Karibisches Flair am Walchensee

Oder wie die Wikinger nach Bayern kamen.

Der Walchensee ist von München aus in einer guten Stunde erreichbar. Im letzten Jahr bin ich das erste Mal dort vorbeigefahren, eher zufällig, ohne Zeit, einen Stopp zu machen und war fasziniert von diesem karibischen türkisblau Mitten in Bayern.

Eines Juli Tages war perfektes Ausflugswetter, ich habe mir einen kleinen Rundweg rausgesucht und bin spontan los ins „Oberland“ gefahren. Auf der Hinfahrt passiert man den Kochelsee und muss dann erstmal einen Berg hochfahren. Der Walchensee ist nun mal ein Gebirgssee. Glücklicherweise ist ein kurzer Stopp mit dem Auto in einer kleinen Bucht möglich, von der man einen schönen Blick über den Kochelsee hat.

Der Walchensee liegt auf ca. 800m Meereshöhe und dient seit 1924 als Quelle für das tiefergelegene Walchenseekraftwerk, welches meines Wissens nach sogar besichtigt werden kann. Die bekanntesten Berge, die diesen karibisch blauen See einrahmen, sind sicherlich der Herzogstand und der Jochberg.

Den Herzogstand hatte bereits unser letzter „Kini“ – König Ludwig II – als einen seiner Lieblingsberge auserkoren und einen Pavillon für sich errichten lassen, um dort nächtigen zu können. Wie übrigens auch auf den Bergspitzen des Fahrenberg und Martinskopf. Keiner der Pavillons mein Ziel, nur unser Kini musste an dieser Stelle Erwähnung finden.

Meine Fahrt hat mich erstmal nach Einsiedel zum Parkplatz geführt. Ich dachte es wäre ein Ort. Aber eigentlich sagt der Name ja schon alles aus. Es gibt ein Wanderbüchlein, was ich mir im letzten Jahr gekauft habe: „Einfach Glücklich Wandern: Bayrische Voralpen“ von Lisa & Wilfried Bahnmüller. Diese Wanderung entstammt dem Buch. Wer gern mal einen einfachen Weg (ich bin nämlich eigentlich die Anti-Spaziergängerin) in der Nähe von München gehen möchte, sollte einen Blick in das schöne Buch werfen.

Die Halbinsel Zwergern im Walchensee

Vom Ausgangspunkt in Einsiedel aus kann man fast immer in Ufernähe entlang gehen auf einem geteerten Weg, es gibt viele Bänke für Brotzeitpausen oder kleine Buchten mit Seezugang. Zudem hat man einen wunderschönen Blick auf den See und die Berge. Auf der Hälfte des Weges bei einem hübschen kleinen Austragshäuschen gibt es sogar einen Kiosk in einem Wohnhaus mit Fensterverkauf. Sehr süß gemacht.

Und da ja Bilder mehr als tausend Worte sagen … schaut es euch einfach an.

Wikinger in Flake

Wem kommt jetzt das Örtchen Flake bekannt vor? Eigentlich allen die ab 1974 Kinderserien geschaut haben. Die japanische Animeserie hatte es damals ins deutsche Fernsehen geschafft und erzählt von dem nordischen Wikingerjungen Wicki, der allerlei Abenteuer rund um Flake erlebt (ja, ein für alle mal – Wickie ist ein Junge!). Und da der japanische Wickie bei uns irgendwie Kultstatus besitzt, hat Bully Herbig 2009 ganz einfach einen Realfilm draus gemacht. So kamen die Wikinger nach Bayern und seitdem ist das kleine Dorf Flake am Walchensee angesiedelt und kann tagsüber kostenfrei besichtigt werden.

Auf Tafeln vor den Häusern kann man zum Film und der Geschichte der Wikinger nachlesen, man kann musizieren oder 4gewinnt spielen. Oder einfach auf der Drachenbank sitzen und den Blick auf den See geniessen.

Von Flake aus hat man einen schönen Blick zur Halbinsel Zwergern:

Und nach über 13 km Wanderung musste noch eine Einkehr sein. Im Grauen Bären in Kochel am See – ausgewählt auf Grund des Schildes „Hausgemachter Kuchen“. Den ich definitiv empfehlen kann.

Das tolle ist, wenn man in München wohnt, hat man eine ganze Urlaubsregion vor der Haustüre und kann auch mal für einen Tag aus der Stadt flüchten und es kommt Urlaubsfeeling auf. Nicht umsonst ist Minga selbstverständlich die schönste Stadt der Welt.

Whiskytasting am SLYRSee

It’s not a scotch, it’s not a bourbon, it´s a SLYRS.

Für alle, die sich jetzt wundern – ja, wir haben im wunderschönen Bayern im Örtchen Schliersee, direkt am gleichnamigen See, ca. eine Stunde von München gelegen, eine original bayrische Whiskydestillerie. Entstanden ist SLYRS Ende der 90er Jahre als eine Marke aus der traditionsreichen Edelbrand-Destillerie Lantenhammer aus Hausham. Mitte der 90er Jahre hat man dort angefangen mit Whiskey zu experimentieren, 2002 wurden die ersten Flaschen verkauft. Genaugenommen innerhalb von drei Tagen alle 1600 Flaschen aus der allerersten Produktion. Ein voller Erfolg.

Der Name SLYRS kommt aus dem gälischen – vor gut 1500 Jahren hatten sich in der Gegend um den See fünf irische Mönche angesiedelt. SLYRS leitet sich von dem altbairischen Namen für den Schliersee und das alte Kloster (welches leider nicht mehr existiert) ab – „Slyrse“. Die Aussprache ist entsprechend „Schliers“ und nicht „Slürs“ oder ähnliches, wie ich gelernt habe.

Im Gegensatz zu Wein gehörte Whisky bisher nicht so zu meinen Leidenschaften. Aber ich wollte die Führung und das Tasting aus Interesse trotzdem machen. Spoiler: ich bin nach den zwei Stunden keine Whisky-Liebhaberin geworden.

Los ging es mit einem ca. dreiminütigen Imagefilm. Der war zwar sehr schön und geht sicherlich als wunderbarer Werbefilm für die Gegend um den „Slyrse“ durch, der wohl das Lebensgefühl etwas vermitteln sollte – ich konnte aber nicht wirklich viel mit der Marke verbinden. Das fand ich tatsächlich etwas schade.

Nach dem Film wurden wir in die „Heiligen Hallen“ geführt, in denen der Whisky hergestellt, verfeinert und teilweise eingelagert wird. Die ersten fünf Schritte, bis es für den Whisky in die Destillation geht, sind die gleichen, wie bei der Bierherstellung. Evtl. mach es jetzt Sinn, dass mir beides nicht schmeckt, weil es die gleichen Grundlagen hat. Es wird Braugerste verwendet, die in der Umgebung angebaut wird. Inzwischen gibt es allerdings auch den „Bavarian Rye“ – ein Whisky auf der Grundlage von Roggen.

Wir durften „frischen“ Whisky nach der ersten Destillation probieren. Hier lag der Alkoholgehalt bei 70%. Es brennt. Das besondere am SLYRS-Whisky ist, dass man nach der Destillation wieder frisches Quellwasser dazu gibt – so wird der Alkoholgehalt auf ca. 50% reduziert. Hierin liegt auch die Unterscheidung zur Herstellung von z. B. klassischem schottischen Whisky. Die Destillateurmeister von SLYRS hatten sich dazu entschieden, dass der Whisky mehr Geschmack enthalten und weniger hochprozentig sein sollte, weshalb man sich für einen neuen Herstellungsprozess entschieden hatte.

Bei SLYRS gibt es für Whisky-Liebhaber die Möglichkeit, eigenen Whisky zu kreieren. Aus dem sogenannten „New Make“ wird der Whisky nach eigenem Gusto verfeinert. Das Fass wird dort eingelagert und man wird jährlich zum „Fass-Geburtstag“ eingeladen, kann seinen Whisky verkosten und entscheiden, ob dieser nun fertig ist oder noch weiter eingelagert werden soll.

Das kleine Tasting fand am Ende der Führung statt mit Blick auf die schönen Berge. Getestet wurde der „Classic“ Whisky mit 43%, ein Likör und zusätzlich konnte man noch einen weiteren selbst wählen. Hier hatte ich den „Bairish Coffee Liquer“ (28%).

Bei der Führung hatte mich vor allem der Unterschied zur Herstellung von Wein interessiert. Erstmal, wie schon erwähnt, die ersten Schritte für die Herstellung von Whisky sind die gleichen, wie bei Bier. Das war mir überhaupt nicht bewusst. Die Whiskyfässer sind ebenso wie die Fässer für Balsamico nicht luftdicht verschlossen. Bei Wein ja ein absolutes No-Go. Ein Tuch und ein Stöpsel schließen das Fass ab, bei Balsamico wird sogar nur ein Tuch darüber gelegt. Einige der Whiskyfässer sind auch mal undicht, das sieht man ganz entspannt, es wird regelmäßig geprüft und wenn sowas passiert, füllt man einfach um. Wein wäre hier einfach dem Untergang geweiht.

Soave – Mehr als nur ein Wein

Fangen wir mal mit Wein an. Dem Soave. Letztes Jahr hatte ich den Soave bei einem Winetasting von Mosconi Bertani zum ersten Mal probiert und mochte ihn nicht besonders. Da ich dieses Jahr aber auch andere Weine, als nur die aus dem Valpolicella Gebiet testen wollte, habe ich zwei Weinkellereien im Weinanbaugebiet Soave besucht. Auch um diesem Weißwein eine zweite Chance zu geben. Es hat sich gelohnt.

Soave ist aber eben mehr als nur der Wein. Der Wein ist nach dem Weinanbaugebiet benannt, welches wiederum seinen Namen von dem Örtchen Soave erhalten hat. Und dieses Örtchen hat in der Tat eine sehr schöne mittelalterliche Altstadt und ein Castello mit wunderbarem Ausblick. Zugegebenermaßen ein Ausblick, wie ihn natürlich eigentlich alle Burgen haben – war ja notwendig zu der Zeit in der sie gebaut wurden und es war wohl deswegen auch zweckdienlich sie auf Anhöhen zu errichten.

Wie sehr viele bzw. wahrscheinlich sogar die meisten Befestigungsanlagen und Burgen in Oberitalien ist auch das Castello di Soave von der Scaliger-Familie erbaut worden, das war ca. 1370. Die Stadtbefestigung ist noch komplett erhalten mit ihren 24 Türmen und den beiden großen Stadttoren. Die Scaliger waren zwischen 1262 und 1387 die sogenannten Herren von Verona. Eines der beiden Stadttore trägt auch den Namen Porta Verona. Das berühmte Castelvecchio in Verona ist der Scaliger-Familie übrigens ebenso zu verdanken, wie das Castello in Malcesine am Gardasee.

Blick von der Burg auf Soave

Der Ort Soave befindet sich an den Ausläufern der Lessinischen Berge, weshalb die Region allgemein etwas flacher ist, als das Valpolicella Gebiet, welches ja direkt in den Lessinischen Hügeln angesiedelt ist. Man munkelt übrigens, dass die Bezeichnung „Soave“ deutschen Ursprungs ist. Die Schwaben sind Mitte des 5. Jahrhunderts dort zur Gründung des Langobardenreichs eingefallen und von der alten Bezeichnung für die Schwaben – Sueben – leitet sich dann irgendwie Soave ab. Wohl mit etwas Fantasie.

Die beiden Winerys, die ich dort besucht habe, waren CANOSO und Cantina del Castello. CANOSO ist in Monteforte d’Alpone angesiedelt, Cantina del Castello direkt in Soave:

>> Tasting bei CANOSO
>> Tasting in der Cantina del Castello

Prinzipiell müsst ihr wissen, dass die italienischen Weine nie nach der Traube benannt sind, aus der sie hergestellt werden – sondern nach dem Weinanbaugebiet. Das Gebiet selbst wird dann wiederum unterteilt in z.B. Classico, Superiore Classico usw. und nur Weine, deren Trauben dort gewachsen sind, dürfen auch danach benannt werden bzw. so beschriftet. So gibt es einen Soave Classico oder einen Soave Superiore Classico.

Wenn man sich beim Weinkauf nicht sicher ist, kann man in Italien immer auf das D.O.C. oder D.O.C.G. Siegel achten. Die Weine mit diesem Siegel unterliegen bestimmten Herstellungskriterien, die auch durch die Anforderungen einem bestimmten Qualitätsstandard unterliegen. Während D.O.C. Rahmenbedingungen für die Weine vorgibt, sind die Vorgaben für D.O.C.G. nochmal etwas konkreter und strenger.

Grundlage ist schon mal, ein Soave oder Valpolicella darf sich nur so nennen, wenn alle Trauben aus dem namensgebenden Gebiet kommen. Ein Soave muss nun zu mindestens 70% aus Garganega Trauben bestehen, 100% gehen natürlich auch, bei 69% ist der Wein dagegen kein Soave mehr. Chardonnay oder auch Trebbiano de Soave Trauben dürfen bis maximal 30% enthalten sein, weitere Trauben können bis zu 5% nach eigenem Gusto untergemischt werden.

Jeder Weinhersteller möchte dem Wein natürlich seine eigene Note geben, diese ergibt sich aus der Zusammensetzung der Trauben, als auch die Art, wie man den Wein reifen lässt, z.B. in einem Holzfass (und dann natürlich wieder, aus welchem Holz das Fass besteht) oder auch ein Stahltank. Das sind auch die Gründe, warum Weine einer Kellerei aus unterschiedlichen Jahrgängen auch unterschiedlich schmecken können.

CANOSO dal 1876

The Panoramic – Einmal alles, bitte!

CANOSO ist im Soave Gebiet, genauer gesagt im Örtchen Monteforte d’Alpone, angesiedelt, einem der ältesten Weinanbau-Gebiete in ganz Italien. Die Erde im Soave Gebiet ist größtenteils vulkanisch geprägt, dies verleiht dem Wein eine herrliche mineralische Note, gibt ihm Frische und macht ihn zudem säurearm, was ich tatsächlich sehr angenehm zu trinken finde.

Bei CANOSO wurde ich sehr herzlich von Andrea empfangen, der mir erstmal eine Führung über den Weinberg gegeben hat, den Giuseppe Meneghello Canoso Anfang der 1970er Jahre gekauft und die Kellerei dort aufgebaut hat. CANOSO legt bei der Produktion der Weine sehr großen Wert auf die Qualität und stellt im Jahr nur ca. 70.000 Flaschen Wein her. Um dem Ganzen eine Größenordnung zu geben, Sartori hatte bei meinem Besuch zur Mittagszeit im letzten Jahr an diesem einen Tag bereits ca. 230.000 Flaschen produziert. Bei CANOSO reden wir also von ganz anderem Herzblut, was dort in die Weinproduktion gesteckt wird.

Was ist ein guter, was ist ein schlechter Wein? Kann man sagen, dass eine kleinere Kellerei besseren Wein herstellt, als eine Große? Das kann man nicht. Wie heißt es so schön – es liegt im Auge des Betrachters – in dem Fall, an der Person, die den Wein trinkt. Was ich aber nach den Winetastings, die ich bisher so gemacht habe, für mich sagen kann, ich bevorzuge den Wein von kleineren Winerys. Ich habe das Gefühl, es steckt mehr Leidenschaft drin.

CANOSO hat sich 2016 quasi neu erfunden. Die Familie hat sich mit zwei Unternehmern zusammengetan, die eben genau diese hohe Leidenschaft und das Herzblut für Wein mitgebracht haben. Auf der Homepage von CANOSO steht so schön, sie hätten den Wein in ihrer DNA. Giovanni, der CEO, war an dem Tag meines Besuchs auch da und es war sehr nett, ihn kennenzulernen.

Das Rebranding, was in 2016 stattgefunden hat, finde ich persönlich wirklich sehr gelungen und schön (keine Ahnung, wie es davor ausgesehen hat). Man hat den Weinen alle einen kurzen und prägnanten Namen gegeben und sich dabei auch wirklich was überlegt. Der Anfangsbuchstabe der jeweiligen Bezeichnung ist immer groß auf dem sonst eher schlichten Etikett der Flasche zu sehen, was dem Wein absoluten Wiedererkennungswert verleiht. So steht z.B. das F für Fonte (Quelle) oder das T für Terra (Erde). Als Fonte wird der Soave Classico bezeichnet, was ganz passend ist, wie ich finde. Es ist eben der klassische Wein, auf dem die anderen aufbauen. Terra ist der Valpolicella Superiore und somit aus dem Valpolicella Gebiet und nicht dem Soave. Hier unterscheidet sich das Etikett dann auch farblich, während der Soave Wein Schwarz auf Weiß gedruckt ist, ist es bei dem aus dem Valpolicella Gebiet umgekehrt. (Ja, ich habe mal im Marketing gearbeitet, ja, ich finde sowas interessant :-))

Ich glaube, jetzt bin ich gerade etwas abgeschweift von Tour & Tasting.

Über den Weinberg sind wir dann in den Weinkeller gegangen, ich konnte kurz einen Blick über Stahltanks, Holzfässer und Weinkisten werfen, sprich die Produktionsstätte der Weine, bevor wir dann in den schönen Wine Shop gegangen sind, in dem das Tasting stattgefunden hat.

Ich hatte mich für das Panoramic Tasting entschieden, neben italienischen Leckereien inkl. Käse aus der nahegelegenen Käserei, habe ich mich damit einmal quer durch die Weine dort probieren können, sechs Stück an der Zahl plus den Sparkling Wine, den Mossa. Das war auch der Erste, den ich zurück in München aufgemacht habe, der ist wirklich großartig. Wahrscheinlich muss ich mir früher oder später von Andrea einen Kiste nach München schicken lassen. Als meine beiden Favoriten bei den Weinen haben sich Fonte, also der Soave Classico und Segno, der Rosso Veronese, herauskristallisiert.

Es war ein sehr netter Nachmittag mit Andrea. Als ich mich verabschiedet habe, habe ich vier Flaschen Wein gekauft und meinte, ich komme am Ende vom Urlaub wieder, wenn ich zurück in Verona bin, und nehme mir dann Wein für zu Hause mit. So überrascht, wie Andrea dann war, als ich tatsächlich nach zwei Wochen wieder dort aufgekreuzt bin, hatte er mir das wohl nicht ganz geglaubt. Dafür gabs dann einen Espresso. Cappuccino trinkt man nachmittags in Italien auch nicht.

Cantina del Castello

Shades of Soave.

Die Cantina del Castello wurde erst in den 1960er Jahren gegründet und ist die einzige Winery, die ihre gesamte Produktion tatsächlich innerhalb der Stadtmauern von Soave betreibt. Darüber war ich sehr überrascht. Die Räumlichkeiten, in der sich die Cantina befindet, ist der Palazzo dei Conti Sanbonifacio, welcher im 13. Jahrhundert aller Wahrscheinlichkeit nach von der Veroneser Adelsfamilie Pittora erbaut wurde und später an die Grafen von Sanbonifacio überging, die auch die Besitzer des Castello waren. Der Palazzo ist durch Geheimgänge mit dem Castello verbunden, diese wurden vor einigen Jahrzehnten wieder entdeckt und teilweise frei gelegt.

Der Palazzo wird zudem mit den Templern in Verbindung gebracht. Eine Inschrift an der Nordseite des Gebäudes lässt dies vermuten: Non nobis Domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam! – das Motto der Tempelritter.

Beeindruckend ist der alte Weinkeller, der für Tastings und Events genutzt wird. Nicole hatte mir erzählt, dass der Keller von Mönchen erbaut wurde, leider konnte ich darüber nichts mehr nachlesen. In dem Keller ist jedenfalls der freigelegte Geheimgang zum Castello zu finden (Links auf dem Bild :-)).

Das Logo der Cantina geht auch auf die Verbindung zum Castello zurück, es zeigt das Burgtor, genauso wie der Name selbst natürlich. Cantina del Castello. Die Winery produziert im Jahr ca. 80.000 Flaschen und gehört somit auch zu kleineren Weinproduzenten aus der Gegend.

Bei dem Tasting habe ich mich für Shades of Soave entschieden, also ausschließlich die Weine aus dem Soave Gebiet. Ich durfte aber netterweise auch noch den Valpolicella Ripasso testen. Nicole war sehr freundlich und hat mir alles ganz ausführlich erzählt und erklärt.

La vita è bella

Italien überrascht mich immer wieder auf’s Neue. Nun war ich schon so oft hier und hab einige Regionen gesehen – aber selbst in Regionen, in denen ich schon war, gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Eigentlich wollte ich alle paar Tage einen Blog-Eintrag schreiben, erzählen von den Erlebnissen, aber ich war zu sehr damit beschäftigt, die Eindrücke einzuordnen und zu verarbeiten, als dass ich Schreiben hätte können. Nun geht es auf das Urlaubsende zu, Samstag geht es heim nach München. Ich bin in Verona, sitze an meinem „Magical Place“ Corte San Mattia, wie ihn Greena aus Milano, die ich hier letztes Jahr kennengelernt habe, bezeichnet hat, und komme langsam runter von den letzten 10 Tagen.

What a View

Die Reise geht jetzt letztendlich in etwa da zu Ende, wo sie begonnen hat, nur eine andere Unterkunft. Marcellise bei Verona war der Ausgangspunkt der Reise, es ging weiter über die nördliche Toskana in San Baronto (grob zwischen Florenz und Lukka), dann runter in die Maremma, weiter ins Landesinnere nach San Feliciano an den Lago Trasimeno und nun wieder Verona. Wieviele Kilomenter das waren … ich weiß es nicht … aber jeder davon war es Wert. Pitigliano, Fiesole, die kleinen Örtchen am Lago Trasimeno, die Wildschweinchen … es gibt wirklich einiges zu berichten.

Die Hitzewelle im August hat sich in der Toskana durchaus bemerkbar gemacht

Nachhaltig beeindruckt hat mich Assisi. Die Stadt hat mich wirklich sehr unerwartet gepackt und in den Bann gezogen. Ein so geschichtsträchtiger Ort und ich hatte das Gefühl, dass die Menschen dort das auch alle respektiert und geachtet haben … wenn man so da sitzt, vor der Tomba di San Francesco, die Leute beobachtet und sich etwas Zeit nimmt, merkt man, wie besonders der Ort wirklich ist. Das hat auch gar nichts damit zu tun, wie religiös man ist, es ist einfach besonders.

Assisi im Rückspiegel

Wunderschön war der Ausblick vom Monte Argentario über das Tyrrhenische Meer, hier gibt es einen Panoramaweg, der um die ganze Insel führt. Ich empfehle aber nun aus eigener Erfahrung, ab dem Schotterweg dringend wieder umzukehren oder die Tour mit einem E-Bike zu machen 😉

Blick vom Monte Argentario

Neben Assisi, was wie eine Filmkulisse wirkt, sind übrigens tatsächliche Filmkulissen z.B. Talamone, Arezzo und Siena. In Another Way to die – der James Bond Film von 2008 – spielte eine kurze Eröffnungssequenz in Talamone. Arezzo war der Drehort für La vita è bella, das Oscar-prämierte Meisterwerk von Roberto Benigni (was ich übrigens bis heute nie gesehen habe). Siena kommt in Twighlight – New Moon vor. Ja, mein Cineasten-Dasein kommt hier etwas durch. Mit Sicherheit wurde auch schon irgendwas in Assisi gedreht. Das werde ich noch herausfinden 🙂

Talamone

Aber nun zu meiner – inzwischen – Lieblingsbeschäftigung in Italien – dem Wine Tasting. Das hab ich nun nicht nur im Valpolicella-Gebiet gemacht, sondern auch noch die Gebiete des Chianti und Soave mitgenommen. Und sogar erweitert: diesmal habe ich auch ein Balsamico Tasting gemacht, selbstverständlich bei Modena. Das war so interessant, weil es so anders war, als beim Wein. Aber davon erzähle ich noch mehr. Und ich muss heute noch dringend das Olivenöl Tasting für Freitag buchen.

Gestern hatte ich ein Wine Tasting hier in San Mattia. Da ein Pärchen aus den USA mit dabei war hat es sich ergeben, dass wir neben dem Wein viel über Reisen gesprochen haben und Andrea meinte, er wäre auch schon viel unterwegs gewesen, hat dann teilweise ein halbes Jahr in Mexiko und ein halbes Jahr in Italien gelebt (was auf Dauer dann etwas anstrengend war, sich alle halbe Jahre eine neue Wohnung zu suchen) und am Ende ist er doch zurück in seine Heimat gegangen. Eben weil Italien soviel zu bieten hat, du fährst 20 km oder 50 km weiter und es ist ganz anders.

Bei den Wein Tastings ist mir aufgefallen, dass hier im Norden zu den Weingütern oft alte Villen gehören, in der Toskana dagegen z.B. sind es eher die Burgen. Andrea meinte, ja, das stimmt – während Frankreich und Deutschland dabei waren, die Industrialisierung voranzutreiben, waren sie hier im Norden von Italien damit beschäftigt, sich gegenseitig mit den schönsten Gebäuden und Zeichnungen, sprich, der Kunst zu übertrumpfen – und weiter unten hat Siena gegen Florenz Krieg geführt und dazu haben sie die Burgen gebraucht.

Es ist mit ein Grund, warum ich so gern die Tastings mache – man lernt Geschichte und kann dazu Wein trinken, optimaler könnte es quasi gar nicht sein.

Und gestern nach dem Tasting, was gegen 17 Uhr zu Ende war, hatte ich mit Jack & Ally noch einen so netten Abend. Wir saßen noch Stunden hier in San Mattia zusammen, mit Blick über die Stadt und wie sie langsam in die Nacht übergeht und die Lichter sie erleuchtet. Mit einem Gläschen Wein in der Hand. Manchmal auch Zwei. La vita è bella.

Ein Spaziergang an der Isar mit Banksy

The Mystery Of Banksy – A Genius Mind

Die Ausstellung habe ich bereits im April besucht, sie ist aber noch bis Anfang Oktober in München im Forum des Deutschen Museums zu Gast. Ich fand sie wirklich ganz toll und kann sie nur empfehlen, wenn ihr Interesse an Street Art habt.

Wir hatten im April 2017 schon mal eine Street Art Ausstellung in München, „Magic City“, in der kleinen Olympiahalle. Bis dato war mir Banksy selbst nicht so ein großer Begriff, obwohl man die Bilder natürlich kannte, da es eine besondere Form von Streetart ist. Ein ganz kleiner Teil der Ausstellung war ihm (oder ihr?) damals gewidmet.

Im Anschluss gab es auch noch ein paar Kunstwerke an der Isar zu entdecken. In ganz München findet man ja an vielen Orten tolle Graffiti Kunstwerke. Im ehemaligen Kunstpark-Ost z.B. kann man auf großer Fläche eine Vielzahl an Kunstwerken bewundern und das alles ganz for free. Ich habe mir das im Januar angesehen und war total begeistert.

Der wohl schönste See in Bayern, der Eibsee

Ein Ausflug an den Eibsee mit Blick auf die Zugspitze.

Der Eibsee. Auch so ein Ziel, wo ich schon immer Mal hin wollte. Der See ist vor gut 4000 Jahren ganz natürlich durch eine Veränderung der Alpen entstanden. Eine Gletscherspitze ist ins Tal gestürzt und hat wohl so die Senke geschaffen, in der der See heute liegt. Mit frischem Wasser wird der See unterirdisch gespeist, durch Schneewasser aus den Alpen.

Namensgeber des Sees sind die Eiben, die ihn an vielen Stellen umranden.

Der See befindet sich übrigens seit 1884 in Privatbesitz. Ein Vorfahre der jetzigen Eigentümer, August Terne, hat den See damals gekauft, um ihn zu einem Ziel für „Sommerfrischler“ zu machen. So steht es zumindest auf der offiziellen Webseite des Sees. Von 1945 bis Anfang der 70er Jahre war der See in den Händen der amerikanischen Besatzer, er wurde dann aber wieder an die Nachfahren von August Terne übergeben, die den See bis heute erhalten.

Frillensee

Der Frillensee liegt direkt neben dem Eibsee und hat vermutlich die gleiche Entstehungsgeschichte. Ein kleiner Süßwasserfisch, die Frille, ist der Namensgeber des Sees. Verortet ist er in Grainau. Also der See, nicht der Fisch.

Zugspitze

Direkt neben dem Eibsee liegt die Zugspitze, dem Berg, den wir uns mit unseren Nachbarn Österreich teilen und der zugleich auch der höchste Berg in Deutschland ist mit 2962m. Eigentlich stand ein Besuch der Zugspitze (also hoch auf den Berg) auch auf meiner Bucket List. Aber als ich da so unten Stand und den Gondeln nachblickte, die in den Wolken auf dem Weg nach oben verschwunden sind, habe ich einen Haken dahinter gesetzt. Man muss nicht alles machen.

Garmisch-Partenkirchen

Nach dem Spaziergang am Eibsee (wir sind leider nicht ganz herum gegangen, aber das wird nachgeholt) sind wir noch ins nahegelegene Garmisch-Partenkirchen gefahren, im Zentrum etwas geschlendert, um dann noch einen Cappuccino zu trinken.

Vom Gespenst Dietrich und der längsten Burg der Welt

Ein Besuch auf der Burg zu Burghausen.

Manche Ausflugsziele sind so nah und man war trotzdem noch nie dort. So ging es mir bis diesen Sommer mit der Burg zu Burghausen. Immerhin die längste Burganlage der Welt – mit einem Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde.

Blick auf die Burganlage

Nach der anstrengend Anreise von gut einer Stunde an dem zauberhaften Sommertag im Juni mit dem Cabrio von München aus mussten wir uns erstmal standesgemäß mit Schnitzel, Pommes und Spezi stärken, bevor es hoch zur Burg ging. Eigentlich sind wir überall eingekehrt, wo es quasi ging und haben uns einmal durch Burghausen gegessen.

Wann genau die Burg gebaut wurde, ist nicht datiert. Man weiß nur, dass es vor 1025 war, denn in diesem Jahr findet die Burg zum ersten Mal urkundliche Erwähnung. Es ist sogar durch Ausgrabungen bestätigt, dass bereits zur Bronzezeit in dem Areal Menschen angesiedelt waren.

Blick von der Burganlage auf Burghausen, Ach (Österreich) und die Salzach

Wie es in bei keiner Burg fehlen darf, hat diese Burg natürlich auch ein burgeigenes Gespenst. Von dem wird sich in der Sage um „Das Gespenst mit der weißen Haube“ erzählt.

Kurz gesagt: die Geschichte einer gelangweilten Ehefrau, deren Mann ständig auf Dienstreise war. Also genaugenommen geht es die um Herzogin, deren Herzog das Land erobern musste und die sich derweil mit dem Koch Dietrich in einem geheimen Kämmerchen vergnügt hat. Der Herzog hat die beiden dann wohl in flagranti erwischt und den armen Dietrich zur Strafe in eben jenem Zimmer eingemauert. Seitdem spukt der Dietrich als Koch-Gespenst durch die alten Gemäuer der Burg.

Die kleine Staffelsee-Schleife und Weißach Meadows

Zwei kleine Ausflüge in die bayrischen Voralpen

Die kleine Staffelsee-Schleife

Länge: ca. 5,5 Kilometer
Start-/Endpunkt: Parkplatz am Seerestaurant Alpenblick in Uffing am Staffelsee

Vom Parkplatz aus ist der einfache Wanderweg gut ausgeschildert. Er führt entlang des Sees, vorbei an einem Campingplatz, über eine Wald-/Wiesenstrecke wieder entlang am See und dann zurück zum Ausgangspunkt. Der Weg ist ganz easy zu gehen, bietet tollen Ausblick und macht wirklich Spaß. Es gibt ausreichend Möglichkeiten, um eine Pause einzulegen oder auch bei schönem Wetter in den See zu hüpfen.

Die Weißachauen

Länge: ca. 5 Kilometer
Start-/Endpunkt: Wallbergstraße Kreuth, Parkplatz am Straßenrand nach der Weißachbrücke

In der Nähe des Tegernsees bei Kreuth liegt die Weißach. Dort entlang geht ein einfacher Erlebnisweg mit 20 verschiedenen Stationen zum Erleben, Lernen und Ausprobieren. Theaterspielen kann man auch. Also ganz genau das, was mein Niveau an Wanderungen widerspiegelt und dort war ich an einem Samstag Nachmittag. Von München aus in einer guten Stunde erreichbar, also perfekt für einen kleinen Ausflug. Auf der Hälfte des Weges kann man an der Weißach Alm einkehren. Gut, dass ich es an dem Nachmittag nach kurzer Überlegung nicht gemacht habe, 10 Minuten nachdem ich im Auto war ging das Gewitter los.