Die österreichische und bayrische Küche sind sich prinzipiell relativ ähnlich, wobei unsere Nachbarn uns in Süßspeisen noch übertreffen. Apfelstrudel, Kaiserschmarrn, Marillenknödel, all das findet man durchaus auch auf Speisekarten guter bayrischer Restaurants. Salzburger Nockerl allerdings, die findet man natürlich nur in und um Salzburg. Ein absoluter Klassiker, den man in Restaurants in der Regel leider erst ab zwei Personen bestellen kann.
Ich hatte mich daheim durchaus schon in Salzburger Nockerln versucht, allerdings eher mindererfolgreich. Letzten Herbst bin ich zufällig auf die Webseite der Edelweiss Cooking School in Salzburg gestolpert und jetzt war es an der Zeit, den Kochkurs für Salzburger Nockerl und Apfelstrudel auch mal zu buchen. Primär ging es mir um die Nockerl. Die kleine Kochschule gibt es seit ca. sechs Jahren und sie ist am Rande der Altstadt angesiedelt, im Mönchsberg. Also in der Tat ein kleiner Raum im Berg.
Apfelstrudel
Der Apfelstrudel wurde schriftlich das erste Mal 1696 erwähnt. Die Ursprünge dieses Strudelteigs stammen vermutlich aus dem arabischen Raum und kamen mit den Osmanen über Ungarn nach Wien. Höchstwahrscheinlich zuerst in Form von Baklava, aber das ist nicht belegt. In jedem Fall gab es im arabischen Raum bereits gefüllte Teigtaschen, die auf Grund der langen Haltbarkeit gerne als Verpflegung den Soldaten mitgegeben wurden.
Das älteste Rezept eines Apfelstrudels befindet sich in der Stadtbibliothek von Wien und stammt aus dem Jahre 1696. Seine heutige Form mit eben dieser Füllung erlangte er aber zu Zeiten der Kaiserin Maria Theresia. Ganz klassisch zubereitet braucht es weder für den Teig noch für die Füllung viel. Ein bisschen Mehl, Wasser, Salz und Öl und der Teig ist fertig. Für die Füllung dann Äpfel aufschneiden, Rosinen, Zimt und Zucker und der Strudel ist quasi schon fertig.
Wäre da nicht der Teig, der erstmal so hauchdünn ausgezogen werden muss, dass man laut österreichischen Vorgaben durch den ausgezogenen Teig die Tageszeitung lesen können sollte. Dazu braucht es ein bisschen Übung, aber bekommt man alles hin. Apfelstrudel hab ich ja daheim nach Oma’s Rezept auch schon gemacht und hat auch gut geschmeckt, aber die richtigen Handgriffe jetzt zu kennen und zu wissen, dass der Strudelteig auf einer Baumwollunterlage ausgerollt und ausgezogen werden sollte, wird die Sache in Zukunft einfacher gestalten.
Da der Strudelteig selbst ungesüßt ist, kann er ganz neutral für herzhafte und süße Speisen verwendet werden. Anstatt den Äpfeln kann dieser also auch mit Gemüse gefüllt werden.
Salzburger Nockerl
Süß wie die Liebe und zart wie ein Kuss heißt es in einer Operette von Fred Raymond über berühmten die Salzburger Nockerl. Aufgetürmt werden in einer ofenfesten Keramikform drei Berge, denen nachgesagt wird, sie stellen die drei Salzburger Hausberge dar: Mönchsberg, Kapuzinerberg und Gaisberg. Die heimliche Liebe eines Salzburger Bischofs soll dieses Gericht Anfang des 17. Jahrhunderts erstmals zubereitet haben, um ihren Liebsten damit zu verführen.
Die Zutaten für die Nockerl sind ebenfalls sehr einfach: Eier, Zucker, Mehl, Vanille, etwas Stärke und das wars auch schon. Auf den Boden der Form gibt man unter jedes Berglein bei Bedarf noch einen Kleks Preiselbeeren. Der herbere Geschmack der Preiselbeeren gleicht die Süße etwas aus, aber es darf natürlich nach belieben variiert werden. Eier, Zucker und Mehl müssen übrigens in den Nockerln enthalten sein, sonst dürfen sie sich nämlich nicht Salzburger Nockerl nennen.
Ganz wichtig ist bei dem Teig, dass er nicht zuviel gerührt wird. Sobald das Eiweiß steif ist, wird der Teig eher mit dem Teigschaber gefaltet. In der Schüssel formt man schon das Berglein vor und es rutscht dann eigentlich nur noch in die Form. Klassischerweise werden die Nockerl in einer feuerfesten, ovalen Form aus Keramik gebacken.
Da es sich bei den Salzburger Nockerln um ein Soufflé handelt, also eine fluffige Eierspeise, muss diese sofort heiß serviert werden, wenn man sie aus dem Ofen nimmt, da die aufgeblasene Speise ziemlich schnell in sich zusammenfällt. Getoppt werden die Nockerl aber vor dem Servieren noch mit Puderzucker, damit sie wie im Winter verschneite Berglein aussehen.
Die Einfachheit der beiden Rezept, was die Zutaten (nicht die Herstellung :-)) angeht, führt man vor allem drauf zurück, dass sie der einfachen, bäuerlichen Küche aus dem Land entstammen. Man hatte oft nicht viel, aber damit hat man versucht das beste draus zu machen und das ist definitiv gelungen. Eigentlich sollte man schon allein wegen der Fülle an köstlichen Süßspeisen Urlaub in Österreich machen. Aber eigentlich und vor allem, weil das Land – und hier im speziellen Salzburg – einfach schön ist:
Blick vom Mönchsberg über Salzburg
Die Formel der österreichischen Küche ist einfach: Schnitzel mal Tafelspitz geteilt durch Apfelstrudel. Prof. Hans Mahr
An Weihnachten 1955 wurde österreichische Filmgeschichte geschrieben; Romy Schneider und Karl-Heinz Böhm waren erstmals als kaiserliches Traumpaar in Sissi im Kino zu bewundern. Und eigentlich müsste jedem, der die Filme gesehen hat, Ischl ein Begriff sein. Unsere bayrische Prinzessin Sissi aus Possenhofen, gebürtige Münchnerin, reist als 15jährige mit ihrer Mutter, Erzherzogin Ludovika, und Schwester Nené nach Ischl. Prinzessin Helene, Nené, soll sich mit dem jungen, schneidigen österreichischen Kaiser Franz Joseph in der kaiserlichen Residenz zu den Feierlichkeiten seines 23. Geburtstages verloben. So der Wille der Eltern des potentiellen Kaiserpaares. Wie wir wissen, kommt alles ganz anders, als der Franzl die Lisl aus Possenhofen kennenlernt.
Kaiserin Elisabeth Brücke
Realität und Film entsprechen sich nicht in Gänze. Allerdings ist es Tatsache, dass sich die beiden wirklich Hals über Kopf in Ischl verliebt und verlobt haben. Die Verlobung fand wie geplant am Geburtstag von Franz Joseph statt, der im Seeauer Haus, der elterlichen Sommerresidenz, gefeiert wurde. Gelegen ist das Haus, welches das heutige Stadtmuseum beherbergt und zwischenzeitlich das Hotel Austria war, an der 1830 zu Ehren Erzherzogin Sophies gestalteten Sophiens Esplanade direkt an der Traun.
Die Kaiservilla am Rande von Bad Ischl kam zur Hochzeit in Besitz des Paares; diese war ein Geschenk von Erzherzogin Sophie, der Mutter des Kaisers. Die Villa wurde nach kaiserlichen Wünschen und als Hommage an die Kaiserin Elisabeth umgebaut. Aus der Vogelperspektive betrachtet erkennt man die Form der Villa, ein E.
Franz Joseph soll Ischl als „den Himmel auf Erden“ bezeichnet haben und er liebte es dort die Sommermonate zu verbringen. Auch Kaiserin Elisabeth fühlte sich dort sehr wohl, da es sie an ihre unbeschwerte Jungend in Possenhofen am Starnberger See erinnerte. Das Schloß Possenhofen und den Starnberger See befand der Regisseur Ernst Marischka übrigens zu unspektakulär für die Sissi-Trilogie und so dienten das Schloss Fuschl am Fuschlsee, etwa eine gute Stunde Autofahrt von Ischl entfernt, als Kulisse für die bayrische Heimat der Kaiserin.
Die Kaiservilla war privater Rückzugsort vom Hofe in Wien und dessen Verpflichtungen. Es gab dort keine Gästezimmer, Staatsbesucher kamen in Ischl unter und selbst die Bediensteten waren in Nebenzimmern untergebracht oder über Gebäude auf dem weitläufigen Gelände verteilt. In der Villa ging alles sehr bodenständig zu, sofern man das für ein Kaiserpaar sagen kann.
Heute kann man den Flügel von Kaiser Franz Joseph besichtigen; die Möbel aus der Kaiserzeit sind noch erhalten und befinden sich mehr oder weniger an ihren ursprünglichen Plätzen. Der Kaiser war ein passionierter Jäger, weshalb in den Gängen hunderte von Geweihen und ausgestopften Tieren hängen oder in Glasschränken ausgestellt sind.
Kaiserliches Arbeitszimmer
Der privaten Räume der Kaiserin Elisabeth sind bis heute bewohnt von den Nachkommen der jüngsten Tochter, Erzherzogin Marie Valerie, die 1890 in Ischl Franz Salvator von Österreich-Toskana heiratete. Die Liebe zu Ischl hatte sie von ihren Eltern geerbt und so hat Kaiserin Elisabeth veranlasst, dass Marie Valerie Erbin der Kaiservilla sein wird. Die Villa befand sich immer im Privatbesitz der kaiserlichen Familie, so fiel diese auch nicht an den Staat zurück, als die Monarchie in Österreich ihr Ende fand. Das Ende des Kaiserreichs hat Kaiser Franz Joseph selbst in Ischl eingeleitet, auch wenn er sicherlich anderes im Sinn hatte, als er die Kriegserklärung An meine Völker! an seinem Schreibtisch im Arbeitszimmer verfasste und unterschrieb.
Der Villa angeschlossen ist ein großer Garten mit Jagdgebiet und hauseigenem Berg. Eigens für die Kaiserin wurde im Park das Marmorschlössl errichtet. Ein im Tudorstil erbautes Cottage, in dem die Kaiserin immer ihr Frühstück zu sich nahm und das zu ihrem privaten Zufluchtsort in den heißen Sommermonaten wurde.
Heute beherbergt es wechselnde Ausstellungen. Aktuell sind um das schöne Cottage bunte Bänke aufgestellt zum Thema Jagend und Tracht. Die derzeitige Ausstellung dort lautet „Wir jagen .. im Salzkammergut“.
Im Jahr 2016 wurde der wunderschöne Kurort Bad Ischl mit der Entente Florale in Gold ausgezeichnet; kein anderer Ort in Europa wurde jemals höher bewertet als Bad Ischl. Die Auszeichnung besagt, dass man in Ischl die höchste Wohn- und Lebensqualität in ganz Europa hat.
Nachdem die Eltern von Franz Joseph Ischl als Urlaubsort für sich entdeckt haben, angetan von der guten Luft und der schönen Lage, sprach sich das natürlich herum und so urlaubte dort bereits Mitte des 19. Jahrhunderts alles mit Rang und Namen, von Johann Strauss über Mark Twain zu Franz Lehàr. Für die hohen und reichen Gäste entstanden viele prunkvolle Hotels, wenn sie sich nicht direkt eine eigene Villa dort erbauen ließen. Bad Ischl ist nach wie vor der liebste Ort zur Sommerfrische für die Österreicher. Vornehmlich kam es mir persönlich so vor, als wäre es der beliebteste Ort für die Rentner des Landes.
Entente FloralePost- und TelegrafenamtSchröpferplatzFußgängerzoneLehar-VillaEhemalige SolebadeanstaltEhemaliges Hotel zur PostKaiser Franz Joseph Brücke
Bad Ischl sollte man sich aber nicht fürs Rentenalter aufsparen. Das wäre viel zu schade. Der Ort ist wirklich sehr schön und eignet sich hervorragend für einen Tagesausflug bzw. lädt auch ein, ein paar Tage zu verweilen. Mindestens um den besten Kaiserschmarrn der Stadt in der ehemaligen K. u. K. Hof–Zuckerbäckerei, der Konditorei Zauner, am Ufer der Traun zu genießen.
Blick auf die Traun
Und apropos, wie kam nun der Kaiserschmarrn zu seinem Namen? Die Mehlspeise gibt es schon ein paar hundert Jahre, allerdings besagt die Legende, dass diese 1854 Einzug in den Wiener Hof fand. Der etwas zur Magersucht tendierende Kaiserin Elisabeth wurde in dem Jahr das Gericht erstmals zubereitet, um ihr zu ein paar Pfunden mehr zu verhelfen. Zugelegt hat dann wohl eher der Kaiser Franz Joseph, der das Gericht mit Genuss verspeiste, während seine Gattin es verschmähte. Fortan trug die süße Mehlspeise den Namen Kaiserschmarrn und wurde über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt und zählt auch bei uns in Bayern zu einer der beliebtesten Süssspeisen.
Und jetzt noch zum Sissikuss und der Glücksgasse.
Ein kleiner Souvenir Shop, der sich etwas abhebt von dem durchschnittlichen touristischen Geschäften ist das süße Sissikuss. Wer Zeit hat, kann hier auch auf einen Kaffee oder ein Küchlein verweilen und mit der netten Besitzerin . Ich hatte an dem Tag leider schon ausreichend Kaffee, weshalb ich mir die kaiserlichen Kaffeebohnen einfach mit nach Hause genommen habe.
Die Glücksgasse! Schon allein des Namens wegens muss man der kleinen Gasse einen Besuch abstatten. Und neben Glück bringt es auch gute Laune, wenn man die Kugeln in der Luft funkeln und glitzern sieht und wie sie sich im Wind drehen.
Es sei noch erwähnt, dass in der Ischler Gegend seit etwas Mitte des 16. Jahrhundert Salz gewonnen wird und dies dadurch natürlich ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist. Im Salzkammergut kann man drei Salzwelten besuchen, aber die habe ich ausgelassen.
Oh, wie sehne ich mich nach dem lieben, lieben Ischl. Kaiser Franz Joseph I. (ca. 1845)
Firenze. Florenz. Florence. Florencie. Florence. Florencija. Oder Fiorentina, die Blühende, so der Name der toskanischen Hauptstadt zur Gründungszeit, gelegen am Fuße eines Hügels auf dem die weitaus ältere Stadt Fiesole bereits um 500 v. Chr. von den Etruskern errichtet wurde.
Blick von Fiesole über Florenz (September 2021)
Wir lokalisieren uns jetzt Mitten in Florenz, in der Kochschule Towns of Italy – Cooking Schools, um die Ecke des Mercato Centrale, ca. einen halben Kilometer vom wunderschönen Dom Santa Maria del Fiore entfernt. In der Kochschule wird diesmal Pizza gebacken und echtes italienisches Gelato hergestellt. Alternativ gibt es auch einen Pasta-Kurs zu buchen, aber den hatte ich ja nun schon in Verona und am Gardasee.
Den Tisch an diesem Nachmittag durfte ich mit einem bezaubernden Pärchen in den 80ern aus Kalifornien teilen und dazu ein junges kanadisches Pärchen im Honeymoon. Das war tatsächlich eine interessante Kombination, wir hatten einen netten Nachmittag, dennoch würde ich diese Kochschule kein zweites Mal besuchen.
Wir waren ca. 24 Teilnehmer in einem sehr kleinen Raum (plus zwei schreiende Kleinkinder, dazu etwa fünf verschwitzte Kochgehilfen und die Anleitung). Es wurde an einem Tisch vorgeführt, was man machen muss und dann war man selbst dran. Mit der Pizza war das noch okay, beim Gelato war nur zuschauen angesagt. Gehört hat man auch fast nichts, weil neben den schreienden Kleinkindern im Nebenraum auch noch Bauarbeiten stattgefunden haben. Unfassbar unhygienisch fand ich diese verschwitzten Kochgehilfen, von denen sich einer meinen perfekten Pizzateig gekrallt hat und meinte, dass er den dringend nochmal durchkneten müsste und bevor er den Teig anfasst, wischt er sich nochmal mit den Händen die völlig verschwitzte Stirn ab. Etwas perplex dachte ich, okay, Pizzaofen, gut 400 Grad, Augen zu und durch.
Pizza
Meine Lieblingspizza ist seit jeher diepatriotische Königin der Pizzen, die Pizza Margaritha, und das am liebsten in der neapolitanischen Variante. Den Namen hat sie Mitte des 19. Jahrhunderts zu Ehren der schönen Königin Margherita von Italien, der Gattin von Umberto I., erhalten. Der Königin wurden acht Pizzen am Hofe kredenzt und der einzige Pizzabäcker, der die schriftliche Bestellung aufbewahrt hatte, wird nun als Erfinder der Pizza Margaritha geführt. Der patriotische Pizzabäcker wollte der Königin seine Liebe zum Land servieren und hat auf der Pizza die Farben der italienischen Flagge untergebracht: weiß = Käse, rot = Tomaten, grün = Basilikum.
Die erste Pizza in Deutschland wurde übrigens 1937 auf einer Frankfurter Food Messe hergestellt und 1952 wurde in Würzburg die erste Pizzeria Deutschlands eröffnet. In Wien wurde die erste Pizzeria 1975 eröffnet, kaum zu glauben, oder?
Ursprünglich stammt die Pizza aller Wahrscheinlichkeit nach aus Neapel und die Art, wie man Neapolitanische Pizza herstellt, wurde 2017 sogar von der UNESCO auf die Liste für immaterielles Weltkulturerbe aufgenommen. Hier in Florenz war es aber die römische Pizza, die wir gemacht haben.
Für den Pizzateig braucht es nicht viel – Mehl, Öl, Salz und Hefe. Gut durchkneten und etwas gehen lassen. Belegen kann man die Pizza dann bekanntlich nach belieben.
Ich habe eben in den Tiefen meines digitalen Foto-Archivs gesucht, um mit euch einen kurzen Abstecher nach Neapel zu machen, dann sieht man auch fototechnisch den Unterschied zwischen meiner römischen Pizza und der Variante aus dem Süden Italiens. Im Jahre 2010 war ich in der wohl berühmtesten Pizzeria Italiens (und laut einigen Einheimischen auch in der Besten): Da Michele in Neapel. Berühmt vor allem durch das Buch Eat.Pray.Love. und der Verfilmung mit Julia Roberts. Damals gab es genau zwei Varianten bei Da Michele: klassische Margaritha und mit extra Mozzarella. Mehr braucht man auch nicht auf der Pizza.
Natürlich gibt es noch weitere Varianten der Pizza und eine beliebte Abwandlung der römischen Pizza ist die Pizza bianco, die kommt ganz ohne Tomatensauce aus. Für manche besser verträglich als Pizza ist der neue Stern am Fladenhimmel – die Pinsa Romana, gleichzeitig auch das Baby unter dieser Art der Gerichte, denn die Pinsa gibt es offiziell erst seit 2001. Gefühlt wurde München in diesem Jahr damit überflutet, nachdem die letzten zwei, drei Jahre wohl ausreichend neapolitanische Pizzerien eröffnet haben. Der Teig einer Pinsa besteht aus verschiedenen Mehlsorten und es ist viel Geduld gefragt, während ein Pizzateig nach ca. einer Stunde ausreichend aufgegangen ist, braucht der Teig für eine Pinsa bis zu 72 Stunden.
Gelato
Während der Pizzateig aufging, haben wir uns der Herstellung von traditionellem Gelato gewidmet. Kein geringerer als Marco Polo brachte aus China die Grundlagen des Gelatos nach Europa, eine Art Sorbet aus Reis. Dann wird die Geschichte etwas undurchsichtig, aber im Groben hat es sich wohl so zugetragen: Im 16. Jahrhundert, etwas vor der Hochzeit von Katharina von Medici mit Heinrich II, künftiger König von Frankreich, rief der florentinische Ärzteclub einen Wettbewerb aus, eine außergewöhnliche, noch nie dagewesen Speise zu kreieren. Der Hühnerzüchter Cosimo Ruggieri hat sich an Marco Polo erinnert und das erste italienische Gelato in Form eines Sorbets gezaubert und alle damit umgehauen. Katharina von Medici hat ihn direkt engagiert, um diese noch nie dagewesene Köstlichkeit den Gästen auf ihrer Hochzeit in Frankreich zu servieren (auch um angeblich den französischen Konditoren eins auszuwischen). Der Medici Architekt Bernardo Buontalenti hat das Eis weiter verfeinert und eine gekühlte Süßspeise serviert, die Sahne, Eier und Vin Santo enthalten hat. Noch heute gibt es in einigen Eisdielen in Florenz das Florentiner Sahneeis, angelehnt an das damalige Eis von Buontalenti.
Bei der Herstellung des Eises habe ich nur zugesehen, die Zutaten werden nach und nach aufgekocht, hin und her geschüttet und dann nochmal aufgekocht, bis die Eiscreme eindickt. Die Creme wird anschließend umgefüllt, muss abkühlen und sollte gute sechs Stunden im Gefrierfach verbringen. Alle 30 Minuten muss das Eis rausgenommen und umgerührt werden, so dass es fluffig und locker wird. in der Kochschule gab es natürlich eine Eismaschine, die das Kühlen und Rühren übernommen hat.
Glücklicherweise gibt es in München ausreichen Eisdielen, denn ich werde niemals Eis zu Hause machen, das ist mir zu aufwendig und eine Eismaschine nicht rentabel. Die erste Eisdiele hier in der Stadt hat übrigens 1879 eröffnet und diese Eisdiele gibt es auch heute noch, das Sarcletti am Rotkreuzplatz; sehr zu empfehlen.
Wer richtiges italienisches Eis probieren möchte, sollte die kleinen Eisdielen aufsuchen, bei denen kein Eis aufgehäuft und fancy dekoriert in der Auslage zu sehen ist, da richtiges Gelato gleichmäßig gekühlt sein muss. In der Regel haben diese Eisdielen auch nur wenige Sorten, vielleicht zehn, einfach weil das Eis täglich frisch hergestellt wird.
In Florenz selbst war ich nun zum zweiten Mal. Eigentlich hatte ich diesmal 2-3 Tage eingeplant, weil ich wirklich gehofft hatte, mir würde die Stadt besser gefallen, als beim ersten Besuch. Es blieb aber dann bei dem einen Tag mit dem Kochkurs. Mir ist die Stadt zu hektisch und ich habe in der Innenstadt immer das Gefühl, die Stadt erdrückt mich. Florenz hat knapp 380.000 Einwohner, also über 100.000 mehr, als Verona, aber immer noch fast 1.1 Millionen Einwohner weniger als München. Es kann auch nicht an der Größe der Stadt liegen, in Rom habe ich das Gefühl ja auch nicht. Keine Ahnung. Ich werde mit der Stadt nicht warm, auch wenn sie natürlich sehr schön ist.
Den Kochkurs habe ich im Mai gemacht, ich hatte eine Woche Toskana gebucht und wollte ein paar neue Orte sehen und Orte an denen ich schon war, das Wetter war traumhaft. Es ging dann spontan sogar weiter bis nach Rom, von dem Besuch in Castel Gandolfo hatte ich ja schon erzählt. Ich muss euch mal einen Überblick über meine Reisen verschaffen, bisher greife ich ja immer nur interessante Ziele oder Events heraus.
Ich bin verliebt. Ich habe ein Verhältnis mit meiner Pizza. Julia Roberts als Elizabeth Gilbert in Eat.Pray.Love.
Nachdem ich neuerdings Kochkurse in Italien für mich entdeckt habe, gibt es diesmal Risotto all’Amarone, Pasta fresca all’uovo (in Form von Tagliatelle mit Tomatensauce) und Tiramisu für euch. In dem Kochkurs habe ich gelernt, dass ich offensichtlich Risotto mein Leben lang falsch zubereitet habe und ebenso dass ich das Aufschlagen der Eier mit dem Handmixer für das Tiramisu überdenken sollte. Und genau deshalb wollte ich diesen Kurs machen: was ist der Unterschied von italienisch Kochen auf deutsch zu italienisch Kochen auf italienisch?
Aber nun von vorne. Der Kochkurs fand in Verona bei La Soffritta statt und wurde geleitet von der wunderbaren Cristina. Cristina war Chefköchin in einem Restaurant, bevor sie die Kochschule eröffnet hat, was man ihr auch angemerkt hat. Die Küchenchefin hat ihr kleines Regiment geführt mit klaren Ansagen, wenn auch wirklich auf eine nette Art und Weise.
Risotto all’AmaronePasta fresca all’uovoTiramisu
Risotto all’Amarone
Riso ist das italienische Wort für Reis und davon leitet sich auch die Bezeichnung Risotto ab. Man ist sich allerdings etwas uneinig, ob der Name Risotto nun von kleiner Reis kommt (der Risottoreis ist ja klein und rund) oder sich aus Riso cotto (gekochter Reis) zusammensetzt. Wie dem auch sei, ich liebe Risotto und vor allem mit Wein. Es gibt wohl keine bessere Kombination, als mit dem Amarone den besten Rotwein aus dem Valpolicella zu nehmen (bzw. einen der besten Rotweine überhaupt), um daraus ein Risotto all’Amarone zu kochen.
Wer sich jetzt denkt, der Amarone sei viel zu teuer, um ihn zu verkochen, dem sei eins gesagt, man kocht oder backt prinzipiell ausschließlich mit Wein, den man im Zweifelsfall auch trinken würde. Die Qualität des Essens hebt sich mit der Qualität des Weines. Was jetzt bitte nicht heißt, den teuersten Amarone, den man im Schrank stehen hat, verkochen zu müssen, aber dennoch sollte er von guter Qualität und trinkbar sein. Der Alkohol wird sich im Essen verkochen – aber der Geschmack des Weins gibt dem Essen seinen Geschmack, daran sollte man immer denken.
Frische Brühe
Und wenn man sich für einen Kochkurs anmeldet, in dem ein Gerichte Risotto all’Amarone heißt, sollte man meiner persönlichen Ansicht nach zumindest den Alkohol im Essen tolerieren (wie eben schon erwähnt, der Alkohol verkocht sich) und nicht die Küchenchefin vehement dazu drängen, den Alkohol wegzulassen und dazu nicht versteht, dass ein Risotto all’Amarone halt nur mit Amarone ein Risotto all’Amarone ist (dem veganen Schnitzel fehlt übrigens auch jegliches Schnitzel, sprich die Grundzutat, also ist es auch keins). Dies hat bei uns dazu geführt, dass es zwei verschiedene Risotto-Versionen gab; Cristina hatte glücklicherweise Zucchini auf Vorrat da, welches das Pärchen dann für sich kochen durfte.
Und was habe ich nun immer falsch gemacht bei Risotto? Cristina meinte, diese verrückten Rezepte, bei denen man ständig im Risotto rühren müsste, völlig unnötig und es ist in der Tat so. Der Reis wird im Topf bis zu einem bestimmten Punkt glasig angedünstet, dann kommen die Zutaten in den Topf, Deckel drauf und das wars. Wenn alles gekocht ist, einfach gut Butter und viel Parmesan einrühren und das Risotto schmeckt perfekt. Und ganz wichtig, die Zwiebeln, so klein schneiden, wie nur möglich, keine Zwiebelstückchen sollten im Risotto zu finden sein. Das mögen Italiener nämlich gar nicht, hat uns Cristina gesagt.
Valpolicella Classico, kein Amarone 😉
Pasta fresca all’uovo
Es gab Tagliatelle mit Tomatensauce. Zubereitet wurde die Pasta ohne Maschine, wir haben wie die alten Nonnas eine Teigrolle verwendet, um den Teig der Tagliatelle in die gewünschte Form zu bekommen, sprich glatt und rund, um ihn danach in Streifen zu schneiden.
Dazwischen wurde dann auch die Tomatensauce zubereitet:
Aus dem Teig der Tagliatelle hätte man ziemlich schnell viele verschiedene Bandnudeln herstellen können, so hat uns Cristina einmal kurz durch die Bandnudelschule geschickt. Von breit bis schmal heißen diese unter anderem: Pappardelle, Tagliatelle, Lasagnette, Tagliolini, Linguine, Bavettine. Alles Zutaten für den Teig identisch, nur definiert die Breite den Namen.
Die Enden weisen übrigens auch immer auf die Art bzw. Form hin:
Meine Kochpartnerin Reilley und ich durften uns noch in Spaghetti alla Chitarra versuchen, was echt Spaß gemacht hat. Zum Glück wollten die anderen lieber zuschauen.
Cristina hatte dann auch sichtlich Spaß mit ihrer kleinen Showeinlage, um Tagliatelle und Sauce zu kombinieren:
Tiramisu
Tiramisu ist wahrscheinlich die bekannteste und beliebteste Nachspeise aus Italien. Die Bezeichnung setzt sich aus drei Wörtern zusammen: tira mi su. Übersetzt heißt das soviel wie zieh mich hoch oder richte mich auf, was genau der Machart dieses Desserts entspricht, denn es wird portionsweise in ein Glas oder in eine größere Form geschichtet. Das Tiramisu ist in der Region Venetien, in der meine italienische Lieblingsstadt Verona liegt, beheimatet, somit gibt es also kaum einen besseren Ort, um sich das mal zeigen zu lassen.
Außerhalb Italiens esse ich Tiramisu fast ausschließlich, wenn ich es selbst zubereitet habe. Egal, ob im Restaurant oder privat gemacht, was in Deutschland aus dem Tiramisu gemacht wird, ist meistens nicht schön und vor allem schmeckt es eher selten wirklich gut: zuviel Espresso ergibt matschige Biskuits, zu wenig Espresso, dann ist es zu trocken, der Alkohol gehört in die Masse nicht auf die Kekse, das Tiramisu mit Kaffeepulver bestreuen (wer kommt nur auf sowas?), dem Kaffee Zucker zugeben und es wird alles viel zu süß oder mehr Kekse als Masse schmeckt halt auch nicht. Und Angst haben wegen den Eiern braucht man nicht, einfach frische Eier kaufen und nicht unbedingt die nehmen, die man schon drei Wochen daheim stehen hat und frühestens am Vorabend, bevor man das Tiramisu servieren möchte, zubereiten oder direkt morgens. Die Nachspeise braucht ausreichend Zeit im Kühlschrank, haltbar ist das Dessert gekühlt mindestens zwei Tage.
Mein Tiramisu bekommt künftig ein Upgrade, was die Masse tatsächlich cremiger machen wird. Cristina hat uns gezeigt, dass man das Eigelb mit dem Zucker und einem Schuss Grappa nur auf einer Stelle rührt, also nicht wild mit dem Handmixer in der Schüssel, sondern mit etwas Geduld auf einem Punkt bis es eine gute cremige Konsistenz erreicht hat. Das macht wirklich einen Unterschied. Das Tiramisu war hervorragend.
Sommario
Alles in allem hat der Kurs viel Spaß gemacht und ich hatte mit Reilley eine wunderbare Kochpartnerin. Ich habe bei der Zubereitung von Tiramisu und Risotto ein paar neue Sachen gelernt und genau das war mein Ziel. Mir persönlich waren nur etwas zuviel Hände pro Gericht im Spiel, bei der Tomatensauce standen da z.B. drei Girls da und haben frisches Basilikum in die Sauce gerupft. Die Tagliatelle wurden alle in einen Topf geworfen und man hat nicht essen können, was man selbst zubereitet hat. Da ich es mit anderen Kochschulen vergleichen kann, weiß ich, dass es möglich ist und nicht wirklich viel Mehraufwand bedeutet.
Wer Spaß am Kochen hat und in Verona ist, kann aber auf jeden Fall auch zu Cristina in die Kochschule gehen. Und ich werde sicherlich bei meiner nächsten Reise in meine Lieblingsstadt auch noch den zweiten Kurs bei ihr buchen und Gelato machen.
🍝🍷
„I cook with wine. Sometimes, I even add it to the food.“ W C Field
Ganz in der Nähe von Rom befinden sich die Albaner Berge mit dem Lago Albano und dem Lago di Nemi. Das Gebiet der Albaner Berge und den direkt angrenzenden Orten wird als Castelli Romani bezeichnet.
Ein bezauberndes kleines Schmuckstück im Castelli Romani ist Castel Gandolfo, angesiedelt oberhalb des Lago Albano am Rande eines erloschenen Vulkans. Castel Gandolfo findet man auch auf der Liste der I borghi più belli d’Italia wieder, d.h. es ist wirklich einer der schönsten Orte Italiens. Und dieses kleine Örtchen mit seinen knapp 9000 Einwohnern ist in der Tat eine kleine Berühmtheit.
Die Schönheit und den Erholungsfaktor der Gegend hatte bereits der römische Kaiser Domitian in der Mitte des ersten Jahrhunderts nach Christi entdeckt und lies dort die erste Burg errichten. Überreste dieser alten Burg findet man heute noch unter den jetzigen Gebäuden. Papst Urban VII lies im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts das durch Beschlagnahmung im katholischen Besitz befindliche Castello zur Sommerresidenz umbauen und alle folgenden Päpste der römisch–katholischen Kirche taten es ihm bis 2013 gleich und verbrachten dort die Sommermonate.Mit Ausnahme der Jahre 1870 bis 1929; nach einer Volksabstimmung war das Ende des Kirchenstaates besiegelt und er ging ins Königreich Italien über. Die Päpste dieser Zeit begaben sich ins Exil in den Vatikan. Als dem Vatikanstaat 1929 seine Souveränität zugestanden wurde, durfte der Papst auch wieder nach Castel Gandolfo reisen.
Piazza della Libertà
Auf der Piazza della Libertà, dem Herzen von Castel Gandolfo, ist der Apostolische Palast zu finden und von der Piazza aus kann man die bezaubernde Via Roma mit allerlei Restaurants, Cafes und Shops entlang gehen. Seitengassen führen einen immer wieder in Richtung See, von wo aus man einen wunderbaren Blick hat.
Blick über den Albaner See von Castel Gandolfo
Und um noch ein Stück weiter in der Zeit und Geschichte zurück zu gehen, an der Stelle des heutigen Castel Gandolfo soll sich im Rom der Antike der Ort Alba Longa befunden haben. Um 1150 v. Chr. wurden nach der römische Mythologie Romolus und Remus dort geboren, die Kinder einer römischen Priesterin und keinem geringeren als dem Kriegsgott Mars. Und wie wir ja alles wissen, gründete eben dieses Geschwisterpaar Rom. Alba Longa gilt also als die Mutterstadt der ewigen Stadt Rom und macht Castel Gandolfo deshalb noch etwas außergewöhnlicher.
Papst Franziskus befand nach seiner Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche, dass dieses Ausmaß an Gärten und Palast zuviel für ihn alleine wären und so wurde dieser geschichtsträchtige Ort erstmals im Oktober 2016 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es fühlt sich in der Tat etwas besonders an, den apostolischen Palast zu besuchen und durch die ehemals privaten Gemächer der Päpste geführt zu werden.
Insbesondere unser bayrische Papst Benedikt XVI hat sehr gerne Zeit in Castel Gandolfo und den schönen Gärten verbracht. Nach seiner Abdankung und letzten Generalaudienz im Vatikan verließ Benedikt Rom gen Castel Gandolfo, wo er sich am 28. Februar 2013 das letzte Mal als Oberhaupt der katholischen Kirche auf dem Balkon im Apostolischen Palastes den Gläubigen gezeigt hat. Am 23. Mai 2013 trafen im Papstpalast der emeritierte Papst Benedikt XVI und sein Nachfolger Papst Franziskus aufeinander, so ein Ereignis gab es zuletzt vor knapp 700 Jahren.
Ein bisschen amüsiert war ich dann, als ich eine kleine bayrische Flagge auf einem Schreibtisch stehen hab sehen. Beim Tourguide nachgefragt – der dann ganz erfreut war, dass ich aus Bayern kam – wurde mir gesagt, dass das tatsächlich die Fahne von Papst Benedikt war und weil er Castel Gandolfo so gerne besucht hat, hat man diese ihm zum Gedenken dort stehen lassen.
Direkt auf dem Gelände des apostolischen Palastes befindet sich der geheime Garten, den man nicht besichtigen darf. Einmal über die Straße gegangen, durch das Tor, welches auch die Päpste nutzten, kommt man in den Giardini di Villa Barberini. Die Führung dort kann zu Fuß oder mit einem kleinen Bus gemacht werden, die Streckenlänge ist ca. vier Kilometer. Da man im Schnellschritt durch den Garten geführt wird und dadurch kaum Zeit hat, sich diesen anzusehen, wäre der Bus wahrscheinlich genau so gut gewesen.
Ein Großteil des ca. 55 Hektar großen Geländes wird für Landwirtschaft genutzt, also Anbau von Obst und Gemüse, was in den Vatikan gebracht und dort verarbeitet wird. Für die Kinder der mehreren hundert Mitarbeiter der Gärten gibt es sogar eine hauseigene Schule auf dem Gelände.
Und um am Schluss noch einmal kurz auf den Ort selbst zurückzukommen, irgendwie ist es so ein Ding in Castel Gandolfo, dass die Geschäfte und Cafes Fahrräder vor ihren Läden bunt dekoriert und angemalt haben. Wenn mir jemand erklären kann, woher das kommt, ergänze ich das gerne noch. In jedem Fall sieht es sehr nett aus.
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Das Leben ist wie Fahrrad fahren. Um die Balance zu halten, muss man in Bewegung bleiben. Albert Einstein
Vinci ist ein kleines süßes Städtchen auf den südlichen Hängen des Montalbano und auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man in diesem Teil der Toskana auf Reisen ist. Es ist ein sehr geschichtsträchtiges Örtchen, in dem man sich für ein paar Stunden wirklich gut aufhalten kann.
Als ich vor 15 Jahren zum ersten Mal in der Toskana war, bin ich eher zufällig über Vinci gestolpert. Ohne Plan hatte ich damals ein Hotel gesucht, was so grob mittig zwischen Pisa und Florenz lag; das Hotel gibt es heute noch und ich bin inzwischen zum dritten Mal in San Baronto, nur habe ich das Hotel mit einer bezaubernden alten Villa getauscht und von hier aus ist Vinci nur ein paar Kilometer entfernt.
Casa natale di Leonardo da Vinci
Damals ist mir erst bewusst geworden, dass „da Vinci“ kein Nachname ist, sondern einfach der Zusatz, woher Lionardo di ser Piero stammt, nämlich da Vinci – aus Vinci. Am 15. April 1452 wurde Leonardo da Vinci in Anchiano geboren, einem ca. drei Kilometer entfernten Ortsteil von Vinci, der eigentlich nur aus ein paar wenigen Häusern besteht. Ob es nun wirklich eben dieses eine Haus war, das beruht auf Vermutungen, in jedem Fall stammt es in etwa aus dieser Zeit.
Das Casa natale di Leonardo da Vinci ist nicht sonderlich beeindruckend, wert ist es die Fahrt (oder der Spaziergang vom Ort aus) nach oben aber allemal. Der Ausblick rundherum ist schlichtweg fantastisch und man kann sich schon vorstellen, woher Leonardo bereits in jungen Jahren diese Kreativität geschöpft hat. Es heißt, dass die Landschaft seit der Renaissance so gut wie unverändert geblieben ist.
Das Haus selbst, bestehend aus drei Zimmern, wurde 1952 zum 500. Geburtstag von Leonardo renoviert und in ein Museum umgebaut. Das Nebengebäude ist ein altes Bauernhaus. Heute ist eine Filminstallation zu sehen, ein Raum mit Tisch und Kamin, sowie ein weiterer Raum mit Infotafeln.
Vinci
Die Burg von Vinci fand bereits im 11. Jahrhundert Erwähnung und war heiß umkämpft. Das Adelsgeschlecht der Guidi lieferte sich über ein paar Jahrhunderte einen Schlagabtausch mit Florenz – so gehörte Vinci mal den Guidi und mal zu Florenz. Mal erobert, dann zurückerobert, verkauft und wieder zurückgeholt. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Ort auch noch von den Franzosen besetzt.
Der alte Ortskern von Vinci widmet sich hauptsächlich seinem berühmtesten Kind; so befinden sich im Castello dei Conti Guidi gleich zwei Museum zu seinen Ehren, eine große Holzskulptur des Vitruvianischen Menschen „L’Uomo di Vinci“ steht auf einem Vorplatz des Castello und ist über die Weite hinweg sichtbar.
Bilder von da Vinci selbst und seiner Mona Lisa wurden von den Einheimischen in kreativer Freiheit an Garagentore oder Wände gemalt; dazu tragen Cafes und Restaurants entsprechende Namen.
Eine Biblioteca Leonardiana gibt es neben den vielen alten Kirchen zu besichtigen und dazu zählt natürlich auch die Chiesa die Santa Croce, hier wurde Leonardo getauft.
Die Piazza dei Guidi, über die man zum Eingang des Museums gelangt, wurde vom zeitgenössischen Künstler Mimmo Paladino nach einem Wettbewerb im Jahr 2006 neu gestaltet. So zieren den Boden nun verschiedene Symbole – geometrisch und abstrakt – und glitzern vor allem schön, wenn die Sonne drauf scheint. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich diese Neugestaltung gut finde (wobei ich es davor nie gesehen habe), weil das so völlig überhaupt nicht auf diesen alten Platz passt; aber prinzipiell mag ich glitzernde Dinge.
Abgesehen von Leonardo gibt es in Vinci hauptsächlich, wie oben schon erwähnt, sehr alte Kirchen zu sehen und der Turm des Castellos bietet einen Blick über die wunderschöne Umgebung – ich war nicht oben, weil der Ausblick so schon schön genug ist. Aber es ist zu vernehmen, dass es ein Muss wäre, wenn man in Vinci ist, den Turm zu erklimmen.
Wieviel Schönheit empfängt das Herz durch die Augen! Leonardo da Vinci
Es gibt in etwa 600 verschiedene Nudelformen, wirklich gezählt wurden sie aber nie. Ein paar davon lassen sich in der Kochschule Cusina by Fracca erlernen und wer von euch das nächste Mal an den Gardasee fährt, dem lege ich jetzt einen Kochkurs für selbstgemachte Pasta in eben dieser kleinen Cusina in Lazise ans Herz. Ich bin zufällig auf der Webseite der Kochschule gelandet, als ich auf der Suche nach einer Aktivität am See war, die nicht zum Standardprogramm für Touristen gehört. Es werden zwei Kurse bei Fracca angeboten: „Gnocchi e Ravioli“ und „Orecchiette e Spaghetti alla Chitarra“. Dazu wird Wein des Weinguts Zeni verkostet, welches im Nachbarort Bardolino angesiedelt ist. Mein persönlicher Vino Bianco Tipp von Zeni ist übrigens der Garganega Veneto, die Garganega Traube ist hier in der Region Venezien beheimatet und eine sehr alte Rebsorte, die bereits vor gut 1000 Jahren die erste Erwähnung fand. Aber wir wollen nicht abschweifen.
Mich hätten mehr die Orecchiette interessiert, zeitlich haben die Gnocchi besser gepasst und letztendlich war es auch egal. Zudem liegt München ja glücklicherweise so nah an Italien, dass dem zweiten Kurs im Laufe des Jahres nichts im Weg stehen wird, obwohl man prinzipiell nie einen Grund braucht, um nach Italien zu fahren.
Den Kurs hab ich dann direkt und unkompliziert gebucht, das Abendessen zwei Tage später war damit auch geklärt. Und ich habe mich wirklich gefreut, in der Küche mal wieder etwas Neues zu lernen. Über die Zeit der geschlossenen Restaurants und ständig daheim Kochen und Essen habe ich in der Tat etwas meine Leidenschaft in der Küche verloren und an dem Abend hab ich dann doch wieder gemerkt, wieviel Spaß mir das eigentlich macht. Dazu bin ich ja ein Fan von einfachen Gerichten, die gut schmecken und schnell gehen und bei den Gnocchi kann man das wirklich sagen. Ravioli erfordern etwas Geduld. Einmal gemacht lassen sie sich dafür aber im Kühlschrank oder eingefroren für das nächste Essen umso schneller zubereiten.
Die Kochschule selbst ist schlicht und dadurch sehr schön eingerichtet. Die bunten Schalen bereits gefüllt mit den benötigten Zutaten in der richtigen Menge erwarten einen zusammen mit allerlei Handwerkszeug und vielen bunten Beispielen getrockneter Pasta in einem hellen großen Raum zusammen mit Ivan, dem Chef der Küche.
Die Cusina wird von den beiden Brüdern Ivan und Mirco geleitet, die bereits im Restaurant der Mama als Kinder die ersten Erfahrungen in der Küche gesammelt haben. Die beiden Brüder haben einige Jahre ein kleines Bistro und Take-Away etwas außerhalb vom Stadtkern in Bardolino geführt, weshalb die meisten Gäste dort Einheimische waren. Wie es manchmal so ist, war es aus verschiedenen Gründen Zeit für eine Veränderung und so kam die Idee mit der Kochschule, die im letzten Sommer eröffnet wurde. Zu finden ist diese perfekt gelegen direkt am Rande des historischen Zentrums von Lazise.
Und da es mich jetzt nach dem Kurs selbst interessiert hat, hab ich mich etwas schlau gemacht, ob die Pasta nun wirklich aus Italien kommt und wann Gnocchi und Ravioli ihren Einzug in die Küche gefunden haben.
Wie ein Griesnockerl zum gefeierten Gnocchi wurde
Römische Soldaten hatten den Köchen in Rom von köstlichen Nocken aus Mehl berichtet, welche sie auf ihren Reisen in den Nahen Osten gespeist hatten. Die römischen Köche nahmen die Herausforderung an und das Ergebnis waren die weitaus schmackhafteren Gnocchi alla Romana, Griesklöschen. Und da Italiener seit jeher eine Vorliebe für Genuss und La Dolce Vita haben haben die Köche bereits damals das Rezept nach und nach verfeinert, verschiedene Mehlsorten probiert und es gab bei im alten Rom wohl schon unzählige Varianten von Gnocchis.
Und nun müssen wir aber den Spaniern danken , die haben im 16. Jahrhundert erstmals die Kartoffel nach Europa gebracht. Die findigen italienischen Köche experimentierten dann sogleich mit Kartoffeln und Mehl und ein, zwei anderen Zutaten, die bis heute die regionalen Unterschiede bei Gnocchis ausmachen, und heraus kamen dann die inzwischen weltweit berühmten Nocken, wie sie bis heute noch hergestellt werden. Und wie sie in der Cusina by Fracca gelehrt werden. Es ist wirklich nicht mehr drin, als Mehl, etwas Ei und Kartoffeln. Aber natürlich kommt es auf die richtige Menge, die richtige Art von Kartoffeln und gutes Mehl an.
Man kann mit einfachen Zutaten die besten Gerichte kochen; meistens braucht es für das beste Essen gar nicht so viel – die wichtigste Zutat beim Kochen ist sowieso die Leidenschaft, also dass man es gerne macht. Was man gerne macht, gelingt immer besser.
Die Gnocchis wurden mit schlichter Tomatensauce, gutem Olivenöl und Parmesan serviert. Einfache, aber dafür qualitativ hochwertige Zutaten sind immer das Beste.
Und die Ravioli?
Die Erfindung der Ravioli lässt sich dagegen nicht so genau bestimmen; in jedem Fall geht die erste Erwähnung von Pasta in Italien aufs 12. Jahrhundert zurück – der Streit über die Erfindung der Pasta ist zwischen China und Italien immer noch nicht ganz ausgefochten; man hat allerdings 2005 in China einen Topf mit ca. 4000 Jahre alten Nudeln gefunden. Ravioli wurden wahrscheinlich um Fünfzehnhundert das erste Mal zubereitet und waren zuerst eine Art Resteessen; mit der Zeit wurden die Teigtaschen mit allerlei Zutaten und Gewürzen gefüllt, weshalb Ravioli eine exklusivere Speise wurden, bis Maggie sie dann in Dosen gepackt hat. Aber wer sowas isst, ist wirklich selbst schuld.
Unseren Kurs hat Ivan geleitet und nach seinen Anweisungen wurden die Ravioli zubereitet und in unterschiedlichste Formen gebracht, einfach um zu zeigen, was man damit alles machen kann. Der Teig für die leckeren Taschen (Ravioli sind nichts anderes als Teigtaschen) wurde bereits vor den Gnocchis vermischt und ausreichend lange geknetet, damit er noch in etwa eine halbe Stunde liegen konnte, bevor wir uns an die Pasta gemacht haben.
Ich hab natürlich den ganzen Teig dann direkt in die Maschine gepackt, anstatt aufzuteilen. Nicht, dass mir das ja direkt davor gezeigt worden wäre. Genauso wie beim Lesen von Rezepten merke ich mir beim zuschauen offensichtlich auch nur die Hälfte. Aber hey, am Ende standen hervorragende Ravioli in verschiedensten Formen auf dem Tisch. Und ich bin jetzt sowieso niemand, der Angst hat, dass in der Küche was nicht klappen könnte. Man muss sich an ein paar Regeln halten, so sollte das Verhältnis bestimmter Zutaten zueinander immer stimmen, aber beim Kochen hat man auch die Freiheit nach Gefühl zu agieren und es muss weder alles genau nach Rezept gemacht werden, noch sollte man sich in Optik verkünsteln. Viel wichtiger ist der Geschmack.
Die Ravioli wurden von Ivan nach und nach vorsichtig ins heiße Wasser gegeben und als sie fertig waren, kurz in zerlaufener Butter mit frischem Salbei in der Pfanne geschwenkt, bevor sie dem jeweiligen Schüler serviert worden sind.
Und jetzt sag mir bitte einer, ein Mittag oder Abend, den man so verbringen kann, wäre nicht besser, als die vollgestopfte Scalierburg in Sirmione? Ihr könnt euch bei mir für den Tipp bedanken, sobald ihr einen Kurs dort gemacht habt ❤️
Update vom 25. Mai 2023
Von kleinen Öhrchen und Gitarre spielen
Knapp einen Monat später kann ich den Beitrag um den zweiten Kurs bei der Cusina in Lazise ergänzen. Diesmal gab es Orecchiette e Spaghetti alla Chitarra und ich hab mich so auf den Kurs gefreut und es hat wieder total Spaß gemacht. Begonnen haben wir mit dem Teig für die Pasta, die quasi musikalisch zubereitet wird und ihren Ursprung in den Abruzzen hat. Da der Teig für die Spaghetti alla Chitarra etwas ruhen musste, haben wir direkt den Teig für die aus Apulien stammenden kleinen Öhrchen – Orecchiette – zubereitet.
Der Name alla Chitarra kommt von dem Kücheninstrument mit dem die Spaghetti zubereitet werden. Wie Gitarrenseiten werden hier sehr dünne Metallfäden auf ein Holzbrett mit zwei Stegen gespannt. Auf diese Metallfäden wird das Nudelblatt gelegt, dann übt man mit dem Nudelholz leichten Druck auf den Teig aus und dieser wird von den Seiten in Streifen geschnitten. Wenn man über die Seiten streicht, fallen die Nudeln im besten Fall unten durch.
Beide Teigarten waren eine kleine Herausforderung. Den Teig für die Spaghetti habe ich mit Kohlepulver schwarz eingefärbt und die Orecchiette sind mit Semola und nicht mit klassischem Mehl gemacht. Der Teig der Öhrchen war sehr widerspenstig, der schwarze Teig dagegen war sehr weich. Am Ende hat beides hervorragend geschmeckt.
Mir wurde gesagt, ich mache die Orecchiette wie eine Nonna aus Pulia. Ich nehme mal an, das war ein Kompliment 🙂
❤️
La vita è una combinazione di magia e pasta. Federico Fellini
Aus Richtung Istrien passiert man erst ein Industriegebiet, dann den riesigen Handelshafen, bevor man in die Stadt einfährt; dazu die Häuser dicht an dicht am Hang gedrängt und ich war wirklich überrascht, als ich gelesen habe, dass Triest nur knapp über 200.000 Einwohner hat.
Die ersten Stunden in Triest wusste ich nicht, wo ich zuerst hinschauen und somit auch hingehen sollte. Ich habe selten eine Stadt gesehen, die so viele unfassbar schöne und gut erhaltene alte Gebäude hat, wie diese Stadt. Die Architektur ist ein Mix aus wienerisch und venezianisch und das vom Feinsten; Triest ist wirklich ein Augenschmaus. Bei strahlend blauem Himmel sollte man unbedingt hoch auf das Castello di San Giusto und den Blick über das Meer, die Stadt und das Karst-Gebiet genießen.
Und wenn man abends am Hafen steht, den Sonnenuntergang über dem Meer ansieht und sich dann umdreht und auf die Piazza Unità d’Italia blickt, fehlen einem so kurzfristig die Worte von dieser Schönheit.
Venezianisch angehaucht sind nicht nur viele Gebäude in der Stadt, Triest hat auch seinen hauseigenen Canal Grande; spätestens da kann man fast behaupten, man hat einen Kurztrip nach Venedig gemacht (geht übrigens mit der Fähre vom Hafen aus).
Was macht die Stadt nun so besonders? 500 Jahre unter der Herrschaft der österreichisch-ungarischen Monarchie machte Triest zum Dreh- und Angelpunkt als Handelshafen, insbesondere nach Fernost und Afrika – und vorallem zum größten Umschlagplatz für Kaffeebohnen in ganz Europa. Irgendwoher mussten und müssen die Wiener Kaffeehäuser ja beliefert werden. Der Hafen von Triest ist ein Freihafen, also zollfrei, der einzige seiner Art in Europa. Dies wurde 1947 im Friedensvertrag festgelegt.
Triest wird nachgesagt, ein frühes New York gewesen zu sein; der Mix aus vielen Kulturen – was eine Hafenstadt aber wohl immer mit sich bringt. Dann das viele geschichtliche hin und her zu welchem Land Triest und seine Umgebung nun gehört – Italien, Slowenien, Österreich, ehemaliges Jugoslawien – „gewonnen“ hat am Ende Italien, als 1954 nach dem zweiten Weltkrieg das Karst-Gebiet neu aufgeteilt wurde. Viele der Menschen wachsen hier mindestens zweisprachig auf, mit Italienisch und Slowenisch, dazu können einige natürlich auch Deutsch. Wobei die italienische Sprache mehr in Triestino gesprochen wird, dem Dialekt der Stadt.
Und trotz alldem hat mich Triest am Ende nicht gecatcht. Der Triestino Dialekt klingt für mich etwas härter als das normale Ciao Bella Italienisch, welchen meine Ohren so gewohnt sind. Zudem kam nicht das Italien-Feeling auf, was ich irgendwie von der Stadt erwartet hatte. Die Stadt ist so an den Berg gequetscht und oft ist es so eng und so viele Einbahnstraßen und ständig Berg hoch … jetzt bin ich wirklich eine erprobte Autofahrerin in Italien, aber die Stadt hat mich ein paar Nerven gekostet. Und an Tag Eins hab ich auch schon gelernt, egal, was das Navi sagt, runter zum Hafen und Richtung Autobahn, wenn man aus der Stadt raus will. Sonst muss man über das Karstgebiet fahren und das heißt einfach Kilometer steil bergauf. Schön ist die Stadt trotzdem.
Piazza dell’Unità d’Italia
Den Namen trägt der Platz erst seit 1955, zuvor hatte er drei weitere Namen – davon hängen geblieben ist Piazza Grande, so wird er nach wie vor von den Einheimischen gerne genannt. Ab ca. 1750 lies Fürstin Maria Theresia von Österreich den Platz neu gestalten; Ende des 19. Jahrhunderts nahm er dann seine heutige Form an.
Palazzo del Municipio
Im Palazzo del Lloyd Triestino ist heute die regionale Regierung zu Hause, der Palazzo del Municipio beheimatet den Bürgermeister. Schauplatz eines Verbrechens war das Grand Hotel Duchi d’Aosta im Jahre 1768, Johann Joachim Winkelmann, Begründer der wissenschaftlichen Archäologie und Kunstgeschichte, wurde dort ermordet. Das Gebäude beherbergt bis heute prominente Gesichter, so zählten schon Königin Nūr von Jordanien, Bryan Adams und der berühmte berüchtigte Casanova zu den Gästen. In den weiteren Gebäuden befinden sich heute u.a. Restaurants, Cafes und ein Supermarkt.
Casa StrattiPalazzo del GovernoPalazzo del Lloyd Triestino
Der Platz bildet das Herz der Stadt, in der U-Form öffnet er sich zum Hafen und man hat in beide Richtungen einen herrlichen Blick.
Canal Grande
Wer venezianischen Flair schnuppern möchte, ist hier mehr als richtig. Der Kanal wurde ursprünglich angelegt, um die Schiffe für besseres be- und entladen in die Stadt zu lassen. Inzwischen wurde der Kanal neu angelegt, mit Brücken versehen und ist gesäumt von Cafés und Restaurants, die alle zum Verweilen einladen. Aber so richtig venezianisch ums Herz wird es einem erst mit den Täubchen und den Möwen, die einige Damen zum Kreischen bringen, wenn sie die zum Aperol Spritz gereichten Chips entwenden möchten.
Monumento a Maria TeresaWas will man mehr?Blick auf die Kirche Sant’Antonio NuovoBlick Richtung Meer
Der Hügel San Giusto
Auf dem Hügel San Giusto befindet sich das gleichnamige Castello, die gleichnamige Kathedrale und Überreste einer römischen Stadt aus dem ersten Jahrhundert.
Foro RomanoInnenhof Castello
Mit dem Bau des Castellos wurde bereits um 1471 begonnen, die Bauzeit betrug aber tatsächlich über 200 Jahre. Es wurde nie wirklich für militärische Zwecke verwendet, so entkam es auch jeglicher Beschädigung und wird heutzutage für Konzerte und kulturelle Veranstaltungen genutzt. Das interessanteste Gebäude seiner Art ist es sicherlich nicht, aber solche Bauwerke auf Hügeln und Bergen bringen ja immer Ausblick mit sich und schon allein deshalb ist es den Aufstieg wert. Wahlweise empfehle ich aber den Aufzug, der im gleichnamigen Parkhaus direkt auf den Berg fährt.
Hier sieht man auch nochmal die dichte Bebauung der Stadt.
Teatro Romano
Neben dem eben genannten Parkhaus liegt direkt das Teatro Romano. Es wurde vermutlich Ende des ersten Jahrhunderts n. Chr. erbaut, um 600 zerstört und es geriet unter der mittelalterlichen Stadtmauer und den Häusern, die im folgenden erbaut wurden, in Vergessenheit – und zwar über Jahrhunderte. Als man 1938 die Stadt an der Stelle umbauen wollte, kam dann das Teatro wieder zum Vorschein. Mussolini selbst gab den Befehl, dass Häuser abgerissen werden müssen, um das Teatro vollständig freizulegen. Im Juli findet hier jährlich das Teatro Romano Festival statt.
Castello di Miramare
Das an der Felsklippe gelegene Schloß Miramare hat seinen Namen wohl eindeutig von der Lage; Blick auf’s Meer. Fertiggestellt wurde es 1860 für Sisi’s Schwager, den Erzherzog Ferdinand Maximilian von Österreich und seiner belgischen Gattin, dem späteren Kaiserpaar von Mexiko. Die Krone von Mexiko hat er in eben diesem Schloß 1864 erhalten und wurde dafür nach mexikanischem Aufstand und Kriegsgericht 1867 in Mexiko hingerichtet. Das Castello wurde nach seinem Tod die Sommerresidenz für die Habsburger, so genoss dort auch Sisi mit ihrem Kaiser Franz Josef die italienische Sonne.
Zum Schloß gehört ein großer Park, hier legte Erzherzog Ferdinand großen Wert auf eine Vielzahl an Pflanzen und Bäumen aus aller Welt. Dafür ließ er sogar Erde aus seiner österreichischen Heimat anliefern. Vor dem Kaffeehaus im Park ist ein klassischer Garten im italienischen Stil angelegt, der sich über zwei ebenen erstreckt.
Villa Bottacin
Und an der Stelle findet nun auch meine Unterkunft eine kurze Erwähnung, die Villa Bottacin. Ich hatte nach der Geschichte der Villa gefragt, es wurde mir erzählt, dass Nicola Bottacin ein guter Freund von Erzherzog Ferdinand Maximilian war und in der Villa ca. 25 Jahre gelebt hat; das Grundstück um die Villa wurde mit der Zeit verkleinert, um Platz für Wohnhäuser zu schaffen. Die Villa war bis 2005 immer Wohnhaus von Privatpersonen; die heutige Besitzerin hat es dann zu einem Hotel umgestalten lassen. Nicola Bottacin ist später nach Padua umgezogen, dort kann man seine Kunstsammlung heute in einer Ausstellung besuchen.
Torrefazione La Triestina
In der Stadt des Kaffees muss man natürlich auch eine Kaffeerösterei besuchen. Große Kaffee-Namen der Stadt sind Illy und Hausbrandt. Es gibt kaum noch kleine Röstereien im Zentrum, da die Kaffeebohnen nicht mehr in der Zona Una, also dem Stadtzentrum, geröstet werden dürfen. Für Kaffeeröster unverständlich hab ich mir sagen lassen, wenn man da doch auch Pizza und Brot backen darf. Aber ich habe noch eine kleine Rösterei gefunden und zwar die Torrefazione La Triestina.
Matteo hat mich sehr nett empfangen und viel über die Geschichte des Hauses und Kaffee an sich erzählt. Die Rösterei wurde vor ca. zwölf Jahren von den heutigen Besitzern aufkauft, es war bis dato ein Familienunternehmen und wie es in Italien so ist, es ist auch ein Familienunternehmen geblieben. Nachdem die Stadt vor fünf Jahren beschlossen hat, dass man im Zentrum nicht mehr rösten darf, hat das viele der kleinen Röstereien vor ein großes Problem gestellt. Torrefazione La Triestina hat sich mit Hausbrandt zusammengetan. Die Bohnen werden am Montag morgen am Hafen frisch vom Schiff abgeholt und direkt geröstet. In der Hauptsaison röstet man zweimal die Woche. Matteo legt großen Wert darauf, dass die Kunden wissen, dass die Bohnen wirklich frisch geröstet sind.
Der Laden selbst ist ein charmanter bunter Mix aus allem, wie man es eigentlich kaum noch findet. Neben den ausgezeichneten Kaffeebohnen gibt sehr viele verschiedene Teesorten, die Leidenschaft von Matteos Mama, wie er mir erzählt hat. Dazu allerlei Süßes zum Verschenken oder selbst Essen und natürlich eine große Bar, um einen schnellen Espresso zu trinken. Und wenn der beste Freund vom feinsten Restaurant an der Piazza dell’Unità d’Italia einen Notfall hat, weil die Küche für ein Gericht dringend den besten Tee braucht, wird natürlich sofort ausgeholfen und man freut sich, wenn man sich kurz sieht. Sicherheitshalber wird aber bei der Mama nachgefragt, ob sie auch denkt, dass es der passende Tee für das Gericht ist. Familienbusiness eben.
Endlich hat uns der Trank von den Ufern des Orients erreicht. Kostet dieses Getränk mit großem Genuss, und euer Mahl wird eine wahre Freude sein bis zum Schluss. Papst Leo XIII
Jetzt am letzten spätnachmittag in Zagreb kann ich endlich sagen, ich mag die Stadt und es gefällt mir hier. Als ich am Sonntag Nachmittag ankam, hab ich mich so über mein schönes Apartment gefreut, dass ich erstmal etwas entspannt habe. Später bin ich noch in die Stadt, um mir einen ersten Eindruck zu verschaffen, und der erste Eindruck hat mich etwas überrascht. Die Stadt ist gefühlt im Müll versunken und es sind ein paar äußerst windschiefe Gestalten umhergewandert.
Am kommenden Tag haben sich ein paar Sachen mit dem Stadtrundgang aufgeklärt. Es war in der letzten Woche ein Lichterfest, weshalb sich an allen Ecken und Plätzen der Müll gestapelt hat und sämtliche Mülltonnen übergelaufen sind. Dann bin ich unwissend über den Marktplatz Tržnica Dolac (dem täglich stattfindenden Markt), der mit Überresten des Sonntagsmarktes noch übersät war, gegangen. Beruhigt hat mich dann zumindest, dass Zagreb eine sehr sichere Stadt ist, deren größten Probleme Korruption und Bestechung darstellen.
Erdbeben im März 2020
Ein weiterer Grund, weshalb die Stadt aktuell nicht so ordentlich aussieht: Zagreb wurde 2020 und 2021 von einem Erdbeben hart getroffen. Da damals das Covid-Thema die Medien beherrscht hat, ist das Erdbeben in der Berichterstattung untergegangen. Das erste Erdbeben war am 22. März 2020 und hat Zagreb wirklich stark mitgenommen, das Zweite im Folgejahr war etwas schwächer. Seitdem sind viele Kirchen und Museen geschlossen und in Gerüste gehüllt, da diese renoviert werden müssen und die Kosten für das kleine Land sehr hoch sind. Es ist sogar eine der Domspitzen heruntergefallen, die jetzt neben dem Dom steht und durch eine weniger schöne Spitze erstmal ersetzt wurde. Somit liegt auch der Staub der Bauarbeiten über der kroatischen Hauptstadt.
Die Stadt der zwei Hügel
Kroatien hat ca. 3,9 Millionen Einwohner, davon leben ca. 770.000 in Zagreb. Ursprünglich waren auf den zwei Hügeln von Zagreb zwei Siedlungen – Gardec und Kaptol – die eine weltlich, die andere kirchlich und beiden bilden zusammen die heutige Oberstadt Gornji Grad von Zagreb. Auf dem Kaptol befindet sich auch die wunderschöne Kathedrale von Zagreb, die das Erdbeben leider schwer erwischt hat.
Die Unterstadt Donji Grad liegt zu Füßen der beiden Hügel und von dieser hinweg hat sich die Stadt immer weiter ausgedehnt. Das Neubaugebiet (so neu ist es nun auch nicht mehr) wurde schlicht New Zagreb genannt und erstreckt sich am Horizont in Form von wirklich vielen Hochhäusern.
New Zagreb im HintergrundSouvenirs!
Little Vienna
Durch die Jahrhundertelange Besetzung durch das Kaiserreich Österreich-Ungarn findet man in Zagrebs Altstadt viele wunderschöne, nur leider renovierungsbedürftige Gebäude, die der Wiener Bauweise sehr gleichen. Es gab auch kroatische Architekten, die in Wien gearbeitet oder studiert haben. Man hat in der Stadt ganz bewusst, die Wiener Bauweise kopiert. Und ich liebe ja Wien, eben genau wegen diesen tollen Bauten.
Der Hauptplatz: Trg bana Josipa Jelačića
Das Herz der Stadt ist der Hauptplatz Trg bana Josipa Jelačića mit dem man dem Ban Josipa Jelačića die Ehre erweist. Er war der für Zagreb wichtigste Feldherr und Ban (für Kroatien soviel wie Vizekönig – Kroatien gehörte ja, wie oben erwähnt, dem Kaiserreich Österreich-Ungarn an) und er war somit der Herrscher über sein Banat Kroatien. Die Statue blickte auf die Ober-/Unterstadt, als sie errichtet wurde.
Mit dem zweiten Weltkrieg hatte man sie abgebaut und den Platz umbenannt, Jahrzehnte später wurde die Statue wieder aus einem Keller geholt, der Platz bekam seinen alten Namen zurück und Josipa stellte man mit umgekehrter Blickrichtung wieder auf, da die Stadt sich nun über einen viel größere Fläche erstreckt, als zu Zeiten des Ban. Damit er weiter über seine Stadt wachen kann, gab man ihm die neue Blickrichtung. Offensichtlich brauchen auch Statuen manchmal neue Blickwinkel.
Manduševac
Wie Zagreb zu seinem Namen kam
Auf dem Hauptplatz gibt es einen Brunnen, Manduševac, der bei Tauben sehr beliebt ist. Eben diesen Brunnen bzw. genau diese Quelle umringt eine Legende. Ein Tapferer Kämpfer kehrte ausgedurstet aus dem Kampf zurück. Da sah er das Mädchen Manda an der Quelle sitzen und rief diesem zu: „Manduša, zagrabi!“ Und Manda schöpfte und gab dem Helden Trinkwasser.
Mit der Uspinjača in die Gornji Grad
In Zagreb fährt die weltkürzeste Standseilbahn. In 64 Sekunden verbindet sie Oberstadt und Unterstadt. Der Erbauer der Standseilbahn (ich habe mit den Namen bei der Tour nicht gemerkt und Google gibt ihn leider nicht aus) wurde seitens der Stadt belächelt und diese meinte, die Einwohner könnten weiterhin die Treppe nehmen. Allerdings war dieser Herr unnachgiebig und hat sich an das Ende der Treppe gesetzt und Menschen gezählt, die den ganzen Tag da hoch und runter gehen. Die Stadt hat dem Bau 1891 zugestimmt.
Lotrščak-Turm: Punkt 12 Uhr
Die Standseilbahn hält direkt direkt beim Lotrščak-Turm. Eine Hauptattraktion um 12 Uhr mittags – hier wird täglich um diese Uhrzeit die Kanone abgefeuert. Dies ist in Gedenken an König Gradec, der Zagreb im Jahre 1242 zu einer freien königlichen Stadt machte. Wer auf dem Foto genau hinsieht, sieht den Rauch. Das knallt ganz schön, wenn man daneben steht.
Von dort passiert man dann das Museum der Gescheiterten Beziehungen (später mehr dazu), eine Nikola Tesla Gedenktafel am Kroatisches Museum für Naive Kunst, die wunderschöne St.-Markus-Kirche zwischen Regierungsgebäude und Parlament.
Nikola TeslaSankt Markus KircheDas Stein-Tor
Die Straße führt dann an der ältesten Apotheke Zagrebs vorbei durch das Stein-Tor, dem einzig erhaltenen Stadttor, dort geht es am 80er Jahre Museum vorbei in die Unterstadt zurück, über den Tržnica Dolac kommt man dann wieder beim Trg bana Josipa Jelačić heraus, dem Hauptplatz.
Barica
Die Statue an der Treppe zum Markt ist der Barica gewidmet. Sie steht als Sinnbild für die vielen Marktfrauen, die traditionell jeden Tag mit frischem Obst und Gemüse in die Stadt auf den Dolac gefahren sind und dort ihre Ware feil geboten haben. Leider sterben die Baricas nach und nach aus und selbst der Begriff für die Marktfrauen gerät langsam in Vergessenheit.
Die Parks von Zagreb
Zagreb hat 33 Parks, weshalb die Stadt auch gern als Grüne Stadt bezeichnet wird. Die schönsten davon erstrecken sich zu Fuße der Ober- und Unterstadt und bilden fast eine U-Form, wenn man alle abgehen möchte. Ich hatte mich auf die Parks zwischen Bahnhof und dem Hauptplatz beschränkt.
Der Tomislav Trg wurde dem ersten kroatischen König Tomislav gewidmet, flankiert von in voller Pracht blühenden Magnolienbäumen blickt dieser mit vollem Stolz zum Hauptbahnhof Glavni kolodvor und begrüßte 1925 schon die Gäste des Orient-Express und bis heute die höchsten Staatsmänner aus aller Herrenländer.
Zu seiner Rechten steht das wunderschöne Hotel Esplanade Zagreb aus der Belle Époque Ära. Das Hotel war die Party-Location der 1920er Jahre in Zagreb und Erzählungen besagen, dass für einen italienischen Grafen dort die erste Striptease Party des Landes stattfand. Hier reist auch Emmanuel Macron an, um wichtige Dokumente zu unterzeichnen; das letzte Mal im November 2021. Und vielleicht kommt er auch, um an einer der legendären Partys teilzunehmen, wer weiß das schon.
Hotel Esplanade ZagrebHotel Esplanade ZagrebGlavni kolodvor
Über den Park Josipa Jurja Strossmayera, einem einflussreichen Politiker gewidmet, geht es weiter zum Park Zrinjevac. Zu jedem Park gehört meistens auch immer ein wunderschönes Gebäude, welches heutzutage gern ein Museum ist. Die Mitte des Park Zrinjevac ziert allerdings ein wunderschöner Pavillon aus dem 19. Jahrhundert, welcher bereits zu dieser Zeit als Musikbühne gedient hat.
In den Frühlings- und Sommermonaten finden hier immer wieder Konzerte und Kulturveranstaltungen statt, bei denen die Menschen zusammenkommen. Am Ende des Parks steht eine Wetterstation von 1884 mit Uhr, welche bis heute exakt das Wetter voraussagt und von der man einige andere interessante Dinge ablesen kann, was viele Zagreber gerne und manche täglich machen. Dass die Uhr immer richtig geht, dafür sorgt einer der bekanntesten und ältesten Uhrmacher der Stadt, er kommt jeden morgen und zieht die Uhr nach. Der Ort ist deshalb auch ein beliebter Sendeplatz für die Wetteransage im kroatischen Fernsehen.
Das Museum der zerbrochenen Beziehungen
Wer es liebt in Museen zu gehen, dem wird in Zagreb sein Herz aufgehen. Es gibt für so gut wie alles ein Museum. Von Schwammerln über Zerbrochene Beziehungen zu Cannabis, den 80er Jahren und Kroatischer Geschichte. Ich hatte ja schon bei meinem Blog über Ljubljana geendet mit Erich Kästner und halte es auch weiterhin mit den Tavernen und nicht den Museen. Aber trotzdem ist es eine Erwähnung wert.
Die Ausstellung im Museum der zerbrochenen Beziehungen ändert sich immer wieder. Jeder, der hier gerne ein Teil davon werden möchte (Zusendungen aus aller Welt sind willkommen), kann aus einer gescheiterten Beziehung ein Erinnerungsstück dorthin senden mit seiner Geschichte und weshalb genau das Erinnerungsstück ein Sinnbild dieser Trennung ist. Wenn die Geschichte interessant genug ist, kommt das Stück als Exponat mit einem Ausschnitt aus dem Brief ins Museum.
Die Sonne und die Suche nach den anderen Planeten
Ziemlich zentral findet sich auf der Bogovićeva Ulica eine Bronzekugel genannt „Grounded Sun“ – die Sonne. Ein Werk des Bildhauers Ivan Kožarić, der Zagreb die Sonne vom Himmel geholt hat, um die Stadt in noch schönerem goldenen Licht glänzen zu lassen. Von 1971 bis 1994 stand die Sonne vor dem Nationaltheater, bevor sie an ihren jetzigen Standort kam.
Der Künstler Davor Preis hat das Werk im Jahr 2004, er hat im ganzen Stadtbezirk neun weitere Planeten angebracht – maßstabsgerecht. Entdeckt wurde der erste Planet in der Stadt dann erst 2006! Touristen, die seitdem von dieser Kunstinstallation wissen, laufen sich die Füße platt, weil sie die Größe der Planeten überschätzen.
Bei der Sightseeing Tour wurde uns die Venus am Trg bana Josipa Jelačića 3 gezeigt. Selbst davorstehend hat man kurz gebraucht, den Planeten auszumachen.
Von einer Weinprobe und wie man nach Bosnien kommt
Für ein Winetasting hatte ich mir die Vinoteka Bornstein empfehlen lassen. Ich bin am Spätnachmittag vorbeigegangen und wollte nachfragen, wann ein Tasting möglich ist. Und schneller als ich ja sagen konnte, saß ich mit Katie und Kelsey am Tisch. Beides zwei nette und reisefreudige Girls aus den USA, Kelsey mit kroatisch-bosnischen Wurzeln und auf Grund der Grenzöffnungen in Zagreb gelandet. Wir hatten ziemlich viel Spaß und es gab nach der normalen Verkostung noch zwei weitere Rotweine, dazu ausreichend Brot, Oliven, Olivenöl und Käse.
Es gab fünf Weine aus allen Regionen des Landes und ich empfinde die kroatischen Weine als zu säuerlich, egal, ob Rot oder Weiß. Nur der letzte Rotwein aus Istrien traf dann meinen Geschmack. Der war sehr vollmundig und erdig. Was wohl meine Vorliebe für mediterrane Weine bestätigt.
Und weil wir offensichtlich noch nicht genug gegessen und ausreichend betrunken waren, hat Kelsey vorgeschlagen, ins ca. 3km entfernte Bosnien mit der Tram zu reisen, damit wir auch einmal in diesem Land gewesen sind; in Form des Restaurants Sofra. Das Restaurant entsprach optisch und vom Service absolut meinen Vorstellungen von einem solchen landestypischen Restaurant. Ich mochte es trotzdem, es hatte seinen Charme. An dem Abend habe ich gelernt, dass man sich in Bosnien nicht gerne die Zunge verbrennt, weshalb das Essen sehr lau serviert wird. Ich bin dann doch eher für warmes Essen.
Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen. Johann Wolfang von Goethe ❤
Es war einmal ein Drache in alter Zeit, der lebte auf dem Berg hoch über einer Stadt und erfreute sich von Zeit zu Zeit am Genuss einer Jungfrau. Dem mutigen Georg wurde eine dieser jungen Frauen angeboten, sollte er den Drachen besiegen und die Stadt befreien. Georg, mehr an Heldentum als an Frauen interessiert, stellte sich dem Drachen. Aber der Drache war selbst nach dem dritten Stich mit dem Schwert nicht zu besiegen. Als Georg ihn aber dann zum vierten Mal traf, öffnete sich durch Zauberhand der Boden des Berges, der Drache fiel hinein und sogleich schloss sich der Boden auch wieder. Der Drache, aka Franz der Erste, ward nie mehr gesehen. Der Legende nach lebt er aber immer noch im Inneren des Berges, als Beschützer der Stadt; inzwischen auch alt und nicht mehr des Feuerspuckens mächtig. Um der Stadt von Zeit zu Zeit zu zeigen, dass er da ist und über seine Stadt wacht, hüllt er diese durch seinen Atem in Nebel. Als Dank für seinen Schutz bauten ihm zu Ehren die Einwohner die Drachenbrücke, die zum Wahrzeichen der Stadt wurde.
(Landes)Geschichtliche Exkursion
Die berühmte Drachenbrücke Zmajski most wurde zum 40. jährigen Thronjubiläum von Kaiser Franz Josef I errichtet, als Slowenien noch zum Kaiserreich Österreich gehörte. Napoleon hatte zu seiner Zeit versucht zu intervenieren, da ihm die Größe des österreichischen Kaiserreichs ein Dorn im Auge war. Er besetzte das Land, machte Ljubljana zur Hauptstadt, gab dem Land seine Identität und Sprache wieder, verlor aber am Ende gegen Österreich und zog von dannen. Da Napoleon in gewisser Weise dem Land seine Identität zurück gab, gibt es sogar ein Denkmal für ihn. Durch die lange Herrschaft des Habsburger Hauses beinhaltet die slowenische Sprache bis heute viele Wörter deutschen Ursprungs, so z.B. mit gleicher Bedeutung das bayrische Wort Lump.
Slowenien selbst ist sehr jung, wenn auch reich an Geschichte. Das heutige Territorium wurde erst mit dem zweiten Weltkrieg festgelegt. Das Land stand lange unter diversen Herrschaften anderer Nationen und war nach dem Tode Titos das erste Land, welches sich aus dem ehemaligem Jugoslawien nach einem Volksentscheid löste und eigenständig wurde. Ljubljana ist die kleinste Hauptstadt in Europa mit ca 280.000 Einwohnern, insgesamt hat Slowenien nur knapp über zwei Millionen Einwohner. Und eben dieses Territorium hat die Form eines Hühnchens und darauf komm ich später im Text nochmal zurück.
Die bezaubernde bunte Stadt
Nun bin ich nach ein paar Tagen in Ljubljana wirklich verliebt in diese Stadt und ihre Lebendigkeit. Ljubljana ist sehr jung, modern, bunt, lebhaft und übrigens auch sehr sauber. Die Stadt achtet sehr auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Ljubljana schafft es in meinen Augen mit Leichtigkeit, Historisches und die Moderne zu verbinden. Die 2010 erbaute Fleischerbrücke Mesarski most, die eigentlich schon vor 100 Jahren beim Bau der Markthalle geplant war, fügt sich wie selbstverständlich in das Stadtbild ein. Sie ist zum Symbol der Liebe in der Stadt geworden und es zieren sie inzwischen unzählige Vorhängeschlösser, deren Schlüssel auf dem Grund des Ljubljanica zu finden sind.
Šuštarski mostMesarski most
Die Stadt hat sich ihren eigenen Charme in den Gässchen der Fußgängerzone bewahrt – kleine individuelle Shops, Cafes und Restaurants, die sich in den alten Gassen und am Ljubljanica aneinander Reihen.
Die Burg, welche im 12. Jahrhundert auf dem Berg des Drachen errichtet wurde, dient heutzutage als Ort für kulturelle Veranstaltungen aller Art und man kann dort sogar Escape Room (bzw. in dem Fall Escape Castle) spielen. Das Sehenswerteste auf der Burg als Tourist ist definitiv der Ausblick vom Turm über die Stadt.
Blick über die StadtŠuštarski mostPrešernov trg
Der Fluss Ljubljanica, an dem sich soviel Leben abspielt, war zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg 30 Jahre lang trocken gelegt. Unvorstellbar, wenn man all das bunte Treiben im Herzen der Stadt gesehen hat. Um Hochwasser zu vermeiden, hatte man den Fluss bereits geteilt. Da dies aber nicht ausreichend war, hat man den Flussarm, der durchs Zentrum führt, trocken gelegt und angefangen, das Flussbett tiefer zu graben. Und dann kam der Krieg und die Arbeiten ruhten 30 Jahre lang.
Ljubljana rühmt sich nicht mit einem großen Kämpfer oder herausragenden Politiker, die bedeutenden Persönlichkeiten sind ein Poet und ein Architekt. Dem Poeten France Prešeren wurde auf dem Hauptplatz Prešernov trg ein Denkmal geschaffen, gegenüber der Kirche mit angeschlossenem Kloster. Da der gute Poet den Ladies nicht abgeneigt war, hat man ihm als Muse auch eine barbusige Frau hinzugefügt. Kirche und Stadt waren dann geteilter Meinung über die nackte Dame und da sich der Bürgermeister geweigert hat, die Statue umzubauen wurden für die keuschen Klosterbrüder Bäume als Sichtschutz gepflanzt.
Von diesem Platz aus geht auch die Dreifachbrücke Tromostovje über den Fluss. Da das Verkehrsaufkommen schon 1932 immer höher wurde hat man der breiten Hauptbrücke einfach links und rechts zwei Fußgängerbrücken hinzugefügt. Diese Brücke gehört heute zum UNESCO-Welterbe und ist inzwischen, wie die ganze Innenstadt, für den motorisierten Verkehr gesperrt.
Tromostovje
Und eben diese Brücke führt uns auch zum berühmten Architekten Jože Plečnik, welcher für diese Brücke und weitere Bauwerke in der Stadt, im Land, als auch in Wien und sogar für den Umbau der Prager Burg und Garten um 1925 verantwortlich ist. Plečniks Erkennungszeichen sind vorallem Säulen und Pyramiden. In Ljubljana hat er die Šuštarski most erschaffen und zum Erhalt des Eingangs der Jahrtausende alten römische Mauer eine Pyramide über den Durchgang gebaut. Der von ihm geschaffene zentrale Marktplatz Osrednja ljubljanska tržnica wurde ebenfalls in das UNESCO Welterbe aufgenommen.
Šuštarski mostOsrednja ljubljanska tržnica
Ljubljana by Night ❤
Einfach die Bilder anklicken, die muss man im Großformat gesehen haben.
Odprta Kuhna (Open Kitchen)
Zufälligerweise war an dem Freitag, als ich in der Stadt war, die Eröffnung des Open Kitchen Marktes in diesem Jahr. Eröffnung ist traditionell spätestens Ende März bzw. am ersten schönen Freitag des Jahres im März. Dieser Markt findet wöchentlich jeden Freitag bei schönem Wetter bis Ende Oktober statt. Restaurants und Bars aus Ljubljana und ganz Slowenien kommen hier zusammen, kochen „offen“ und jung und alt gehen dorthin. Ich hatte genau an dem Tag die Food & Wine Tour gebucht, weshalb ich mich auf dem Markt dann nur mit Wein und Prosecco vergnügt habe.
Pogačarjev trg
Der tägliche Markt auf dem Marktplatz Pogačarjev trg ist eine bunte Farbenpracht aus frischem Obst, Gemüse und Blumen. Schon allein deshalb ist er einen Besuch wert. Zudem bieten zumeist ältere Damen handgemachte Gestecke und Basteleien an.
Food & Wine Tour
Die Food & Wine Tour war zugleich eine Stadtführung mit der wunderbaren Jasmina. Vieles was ich oben schon berichtet habe, inklusive der Legende von Franz dem Ersten, stammt aus ihren Erzählungen.
Gestartet sind wir nach den ersten Geschichten zur Stadt in der Vinoteka Barigla, diese befindet sich in der Trubarjeva cesta. Der Strasse mit den wohl meisten Graffiti der Stadt, weshalb sie Touristen manchmal abschreckt. Untypischer Weise haben wir mit Rotwein gestartet, zu dem italienischer Rohschinken mit italienischem Käse gereicht wurde. Soviel zu landestypischem Essen. Aber ich mag ja italienischen Käse und Schinken.
Vinoteka BariglaHiša Pod GradomŠtruklji Vino & Ribe
Und hier kommen wir auch zum oben erwähnten Hühnchen zurück. In der Vioteka hat uns Jasmina die Form des Landes erklärt und ab dem Zeitpunkt alle Regionen in Chicken-Teilchen benannt. Der Rotwein kam aus dem Weinanbaugebiet Primorska an der adriatischen Küsten, also dem Chicken Butt, wie die beiden folgenden Weißweine auch, während der vierte Weißwein aus dem Chicken Head (Podravje) und der Rose aus dem Chicken Leg (Posavje) kam. Ohne die Chicken-Zuordnung hätte ich hier auch nichts mehr zuordnen können.
Im Hiša Pod Gradom gab es landestypische Knödel, Štruklji, die gern mit Ricotta gefüllt und süß, als auch herzhaft gegessen werden. Ich fand sie einfach nur salzig. Im Fischrestaurant gab es für mich Kartoffelsalat, meine Leidenschaft für Essbares aus dem Wasser hält sich sehr in Grenzen. Das vierte Restaurant Gujžina hat vor drei Jahren die Strategie geändert, da der Besitzer Vegetarier ist. Hier gibt es slowenische Küche in vegetarischer Form und für uns war das Jota eine Suppe mit Rüben und Zwiebeln und anstatt Schweinefleisch war Seitan enthalten, darüber kippt man dann Kürbiskernöl. Ja, kann man, muss man nicht essen, war jetzt eher wieder salzig bis geschmacksneutral.
Das Beste war die preisgekrönte Wurst in dem kleinen Lädchen Klobasarna; uns wurde die „Mädchenversion“ kredenzt, also ohne Stückchen. Mein Glück. Der gereichte Rose aus dem Chicken Leg Weinanbaugebiet war im ersten Moment sauer, aber der Geschmack hat sich mit dem Genuss der Wurst komplett gedreht. Den kleinen Imbissladen Klobasarna kann ich wirklich vorbehaltlos empfehlen. Als Abschluss des Abends gab es dann noch einen leckeren Mohn-Nuss-Kuchen hoch über den Dächern der Stadt im Cafe Nebotičnik, welches im ältesten Skyscraper (ein New Yorker würde darüber wohl lachen) von Ljubljana angesiedelt ist.
GujžinaJotaKlobasarna
Toren bereisen in fremden Ländern die Museen, Weise gehen in die Tavernen. Erich Kästner