genehmigung beim Besitzer des Sees einholen. Man darf dort z.B. ohne Genehmigung nicht tauchen oder das SUP nutzen.

Ich hatte schon gelesen, dass vor allem „Trittsicherheit“ erforderlich wäre und das trifft es ziemlich genau. Und schwindelfrei sollte man auch sein. Ein Teilstück des Weges um den See ist etwas schmal, aber gut begehbar, an ein paar leicht kritischeren Stellen sind Handläufe vorhanden. Nur hätte ich evtl. nicht den Bericht über den Radfahrer lesen sollen, der vom Weg aus in den See gerutscht ist, er wurde aber glücklicherweise von seinen Freunden gerettet und ist weitergefahren, das hat mir geringfügig Hoffnung gegeben, dass es schon nicht so schlimm wäre, vom schmalen Weg in den See zu fallen. Ich bin aber trocken geblieben.

Es ist tatsächlich nur ein kurzer Abschnitt des Weges, der so verläuft – dafür hat man aber auch einen traumhaften Blick. Gestartet bin ich vom Parkplatz aus gegen den Uhrzeigersinn und habe eben diesen „Panoramaweg“ genommen – an dessen Ende war ein kleiner Badestrand und diverse Optionen von Wegen – aber keine Beschilderung. Da ich jetzt nicht allein in den Österreichischen Alpen verloren gehen wollte, habe ich den Rückzug angetreten und bin den gleichen Weg einfach zurück gegangen, der war auch aus der Gegenrichtung sehr sehenswert. Dafür bin ich nochmal ein Stück im Uhrzeigersinn am See entlang gegangen. Geplant war eigentlich schon eine Rundwanderung. Aber was solls, war auch so sehr schön und ich kam mir ein bisschen, wie in Kanada vor, auch wenn ich noch nie dort war.

Die Elfi und ihr Dorfladen

Und falls jemand von euch jemals nach Ehrwald fahren sollte, bitte stattet Elfi im Dorfladen einen Besuch ab. Ich glaub, das war mein persönlich bezauberndstes Highlight dort. Die Ladies mit Gehstock, die sich bei ihrer Freundin Elfi auf einen Wein getroffen haben. „Da ischs luschtig, da kimm rein“ kam lachend eine ältere Lady in das kleine Lädchen zu ihren Freundinnen, Elfi war schon auf dem Weg mit einem Gläschen Wein für sie. Und meinte zu mir, je mehr Wein, desto lustiger wird es.

Werfen. Werfenweng. Pfarrwerfen. Hohenwerfen.

The Sound of Music im Salzburger Land.

Werfen. Werfenweng. Pfarrwerfen. Hohenwerfen. Und Paul hat uns auch erklärt, warum das alles so heißt: Weil die Salzach sich um den Berg „wirft“, wie sie so durch Salzburger Land fließt. Und auf eben diesem Berg ist die Burg Hohenwerfen, gleich neben den drei Örtchen Werfen, Werfenweng und Pfarrwerfen. Und da habe ich ein paar Tage verbracht.

Blick von der Burg Hohenwerfen übers Salzburger Land

Mein Hotel war kurz vor Werfenweng – mit traumhaften Blick über die Berge. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, Heidi kommt gleich um die Ecke mit dem Geissenpeter und dort kann einem niemand etwas Schlechtes anhaben. Wobei die beiden natürlich in der Schweiz wohnen und ich war dort eher auf den Spuren der Trapp-Familie und dem Pfad der Musik unterwegs. In jedem Fall war es sehr entspannt.

Werfenweng

Werfenweg gehört zu den Alpine Pearls und ist einer der 19 schönsten Urlaubsorte in den Alpen; weitere solcher Orten findet man z.B. in Italien, Deutschland und Frankreich. Diese Perlen zeichnet besonders Nachhaltigkeit und umweltfreundliche Mobilität aus. Die E-Autos in Werfenweng, die einen gratis mitnehmen, werden z.B. durch einen Solarturm im Ort aufgeladen. Selbstverständlich war das nicht der Grund, warum ich dort war – es war einfach ein schöner Zufall, den ich nachträglich in Erfahrung gebracht habe. Es wundert mich allerdings nicht – der Ort und die Umgebung sind wirklich wunderschön.

„Magische Wälder, verträumte Bachläufe und wohltuende Landruhe erleben.“ Ein Zitat der Webseite von Werfenweng über den sogenannten Spazierhimmel. Das beschreibt diesen Weg ziemlich gut. Es gibt verschiedene Eingänge – immer entsprechend gekennzeichnet mit einem Holztor und Täfelchen. Man kommt sich wirklich vor, wie auf so einem verzauberten kleinen Pfad auf dem sich bestimmt kleine Feen und Kobolde hinter einem Blümchen tummeln.

Burg Hohenwerfen

Der zu Anfangs erwähnte Paul war Guide auf der Burg Hohenwerfen. Die Burg wurde um 1075 zur Verteidigung des Landes erbaut, hat aber nie eine Schlacht erlebt und wurde somit nie durch Kanonenkugeln zerstört. Erst einem Feuer 1931 sind Teile der Burg zum Opfer gefallen. Nach Ende des zweiten Weltkriegs wurde die Burg als Ausbildungszentrum der Gendarmerie genutzt und erst seit 1987 ist die Burg für Touristen geöffnet.

Bis um 1850 wurde der Kerker unter der Kapelle von der katholischen Kirche genutzt, Protestanten zum katholischen Glauben zu bekehren. So mussten sie dort eingesperrt jeden Tag dem Gottesdienst lauschen. Genützt hat es wohl nicht viel, meinte Paul. Und von Paul weiß ich jetzt auch woher der Begriff „Pechvogel“ kommt. Man hat im Mittelalter mit Pech Äste eingestrichen, um Vögel zu fangen, die Vögelchen blieben auf den sog. Pechästen einfach kleben.

Und apropos Vögel … genaugenommen Greifvögel. Es gab dort auf der Burg auch eine Greifvogelshow.

Sound of Music

Der Sound of Music – Trail startet in Werfen und führt entlang ein paar „Spiel und Spaß“ Stationen, die dem Film gewidmet sind, hoch auf die Wiese auf der Julie Andews mit ihren Trapp-Kindern das brühmte „Do-Re-Mi“ Lied im FIlm gesungen hat. Es wurde ein kleiner Picknick-Platz installiert mit Fotomöglichkeiten und tollen Holzliegen, auf denen man einfach die Ruhe und den Blick auf die Burg Hohenwerfen genießen kann.

Salzburg

Auf dem Heimweg hab ich noch einen kurzen Abstecher nach Salzburg gemacht. Da bin ich ja immer wieder gerne und natürlich gab es auch eine Buchtel mit Vanillesauce bei Herrn Leopold.

Ein Besuch im Gedächtnis der Stadt

Die 16 Moriskentänzer und wer war eigentlich Elisabeth Wellano?

Ab und an lohnt sich ein genauer Blick in das Programm der Münchner VHS; dort angeboten wurde eine kostenlose Führung im Münchner Stadtarchiv. Wie oft ich an dem Archiv schon vorbeigegangen bin in den letzten elf Jahren? Ich habe keine Ahnung … unzählige Male … jetzt war ich endlich drin. Und es war so interessant.

Das inzwischen denkmalgeschützte Gebäude in der Winzererstraße 68, welchem 1989 ein Magazinbau auf Seite der Schleißheimer Straße angegliedert wurde, wurde im Jahre 1914 fertiggestellt und diente ursprünglich als städtische Wehramt. Zu Beginn des ersten Weltkrieges konnte man sich hier zum Militär melden und viele junge Münchner sind durch eben diese Türe in das Wehramt, welches heute Schätze der Stadt in Form von historischen bis aktuellen Dokumenten birgt.

Der Magazinbau wurde 1989 nach Plänen des Architekten Hans-Busso von Busse erbaut. Dieser Herr von Busse wurde dann auch beauftragt, den damals neuen Münchner Flughafen zu gestalten.

Den Eingangsbereich, welcher an ein Theater erinnert, ziert an der Decke ein wunderschönes bayrisches Wappen. Die erste Treppe zum Aufgang ins Gebäude wird eingerahmt von jeweils einer griechisch anmutenden Statue. Links ein Jüngling, aus dem Land entsprungen – rechts der zum Mann gewordene Kriegsheld mit Schwert.

Das Stadtarchiv sieht sich in der Aufgabe, die Geschichte der Stadt aus Bürgersicht und Sicht der Stadt zu bewahren. Es ist nicht nur wichtig zu wissen, was die Stadt entschieden hat – sondern auch, wie sich solche Entscheidungen auf das Leben der Bürger ausgewirkt haben.

Jeder hat das Recht, diese Dokumente einzusehen oder eine schriftliche Anfrage zu stellen. Es muss kein besonderer Grund vorliegen, nur muss das Anliegen genau formuliert werden, um die richtige Akte finden zu können.

Am meisten gefragt sind die Unterlagen zur eigenen Ahnenforschung oder auch einfach aus Interesse heraus, es muss keine direkte verwandtschaftliche Verbindung bestehen. So kann man z.B. Geburtsurkunden einsehen, die über 110 Jahre alt sind (erst nach diesem Zeitraum werden solche Unterlagen dem Stadtarchiv übergeben). So auch die Geburtsurkunde von oben genannter Elisabeth Wellano – besser bekannt als Liesl Karlstadt – welche zusammen mit Karl Valentin als berühmtestes Kabarett-Duo ihrer Zeit nicht nur in die Münchner Geschichte eingegangen ist.

Manchmal lässt sich auch einzig und allein aus Rechnungen der Kämmerei Geschichtliches ableiten. So z.B. im Fall der 16 berühmten Münchner Moriskentänzer, die für den Tanzsaal des alten Münchner Rathauses in Auftrag gegeben wurden. Der einzige Nachweis, dass diese wunderschönen Holzfiguren tatsächlich von Erasmus Grasser stammen, ist eine Rechnung über seine Arbeiten von 1480.

Auch über einen dunklen Teil der Münchner Geschichte, die Hexenverfolgung im Mittelalter, gibt es keine wirklichen Aufzeichnungen. Allerdings konnte man über Rechnungen nachvollziehen, was hier in der Stadt damals vor sich ging. Scheiterhaufen, Henker usw. mussten auch bezahlt werden.

Und ein Steuereintreiber aus dem Jahre 1377 war wohl passionierter Zeichner – insbesondere von Fabelwesen, welche immer wieder zwischen den Auflistungen der eingetriebenen Steuern zu finden sind:

Zum Glück war also vor 500 Jahren war das Papier noch von wesentlich besserer Qualität, als heutzutage, sonst hätte man zu solchen Ereignissen gar keine Nachweise. Was ich z.B. nicht wusste, neuzeitliches Papier hat einen hohen Säuregehalt, welcher das Papier relativ schnell zerfrisst. Das handgegerbte Papier aus dem 13. Jahrhundert dagegen ist in einem top-Zustand. Der nette Archivar meinte so schön, um das alte Papier hier müssen Sie sich keine Sorgen machen, um Dokumente aus den 1990er Jahren viel mehr. Die sind teilweise jetzt schon nicht mehr zu lesen.

Im Jahre 1808 gab es eine königliche Anordnung zur Änderung des Münchner Stadtwappens, welches bis dato immer vom berühmten „Münchner Kindl“ geprägt war. Fortan (bis 1818) zierte das Wappen nun ein Löwe umrahmt von einem Torbogen mit Schwert und Schild. Das Schild war versehen mit dem Monogramm „M“ für König Max den Ersten. Der Urheber von eben diesem Erlass.

Und wie schützt/rettet man nun solche Dokumente vor Feuer oder Wasserschaden? Oder auch den papierfressenden Silberfischen? Eigentlich nur mit einer Drei-Sterne Kennzeichnung, guter Verpackung und Klebestreifen an den Türen der einzelnen Archive. In einem Brandfall werden alle Dokumente mit drei Sternen zuerst in Sicherheit gebracht (dies sind z. B. Entscheidungen des Stadtrats, Bürgermeisters etc.). Danach folgen die Dokumente mit zwei Sternen, sofern hier noch Zeit dafür sein sollte. Alle Dokumente, die bereits digitalisiert wurden, auch wenn Sie noch so historisch wertvoll wären, würde man liegen lassen.

Bei den Massen an Akten und Dokumenten auch sicherlich verständlich. Nach aktuellem Stand hätte man sonst ca. 15 km an Akten aus dem Gebäude zu schaffen:

Lasst die Spiele (und die Musik) beginnen

Sommer in der Stadt.

Der Münchner Juli 2022 hatte allerlei Highlights zu bieten. In die erste Juli-Woche ist München mit großen Feierlichkeiten gestartet – 50 Jahre Olympische Spiele und somit auch 50 Jahre Olympiapark. Das Festival des Spiels, des Sports und der Kunst hat mit einem bunten Umzug der Nationen und Vereine quer durch die Stadt , einer Dackelparade im Olympiapark (leider hab ich sie nicht gesehen) und ganz viel Musik, Spaß und Spiel am 01. Juli begonnen. Der Münchner Sommernachtstraum stand ebenfalls ganz im Zeichen des Olympia-Jubiläums mit einem außergewöhnlichen Feuerwerk und dann war da noch Axl Rose.

Das Festival des Spiels, des Sports und der Kunst

Der Umzug

Nachdem man das ganze Jahr über von den Feierlichkeiten zu 50. Jahre Olympia gelesen und gehört hat, habe ich den Start verpasst und dachte, wieder so eine Demo auf der Schleißheimer Straße. Diese Demo hat nur irgendwie kein Ende genommen. So kam es, dass ich die Nationen nur von der Weite gesehen hatte, bei den Vereinen stand ich dann an der Straße. Es war einfach toll, das Wetter war perfekt und die Stimmung im Viertel sehr sommerlich-fröhlich und es hat großen Spaß gemacht.

Die Eröffnungsfeierlichkeiten im Park

Spontan bin ich im Anschluß in den Olympiapark gegangen, da dort den ganzen Nachmittag noch Musik und Tanz for free war. Das war die Einstimmung auf das „The Roofs“ Festival und die European Championships, die nun am 10. August Eröffnung feiern und vom 11. – 21. August andauern werden.

Die Gunners im Stadion

Die große Liebe meiner Jungend. Axl Rose. Danke für drei Stunden Musik an einem sommerlichen Freitag Abend in der Stadt. Danke, dass du drei Stunden gerockt hast. Wir waren wieder 16 und das sehr gerne.

Sommernachtstraum

Relativ spontan bin ich mit einer Freundin eine Woche nach Guns n Roses zum Sommernachtstraum in den Olympiapark gegangen. Das Wetter war das eines Sommernachtstraum mehr als würdig war. Zudem stand das Feuerwerk in diesem Jahr natürlich auch ganz im Zeichen der Feierlichkeiten zu 50. Jahre Olympiapark & Olympische Spiele mit dem Motto „A Sign of Life“.

Ich weiß jetzt nicht, wie es in den Jahren davor war, da ich den Sommernachtstraum zum ersten Mal besucht habe, aber es war einfach grandios. Die Stimmung unter den 34.000 Menschen mit Tickets glich der auf einem Sommerfestival und außerhalb der „Sperrzone“ (der Park war abgesperrt) waren wahrscheinlich noch das 3fache an Menschen.

Und jetzt freue ich mich auf das „The Roofs“ Festival mit ganz viel Musik und Sonnenschein.